Zusatzmaterialien zur Folge 24

Macht Philosophieren glücklich?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 18.5.2015 erstellt von:
Mirjam Batereau, Magdalena Küker,
Marko Pirovolakis, Schani Ritzinger (Studierende)
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs;
Leonie Randolf; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Was bedeutet Glück?
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Philosophie des Glücks
– 2.2 Glück und Leben
– 2.3 Glück in anderen Kulturen
3. Personen
4. Didaktik

Tagxedo - Folge 24

 

1. Perspektiven

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„Glück ist…“ Wer kennt sie nicht, die unzähligen Glückssymbole, Postkarten und Plakate. Glücksratgeber überschwemmen den Büchermarkt. Fernsehen, Radio, Internet und natürlich die Werbung versprechen uns unzählige Wege zum Glück. Religionen versprechen das Paradies und Dichter den Glück des Augenblicks. Glück ist ein riesiger Markt, eine Fundgrube innerhalb der kapitalistischen Konsumgesellschaft. Das angepriesene unendliche Wachstum verlässt das rein ökonomische Feld und erfasst die Privatheit. „Vervollkommnung“ und „Perfektionierung“ sind die Schlagworte: Wir sind Arbeiter ohne Feierabend, wir sind schön und sportlich, modisch auf dem neuesten Trend; wir sind perfekte Eltern, gute Köche, spannende Gastgeber. Und: Wir sind natürlich glücklich. Wer heute noch unglücklich ist, ist selber schuld.

Auch die Wissenschaft stellt sich dem Zwang zum Glück. Biologen erforschen Glückshormone, Neurologen das unglückliche Gehirn, wir betreiben Resilienzforschung, suchen nach Ursachen und Unterschieden im Stoffwechsel der Glücklichen und Unglücklichen. Auch in der Philosophie scheint es einen kleinen Boom der Philosophie des Glücks zu geben. Anerkannte Philosophen streiten um Theorien des Glücks. Sind sie einfach aufgesprungen auf den Zug des Glücks in unserer modernen Gesellschaft? Wollen sie nur mitreden und Bücher verkaufen? Immanuel Kant sah die Hingabe an das Glück höchst kritisch. Vor dem Streben nach Glück stand die Pflichterfüllung – eine Forderung, die in unsere moderne Zeit nicht zu passen scheint. Die modernen Philosophen möchten dem Glück einen legitimen Platz einräumen. Aber sie verkaufen ihre Ideen – wie wir sehen werden – nicht einfach auf dem Jahrmarkt der Glücksversprechen. Was also bedeutet Glück und wie können wir glücklich werden? Ist Glück überhaupt immer sinnvoll und wünschenswert? Diesen Fragen widmen sich die Zusatzmaterialien zur letzten Folge des Funkkollegs Philosophie. Auf der Suche nach einer Antwort beginnen wir mit einem Blick hinüber zur modernen Neurobiologie…

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte“.

1.1 Was bedeutet Glück?

Bezug Manuskript: S. 2; Bezug Audio: 00:25

Die meisten Menschen geben vor, für sich selbst auch,
dass sie glücklich sind. Weil nämlich, wenn man unglücklich
ist, dann ist man ein Misserfolg. So muss man also die
Maske des Glücklichseins tragen, denn sonst verliert man
den Kredit auf dem Markt, dann ist man ja kein normaler
Mensch, kein tüchtiger Mensch. Aber Sie müssen sich doch
nur die Menschen ansehen: wie hinter der Maske eine Unruhe,
Gereiztheit, Ärger, Depression, Schlaflosigkeit liegt.

Erich Fromm

Online-Video (3:55)
Glücksspuren im Gehirn (3sat)
Was passiert im Gehirn des Schoko-Junkies, wenn er Schokolade isst? Der kurze Fernsehbeitrag aus der 3sat-Sendung nano gibt Überblick über die „Messbarkeit des Glücks“. Neurobiologen (und Kardiologen) erforschen die Spuren des Glücks im Körper des Menschen. Auf anschauliche Weise erläutert der Neurobiologe Tobias Esch die neuronalen Vorgänge, die durch Glückssituationen ausgelöst werden, ohne dabei den subjektiven Erlebnischarakter der physikalischen Erklärbarkeit zu opfern. Am Ende kommt er zu einer überraschenden Erkenntnis: Neues zu lernen macht glücklich!

Online-Artikel  (University of Leicester)
Worldmap of Happiness (Adrian White)
In einem kurzen Artikel wird hier die Studie der University of Leicester über die glücklichsten Länder der Welt vorgestellt, inklusive Rangliste und Weltkarte. Die Daten stammen aus über 100 Studien mit mehr als 80.000 Teilnehmern weltweit und ist die erste ihrer Art.

Online-Portal
Zum Glück (ARD)
Diese Themenwoche der ARD beinhaltet unter anderem viele Interviews zum Thema Glück. Besonders aufschlussreich ist das Interview mit dem Psychologen Günter Scheich, der sich gegen die Annahme stellt, dass positives Denken zum Glück verhilft.

Online-Portal
Das Glücksarchiv (Karl Kreichgauer)
Was ist Glück, was macht uns glücklich, wie steigert man sein Glück? Das Glücksarchiv widmet sich mit vielen Texten, Artikeln, Ratgebern und Buchvorschlägen diesem großen Thema. Hier können gut verständliche Texte, ein Videoarchiv, Interviews und Unterrichtsmaterial gefunden werden, die einen breiten Überblick verschaffen. Weiterhin gibt es praktische Alltagshilfen und zahlreiche weiterführende Links, die dabei helfen, tiefer in das Themen einzusteigen.

Radiobeitrag (19:10)
Eine Spurensuche mit Hindernissen (Bayern 2)
Ist Glück letztlich eine Sache des Zufalls? Was können wir selbst zu unserem eigenen Glück beitragen? Von philosophiegeschichtlichen bis hin zu neurobiologischen Ansätzen behandelt dieser Radiobeitrag umfassend das Thema Glück und fragt dabei, was Glück eigentlich ist und wie man es erreichen kann.

Online-Video (4:43)
Resilienz – Gibt es ein Glücksgen? (3sat)
In den 90er-Jahren fanden Molekulargenetiker einen Erbfaktor, der für die Resilienzforschung von großem Erkenntniswert ist. Das Gen namens 5-HTTLPR beeinflusst im Gehirn den Serotonin- und Noradrenalin-Stoffwechsel und beeinflusst dadurch die Fähigkeit von Personen, traumatische Ereignisse zu verarbeiten. Der kurze Videobeitrag ist eingebettet in eine weiterführende Reihe zum Thema Resilienz des Philosophen und TV-Moderatoren Gert Scobel.

Online-Portal
Das Ministerium für Glück und Wohlbefinden (Gina Schöler)
In Bhutan gibt es eine staatliche Kommission für Glück – in Deutschland ist das „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ bisher nur ein interaktives Kunstprojekt. Hier kommen unterschiedliche Menschen zusammen, um kreativ die Realisierung eines gemeinsamen Wunsches zu erkämpfen: einen gesellschaftlich relevanten und offenen Diskurs zum Thema Glück und Wohlbefinden. Ein Kunstprojekt, das Spaß macht, Neugierde weckt und Gedanken anstößt.

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1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 2, 9, 14; Bezug Audio: 01:30, 12:10, 19:10

Du bist zu schnell gelaufen für dein Glück.
Nun, da du müde wirst und langsam gehst, holt es dich ein.

Friedrich Nietzsche

Online-Video (4:43)
Philosophisches Kopfkino: Glück (3sat)
In amüsantem Plauderton mit ansprechender Bebilderung führt uns das philosophische Kopfkino von 3sat diesmal durch eine kurze Zeitreise der Glücksüberlegungen. Stark vereinfacht, aber mit charmantem Augenzwinkern macht die kurze Filmcollage Lust auf tiefgründige Überlegungen zum Thema und erspart uns auch nicht einen kritischen Blick auf unsere materialistische Wohlstandsgesellschaft. Eine anschauliche Einführung ins Thema.

Online-Radiobeitrag (22:18)
Epikur (Bayern 2)
Epikur gilt als Begründer des hedonistischen Lebensprinzip, da er die Lust als höchstes Gut in den Mittelpunkt des menschlichen Lebens stellt. Doch was Epikur als Lust anerkennt, entspricht keineswegs der Maßlosigkeit eines egoistischen Glückssuchers, der auf Kosten anderer nur nach einem reinen Lustprinzip lebt – wie der Hedonismus in der Moderne gerne verstanden wird. Das Prinzip der Diesseitigkeit der Lust ist bei Epikur von großer Bedeutung; erreicht werden kann sie nur durch Regulierung der Bedürfnisse, im besten Fall durch den Zustand der „Ataraxie“ – der vollendeten Seelenruhe.

Online-Artikel
Eudaimonie (Wikipedia)
Der griechische Begriff der Eudaimonie ist in der antiken Philosophie, im Besonderen in der Ethik, zentraler Gegenstand des Denkens. Er bezeichnet die gelungene Lebensführung und wird gemeinhin als „Glück“ oder „Glückseligkeit“ übersetzt, wobei diese Übersezung in der Forschung umstritten bleibt. Der Wikipedia-Artikel gibt einen ausführlichen und anschaulichen Überblick über die Geschichte des Eudaimonie-Begriffs in der Philosophie von der Antike bis zur Neuzeit.

Online-Originaltext (Textlog)
Eudaimonie in der Nikomachischen Ethik (Aristoteles)
Eines der wichtigsten Werke der antiken Glücksphilosophie ist die Nikomachische Ethik des Aristoteles. Sie beschäftigt sich unter anderem eingehend mit der Eudaimonie und dem Erlangen derer als Ziel des Lebens. Aristoteles zufolge erreicht man die Eudaimonie, indem man äußere Güter (wie Freundschaften, Reichtum), körperliche Güter (wie Gesundheit oder Schönheit) und das vernünftige Denken miteinander kombiniert.

Online-Artikel
Die Lehre Kants von Pflicht und Glück (Georg Simmel)
Auf der Webseite des Soziologischen Instituts der Universität Zürich findet sich ein Artikel von Georg Simmel zu Kants Auffassungen über das Spannungsverhältnis von Pflicht und Glück. In dem Artikel werden unterschiedliche Glückswege beschrieben. Nach Kant entstehen Glück und Leid aus dem sich zufällig ergebenden Verhältnis zwischen den Bedürfnissen des Menschen und der Unberechenbarkeit seiner sozialen, physischen und seelischen Schicksale, die diese Bedürfnisse nicht immer befriedigen. Das sittliche Verhalten scheine dem Menschen jedoch weder logisch noch der Erfahrung nach Glück oder Leid zu garantieren.

Online-Artikel (PDF, 31 S.)
Nietzsche und das Glück (Helmut Walther)
Helmut Walther, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Jena, beschreibt in seinem Artikel die unterschiedlichen Glücks-Kategorien nach Nietzsche. Der Aufsatz behandelt Nietzsches Ausführungen zum Glück sehr differenziert und diskutiert unter anderem die Rolle der individuellen Entwicklung und den Zusammenhang von Glück und Philosophie. Für Nietzsche ist „die Glücksdefinition nicht das Streben nach Glück“, sondern das Glück ist als „Zufriedenheit zu definieren. […] Glück liegt in der bewegten Leidenschaft“.

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2. Konzepte

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Mit dem Glück ist es nicht anders als mit der Wahrheit:
Man hat es nicht, sondern ist darin. Ja, Glück ist nichts
anderes als das Umfangensein, Nachbild der Geborgenheit
in der Mutter. Darum aber kann kein Glücklicher je wissen,
daß er es ist. Um das Glück zu sehen, müßte er aus ihm
heraustreten: er wäre wie ein Geborener. Wer sagt, er sei
glücklich, lügt, indem er es beschwört, und sündigt so an
dem Glück. Treue hält ihm bloß, der spricht: ich war
glücklich. Das einzige Verhältnis zum Glück ist der Dank:
das macht dessen unvergleichliche Würde aus.

Theodor W. Adorno

Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Philosophie des Glücks

Bezug Manuskript: S. 4, 12; Bezug Audio: 03:45, 15:10

Wer glücklich ist, bedarf nicht der Bosheit.
Max Horkheimer

Online-Video (55:30)
Was ist Glück? (W. Genazino; SRF Sternstunde Philosophie)
Der Schriftsteller Wilhelm Genazino widmet sich in diesem philosophischen Gespräch Frage, was Glück überhaupt ist. Entgegen einigen anderen Autoren kritisiert er den seiner Meinung nach vorherrschenden Zwang zum Glück. Er fragt, ob es so etwas wie glückliche Menschen oder gar einen Schlüssel zum Glück überhaupt geben kann. Im Interview der Reihe Sternstunde Philosophie spricht er mit Juri Steiner über seine Beobachtungen zum Thema Glück und erklärt, warum es Tiere besser haben als der Mensch.

Online-Aufsatz (PDF, 15 S.)
Wege einer Philosophie des Glücks (Martin Seel)
Der Frankfurter Philosoph Martin Seel verteidigt in seinem Aufsatz die Notwendigkeit einer Philosophie des Glücks. Er plädiert für die notwendige Unterscheidung von episodischem und prozessualem Glück. Das prozessuale Glück ist kein Zustand, sondern entspricht einem Vollzug und verweist in der Philosophie auf den Begriff des gelingenden Lebens. Mit diesem Rückbezug auf Aristoteles, der das gelingende Leben mit einem Leben verbindet, das der Kardinaltugend der Gerechtigkeit entsprechend gestaltet wird, schließt sich der Kreis von einer Philosophie des Glücks zu einer Philosophie der Moral. Zusammen mit weiteren philosophischen Texten zum Glück findet sich Seels Aufsatz in Joachim Schummers Sammelband Glück und Ethik online als PDF.

Online-Artikel
Seels Paradoxie des Glücks (Information Philosophie)
Würde man ein glückliches Leben führen, wenn sich die eigenen Wünsche nach Belieben verwirklichen ließen? Könnte man sich  mich mit einer Art Glücksspritze in den Zustand reinen Glücks versetzen lassen? Der Frankfurter Philosoph Martin Seel argumentiert dagegen: Die Erfüllung des Wunsches nach Glück allein reicht ihm zufolge nicht aus. Denn eine ausschlaggebende Bedingung zum nachhaltigen Glücklich-Sein stelle das Verlangen nach der Erfüllung dieses Wunsches selbst dar. Der zugänglich geschriebene Artikel bietet damit einen kurzen Einblick in die Philosophie des Glücks.

Online-Essay
Philosophie des Glücks (Dieter Birnbacher)
Der Philosoph Dieter Birnbacher setzt sich in seinem Essay kritisch mit verschiedenen Philosophien des Glücks auseinander. In der Fachzeitschrift Information Philosophie veröffentlicht, richtet sich der Essay an ein philosophisch bewandertes Publikum. Birnbacher kritisiert zu Beginn Kants Glücksskeptizismus. Dennoch nimmt er Kants Hinweis auf den Subjektivismus von Glück so ernst, dass er alle positiven Glücksphilosophien auf diesen Kritikpunkt hin untersucht. In welcher Form ein Glücks-Objektivismus in der Philosophie möglich ist, lässt Birnbacher unbeantwortet, jedoch nicht ohne sich dafür stark zu machen, nach einem solchen zu forschen.

Online-Vorlesungsskript (PDF, 33 S.)
Philosophien des Glücks (Michael Hampe)
„Glück und Freude scheinen am Ende von Mittel-Zweck-Ketten zu stehen“, schreibt der Philosoph Michael Hampe in seinem gut verständlichen und dennoch vielschichtigen Vorlesungsskript „Philosophien des Glücks“. Die Frage „Warum willst Du glücklich sein?“ erscheint sinnlos, da nahezu jeder versteht, dass es ein Lebensziel ist, glücklich zu sein oder zu werden. Aber diese Erkenntnis hilft uns nicht weiter, wenn wir verstehen wollen, was Glück eigentlich ist. Unter Einbeziehung verschiedener philosophischen Überzeugungen zum Thema Glück setzt Michael Hampe das Glück in Beziehung zu einigen verwandten Begriffen wie „Freiheit“, „Zufall“ und „Kausalität“, „Moral“ und „Gesellschaft“. Im zweiten Teil der Vorlesung stellt er eine Chronologie der Glücksphilosophien dar, von der Antike bis in die Neuzeit.

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2.2 Glück und Leben

Bezug Manuskript: S. 5, 9; Bezug Audio: 06:25, 12:10

Die Stärke der Melancholiker ist ihre Sensibilität, ihr Gespür
für Sinn und dessen Fehlen; darin besteht ihr Geschenk an die
Gesellschaft. Die Schattenseiten des Glücks sind schon aus
diesem Grund nicht sinnlos: Erheblich früher als die Glücklichen
bemerken die Unglücklichen eine Gefahr, eine Fehlentwicklung,
ein Unrecht und eine Ungerechtigkeit. Eher als bei den Optimisten
findet sich Mitgefühl bei den Melancholikern:
Eine Ermutigung zum Unglücklichsein.
Wilhelm Schmid

Online-Video (56:28)
Philosophie als Therapie (M. Hampe; SRF Sternstunde Philosophie)
Michael Hampe, Philosoph und Autor des Buches Das vollkommene Leben, ist Gesprächspartner in dieser Sendung aus der Reihe Sternstunde Philosophie. Er erläutert anschaulich und auch für Nicht-Philosophen verständlich den Zusammenhang zwischen Philosophie und Glück, erklärt, in welcher Form Philosophie therapeutisch wirksam sein kann, warum die „Experten“ der Ratschläge-Literatur nicht die besten Wege weisen und scheut sich auch nicht, den möglicherweise größten Feind des Glücks zu benennen: den Vergleich.

Online-Artikel (Süddeutsche Zeitung)
Lernt, unglücklich zu sein! (Wilhelm Schmid)
Dieser Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung plädiert für die Wertschätzung des Unglücks. Er verweist auf die kreative Kraft des Unglücks und darauf, dass wir diesem einige der größten Leistungen der Menschheit zu verdanken haben.

Buchempfehlung
Unglücklich sein. Eine Ermutigung (Wilhelm Schmid)
In seinem Buch Unglücklich sein. Eine Ermutigung bricht der Philosoph Wilhelm Schmid eine Lanze für das Unglücklich-Sein als einem notwendigen Gegenpol zum allgemeinen Diktat des Glücks. Er versucht, vom Zwang zum Glück zu befreien, der diejenigen Menschen in der Gesellschaft zu Versagern macht, die die Fähigkeit, glücklich zu sein, nicht verwirklichen oder diese verlernt haben. Schmid legt seinen Fokus auf die prophetische und korrektive Haltung des Unglücklichen im Hinblick auf soziale Missstände innerhalb unserer Gesellschaft.

Buchempfehlung
Das vollkommende Leben (Michael Hampe)
Bei dtv ist Michael Hampes Buch Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück erschienen. Darin geht Hampe mit Hilfe von vier Geschichten, die sich an unterschiedlichen philosophischen Traditionen orientieren, der Frage nach, ob eine glückliche Existenz möglich ist und wie sie aussehen könnte. Das Buch wurden in den Artikeln „Was ist Glück?“ im Deutschlandradio Kultur und „Das vollkommene Leben“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung rezensiert.

Online Video (3:09)
Was ist eigentlich Existenzialismus? (3sat)
Dieses Video eignet sich besonders gut für einen leichten Einstieg in den Existenzialismus. Diskutiert werden mit Bezug auf die Natur des Glücks etwa Jean Paul Sartres „Sinnfrage nach dem Sein“ und Albert Camus‘ Beispiel des glücklichen Menschen „Sisyphos“. Das Video gehört der von 3sat ausgestrahlten Reihe Philosophisches Kopfkino, in der philosophische Themen kurz und knapp präsentiert werden.

Online-Lexikonartikel (engl.)
Existentialism (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
Der englischsprachige Artikel der SEP widmet sich dem Begriff des Existenzialismus. Er bietet sich für diejenigen an, die bereits ein gewisses philosophisches Verständnis mitbringen und ihr Wissen über den Existenzialismus erweitern möchten. Der Existenzialismus als philosophische Richtung geht auf den Philosophen Jean Paul Sartre zurück und beschäftigt sich mit der Frage des Seins. Sartres Grundsatz zufolge geht die Existenz einer Sache der Essenz dieser Sache voraus. Der Artikel deckt darüber hinaus angrenzende Bereiche wie Freiheit, Politik und zeitgenössische Interpretationen des Existenzialismus ab.

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2.3 Glück in anderen Kulturen

Bezug Manuskript: S. –; Bezug Audio: –

Online-Originaltext (Zeno)
Tao Te King (Laotse)
Das Tao Te King (auch „Dao de Jing“ oder „Dàodéjīng“) beschreibt eine Staatstheorie, die letzendlich darauf abziehlt, Harmonie im Inneren und dadurch Weltfrieden zu erreichen. Es hat maßgeblich den Konfuzianismus und den Buddhismus beeinflußt; seine Spuren sind bis heute noch zu sehen. Wer sich intensiver mit dem Taoismus beschäftigen will und sich nicht von über 2000 Jahre alten Texten abschrecken lässt, findet auf zeno.org das Hauptwerk dieser Philosophie, das von Laotse verfasst worden sein soll.

Online-Artikel (Deutschlandfunk)
100fach-Glück (Ingeborg Breuer)
In dieser Rezension wird das Buch Glück: The World Book of Happiness (hier eine Leseprobe) des belgischen Journalisten Leo Bormans vorgestellt. Es analysiert das Glücksverständnis verschiedener Länder auf rein empirischer Basis. 100 Wissenschaftler haben hierfür weltweit Forschungen angestellt, ohne übergeordnete philosophische oder religiöse Überlegungen miteinzubeziehen. Es wurden aber nicht nur persönliche Faktoren berücksichtigt, sondern auch größere kausale Zusammenhänge, die das persönliche Glücksempfinden maßgeblich beeinflussen.

Online-Video (engl., 20:54)
Matthieu Ricard über Glücksgewohnheiten (TED)
Dieser Vortrag von Matthieu Ricard – einem ehemaligen Biochemiker, der zum Buddhismus konvertiert ist – bietet in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln einen zugänglichen Einblick in das Glücksverständnis bestimmter Formen des Buddhismus. In diesem kurzen Video gelingt es Ricard, das Prinzip der „Glücksgewohnheiten“ so zu beleuchten, dass es auch für den konfessionslosen Zuschauer nachvollziehbar wird.

Online-Essay (engl., PDF, 20 S.)
Ancient Chinese Philosophical Advice (Zhang Guoqing, Ruut Veenhoven)
Kann uns antike chinesische Philosophie heute noch helfen? Dieser Frage geht der Online-Essay von Zhang Guoqing und Ruut Veenhoven nach. Sie stellen den Taoismus, den Buddhismus und den Konfuzianismus vor und erläutern Ursprünge und Kerngedanken. Was diese drei uralten fernöstlichen Philosophien ausmacht und wie sie uns heutzutage in unserem Alltag helfen, wird in dem Aufsatz diskutiert. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass der Konfuzianismus für uns immer noch der beste Ratgeber ist.

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# Aristoteles
Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) gilt als berühmtester Schüler Platons. Er ist neben seinem Lehrer und dessen Lehrer Sokrates der dritte Philosoph, der der Phase der klassischen griechischen Philosophie zuzuordnen ist. Von König Philipp 343/342 an den makedonischen Hof gerufen, wurde Aristoteles zum Erzieher des später berühmten Herrschers Alexander, den er drei Jahre lang unterrichtete. Aristoteles beschäftigte sich mit allen für die zeitgenössische Philosophie relevanten Fragen. Unter anderem verfasste er wesentliche Werke zur Logik, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Poetik und zur Staatstheorie. Aristoteles’ bekanntestes moralphilosophisches Werk ist die Nikomachische Ethik; die in diesem und anderen Werken entwickelte Ethik gehört zu den glücksethischen Konzeptionen – Aristoteles vertrat die Auffassung, dass das Endziel des menschlichen Strebens die Verwirklichung eines guten (glücklichen) Lebens sei. Dies Vorstellung steht auch in Verbindung mit den politischen Vorstellungen des Aristoteles. Denn ein gelungenes Leben war für ihn nur möglich, wenn ein Mensch seine Tugenden und Fähigkeiten im Sinne der politischen Gemeinschaft – der Polis – zur Geltung brachte. In diesem Sinn verstand Aristoteles den Menschen als „zoon politicon”: als ein politisches Wesen, das auf die Gemeinschaft angewiesen ist. Ein Leben gemäß der Tugend bzw. der Tüchtigkeit galt Aristoteles als die zentrale Voraussetzung, um glücklich zu sein. Er entfaltete ein komplexes System unterschiedlicher Tugenden, die dem Menschen zugeordnet werden können, wie Charakter- und Verstandestugenden. – In der Politik konzipierte Aristoteles als erster Philosoph eine Staatenlehre. Er unterschied sechs Staatsformen voneinander: drei positive, die das Wohlergehen (Glück) des Staatswesens befördern (Monarchie, Aristokratie und Politie), und drei, die als entartet eingestuft werden (Tyrannis, Oligarchie und Demokratie). Die Demokratie, als Herrschaft der vielen Armen und Freien, verurteilte Aristoteles, da sie den Wohlhabenden und Tüchtigen zum Nachteil gereiche.

# Epikur
Epikur (341 – 270 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph und Begründer des Epikureismus. Seine Lehre umfasst die klassischen Bereiche der Philosophie: Physik, Erkenntnislehre und Ethik. Seine Theorie der Physik ist durch den Atomismus gekennzeichnet, also die Annahme, dass sich die Natur aus kleinsten Teilchen zusammensetzt. Diese (nicht wahrnehmbaren) Atome bewegen sich auf natürliche Weise in senkrechtem Fall, wobei es durch selbstverursachte Abweichungen zu Atomverbindungen kommen kann. Die Grundlage von Epikurs Erkenntnislehre ist, dass empirisches Wissen, Empfindung und Wahrnehmung von Schmerz und Lust unfehlbare Kriterien sind. Durch den radikalen Materialismus erklärt sich auch seine Fokussierung auf das Diesseits: Laut Epikur existiert die Seele nicht im Jenseits weiter, Verweise auf Strafe oder Belohnung im Jenseits werden also irrelevant. Entsprechend sieht er die Angst vor dem Tod nur als Quell für Unlust und irrationale Begierden. Das glückliche Leben, welches ein Kernmotiv seiner Ethik ist, kann nur durch die Abwesenheit von physischem Schmerz und mentalen Belastungen hervorgebracht werden. Dieser Zustand wird Ataraxie (Seelenruhe) genannt und bildet das Ziel seiner hedonistischen Lehre. Die Philosophie dient, so Epikur, vor allem als Therapie, die die Seele „heilt“ und zur Ataraxie führt. Seine Lehren verbreitete Epikur nicht zuletzt in der „Kepos“ (dem „Garten“), wo er mit seinen Schülern und Anhängern lebte. In der Kepos wurden Menschen aus verschiedensten Schichten zusammengebracht – auch Frauen. Epikur legte einen sehr hohen Wert auf Freundschaft, die in der Kepos gefunden werden sollte. Er starb im Alter von ca. 70 Jahren. Sein Schaffen ist nur in Fragmenten, durch die Texte seiner Anhänger und Angaben von Cicero, Plinius dem Jüngeren und Seneca überliefert.

# Michel Foucault
Michel Foucault (1926 – 1984) war nicht nur ein bedeutender französischer Philosoph, sondern auch der Begründer der Diskursanalyse. Foucault studierte nach dem Krieg an der École Normale Supérieure Philosophie. Später lebte und arbeitete er in Schweden, Polen und Deutschland, bevor er schließlich für seine Promotion 1961 nach Frankreich zurückkehrte. In dieser thematisierte er die Geschichte des Wahnsinns und behauptete, dass der Unterschied zwischen Gesundheit und Wahnsinn nicht real, sondern nur ein soziales Konstrukt sei. Desweiteren wurde er durch seine diskursanalytischen Methoden in Bezug auf die Wissenschaftsgeschichte bekannt. Die Ästhetik ist für ihn eine Ästhetik der Existenz und beinhaltet die Forderung, das eigene Leben als ein Kunstwerk zu gestalten.

# Immanuel Kant
Immanuel Kant (1724 – 1804) gehört zu den prominentesten Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte. Er wurde am 22. April 1724 in Königsberg (heute Kaliningrad, Russland) als viertes von acht Kindern geboren. Während seiner Schulzeit erhielt er eine strenge religiöse Erziehung. Bereits mit sechzehn Jahren studierte er an der Königsberger Universität zahlreiche Fachgebiete, darunter Philosophie, Physik und Mathematik. Im Todesjahr seines Vaters (1746) unterbrach er das Studium und blieb bis zur Wiederaufnahme 1754 als Hauslehrer beschäftigt. Nach der Habilitation im Jahr 1755 erhielt er die Stelle eines Privatdozenten, u. a. für Logik, Metaphysik, Mechanik, Mathematik, Naturrecht, Pädagogik, Moralphilosophie und Theologie. Im Jahr 1770 wurde er nach einigen erfolglosen Bewerbungen auf den Königsberger Lehrstuhl für Logik und Metaphysik berufen. Fast sein ganzes Leben verbrachte Kant in seiner Heimatstadt, wo er am 12. Februar 1804 starb.
Zu Kants Hauptwerken zählen die Kritik der reinen VernunftKritik der praktischen VernunftKritik der Urteilskraft sowie die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. In seiner Kritik der reinen Vernunft untersucht Kant die Grundlagen menschlicher Erkenntnisfähigkeit. Zu der Frage, wie es überhaupt möglich sei, einen Gegenstand zu erkennen, formuliert Kant eine neuartige Antwort:  Nicht der Mensch habe sich nach den Gegenständen zu richten, sondern die Gegenstände seien dem Erkenntnisvermögen des Menschen unterworfen. Dabei setzt er im Bemühen, zu einer sicheren Erkenntnis zu gelangen, zunächst auf die Erfahrung. Eine reine, von aller Erfahrung unabhängige Erkenntnis (a priori) sei nicht möglich. Alle menschlichen Erfahrungen sind jedoch bestimmten Erkenntnisbedingungen unterworfen, denen Kant  in seiner Reflexion zu den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnissen nachgeht. So ist menschliche Erfahrung nur unter den Bedingungen von Raum und Zeit sowie nach der Maßgabe spezifischer Kategorien (Qualität, Quantität, Relation, Modalität) möglich. Diese Fundierung der menschlichen Erkenntnis im Erfahrungsbegriff mündet in die Destruktion der tradierten Gottesbeweise.

# Friedrich Schiller
Friedrich Schiller (1759 – 1805) gilt neben Goethe als der berühmteste deutsche Dichter. Auch als Philosoph und Historiker war Schiller tätig. In der Literatur beeinflusste er vor allem das deutsche Theater und die Lyrik. Seine bekanntesten Dramen sind u. a.: Die Räuber, Kabale und Liebe, Don Carlos, Infant von Spanien, Die Jungrau von Orleans, Maria Stuart und Wallenstein. Neben Goethe, Herder und Wieland ist Schiller einer der wichtigsten Repräsentanten der Weimarer Klassik. Bekannte Gedichte und Balladen, die ganze Schülergenerationen auswendig lernen mussten, sind: „An die Freude“, „Die Kraniche des Ibykus“, „Der Ring des Polykrates“, „Die Bürgschaft“ und „Das Lied von der Glocke“.
Im Rahmen seiner philosophischen Arbeit setzte Schiller sich intensiv mit Kant und dessen Konzept der Freiheit auseinander. Der Freund Goethes verfasste eine Reihe philosophischer Schriften, die sich u. a. mit Kunst und Ästhetik beschäftigten. In seinem Werk Über die ästhetische Erziehung des Menschen entfaltet Schiller den Gedanken, dass die künstlerische Tätigkeit und die Auseinandersetzung mit der Kunst dazu beitrage, den Geist des Menschen und seine Bildung zu vervollkommnen. Die Ganzschrift des Werkes ist online verfügbar. Wer mehr über Schillers Leben und Werk erfahren möchte, sei auf dieses informative Einführungsvideo verwiesen.

# Martin Seel
Martin Seel (* 1954) hat seit 2004 die Professur für Theoretische Philosophie am Institut für Philosophie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne. Er ist Gründungsmitglied des Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen („Normative Orders“) der Goethe-Universität und forscht in diesem Rahmen zu den folgenden Themen: Quellen moralischer Normativität, Rechtfertigungsnarrative: das Beispiel des gegenwärtigen Kinos und Gewalt und Gesetz im Kino. In seinem Buch Versuch über die Form des Glücks (1999) untersucht er, wie sich ein gutes Leben zu einem moralisch guten Leben verhält und kommt zu dem Schluss, dass die Begriffe des individuellen Guten und des moralisch Richtigen als voneinander abhängig verstanden werden müssen.

# Robert Spaemann
Robert Spaemann (* 1927) ist ein deutscher katholischer Philosoph, der sich intensiv mit Fragen der Tierethik auseinandersetzt. Er studierte Philosophie, Geschichte, Theologie und Romanistik an den Universitäten Münster, München und Paris. Er promovierte 1952 in Münster, war vier Jahre Lektor im Kohlhammer-Verlag, anschließend Assistent in Münster und habilitierte sich 1962 dort in Philosophie und Pädagogik. Aufgrund seiner christlichen Überzeugung, Gott habe Tiere dem Menschen als Untertan geschaffen, hält er den Verzehr von Fleisch für gerechtfertigt. Dies rechtfertige jedoch nicht den schlechten Umgang, welchen der Mensch heutzutage mit den so genannten Nutztieren pflege. Ähnlich dem Philosophen Immanuel Kant vertritt Spaemann die Ansicht, das Zufügen von Leid verrohe den Menschen. Nicht um der Tiere willen, sondern aufgrund der Vernunftfähigkeit des Menschen verbiete es sich, Tieren Leid zuzufügen. Massentierhaltung ist nach Spaemann moralisch verwerflich, denn diese fügt Tieren Leid zu.

# Michael Hampe
Michael Hampe (* 1961) absolvierte Studien der Philosophie, Psychologie und Germanistik an den Universitäten Heidelberg und Cambridge. 1997 erhielt er eine Professur für theoretische Philosophie an der Universität Gesamtschule Kassel. Seit 2003 ist er Professor für Philosophie im Department für Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften an der ETH Zürich. Zu seinen  Veröffentlichungen zählen neben dem oben besprochenen Buch Das vollkommene Leben der Band Die Lehren der Philosophie und der Aufsatz „Glück und Sinn“ (veröffentlicht in Glück: Ein interdisziplinäres Handbuch, besprochen von Herbert Huber auf gavagai.de).

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4. Didaktik

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4.1 Curriculare Bezüge

  • Im Kerncurriculum des Landes Hessen für das Fach Ethik wird das Thema Glück im Rahmen der Inhaltsfelder nicht explizit aufgeführt. Im Zusammenhang mit den Inhaltsfeldern „Selbst und Welt“ sowie „Freiheit und Würde“, die in den verschiedenen Jahrgangstufen Gegenstand des Unterrichts sein sollen, können jedoch vielfältige Aspekte des Themas Glück aufgegriffen werden (etwa: gutes Leben, Verhältnis von Pflicht und Neigung, Glück und Moral).
  • Der hessische Oberstufenlehrplan für das Fach Ethik, der allerdings zukünftig durch Bildungsstandards abgelöst werden soll, sieht für die Einführungsphase der Oberstufe E 1 das Thema „Glück – Eudaimonistische Begründungen verantwortlichen Handelns“ vor. Viele Aspekte, die im Rahmen dieses Teils der Funkkolleg-Zusatzmaterialien vorgestellt werden, sind für die Arbeit im Unterricht der Einführungsphase E 1 relevant (etwa: antike Glücksvorstellungen und Kants Auseinandersetzung mit glücksethischen Positionen).
  • Der hessische Oberstufenlehrplan für das Fach Philosophie greift das Thema Glück ebenfalls nicht explizit auf. Im Rahmen des Arbeitsschwerpunkts „Philosophische Anthropologie“, der im zweiten Halbjahr der Einführungsphase behandelt werden soll, lassen sich jedoch zahlreiche Bezüge zum Thema herstellen (etwa: anthropologische Voraussetzungen im Hinblick auf eine glückliche Lebensführung, Freiheit als Bedingung für ein glückliches Leben, Notwendigkeit der Beschränkung individueller Freiheiten).

4.2 Lern-Ressourcen

Unterrichtsmaterial (PDF, 87 S.)
Heft 1, Ethikunterricht in der 7. Jahrgangsstufe (Bildungserver Berlin-Brandenburg)
Der Bildungserver Berlin-Brandenburg stellt umfangreiche Unterrichtsmaterialien für den Ethik-Unterricht der siebten Jahrgangsstufe zur Verfügung. Es werden verschiedene Themen aufgegriffen: „Ich-Zeitreisen“, „In der Familie leben“, „Der Freunde Blick“ und „Glücklich sein“ (ab S. 48). Insbesondere werden Vorschläge für Unterrichtseinstiege zum Thema Glück erläutert, Anregungen für schülerorientierte Arbeitsaufträge (z.B. das Erstellen einer Wandzeitung mit Glücksfotos) vorgestellt sowie konkrete Materialien präsentiert (Glück bedeutet für mich…/Schülermeinungen; anregende Fotos, die als Impuls genutzt werden können; Texte (z.B. zur Psychologie des Glücks/Kästners „Märchen vom Glück“) u.a.m.

Online-Portal
Aktion Schulstunde – ARD Themenwoche „Zum Glück“ (RBB und ARD)
Zu einer Themenwoche, die sich mit dem Thema Glück auseinandergesetzt hat, werden ebenfalls vielfältige Materialien angeboten. Ein einführendes Video „Knietzsche und das Glück (Teil 1)“ beschäftigt sich mit unterschiedlichen Glücksmomenten, die Menschen erleben können. Es gibt eine „Galerie des geschenken Glücks“, die entsprechende schulische Mitmachaktionen dokumentiert hat. Vielfältige Arbeitsmaterialien, zumeist konkrete Arbeitsblätter werden als Download zur Verfügung gestellt, z.B. Trügerische Glückshelfer: Drogen und Sucht, Glück und Werbung, Umfrage: Glück im Laufe des Lebens, 10 goldene Glücksregeln u.a.m. Wenn man das Thema Glück im Unterricht der Sekundarstufe 1 behandeln möchte, lohnt sich das Stöbern!

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Glück (Planet Wissen)
Planet Wissen stellt vielfältige Materialien zum Thema Glück zur Verfügung, die insbesondere für die Einführung des Themas im schulischen Ethikunterricht in unterschiedlichen Jahrgangsstufen hilfreich sein können. Dazu finden interessierte Lehrkräfte verschiedene Videobeiträge zu dem vielschichtigen Thema Glück sowie weiterführende Links, etwa zur Resilienz, zu Bildergalerien u.a.m. Reporter Till befragt beispielsweise Passanten auf der Straße nach ihren Vorstellungen vom Glück (Videoclip). Es werden zudem knappe, einführende Texte u. a. zu den folgenden thematischen Aspekten angeboten:

  • Antike Glücksvorstellungen
  • Aktuelle Glücksforschung
  • Chemische Prozesse, die im Körper Glücksgefühle auslösen
  • Glück und spezifische genetische Voraussetzungen
  • Glückstraining fürs Gehirn

Unterrichtsmaterial
Philosophen zum Glück (Planet Schule)
Im Rahmen eines Videoclips, der auf der Plattform „Planet Schule“ zur Verfügung gestellt wird, beschäftigt sich der Philosoph und Journalist Richard David Precht mit dem philosophischen Thema Glück. Er stellt insbesondere Aristoteles glücksethische Konzeption vor und regt Schülerinnen und Schüler zu einer Auseinandersetzung damit an. Es werden zusätzliche Unterrichtsmateralien sowie konkrete Arbeitsblätter bereitgestellt, die sich für den Unterricht in der Sekundarstufe 1 eignen.

Buch- und Film-Empfehlung
Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück (François Lelord)
Der populäre Roman (hier eine Leseprobe) sowie der gleichnamige Film eignen sich für ein breites Publikum. Es wird die Geschichte von Hector erzählt, der als Psychiater den Problemen seiner Patienten aufrichtig und mit reger Anteilnahme begegnet. Obwohl er ein einfühlsamer und erfolgreicher Psychiater ist, gelingt es ihm häufig nicht, seine Patienten glücklich zu machen. Er begibt sich daher auf die Suche nach dem Glück und bereist dazu nahezu die ganze Welt. Es begegnen ihm unterschiedliche Glückskonzeptionen, mit denen er sich auseinandersetzt. Auszüge des Romans oder des Films können gut für die Einführung in das Thema Glück genutzt werden.

Fachdidaktische Beiträge (PDF, 66 S.)
Glück – Ein alltägliches Thema zwischen Religion, Esoterik,
Gesellschafts-, Naturwissenschaften und Philosophie
(Fachverband Philosophie NRW)
Ein ganzes Themenheft widmet der Fachverband Philosphie NRW dem Thema Glück und seinen vielfältigen Facetten. Namhafte deutsche Fachphilosophen und Vertreter der philosophischen Fachdidaktik setzen sich mit unterschiedlichen thematischen Aspekten auseinander. Ein Beitrag Birnbachers beschäftigt sich z.B. mit der Glückskonzeption des Utilitarismus. Engels berichtet von einem Projekt zum Thema Glück aus dem Bereich des Philosophierens mit Kindern. Draken geht der Frage nach, inwiefern Lelords Roman „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ (s.o.) für den philosophischen Unterricht geeignet ist u.a.m.

Gruppenarbeitskonzept (PDF, 28 S.)
Bruttoinlandsglück: Auf der Suche nach qualitativer Entwicklung (bpb)
Einen ansprechenden Projektvorschlag für eine schulische Gruppenarbeit, die mit Schülerinnen und Schülern im Alter von mindestens 16 Jahren durchgeführt werden kann, stellt die Bundeszentrale für politische Bildung vor. Das Konzept eignet sich insbesondere für den Unterricht in den Fächern Politik und Wirtschaft, sowie Ethik. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich eigenständig  mit dem Bruttoinlandsprodukt sowie alternativen Indikatoren (dem Happy Planet Index (HPI), dem Human Development Index (HDI), dem Gini-Index, dem Genuine Progress Index (GPI) sowie dem Big Mac Index (BMI)) beschäftigen und dabei der Frage nachgehen, wie innerhalb von Gesellschaften eine ökologisch sinnvolle und nachhaltig beglückende Entwicklung erreicht werden kann.

Online-Artikel (bpb)
Die Erlebnisgesellschaft – der kollektive Weg ins Glück? (Thomas Müller-Schneider)
Von der Bundeszentrale für politische Bildung wird ein aufschlussreicher Artikel zum Thema Glück vorgestellt, der für die Einführung des Themas in der Oberstufe genutzt werden kann. Zunächst wird darauf eingegangen, dass das Streben nach Glück einerseits spätestens seit Aristoteles als eine anthropologische Konstante angesehen wird, dass es anderseits aber die unterschiedlichsten Glückskonzeptionen gibt. Anschließend beschäftigt sich der Text mit dem erlebnisrationalen Glückskonzept, das „in den letzten Jahrzehnten in einem bislang völlig unbekannten Ausmaß in den Alltag vorgedrungen“ sein soll. Möglichkeiten der Glückssuche im Sinne dieses erlebnis-orientierten Glückskonzepts sowie dessen unterschiedliche Aspekte „Situationsmanagement, Körpergestaltung, Bewusstseinsmanipulation und Steigerungspolitik“ werden differenziert dargestellt und kritisch beleuchtet.

Online-Artikel (PDF, 4 S.)
Sisyphos: Ist das Leben es wert, gelebt zu werden? (Peter Schmieder)
Dieser Artikel richtet sich vor allem an Lehrerinnen und Lehrer, die sich mit der philosophischen Frage nach dem Sinn des Lebens im Rahmen des Oberstufenunterrichts beschäftigen wollen. Albert Camus zufolge geht diese Frage allen anderen philosophischen Fragestellungen voraus. Alle Menschen wissen, dass auf sie der Tod wartet, dennoch nehmen sie sich und ihre alltäglichen Belange sehr ernst, gehen zumeist engagiert ihren jeweiligen Verpflichtungen nach und versuchen, ihrem Leben einen Sinn zu geben. Der Text setzt sich damit auseinander, dass Camus in seinem Essay Der Mythos des Sisyphos das menschliche Leben als eine „hoffnungslose Absurdität“ ohne jeglichen Sinn beschreibt.

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