Literaturliste Philosophie

Allgemeine Literaturliste Funkkolleg Philosophie

Diese Literatursammlung nennt zehn klassische Autoren und Texte der Philosophie (fünf historische und fünf moderne), die Philosophie-Interessierten als Einstieg und Grundlage für weitere Beschäftigung dienen können. Die Texte berühren Themen aus verschiedenen Bereichen der Philosophie – unter anderem der Ethik, Erkenntnistheorie und Philosophie des Geistes – und sind von überschaubarer Länge. Zu jedem Werk wird weiterführende oder vertiefende Literatur empfohlen.

 

Ergänzend werden Empfehlungen für allgemeine Einführungen in die Philosophie und ihre Teildisziplinen genannt, darüber hinaus für geeignete und erschwingliche Textsammlungen, Wörterbücher und philosophie-didaktische Einführungen.

Texte, die in elektronischer Fassung frei verfügbar sind (durch www markiert), können per Klick auf den Aufsatztitel direkt aufgerufen werden. Sonstige Verweise führen zu den Verlagsseiten zum jeweiligen Buch.

 

I. Historisch:

 

1. Platon: Phaidon www

Platonischer Dialog, in dem der wegen Volksaufhetzung zum Tode verurteilte Sokrates für die Unsterblichkeit der Seele (und damit auch für ihre Unabhängigkeit vom Körper) argumentiert – um seine Gesprächspartner davon zu überzeugen, dass sie seinen bevorstehenden Tod nicht betrauern müssen. (Im Dialog werden vier Argumente ausgiebig diskutiert; wer dieser komplexen Diskussion nicht durchweg zu folgen vermag, kann dennoch – etwa ab 107c – das Ende des Dialogs lesen, welches den Abschied von Sokrates beschreibt.)

Druckausgabe in: Platon. Sämtliche Werke, Band 2, hrsg. v. Ursula Wolf, Hamburg: Rowohlt 2004

Weiterführend:

 

2. Aristoteles: Nikomachische Ethik, übers. u. hrsg. v. Ursula Wolf, Hamburg: Rowohlt 2006, darin: 3. Buch, Abschnitte 1 – 6 (1109b – 1113b)

Im dritten Buch der Nikomachischen Ethik erläutert Aristoteles, unter welchen Bedingungen er eine Handlung als freiwillig zählt. Diskutiert werden insbesondere die Rolle von äußerem Zwang und Wissen um die Handlungsumstände sowie die Natur des Wollens. (Wer durch die empfohlenen Abschnitte auf den Geschmack gekommen ist, kann sich in den verbleibenden Ausführungen des dritten Buches darüber informieren, ob wir Aristoteles zufolge auch für unseren Charakter verantwortlich sind.)

Eine Online-Ausgabe des Textes gibt es bei Zeno.org www. Sie ist jedoch aufgrund der Qualität der Übersetzung nur zur ersten Orientierung zu empfehlen.

Weiterführend:

 

3. Descartes, René: Abhandlung über die Methode, richtig zu denken und Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen (insb. vierter Abschnittwww

Descartes entwickelt die Methode des radikalen Zweifels, die ihn schlussendlich zur Identifikation einer unbezweifelbaren Wahrheit führt: “Ich denke, also bin ich” (“cogito ergo sum”). Das denkende Subjekt bestimmt Descartes als eine “res cogitans”, eine denkende (im Unterschied zu einer physisch ausgedehnten) Substanz. Der Text ist eine zentrale historische Grundlage in der Erkenntnistheorie (Skeptizismus) und der Philosophie des Geistes (Substanzdualismus).

Weiterführend:

 

4. Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?www

In diesem berühmten und geschichtsträchtigen Text gibt Kant auf die titelgebende Frage eine einfache und prägnante Antwort: Aufklärung besteht im eigenständigen Gebrauch des Verstands. Der Aufsatz diskutiert darüber hinaus die Ursachen für das Ausbleiben von Aufklärung, Freiheit als eine ihrer wesentlichen Voraussetzungen sowie solche Formen der Einschränkung von Freiheit, die mit Aufklärung vereinbar sind.

Digitalisat der Originalpublikation beim Deutschen Textarchiv www

Weiterführend:

 

5. Nietzsche, Friedrich W.: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne www

Nietzsche charakterisiert einen relativistischen Begriff der Wahrheit, der auf der Annahme beruht, dass unsere Idee der Wahrheit (und allgemeiner unsere Sprache) nichts weiter als eine Art biologischer Lebensnotwendigkeit ist. Falls dies stimmt, sind Zuschreibungen von Wahrheit, jedenfalls im verbreiteten absoluten Sinne, unbegründet.

Weiterführend:

<Inhalt>

II. Modern:

 

1. Nagel, Thomas: “Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?” In: Bieri, Peter (Hg.): Analytische Philosophie des Geistes, Königstein: Beltz 2007

Der einflussreiche Aufsatz kreist um ein Gedankenexperiment, das anhand des Beispiels einer Fledermaus zeigen soll, dass es prinzipiell unmöglich ist nachzuvollziehen, wie es “für” ein bewusstseinsfähiges Lebewesen ist, dieses Lebewesen zu sein. Die Argumentation richtet sich gegen den sogenannten Reduktionismus, der besagt, dass geistige Phänomene vollständig auf physische Phänomene zurückführbar sind.

Weiterführend:

 

2. Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses, übers. v. Walter Seitter, Frankfurt: Fischer 1991

Foucault diskutiert sechs Faktoren, die (wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche) Diskurse strukturieren: Verbot, Vernunft/Wahnsinn und Wahrheit (als äußere Faktoren) sowie Kommentar, Autor und Disziplin (als innere Faktoren).

Weiterführend:

  • Konersmann, Ralf: “Der Philosoph mit der Maske. Michel Foucaults L’ordre du discours”, in: Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses, übers. v. Walter Seitter, Frankfurt 1991

 

3. Habermas, Jürgen: Politik, Kunst, Religion – Essays über zeitgenössische Philosophen, Stuttgart: Reclam 1989

Die sechs Essays für diesen Band hat Jürgen Habermas selbst ausgesucht, darunter zwei Buchrezensionen (über Bloch und Marcuse), zwei Nachrufe (auf Adorno und Arendt), sowie zwei Jubiläumsreden (über Benjamin und Scholem). Obwohl damit keine systematische Abhandlung zu Politik, Kunst und Religion vorliegt, erleichtert der essayistische Stil den Einstieg in das Denken von Habermas und einigen seiner philosophischen Vorgänger. Nachhaltig geprägt haben den sozialphilosophischen und öffentlichen Diskurs Habermas’ Werke Strukturwandel der Öffentlichkeit, Theorie des kommunikativen Handelns, sowie Faktizität und Geltung.

    Weiterführend:

 

4. Nussbaum, Martha C.: Nicht für den Profit! Warum Demokratie Bildung braucht, Überlingen: TibiaPress 2012

Nussbaum argumentiert dafür, dass Bildung auch in Zeiten einer gesellschaftlich dominanten Wirtschaft klassische kulturelle Werte verfolgen muss – wie etwa eine ausgeprägte Persönlichkeit und Kritikfähigkeit – weil Demokratie auf genau diese Eigenschaften angewiesen ist, um als politisches Modell überhaupt funktionieren zu können.

Weiterführend:

 

5. Arendt, Hannah: Denken ohne Geländer. Texte und Briefe, hrsg. v. Heidi Bohnet u. Klaus Stadler, München: Piper 2006

Das Buch präsentiert zahlreiche kurze Auszüge aus Aufsätzen und Büchern von Hannah Arendt und gibt damit einen Überblick über eine Reihe wichtiger Thesen aus ihrem Werk. Berührt werden Themen wie das Denken, die Politik, der Antisemitismus, das Handeln und im allgemeinen die Verfassung des Menschen.

Weiterführend:

<Inhalt>

III. Sammlungen klassischer Texte:

  1. Elberfeld, Rolf (Hg.): Was ist Philosophie – Programmatische Texte von Platon bis Derrida, Stuttgart: Reclam 2006
  2. Pfister, Jonas (Hg.): Klassische Texte der Philosophie – Ein Lesebuch, Stuttgart: Reclam 2011
  3. Martens, Ekkehard/Nordhofen, Eckhard/Siebert, Joachim (Hg.): Philosophische Meisterstücke I, Stuttgart: Reclam 1998
  4. Bertram, Georg W.: Philosophische Gedankenexperimente – Ein Lese- und Studienbuch, Stuttgart: Reclam 2012

<Inhalt>

IV. Einführende Literatur:

  1. Detel, Wolfgang (u. a.): Grundkurs Philosophie (7 Bände), Stuttgart: Reclam ab 2007 Kompakte, systematische und aktuelle Einführungen zu den philosophischen Kerndisziplinen: – Logik (Bd. 1) – Metaphysik und Naturphilosophie (Bd. 2) – Philosophie des Geistes und der Sprache (Bd. 3) – Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie (Bd. 4) – Philosophie des Sozialen (Bd. 5) – Politische Philosphie (Bd. 6) – Ethik (Bd. 7)
  2. Breitenstein, Peggy H./Rohbeck, Johannes (Hg.): Philosophie – Geschichte, Disziplinen, Kompetenzen, Stuttgart/Weimar: Metzler 2011 Einführende Darstellung, die neben einem Überblick über die Philosophiegeschichte die Disziplinen des Fachs differenziert präsentiert. Enthält auch ein Kapitel zur Fachdidaktik sowie zur Kompetenzorientierung im schulischen Unterricht.
  3. Röd, Wolfgang: Der Weg der Philosophie (2 Bände), München: Beck 2009 Überschaubarer Abriss der Philosophiegeschichte von der Frühantike bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.
  4. Schnädelbach, Herbert: Was Philosophen wissen und was man von ihnen lernen kann, München: Beck 2012 Einführung in die Philosophie basierend auf der These, dass Philosophen über bedeutendes, grundlegendes Wissen verfügen, das anderen wissenschaftlichen Disziplinen nicht zugänglich ist.

<Inhalt>

V. Enzyklopädien:

  1. Mittelstraß, Jürgen (Hg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie(Sonderausgabe, 4 Bände), Stuttgart: Metzler 2004 Gutes, breit angelegtes und vergleichsweise erschwingliches Wörterbuch für PhilosophInnen.
  2. Honderich, Ted (Hg.): The Oxford Companion to Philosophy, Oxford: Oxford University Press 2005 Gutes, kompaktes, günstiges Wörterbuch in englischer Sprache.
  3. Volpi, Franco (Hg.): Großes Werklexikon der Philosophie (2 Bände), Stuttgart: Kröner 1999 Artikel zu 827 Autoren und 1800 zentralen Werken der Philosophiegeschichte.
  4. Zalta, Edward N. (Hg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy Umfangreiche, frei zugängliche Sammlung von Übersichts- und Einführungsartikeln auf Forschungsniveau.

<Inhalt>

VI. Einführendes zur Fachdidaktik:

  1. Köck, Peter: Handbuch des Ethikunterrichts. Fachliche Grundlagen, Didaktik und Methodik, Beispiele und Materialien, Donauwörth: Auer 2002
  2. Pfeifer, Volker: Didaktik des Ethikunterrichts – Wie lässt sich Moral lehren und lernen?, Stuttgart: Kohlhammer 2003
  3. Pfister, Jonas: Fachdidaktik Philosophie, Bern/Stuttgart/Wien: UTB 2010