Zusatzmaterialien zur Folge 01

Philosophie – was geht uns das an?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zu den einzelnen Sendungsthemen als Zusatzmaterial. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

Folge 01 zum Nachhören und Herunterladen
Zusatzmaterialien als PDF zum Herunterladen

Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 3.11.2014 erstellt von:
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Zum Begriff der Philosophie
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Staunend fragen
– 2.2 Selber denken
– 2.3 Methodisch begründen
– 2.4 Gelingendes Leben
3. Personen
4. Didaktik

 

1. Perspektiven

_Banner_Perspektiven

Philosophie ist dazu da, dass man sich nicht dumm machen lässt.
Max Horkheimer

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet für jede Sendung Klärungen zentraler Begriffe und Ansätze sowie Hintergrundinformationen zur philosophischen Relevanz des Sendungsthemas an.

1.1 Zum Begriff der Philosophie

Bezug Manuskript: S. 4; Bezug Audio 02:30

Eine allgemeingültige Definition der Philosophie zu finden, gilt selbst als philosophische Herausforderung. Das griechische „philosophia“ bedeutet auf Deutsch „Liebe zur Weisheit“. Charakterisiert das philosophische Denken oft als konstruktive Auseinandersetzung mit fundamentalen Begriffen, Fragen und Perspektiven im Rahmen menschlicher Selbst- und Weltverständnisse.

Die Philosophie kann man negativ bestimmen, etwa als Reflexion über grundlegende Fragen, die aus der Perspektive anderer Wissenschaften oder Fachpraktiken normalerweise nicht gestellt werden; man kann sie positiv bestimmen, etwa als ein systematisches Nachdenken über unser Denken; man kann sie bestimmen über ihre grundlegenden Frageformen, etwa „Was bedeutet eigentlich ‚X‘?“ oder „Was meinen wir genau, wenn wir sagen ‚Y‘?“. Statt einer umfassenden Definition (über die sich die Philosophinnen und Philosophen bisher nicht einig geworden sind) kann es allerdings hilfreich sein, sich vor Augen zu führen, mit welchen Fragen und Themen sich Philosophinnen und Philosophen im Einzelnen beschäftigen.

Üblicherweise unterteilt man die Philosophie in zwei große Bereiche: Die theoretische und die praktische Philosophie. Das Unterscheidungskriterium bildet dabei die Frage, wie sehr sich die jeweiligen Beschäftigungsfelder mit dem tatsächlichen menschlichen Handeln auseinandersetzen. So umfasst die praktische Philosophie unter anderem die Ethik, die Moral-, Rechts-, Sozial- und die politische Philosophie. In der theoretischen Philosophie hingegen finden sich etwa Wissenschaftstheorie, Handlungstheorie, Erkenntnistheorie, Ontologie, Semantik sowie die Philosophie der Sprache und des Geistes. Drei Felder wiederum, die weniger leicht in die klassische Unterscheidung zwischen theoretischer und praktischer Philosophie einzuordnen sind, sind Logik, Ästhetik und die Frage nach Willensfreiheit und Verantwortung.

Spezifisch philosophische Fragestellungen machen deutlich, dass Philosophinnen und Philosophen nicht nur fragen, sondern stets hinterfragen, und dass sie dazu neigen, ihre Fragen sehr allgemein zu formulieren. Dabei geht es den Philosophinnen und Philosophen aber letztlich darum, mögliche Antworten plausibel zu machen, indem sie gute Gründe vorbringen, die für (oder gegen) eine bestimmte Antwort sprechen. Die Philosophie ist in diesem Sinne ganz wesentlich eine Praxis des Begründens, sei es von spezifisch theoretischen Ansichten oder auch von ganz alltäglichen Überzeugungen, die auf den ersten Blick völlig einleuchtend oder unbezweifelbar scheinen. Womit sich einzelne philosophische Disziplinen typischerweise beschäftigen, skizzieren die folgenden charakteristischen Fragen, die zwar keineswegs erschöpfend für die Bandbreite der modernen – geschweige denn der historischen – Philosophie sind, die aber einen guten ersten Überblick verschaffen.

Ethik (oder Moralphilosophie)
Wie sollten wir uns gegenüber anderen Menschen verhalten? Oder gegenüber anderen Lebewesen? Was heißt es, dass eine Handlung moralisch gut oder schlecht ist? Was sind moralische Werte, Rechte, Pflichten oder Tugenden?

Rechtsphilosophie
Nach welchen Prinzipien funktioniert unser (oder ein anderes) Rechtssystem? Woher bezieht es seine Geltung? In welchem Zusammenhang stehen rechtliche Pflichten und rechtliche Schuld mit ihren moralischen Gegenstücken?

Sozialphilosophie
Was ist eine Gesellschaft? Wie lassen sich gesellschaftliche Strukturen und Funktionen adäquat beschreiben? Unter welchen Bedingungen lässt sich von Gemeinwohl sprechen? Auf welcher Grundlage lassen sich gesellschaftliche Ordnungen kritisieren?

Politische Philosophie
Was ist Politik? Was ist eine politische Ordnung und welche gibt es? Was ist ein Staat? Wie können Staaten handeln? Wie sollten sie handeln? Welches ist das Verhältnis von Staat und Bürger, oder von Politischem und Privatem?

Wissenschaftstheorie
Wie funktioniert Wissenschaft? Was unterscheidet sie von bloßem Nachdenken oder Tüfteln? Produziert Wissenschaft Wissen? Wer legt die Standards fest? Was ist wissenschaftliche Redlichkeit?

Handlungstheorie
Was ist eine Handlung? Was unterscheidet sie von Reflexen oder bloßem Verhalten? Was macht einen Akteur (einen “Handelnden”) aus?

Erkenntnistheorie
Was heißt es, etwas zu wissen? Wie viel wissen wir eigentlich? Wann benötigen wir Gewissheit? Welche anderen Beziehungen zwischen unseren Überzeugungen und der Welt gibt es und wozu brauchen wir sie?

Ontologie
Was heißt es, wenn wir sagen „X existiert“? Existieren Zahlen? Oder Romanfiguren? Auf welche Existenzannahmen sind unsere wissenschaftlichen Theorien oder unser allgemeiner Sprachgebrauch angewiesen?  Gibt es mehr als das, was die Physik entdecken kann? Was gibt es überhaupt alles in der Welt?

Semantik (oder Bedeutungstheorie)
Was sind Gehalt und Referenz? Welche Dinge können Bedeutungen haben? Was bedeutet es, daß ein Satz oder ein Wort etwas bedeutet?

Sprachphilosophie
Was ist eine Sprache? Welche Eigenschaften hat unsere Sprache? Welche Eigenschaften haben alle Sprachen? Welche Probleme können wir verstehen oder lösen, indem wir unseren Sprachgebrauch betrachten? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Sprache und Denken?

Philosophie des Geistes
Was heißt es, ein (Selbst-)Bewusstsein auszubilden? Sind mentale Phänomene körperliche Prozesse – auch oder gar nur? Welche besonderen Eigenschaften haben diese Phänomene? Haben Personen immer einen Geist?

Logik
Was ist ein Argument? Welche Schlüsse darf man ziehen? Welche Form haben Aussagen? Wie kann man Aussagen kombinieren?

Ästhetik
Was heißt „schön“? Kann nur Schönes Kunst sein? Wie bedingen unsere Wahrnehmung oder unser Denken unsere ästhetischen Urteile? Sind manche Dinge einfach “Geschmackssache”?

Willensfreiheit und Verantwortung
Unter welchen Bedingungen ist ein Akteur für seine Handlungen verantwortlich? Erfordert Verantwortung Willensfreiheit? Verfügen wir über einen freien Willen? Können wir uns weiterhin gegenseitig loben oder tadeln, wenn unsere Handlungen als notwendige Produkte unserer Gehirnprozesse beschrieben werden können?

↑ nach oben

1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 23; Bezug Audio 25:00

Zur Philosophie im Internet
Achtung: „Philosophien“

Die Rede von der „persönlichen Philosophie“ oder auch der “Firmen-Philosophie” bezieht sich auf eine eigenständige Darlegung mehr oder weniger grundsätzlicher Anschauungen oder Festlegungen. Solche „Philosophien“ sind von der akademischen Philosophie zu unterscheiden, sofern keine begründete Positionierung oder keine systematische Auseinandersetzung mit bestehenden Perspektiven erkennbar ist. Anschauliche Beispiele für völlig freischwebende Geistesblitze, spekulative Weltformeln und andere philosophisch anmutende Offenbarungen, die jedoch mit Philosophie als Wissenschaft wenig gemein haben, bietet die Wikipedia-Sammlung der schönsten gelöschten Beiträge aus dem Bereich Philosophie: Was vom Denken übrigblieb.

Online-Portal
Portal Philosophie (Wikipedia)
Das Portal bietet einen Überblick über philosophiebezogene Themen in der deutschsprachigen Wikipedia. Es enthält Rubriken zu wichtigen PhilosophInnen, philosophischen Disziplinen und Strömungen, sowie durch Wikipedia-Leser ausgezeichnete Artikel. Da die Qualität der Wikipedia-Artikel stark schwankt, werden sie aus der universitären Ausbildung ausgeklammert – sie genügen jedoch oft für einen ersten Eindruck und können als Ausgangspunkt für die eigenständige Vertiefung dienen.

Online-Stellungnahme
Philosophisches Selbstverständnis (Thomas Grundmann)
Schwierig scheint die Bestimmung der Philosophie laut Grundmann unter anderem deshalb, weil sie ihre Methoden und Gegenstandsbereiche immer wieder reflektieren muss. Die Philosophie verfährt in diesem Sinne selbstreflexiv. Sie lässt sich deshalb nur unzureichend im Hinblick auf bestimmte Sachgebiete verstehen, wie dies „normale“ Einzelwissenschaften. Einen Einblick in das philosophische Selbstverständnis eines hauptberuflichen Philosophen erlaubt uns Thomas Grundman in seiner Stellungnahme mit einer kompakten Beantwortung folgender Fragen:

  • Was ist das Thema der Philosophie?
  • Gibt es eine philosophische Methode?
  • Wenn die Philosophie eine Wissenschaft ist, ist sie nur das?

Online-Dossier
Was ist Philosophie? (Swiss Portal for Philosophy)
Das umfangreiche Themendossier erläutert, womit sich die Philosophie befasst und welchen Nutzen die Anwendung ihrer Methoden hat. Die Audio-Lesung Teil 1 (24:20) analysiert die Frage „Was ist Philosophie?“ und erläutert philosophische Herangehensweisen an Fragen und Argumentationen. Das komplette Themendossier wird hier als PDF (36 S.) angeboten.

Online-Enzyklopädie
Stanford Encyclopedia of Philosophy (Stanford University)
Die Fülle an philosophischen Argumentationsweisen und Methoden – von der abduktiven Inferenz bis zum Zombie im Gedankenexperiment – erläutert diese erstklassige und online (auf Englisch) frei verfügbare Enzyklopädie. Ausgewiesene Experten präsentieren hier Übersichtsartikel zu aktuellen und historischen Debatten. Für EinsteigerInnen ist die Lektüre aufgrund der Komplexität mitunter zwar herausfordernd, aufgrund ihrer Qualität aber auch äußerst lohnenswert – und wenn auch nur, um einen Einblick in die Arbeitsergebnisse der akademischen Philosophie zu erhalten.

Online-Vorlesungs-Aufzeichnungen
Einführungen in die Philosophie
Einige persönliche und institutionelle YouTube-Kanäle bieten komplette Vorlesungs-Aufzeichnungen an. Meist vermittelt die erste Vorlesung einen guten Überblick über die allgemeine Thematik. Die gesamte Vorlesung kann der Vertiefung auf Universitätsniveau dienen, besonders dann, wenn die Vorlesungsfolien mit eingeblendet werden. Exemplarisch seien hier genannt:

  • Audio-Vorlesungs-Aufzeichnung (13 x ~1:30:00)
    Was ist Philosophie? (Prof. Maarten Hoenen) Die Vorlesung problematisiert die Frage nach der Bestimmung von Philosophie vor dem Hintergrund ihrer Geschichte und ist Teil des Podcast-Angebots der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

  • Video-Vorlesungs-Aufzeichnung (12 x ~1:30:00)
    Einführung in die theoretische Philosophie (Prof. Paul Hoyningen-Huene) In dieser Vorlesung (samt Folien) wird das Gebiet theoretischer Fragestellungen in der Philosophie abgesteckt. Gehalten wurde sie 2013/14 an der Leibniz Universität Hannover.

  • Video-Vorlesungs-Aufzeichnung (12 x ~1:30:00)
    Einführung in die praktische Philosophie (Prof. Dietmar Hübner) Grundlegende Begriffe, Bereiche und Ansätze der praktischen Philosophie behandelt diese Vorlesung, die 2013 an der Leibniz Universität Hannover gehalten wurde.

  • Video-Vorlesungs-Aufzeichnung (12 x ~1:30:00)
    Einführung in die Geschichte der Philosophie (Prof. Torsten Wilholt) Einen Überblick über die Entwicklung philosophischer Strömungen von Sokrates bis Leibniz bietet diese Vorlesung, gehalten 2013/14 an der Leibniz Universität Hannover.

Interaktive Lernmaterialien
Zur Geschichte der Philosophie

Auch wenn sich die Philosophie weiterhin in den klassischen Medien von Sprache und Text ausdrückt, findet man inzwischen einige interaktive Angebote zu philosophischen Themen – oft allerdings auf Englisch. Unsere Auswahl lädt zum Stöbern, Entdecken und Reflektieren ein:

  • Online-Quiz
    Wissenstest: Philosophie (Geo.de)
    Die Zeitschrift Geo präsentiert hier ein kurzweiliges philosophisches Quiz: Zu den richtigen Antworten findet man jeweils auch kurze Erläuterungen.

  • Online-Zeittafel
    Zeittafel zur Philosophiegeschichte (Wikipedia)
    Die Wikipedia-Zeittafel bietet eine umfassende Übersicht zu Lebensdaten, Philosophinnen und Philosophen, Strömungen und zentralen Ideen.

  • Online-Zeitstrahl
    PhilosophInnen Zeitstrahl (Philopedie Uni Potsdam)
    Auf diesem Zeitstrahl lassen sich die Lebensdaten einflussreicher Philosophinnen und Philosophen auf einen Blick vergleichen. Die Visualisierung wurde von Studierenden der Uni Potsdam realisiert und lässt sich einfach mit der Maus verschieben.

  • Interaktives Web-Based-Training (engl.)
    Felder der Philosophie (Wadsworth Verlag)
    Metaphysik, Erkenntnistheorie und Ethik – worin bestehen die Unterschiede und Bezüge zwischen diesen philosophischen Feldern? Wie verhält sich der erkenntnistheoretische Skeptizismus zum moralischen Absolutismus in der Ethik? Das Web-Based-Training bietet einen explorativen Zugang auf drei Niveaustufen. Zu jedem Feld und seinen Hauptströmungen können kurze Erklärungen und Bezüge per Klick angezeigt werden.

  • Interaktives Web-Based-Training (engl.)
    Zeitstrahl zur Philosophiegeschichte (Wadsworth Verlag)
    Auf diesem Zeitstrahl werden bedeutende Ereignisse und Personen angezeigt, zu denen jeweils per Klick genauere Erläuterungen aufgerufen werden können. Verglichen werden Gemeinsamkeiten und Differenzen großer Philosophen hinsichtlich Metaphysik, Erkenntnistheorie und Ethik. Auch Informationen zu welthistorischen Ereignissen, Kultur und Politik sind eingebunden.

  • Interaktive Daten-Visualisierung
    Personen und ihre Bezüge in der Geschichte der Philosophie
    Wer wurde durch wen beeinflusst? Den Netzwerk-Charakter der Philosophiegeschichte verdeutlicht diese visuelle Daten-Aufarbeitung. Sie entstand durch die automatische Auswertung der Wikipedia-Sektion „beeinflusst von“ (die – das ist zu beachten – allerdings bei vielen Persönlichkeiten längst nicht erschöpfend befüllt wurde). Bewegt man die Maus über einen Punkt (also eine Person), bringt man etwas Licht ins Wirrwarr der Bezüge.

↑ nach oben

2. Konzepte

_Banner_Konzepte

Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt,
ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen.
Platon

Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Ideen der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher.

2.1 Staunend fragen

Bezug Manuskript: S. 4, 12, 20; Bezug Audio 02:30, 10:30, 19:00

  • Ist der Mensch frei?
  • Was wissen wir?
  • Die Gesellschaft – gibt es so etwas überhaupt?
  • Können Maschinen denken?
  • Was ist Schönheit?
  • Müssen wir den Tod fürchten?
  • Wer bin ich?
  • Was ist Bewusstsein?
  • Gibt es ein Leben nach dem Tod?
  • Was soll ich tun?

Buch-Empfehlung
Denken. Die großen Fragen der Philosophie (Simon Blackburn)
Anhand zentraler Textstellen erläutert Blackburn das Denken bedeutender Philosophen wie Descartes, Hume, Kant und Wittgenstein. In der Einleitung wird zunächst gefragt, worüber wir eigentlich nachdenken müssen und worauf es dabei ankommt. Das
Inhaltsverzeichnis auf der Verlagsseite bietet einen Überblick über einige große Themen der Philosophie, die sich unter anderem in den obenstehenden Fragestellungen ausdrücken.

Zu Kants großen Fragen der Philosophie
Die Leitfragen des Funkkollegs Philosophie gehen zurück auf eine Fragetrias, die einst Immanuel Kant formulierte und die nach dessen Philosophie-Verständnis den Kern des philosophischen Fragens und Denkens ausmacht:

  1. Was kann ich wissen?
  2. Was soll ich tun?
  3. Was darf ich hoffen?

Frage 1 betrifft die menschliche Erkenntnis. Es soll geklärt werden, welche Dinge über die Welt der Mensch nicht nur vermuten, sondern mit Recht als gesichert annehmen darf. Hierzu ist es nach Kant nicht nur nötig zu schauen, was es in der Welt gibt. Es gilt auch zu überprüfen, welche Möglichkeiten und Beschränkungen uns unser „schauender“ – oder allgemeiner unser erkennender Apparat auferlegt. Nicht nur die Welt bestimmt, was unsere Vernunft über sie in Erfahrung bringen kann, sondern auch die Natur dieser Vernunft selbst.

Frage 2 zielt darauf ab, in welcher Weise der Mensch in der Welt handeln sollte. Gefragt ist hier nicht nach den Möglichkeiten des Handelns, sondern danach, welche Handlungen oder welche Formen des Handelns moralisch erlaubt oder gar geboten sind. Die Frage beantwortet Kant wiederum mit Verweis auf die Vernunft: Diese – und nur diese – ist es, die uns schlussendlich sagen kann, was zu tun richtig ist. Ihre Leitfrage ergibt sich dabei aus Kants berühmtem „kategorischen Imperativ“, der in etwa besagt, dass man nur nach Prinzipien handeln darf, die man sich auch als allgemeines Gesetz vorstellen kann.

Frage 3 schließlich betrifft eine Konsequenz, die sich für Kant aus der Beantwortung von Frage eins und der Notwendigkeit von Frage zwei ergibt: Denn nicht alles, was ich wissen müsste, um angemessen zu handeln, kann ich auch tatsächlich wissen. Daher muss die Vernunft sogenannte „praktische Postulate“ annehmen, etwa über die Freiheit des Menschen oder die Existenz Gottes. Diese sind schlichtweg notwendige Voraussetzungen dafür, überhaupt handeln zu können, auch wenn wir ihre Wahrheit aufgrund der Natur unserer Vernunft nicht mit Sicherheit annehmen können.

Aus den Antworten auf die drei Fragen ergibt sich für Kant die Antwort auf eine weitere Frage, die die drei genannten umfasst, nämlich: “Was ist der Mensch?”

Stellenangaben zu Kants Fragetrias sowie weiterführende Literatur zu Kant bietet ein Autorenporträt auf gavagai.de, den privaten Philosophie-Seiten von Herbert Huber.

Video-Gesprächs-Aufzeichnung (54:45)
Verstehen Sie Kant? (SRF Sternstunde Philosophie)
In diesem knapp einstündigen Gespräch erläutert Marcus Willaschek, wissenschaftlicher Berater des Funkkollegs, was es mit den drei Kantischen Fragen genau auf sich hat. Er legt dar, warum Kant auch für uns heute lebende Menschen aktuell und relevant ist – und warum man ihn nur bedingt als gedanklichen Paten für den Film „The Matrix“ anführen sollte. Die Aufzeichnung empfiehlt sich auch und gerade für Laien, um einen Überblick über Kant und sein Denken zu gewinnen.

Studien-Wiki-Artikel
Philosophische Fragestellungen
Philosophische Fragen lassen sich oft bestimmten philosophischen Teildisziplinen und ihren jeweiligen Gegenstandsbereichen zuordnen (der Ästhetik, der Bedeutungstheorie, der Moralphilosophie etc.). Es gibt jedoch auch spezifische philosophische Fragerichtungen (und entsprechende Antworten), die sich philosophieübergreifend immer wieder stellen, wenn man sich einem bestimmten Gegenstand nähert – etwa begriffliche, ontologische und erkenntnistheoretische Fragen.

Offene Online-Kurse (engl.)
Oxford Podcasts (University of Oxford)
Die Universität Oxford bietet mehrere offene Online-Kurse mit Podcasts zu öffentlichen Vorträgen sowie Experteninterviews und weitere Lernmaterialien an. Besonders hervorzuheben sind die Aufzeichnungen einiger aktueller John Locke Lectures, in denen seit 1950 hochkarätige Philosophinnen und Philosophen aktuelle philosophische Forschung präsentieren. Für Einsteiger mit Englischkenntnissen eignet sich auch der Kurs Critical Reasoning for Beginners von Marianne Talbot.

↑ nach oben

2.2 Selber denken

Bezug Manuskript: S. 13, 19; Bezug Audio 11:30, 18:00

Denn es ist nicht genug, einen guten Kopf zu haben;
die Hauptsache ist, ihn richtig anzuwenden.

Réne Descartes

Online-Konsistenz-Test (engl.)
Philosophical Health Check (Philosophy Experiments)
In dieser kurzen Prüfung mentaler Gesundheit brauchen Sie nur anzuklicken, ob Sie einer bestimmten moralischen Behauptung zustimmen oder ob sie sie eher ablehnen. Der Test wertet dann aus, inwiefern Sie unvereinbare (also inkonsistente) Überzeugungen unterhalten und stellt Sie vor die Wahl, welche Sie aufzugeben bereit sind. Die Überzeugungen selbst werden dabei nicht bewertet, sondern lediglich auf ihre Konsistenz überprüft. Dieser Test ist einer aus einer ganzen Reihe von automatischen Konsistenzprüfungen mit Feedback-Funktion der Philosophy Experiments.

Online-Text
Beantwortung der Frage: Was heißt Aufklärung? (Immanuel Kant)
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Kants Text gilt als Manifest der Aufklärung und ist neben vielen anderen seiner Texte über korpora.org online zugänglich.

Online-Portal (ZEIT für die Schule)
Einführung in die Philosophie der Aufklärung
Das Portal bietet kurze Einführungen zur Philosophie und zu Philosophen der Aufklärung in Form zugänglicher Artikel. Nicht nur laut Kant muss sich Aufklärung im philosophischen Sinne immer wieder neu konstituieren. Sie fordert, dass jeder Mensch bereit und fähig ist, Menschenbild und gesellschaftliche Verhältnisse zu reflektieren und gegebenenfalls zu kritisieren.

Online-Interview-Transkript
Philosophie in der Öffentlichkeit heute (Ekkehard Martens)
Philosophische Stellungnahmen und akademische Institutionen genügen nicht, um eine selbstkritische öffentliche Diskussion im Sinne der Aufklärung aufrechtzuerhalten. Dass “die Philosophie” in der Tradition Sokrates’ und Kants aber genau dies im Sinne hatte, daran erinnert der Philosoph Ekkehard Martens. Er fordert eine Betonung der Fähigkeit zum Philosophieren. Er betont die besondere Wichtigkeit kritischer und selbstkritischer Reflexion im Kontext bildungspolitischer Perspektiven.

Buch-Empfehlung
Selbstdenken! 20 Praktiken der Philosophie (Jens Soentgen)
In zwanzig Kapiteln erläutert Soentgen Methoden aus der Praxis des Philosophierens. Anhand einleuchtender Beispiele demonstriert er uns etwa das Kombinieren und Präzisieren sowie Argumentation, Demontage und Provokation. Das Buch präsentiert sich als Einführung in die Philosophie und richtet sich an jugendliche Leser ohne philosophische Vorbildung. Auch Erwachsene profitieren jedoch von der anschaulichen und klaren Darstellung. Wie schon der Titel verrät, soll der Band zum Selbstdenken anregen, was einigen Rezensionen zufolge auch gelingt. Die Lesefreude wird dabei durch Illustrationen von von Nadia Budde gesteigert.

↑ nach oben

2.3 Methodisch begründen

Bezug Manuskript: S. 7, 12, 15; Bezug Audio 05:00, 10:30, 12:00

Ich sitze mit einem Philosophen im Garten; er sagt zum wiederholten Male:
‚Ich weiß, dass das ein Baum ist‘, wobei er auf einen Baum in der Nähe zeigt.
Ein Dritter kommt daher und hört das, und ich sage ihm:
‚Dieser Mensch ist nicht verrückt: Wir philosophieren nur.‘
Ludwig Wittgenstein

Buch-Empfehlung
Werkzeuge des Philosophierens (Jonas Pfister)
„Worin besteht eigentlich die viel gelobte Kunst der Argumentation?“, fragt Jonas Pfister in diesem Band. Der Autor erläutert die mitunter komplizierte Angelegenheit verständlich und führt zur Veranschaulichung zahlreiche Beispiele ein. Zwei Schlusskapitel widmen sich dem Lesen philosophischer Texte sowie dem philosophischen Schreiben. Dabei werden verschiedene Verfahren der Texterschließung sowie methodische Hinweise zum Schreiben präsentiert, die insbesondere für die Unterrichtspraxis relevant sind.

Online-Dossier
Philosophische Herangehensweise (Swiss Portal for Philosophy)
Wann gilt eine philosophische Fragestellung eigentlich als befriedigend beantwortet? Welche Argumente sind aus welchen Gründen überzeugend und welche nicht? Die Kurzdarstellung erläutert, wie Texte mit eigenen Fragen konfrontiert, auf Konsistenz geprüft, Gegenbeispiele gesucht und Begriffe problematisiert werden. Denn philosophische Texte wollen nicht nur gelesen, sondern verstanden und analysiert werden.

Studien-Wiki-Artikel
Dialektisches Argumentieren (nach Jay F. Rosenberg)
Das Philosophieren bestimmt Rosenberg als eine Wissenschaft zweiter Ordnung, die sich mit den rationalen Verfahrensweisen und Begründungsstrukturen von Wissenschaften erster Ordnung auseinandersetzt. Durch ihre dialektische Methode begegnet sie – jenseits des philosophischen Staunens – Argumenten mit Gegenargumenten. Als Kritik kann sich dies sowohl auf die formale Struktur bestehender Argumentationen als auch auf deren Inhalt beziehen. Genaueres erläutert das Studien-Wiki des Instituts für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt.

Online-Material
Zur Sokratischen Methode
Der antike Philosoph Sokrates rüttelte die Mitbürger Athens auf, indem er sie in Gesprächen der eigenen Unwissenheit überführte. Sokrates wollte seinen Gesprächspartnern keine fertigen Erkenntnisse vermitteln; vielmehr bemühte er sich, ihnen dabei zu helfen, kraft eigener Denkanstrengung begründete Meinungen hervorzubringen. Seine Art des dialogischen Philosophierens verglich er mit der Hebammenkunst (“Mäeutik”): So, wie die Hebamme andere Frauen bei der Geburt unterstützt, unterstützt Sokrates Personen beim Erkenntnisprozess.

In Anlehnung an die antike Mäeutik entwickelte Leonard Nelson das (neo)-sokratische Gespräch. Nelson grenzte das sokratische Philosophieren von allen Formen dogmatischen Denkens ab und behauptete, dass jeder ernsthafte Philosophieunterricht im Anschluss an Sokrates darin bestehen müsse, Philosophieren und nicht Philosophie (historisches Wissen) zu lehren. Nelsons Schüler Gustav Heckmann entwickelte die Methode weiter. Über die Konzepte, Ansätze und Einsatzmöglichkeiten, wie etwa als Gesprächsform im philosophischen Unterricht, informieren folgende Links:

Buch-Empfehlungen zur Sokratischen Methode:

Audio Vorlesungs-Aufzeichnung (13 x 1:30:00)
Kontroversen in der Philosophie (Prof. Maarten Hoenen)
Prägen Begriffe unsere Wirklichkeit oder prägt die Wirklichkeit unsere Begriffe? Derartige philosophische Kontroversen sind das Thema der Vorlesung, die 2010/11 an der Uni Freiburg gehalten wurde. Obwohl sich in der Philosophie eine Reihe von analytischen, kritischen und konstruktiven Methoden etabliert hat, gehen die Diskussionen dennoch weiter – denn Methoden allein garantieren noch keine eindeutigen Antworten auf philosophische Fragen.

↑ nach oben

2.4 Gelingendes Leben

Bezug Manuskript: S. 10, 20, 22; Bezug Audio 04:00, 20:00, 23:30

Aber zu Philosophen werden wir nicht durch Philosophien […].
Nicht von den Philosophien, sondern von den Sachen
und Problemen muss der Antrieb zur Forschung ausgehen.
Edmund Husserl

Online-Artikel (ZEIT online)
Entscheidungen treffen – Was soll ich tun? (Ruth Chang)
Werden schwierige Entscheidungen durch mehr Information und sorgfältiges Abwägen irgendwann zu leichten Entscheidungen? Inwiefern führt gerade ein Übermaß an Optionen nicht zu Freiheit, sondern zu belastendem Stress? Die amerikanische Philosophin Ruth Chang behauptet: Egal wie lange man brütet, aus einer schwierigen Entscheidung wird selten plötzlich eine leichte. Wir sollten uns deshalb nicht dumm fühlen, wenn wir nicht gleich wissen, was die richtige Entscheidung ist. Changs Video-Vortrag How to Make Hard Choices (14:41, engl.) kann auf ted.com angesehen werden; ein Transkript dazu steht ebenfalls zur Verfügung.

Online-Kolumne (ZEIT magazin)
Wie wollen wir leben? (Peter Bieri)
Was bedeutet es eigentlich, über unser Leben selbst zu bestimmen? Bedeutet es ausschließlich, das persönliche Glück zu mehren und die eigene Würde zu verteidigen? Nicht selten verzichten wir allerdings freiwillig darauf, bestimmte Wünsche zu verwirklichen. Dieser Verzicht entspricht oft unserer wechselseitigen Erwartung, dass wir uns gelegentlich nicht durch die eigenen, sondern durch fremde Wünsche bestimmen lassen sollten. Wie wir leben möchten, betrifft laut Bieri deshalb letztlich die Frage, inwiefern wir zwischen persönlichen Wünschen und den Bedürfnissen unserer Mitmenschen vermitteln.

Online-Interview-Transkript (taz.de)
Gerechtigkeit ist ein Ideal (Martha Nussbaum)
Die Philosophin Martha Nussbaum hat sich zusammen mit dem Sozialökonom Amartya Sen nachdrücklich in den politischen Diskurs um Fragen globaler Gerechtigkeit eingemischt. Ihre Konzeption von menschenwürdigem Leben fußt auf zehn Befähigungen (engl. „capabilities“), die jeder Mensch ausprägen können sollte. Ihre politische Einflussnahme wird in verschiedenen Sendungen des Funkkollegs Philosophie noch genauer thematisiert. Als internationales Forum für entwicklungspolitische Fragen fungiert die von Sen und Nussbaum gegründete Human Development and Capability Association.

Video-Gesprächs-Aufzeichnung (1:27:59)
Philosophie einer humanen Bildung (Julian Nida-Rümelin)
Dem deutschen Bildungssystem fehle die kulturelle Leitidee, klagt der Philosoph Julian Nida-Rümelin bei einem Gespräch der Körber-Stiftung. In seinem Buch Philosophie einer humanen Bildung fordert er eine neue gesellschaftliche Diskussion darüber, was „Bildung“ eigentlich bedeuten soll. Neben aktuellen Entwicklungen in der Bildungspolitik und der Idee einer humanen Bildung wird in diesem Gespräch auch die Bedeutung der Philosophie für eine gesellschaftliche Neuorientierung thematisiert.

Offener Online-Kurs (engl., Yale University)
Philosophy and the Science of Human Nature
Kompletter Online-Kurs mit Prof. Tamar Gendler mit 26 Vortragsmitschnitten, Online-Transkripten und Leseempfehlungen. Der Kurs bezieht zentrale Texte westlicher Philosophie (beispielsweise von Platon, Aristoteles, Epiktet, Hobbes, Kant, Mill, Rawls und Nozick) auf aktuelle Befunde der Kognitionswissenschaften und verwandte Disziplinen. Strukturiert ist der Kurs entlang dreier miteinander verbundener Themengebiete: Zufriedenheit und Gedeihen, Moral und Gerechtigkeit sowie politische Legitimität und soziale Strukturen.

Interaktive Webseite
FUTURZWEI (gemeinnützige Stiftung)
Wissenschaftliche Erkenntnisse oder moralische Appelle allein, so die Stiftung Futurzwei, garantieren keine zukunftsfähige Kultur. Sie möchte aufzeigen, wie gesellschaftliche Veränderung möglich sein, Spaß machen und einen Gewinn an Lebensqualität bedeutet kann. Ihr “Zukunftsarchiv” sammelt reale Besipiele zukunftsfähiger Lebensstile und Wirtschaftsweisen. Der Mitbegründer Harald Welzer ist Professor für Transformationsdesign und forscht über gesellschaftliche Partizipationsprozesse vom Nationalsozialismus bis zum Klimawandel. Auf der Verlagsseite findet sich eine Leseprobe seiner letzten Veröffentlichung mit dem philosophischen Titel: Selbst Denken.

↑ nach oben

3. Personen

_Banner_Personen

Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

Interaktives Musik-Tool
Philobeat.de
Philobeat ist eine humoristisch-musikalische Präsentation großer Denkerinnen und Denker der Philosophie. 26 Philosophinnen und Philosophen wurden musikalische Statements in den Mund gelegt, die man im Browser arrangieren und als Musik-Schleife abspielen kann. Einfach die Porträts per Drag-and-Drop in die Mitte ziehen, auf Play drücken und aufnehmen – nur zum Vergnügen!

# Peter Bieri
Der 1944 in Bern geborene Philosoph und Literat Peter Bieri studierte neben Philosophie auch Klassische Philologie. Philosophie lehrte er an den Universitäten von Bielefeld, Marburg und Berlin (FU). Aktuelle philosophische Bücher von ihm sind: Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens (2001) und Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde (2013), für das der Autor 2014 den Tractatus-Essaypreis des Philosophicums Lech erhielt. Unter dem Pseudonym Pascal Mercier veröffentlichte Bieri Romane und Erzählungen. Am populärsten ist sein Roman Nachtzug nach Lissabon (2004), der inzwischen auch verfilmt wurde (Trailer; Rezension).

# Claudia Blöser
Claudia Blöser (geboren 1980) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Philosophie der Neuzeit an der Goethe-Universität Frankfurt und gehört dem wissenschaftlichen Beirat des Funkkollegs an. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift für Philosophische Literatur, einer begutachteten Open-Access-Zeitschrift für deutschsprachige Besprechungen internationaler philosophischer Fachliteratur. Ihre letzte Veröffentlichung ist Zurechnung bei Kant. Zum Zusammenhang von Person und Handlung in Kants praktischer Philosophie.

# Jürgen Habermas
Jürgen Habermas (geboren 1929) gehört zu den weltweit meist rezipierten Sozialphilosophen der Gegenwart, war Forschungsassistent bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno und ist inzwischen emeritiert. Anerkennung gewann er weit über die philosophische Fachwelt hinaus; seine diskurs-, handlungs- und rationalitätstheoretischen Arbeiten werden als Weiterführung der Kritischen Theorie diskutiert. Habermas erklärte die geltungsbezogene Kommunikation zum Kern gesellschaftlicher Entwicklungen, ihrer Forschung und ihrer Kritisierbarkeit. Einflussreich war neben vielen weiteren Veröffentlichungen schon Habermas’ Habilitationsschrift Strukturwandel der Öffentlichkeit (1962) sowie auch sein späteres zweibändiges Hauptwerk Die Theorie des kommunikativen Handelns (1981).

# Thomas Nagel
Thomas Nagel (geboren 1937) ist ein einflussreicher amerikanischer Philosoph, der Philosophie und Jura an der New York University lehrte. Seine Interessensgebiete reichen von der Erkenntnistheorie und der Philosophie des Geistes über die Ethik und die politische Philosophie bis hin zu allgemeinen Fragen über das gelungene Leben. Er ist bekannt für die Klarheit seiner Gedanken und die Zugänglichkeit seiner Werke. Sein Buch Was bedeutet das alles? gilt als eine der bekanntesten allgemeinen Einführungen in die großen philosophischen Fragen wie “Woher wissen wir etwas?”, ”Wie hängen Körper und Geist zusammen?”, “Was bedeuten Wörter?” und “Gibt es Willensfreiheit wirklich?”.

# Jens Soentgen
Jens Soentgen (geboren 1967) ist seit 2002 Geschäftsführer des Wissenschaftszentrums Umwelt der Universität Augsburg. Er ist außerdem als Fachautor für die FAZ tätig. Neben Philosophie studierte er Chemie. Sein in der Sendung erwähntes Buch heißt Selbstdenken – 20 Praktiken der Philosophie (2003) und wurde mehrfach wohlwollend rezensiert.

# Marcus Willaschek
Marcus Willaschek, der für die wissenschaftliche Betreuung des aktuellen Funkkollegs Philosophie verantwortlich ist, hat seit 2003 eine Professur für Philosophie der Neuzeit am Institut für Philosophie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne. Seit 2007 ist er außerdem Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Seine philosophischen Arbeitsschwerpunkte sind Kant, Erkenntnistheorie, Willensfreiheit und Verantwortung und Normativität. Aktuelle Buchveröffenlichungen sind Der mentale Zugang zur Welt und als Herausgeber Die Gegenwart des Pragmatismus.

# Ludwig Wittgenstein
Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) stammte aus Österreich und lehrte nach seiner Promotion von 1939 bis 1947 als Philosophieprofessor in Cambridge, wo er auch starb. Nach  Kriegsgefangenschaft veröffentlichte er 1922 den einflussreichen Tractatus Logico-Philosophicus, der mit dem berühmten Satz endet: “Wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.“ Das Buch war ein zentrales Ausgangswerk für die sprachkritische Neuorientierung der Philosophie (den sogenannten linguistic turn), die auch Wittgensteins Philosophische Untersuchungen (1953)  erneut befruchtete. Seine Schriften gelten bis heute als schwer zugänglich und sind Gegenstand zahlreicher widerstreitender Interpretationen. Sein Lehrer Bertrand Russell nannte die Begegnung mit Wittgenstein eines seiner aufregendsten intellektuellen Abenteuer.

↑ nach oben

4. Didaktik

_Banner_Didaktik

Die Jugend von heute liebt den Luxus,
hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität.
Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander
und tyrannisieren ihre Lehrer.

Sokrates

In der Rubrik „Didaktik“ finden Sie Bezüge zum philosophischen Unterricht sowie weiterführende Lehr- und Lernmaterialien. Die Beiträge sind selbstverständlich nicht nur Lehrkräften vorbehalten und laden zum Stöbern und Nachlesen ein.

3D-Modell zur Kritik der reinen Vernunft
Kant für die Hand (Hanno Depner)
Inwiefern lassen sich komplexe Zusammenhänge wie der Aufbau von Kants Kritik der reinen Vernunft sinnvoll veranschaulichen? Dem Philosophen Hanno Depner ist es gelungen, die Struktur des großen Werkes in einem dreidimensionalen Modell abzubilden. Mit der Idee, entsprechend vorgestanzte Bauteile “zum Basteln und Begreifen” zu veröffentlichen, gewann er 2011 den ersten Platz beim Science Slam Berlin.

Online-Stellungnahme
Zur Konzeption des Unterrichts (Ekkehard Martens)
Wie kann es gelingen, junge Menschen in ihrem eigenen Nachdenken über sich selbst und die Welt zu befördern? Laut Ekkehard Martens bedarf es dazu einer lebendigen, elementaren und methodisch klaren Philosophie, die sich unserer immer komplexer werdenden Welt gewachsen zeigt. Zwar gebe es eigentlich genügend Vorschläge zum Philosophieren mit Kindern – ob als Unterrichtsprinzip oder eigenes Fach –, die Vorschläge gelte es aber nun umzusetzen.

Online-Stellungnahme
Forum für Didaktik der Philosophie und Ethik (DGPhil e.V.)
In ihrer “Bonner Erklärung” plädiert die Deutsche Gesellschaft für Philosophie e. V. für eine Konsolidierung philosophischer Inhalte an Schulen, eine entsprechend praxisbezogene Aus- und Weiterbildung, sowie die Gleichstellung von Philosophie-, Ethik- und Religionsunterricht. Philosophisches Denken vermittelt lebenspraktisches Orientierungswissen, das sich auf das persönliche Leben, verschiedene Kulturen wie auch die Welt im Ganzen bezieht. Zu erwerbende Befähigungen umfassen neben der Text- und Urteilskompetenz soziale und interkulturelle Kompetenzen sowie interdisziplinär vermittelnde Methodenkompetenzen.

Online-Mindmap
Philosophie-Didaktik (Leonardo Quintero)
Diese privat erstellte Mindmap lädt zum Erkunden didaktischer Aspekte der philosophischen Unterrichts ein. Die einzelnen Zweige können über das “+” aufgeklappt werden, um eine Auswahl an Begriffen, Methoden und Zielen zu vergleichen.

Video-Gesprächs-Aufzeichnung (26:06)
Philosophie des Unterrichts (ARTE Philosophie)
Wie lassen sich Schulklassen zum gemeinsamen Denken anregen, ohne dass sie sich dabei langweilen? Oder bilden gerade Langeweile und Zerstreuung eine Voraussetzung für selbstständiges Nachdenken, wie von Schopenhauer behauptet? Carole Diamant, Philosophielehrerin in Paris, diskutiert mit Raphaël Enthoven Möglichkeiten und Herausforderungen des Unterrichts – darunter die Lehrerpersönlichkeit, die Improvisation und die visualisierende Vermittlung.

Offener Online-Kurs
COER13 (e-Teaching.org)
Dieser MOOC („Massive Open Online Course“) zu OERs („Open Educational Resources“) wurde 2013 durchgeführt, hält aber alle Ergebnisse in Form von Lehrvideos, Foren und Linksammlungen weiterhin bereit. Neben der Sammlung von unterrichtsrelevanten Materialien bietet der Kurs eine Einführung in die effiziente Internet-Recherche nach frei verfügbaren Unterrichtsmaterialien. Eine Übersicht zu allen Einheiten des Kurses finden Sie unter Programm.

Online-Portal, Unterrichts-Materialien
EduTags (Deutscher Bildungsserver)
Auf EduTags sammeln Lehrkräfte unterrichtsrelevante Webseiten, wobei diese durch das “Taggen” verschiedensten Rubriken zugeordnet werden. So entstehen unter einzelnen Stichwörtern ganze Sammlungen von Medieninhalten (etwa die von Lehrer Online), die außerdem kommentiert und thematisch weiter strukturiert werden können. Über die Tags und die Suchfunktion finden sich hier viele Materialien zu philosophischen Themen und angrenzenden Gebieten verlinkt.

Online-Portal, Unterrichts-Materialien
Einführung in die Philosophie (ZEIT Lernplattform)
Dieses Portal bietet eine frei verfügbare und wachsende Sammlung von Beiträgen zu verschiedenen philosophischen Themen, geeignet besonders für den Einsatz in Unterrichtskontexten. In verständlichen Worten und mit überschaubarer Länge werden Standpunkte herausragender Philosophinnen und Philosophen und Strömungen vorgestellt. Angeboten werden außerdem Übungs-, Bild- und Video-Material sowie jeweils Kommentarbereiche zur öffentlichen Diskussion der Themen.

Web-Based-Training
Schreibtrainer (Uni Duisburg-Essen)
Der Schreibtrainer vermittelt, wie man Schreibaufgaben grundsätzlich angehen und effizient zu Ende bringen kann. Fokussiert ist der Trainer auf wissenschaftliche Texte im Studium sowie Texte im beruflichen Umfeld zur Dokumentation bzw. außer- und innerbetrieblichen Kommunikation. Einen Einblick in den effizienten Verlauf von Schreibprozessen bieten zwei kurze Animationen.

Buch-Empfehlung
Texte zur Didaktik der Philosophie (hrsg. v. Kirsten Meyer)
Der Band widmet sich der Frage, inwiefern sich Menschen mit philosophischen Fragestellungen auseinandersetzen sollten und inwieweit sie von dieser Beschäftigung profitieren. Im ersten und zweiten Teil der Anthologie werden klassische und aktuelle Positionen zu diesem Thema präsentiert, z. B. von Platon, Aristoteles, Hegel, Nietzsche, Martens und anderen Im Schlussteil erläutern zeitgenössische Philosophen und Fachdidaktiker wie Tetens und Rohbeck, was man beim Philosophieren wie lernen kann. Hier geht es im engeren Sinne um philosophische Kompetenzen, etwa das schlüssige Argumentieren und dessen Vermittlung, sowie weitere spezifische methodische Elemente.

Buch-Empfehlung
Kant und Co. im Interview – Fiktive Gespräche (Jörg Peters, Bernd Rolf)
Geeignet als Einführungslektüre und besonders für den philosophischen Unterricht ist auch diese Textsammlung. Sie reagiert auf das Problem, dass Originaltexte der großen Denker oft lang und komplex sind. Hier erläutern klassische Philosophen in fiktiven Gesprächen schülergerecht, was es mit dem kategorischen Imperativ, dem Utilitarismus, dem Gesellschaftsvertrag, dem Höhlengleichnis und vielen anderen zentralen Ideen der Philosophiegeschichte auf sich hat. Als PDF bietet der Verlag einen Einblick ins Buch samt Leseprobe.

Buch-Empfehlung
Zur Methodenvermittlung
Die folgenden drei Bände widmen sich der Methodenvermittlung im philosophischen Unterricht. Die Links führen zu fachkundigen Rezensionen der Bücher.

“Nun ihr werdet zu dem, was ihr denkt
und schon kennt ihr das Geheimnis, wie ihr eure Zukunft lenkt.
Und wer erkennt dass, wenn die Schwingung nicht stimmt,
die Stimmung sinkt,
der beginnt zu erkennen, wie wir drauf sind und dass es nichts bringt
dieses Egospiel, denn alle ziehn Energie
und wollen viel zu viel und Geben ist Theorie.
Erst wer das Spiel durchschaut, hat es in der Hand und hört auf –
der andere setzt, verliert den Verstand und geht drauf”

Die Fantastischen Vier: „Thomas D und die Philosophie

↑ nach oben