Zusatzmaterialien zur Folge 22

Gleichmacherei – was ist gerecht?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 4.5.2015 erstellt von:
Svenja Schmidt, Trang Nguyen, Nico Röhrig (Studierende)
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs;
Leonie Randolf; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Was heißt Gerechtigkeit?
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Gerechtigkeit und Gleichheit
– 2.2 Gleichmacherei
– 2.3 Globale Gerechtigkeit
– 2.4 Inklusion
– 2.5 Geschlechtergerechtigkeit
3. Personen
4. Didaktik

Tagxedo Folge 22

1. Perspektiven

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Die 22. Folge des Funkkollegs beschäftigt sich mit Gerechtigkeit, Gleichheit und Gleichmacherei. Wir Menschen haben ein intuitives Verständnis dafür, was wir gerecht oder ungerecht finden. In vielen Zusammenhängen empfinden wir beispielsweise eine gleiche Verteilung als gerecht, in anderen erscheint uns eine Berücksichtigung individueller Befähigungen und Bedürfnisse sinnvoll. Was macht Gerechtigkeit im Einzelfall aus? Und wie gehen wir mit Ungerechtigkeiten um? Diese Fragen betreffen unser Leben, unser Verhältnis zu anderen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte“.

1.1 Was heißt Gerechtigkeit?

Bezug Manuskript: S. 2; Bezug Audio: 00:20

Detail der Justitia am Gerechtigkeits-Brunnen in Frankfurt am Main (Quelle: Wikimedia Commons)

Gerechtigkeit gibt jedem das Seine,
maßt sich nichts Fremdes an
und setzt den eigenen Vorteil zurück,
wo es gilt, das Wohl
des Ganzen zu wahren.

Ambrosius von Mailand

 

 

Zum Begriff der Gerechtigkeit

„Gerechtigkeit“ – was bedeutet das eigentlich? Mit dieser Frage setzen sich die drei folgenden Online-Quellen auseinander. Sie formulieren keine letztgültige Definition, sondern bieten eine Einführung in verschiedene Aspekte des Begriffs. Mit steigendem Schwierigkeitsgrad und unterschiedlichem medialen Angebot wird ein Überblick über das Thema möglich. Die verlinkten Inhalte eignen sich zur Einführung, insofern begriffliche, historische und kritische Hintergründe kurz erläutert werden.

  • Was ist Gerechtigkeit? (Online-Video, 3:47)
  • Ist ein Teil der Antwort der Begriff der Gleichheit? So sahen es jedenfalls Pythagoras und Aristoteles, griechische Philosophen. Deren Auffassungen werden in einem kurzen Erklärvideo aus der Reihe “Explain Brain” am Beispiel des deutschen Sozialsystems verdeutlicht. Dabei kommen auch der Sinn des Rechtssystems und Überlegungen über Strafen zur Sprache.
  • Ist Gleichverteilung gerecht? (Interview-Aufzeichnung, 2:42)
  • Oder bestimmt die Leistung, was jedem zusteht? Philipp Hübl wirft diese Fragen auf und zeigt, dass es nicht einfach ist, Antworten darauf zu geben. In diesem kurzen Video vom ARD-Mittagsmagazin wird in einfacher und klarer Sprache das Thema der Gerechtigkeit aufgegriffen. Hierbei wird auf das Flötenbeispiel von Amartya Sen Bezug genommen und durch ein weiteres Gedankenexperiment an Probleme der Gerechtigkeit herangeführt.
  • Wie wird Gerechtigkeit definiert? (Online-Lexikonartikel)
  • In einer knappen Darstellung werden im UTB-Wörterbuch Philosophie unterschiedliche Gerechtigkeitsauffassungen der Antike und der heutigen Zeit in eher anspruchsvoller philosophischer Sprache dargestellt. Die jeweiligen Definitionen und Argumentationen werden rekonstruiert. Vertreten ist hier auch Rawls mit seinen Gedanken zur Gerechtigkeit aus A Theory of Justice (siehe hierzu auch Abschnitt 1.2).

 

Online-Artikel mit Video (0:58)
Warum wollen wir Gerechtigkeit? (Spiegel Online)
Wir Menschen wollen Gerechtigkeit – oder zumindest das, was wir individuell als gerecht empfinden. Warum aber besitzen wir dieses Verlangen nach gerechter Behandlung, nach Fairness? Der Ursprung dieses Verlangens wird in diesem Artikel des Spiegel komprimiert und gut verständlich dargestellt. Forscher haben in Experimenten mit Primaten versucht herauszufinden, ob diese einen Sinn für Gerechtigkeit haben. Ihre These darüber ist, dass gerechtes Verhalten evolutionär gesehen Vorteile mit sich bringt.

Online-Video (4:32)
Was ist Gleichberechtigung? (Explain Brain)
Was meint man, wenn man von Gleichberechtigung spricht? Explain Brain nimmt den Begriff auseinander und stellt ihn als Zusammenfassung des Satzes „Gleiches Recht für alle“ dar. Die historische Entwicklung hin zu einer gleichberechtigten Gesellschaft wird in knapp viereinhalb Minuten mit anschaulichen Bildern beschrieben. Abschließend werden weitere Fragen zur Darstellung der Gleichberechtigung aufgeworfen. Werden wirklich alle gleichberechtigt behandelt? Und ist Gleichberechtigung immer gerecht?

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1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 4; Bezug Audio: 03:30

Der Sinn für Gerechtigkeit ist
kontinuierlich mit der Liebe der Menschheit.

John Rawls

Blog-Eintrag
Was ist Gerechtigkeit? (Gerhard Zahler-Treiber)
Einen Überblick über die Historie des Gerechtigkeitsbegriffs und die gegenwärtig vorherrschenden Positionen bietet Gerhard Zahler-Treiber auf seinem Blog. Kernpunkte der verschiedenen Gerechtigkeitstheorien sind chronologisch und zusammenhängend angeführt. Im historischen Rückblick (Teil I) werden Theorien von Platon, Aristoteles, Hobbes, Locke, Rousseau, Kant, Marx und Benjamin rekonstruiert. Als gegenwärtige Strömungen (Teil II) werden Rawls‘ und Ackermans Gerechtigkeitskonzepte, sowie Kommunitarismus und Liberalismus vorgestellt. Die aktuellen Positionen (Teil III) sind durch Honneth, Habermas und Sen vertreten.

Zu Platons Gerechtigkeitsbegriff
Platon befasst sich in seinem Werk Politeia unter anderem mit der Frage nach staatlicher und personaler Gerechtigkeit. Sein Gerechtigkeitsbegriff bezieht sich dabei auf die Polis als Ganzes und nicht nur auf das Individuum. Dabei fasst Platon einen gerechten Staat als einen auf, der seinen Bürgern ein Leben entsprechend ihren Fähigkeiten ermöglicht. Diese seien angeboren und bauen auf verschiedenen Seelenteilen auf, wobei Platon den Seelenteilen Vernunft, Mut und Begierde besondere Bedeutung zuschreibt. Für die Aufrechterhaltung einer gerechten Polis seien alle drei Seelenteile gleichermaßen nötig, die sich im Handelstreibenden, im um die Sicherheit Sorgenden und im Philosophen präsentieren.

  • In der Arbeit „Das Problem der Gerechtigkeit in der Politeia“ von Christopher Wolf (PDF, 33 S.) wird auf der Grundlage der Politeia das Gerechtigkeitskonzept Platons rekonstruiert und aus kritischer Perspektive analysiert. Die Abhandlung bietet Platon-Kennern eine systematische Untersuchung seines Werkes.
  • Wer an der griechischen Fassung der Politeia interessiert ist, findet Auszüge mit entsprechender deutscher Übersetzung auf der Internetseite „Der Diskurs über die Gerechtigkeit in Platons Staat“. Inhaltlich bietet die Seite zudem einen allgemeinen Überblick über die Gerechtigkeitsdefinition Platons mit direktem Verweis auf Textstellen.
  • Eine differenzierte Rekonstruktion der Gerechtigkeitstheorien Platons und Aristoteles‘ in englischer Fassung wird von der UCF online zur Verfügung gestellt: „Conceptions of Equality/Plato, Aristotle and additions“.

John Rawls (Quelle: Wikimedia Commons/Harvard University Gazette via Fair Use)

Zu Rawls‘ Theorie der Gerechtigkeit
John Rawls versucht in seinem Buch Eine Theorie der Gerechtigkeit, ein Fundament für soziale Gerechtigkeit zu finden. In diesem Rahmen stellt er zwei Grundsätze auf, durch die fundamentale Rechte für alle Menschen gewährleistet und wirtschaftliche und soziale Güter an alle fair verteilt werden sollen. Diese Prinzipien folgen aus der fiktiven Vorstellung des „Urzustandes“, in dem eine Gesellschaft von rational denkenden Menschen unter beschränkten Voraussetzungen konstituiert werden soll: Hinter dem Schleier des Nichtwissens kennen sie nur die allgemeinen Bedingungen der Gesellschaft und verfügen über kein Wissen ihrer eigenen Persönlichkeit und Identität.

Vorlesungsskript (PDF, 9 S.)
Ethische Maßstäbe: Gerechtigkeit (Markus Vogt)
Im Rahmen seiner Veranstaltung „Wirtschaftsethik“ widmet sich Markus Vogt dem Begriff der Gerechtigkeit als einem ethischen Maßstab. Dazu bietet er einen allgemeinen Überblick über einschlägige Gerechtigkeitstheorien. Insbesondere bezieht er sich auf die Gerechtigkeitsauffassungen von Aristoteles und Thomas von Aquin. Die aristotelisch-thomistische Konzeption klassifiziert die verschiedenen Gerechtigkeitsformen als Pflichten der Gesellschaftsmitglieder untereinander (Tauschgerechtigkeit), Pflichten des Staates gegenüber den Bürgern (Verteilungsgerechtigkeit) und Pflichten der Bürger gegenüber dem Staat (Legalgerechtigkeit). Neben der differenzierten Untersuchung dieser einzelnen Formen analysiert Vogt das Verhältnis von Gerechtigkeit und Gleichheit, wobei er auch versucht, die Relevanz des ethischen Wertes der Gerechtigkeit für die Wirtschaft zu begründen. Online verfügbar sind weitere Vorlesungsskripte auf der LMU-Seite unter der Rubrik Forschung und Projekte. Zur weiteren Vertiefung:

  • Das Kapitel „Gerechtigkeit“ (PDF, 14 S.) des Lehrbuches Christliche Sozialethik behandelt verschiedene Fragen zum Gerechtigkeitsbegriff im Sinne von Aristoteles und Thomas von Aquin. In der Untersuchung versucht Werner Veith, die Unterschiede zwischen den klassischen Formen der Gerechtigkeit aus Sicht beider Philosophen herauszustellen. Weiterhin nennt er Gründe, weshalb mit diesen Gerechtigkeitsformen der normative Regelungsbedarf der modernen Gesellschaft nicht vollständig abgedeckt werden kann. Daraus ergeben sich die Fragen, wie sich der soziale Gerechtigkeitsbegriff bestimmen lässt und in welchem Verhältnis dieser zu Aristoteles‘ und Thomas von Aquins Konzepten steht. Im Anschluss prüft Veith, inwiefern Beteiligungsgerechtigkeit und intergenerationelle Gerechtigkeit neue Formen der Gerechtigkeit darstellen. Die wesentlichen Kernpunkte des Textes sind als Merksätze nach jedem Abschnitt nochmals zusammengefasst.
  • In der Abhandlung „Soziale Gerechtigkeit: Theorie und Wirklichkeit“ (PDF, 19 S.) von Wolfgang Merkel wird insbesondere die Verteilungsgerechtigkeit nach Aristoteles diskutiert. Dabei sollen drei Fragen beantwortet werden: 1. Welche Leitideen liefern uns die Gerechtigkeitstheorien? 2. Welche politischen Handlungspräferenzen ergeben sich aus der Gerechtigkeitsphilosophie? 3. Wie gerecht sind die „drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus“ im Lichte dieser Gerechtigkeitspräferenzen? Merkel versucht mit Hilfe dieser Leitfragen, eine Verknüpfung zwischen der theoretischen und der empirischen Gerechtigkeitsdiskussion herzustellen.

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2. Konzepte

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Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Gerechtigkeit und Gleichheit

Bezug Manuskript: S. 7; Bezug Audio: 08:20


Sehr viele Menschen [akzeptieren] als die Grundidee, Grundintuition
der Gerechtigkeit einmal die Gleichheit auf der fundamentalen Ebene,
die fundamentale Freiheit, und Ungleichheit nur auf nachgeordneter
Ebene, im sozialen und wirtschaftlichen Bereich, und selbst hier
Ungleichheit nur unter zwei Bedingungen – einmal einer Chancen-
gleichheit, dass alle Zugang zu Ämtern und entsprechenden Positionen
haben, zum andern, dass letztlich die Ungleichheit dem Wohl der am
schlechtesten Gestellten dient.

Otfried Höffe

Justitia (Quelle: Wikimedia Commons)

Online-Lexikonartikel (Gabler Wirtschaftslexikon)
Definitionen der Gerechtigkeit (Andreas Suchanek)
Diese kompakte Erörterung unterschiedlicher Konzeptionen der  Gerechtigkeit präsentiert den zeitlichen Entwicklungsverlauf philosophischer wie rechtlicher Gerechtigkeitsbegriffe. Wie der Begriff der Gerechtigkeit, so werden auch die verschiedenen Theorien der Gerechtigkeit bis heute diskutiert. Gerechtigkeit meint im Allgemeinen einen Zustand des gemeinschaftlichen Miteinanders, bei dem etwa Chancen und Güter „angemessen“ verteilt sind. Was aber Angemessenheit im Einzelnen bedeutet, ist Gegenstand anhaltender philosophischer Debatten. Platon und Aristoteles zufolge scheint ein Ausgleich der Interessen der Personen bzw. Gruppen notwendig, um von Gerechtigkeit sprechen zu können (siehe 1.2). Dieses Ausgleichen wird bis heute durch die Göttin Justitia symbolisiert: Ihre Waage versinnbildlicht den Interessenausgleich, mit ihrem Schwert kann sie, falls notwendig, Gerechtigkeit mit Gewalt durchsetzen, und ihre Blindheit sorgt dafür, dass sie jeden gleich behandelt. Die Durchsetzung mit Gewalt wird in der Praxis ergänzt durch handlungs- und rechtsbezogene Normen, die ein gerechtes Zusammenleben gewährleisten sollen.

Online-Portal
Justice (Michael Sandel)
Das englische Online-Portal von Michael Sandel bietet eine Sammlung von aufgezeichneten Vorlesungen, die er an der Harvard University gehalten hat. In zwölf einstündigen Videos bespricht Sandel Fragen und Probleme zur Gerechtigkeit mit seinen Studenten. Weiterhin werden Informationen zu seinen Veröffentlichungen und Vorlesungen bereitgestellt. Die Vorlesungen sind zugleich tiefgründig und unterhaltsam und eignen sich auch für Philosophie-Anfänger, sofern sie des Englischen mächtig sind.

Vortragsaufzeichungen
Gerechtigkeit in Zeiten globaler Finanzwirtschaft (Otfried Höffe)
Der Vortrag von Otfried Höffe im Rahmen der Vorlesungsreihe „Anstand, Fairness, Gerechtigkeit – Ethische Orientierung am Finanzplatz der Zukunft“ der Deutschen Börse bietet in vier etwa 20-minütigen Videos einen guten Überblick über ein aktuelles Thema. Unter dem Ttitel „Gerechtigkeit in Zeiten globaler Finanzwirtschaft“ wird die Idee der Gerechtigkeit in Bezug auf unser oft als ungerecht kritisiertes Finanzsystem erörtert:

Zum Begriff der Gleichheit
Gleichheit an sich ist zuerst eine Entsprechung zwischen Personen, Objekten oder Situationen untereinander in mindestens einem Aspekt. Andere Aspekte können sich unterscheiden. Die Entsprechung muss demnach nicht zwingend eine Identität (also eine völlige Gleichheit) sein, auch wenn wir dies in der Alltagssprache manchmal mit dem Begriff der Gerechtigkeit verbinden. Dann stellt sich aber die Frage: In welcher Hinsicht soll Gleichheit denn bestehen? Welche Aspekte zweier Personen sollen etwa gleich sein, um Gerechtigkeit unter ihnen herzustellen? Geht es um Erfüllung persönlicher Bedürfnisse, so ist Gleichheit kaum zu erreichen. Gleicht man das Einkommen an, werden viele sich ungerecht behandelt fühlen, weil sie meinen, mehr zu tun als andere, und so fort.  Solche und ähnliche Fragen werden in den nachfolgenden Artikeln aufgeworfen und diskutiert. Sie bieten eine philosophische und teilweise auch politische Einführung und gleichzeitig Gelegenheit zur Vertiefung der Materie.

  • Die komprimierte Gleichheitsdefiniton der Bundeszentrale für politische Bildung bezieht sich auf das deutsche Grundgesetz und verweist auf den Begriff der Gleichberechtigung.
  • Gleichheit und Gleichmacherei stellt das Jugendnetz einander knapp und in einfacher Sprache gegenüber und zeigt damit, dass der Begriff der Gleichheit variabel ist.
  • Das Thema der sozialen Ungerechtigkeit in Deutschland wird in drei Absätzen des Artikels der bpb aufgegriffen. Verweise auf weitere Artikel bieten außerdem die Möglichkeit, sich eingehender zu diesem Thema zu informieren.
  • Das Gewicht der Gleichheit für die Gerechtigkeit diskutiert Bernd Ladwig auf anspruchsvollem Niveau in der Zeitschrift Information Philosophie. Er rekonstruiert die Argumente für und gegen Gleichheit im Rahmen der Gerechtigkeit. Ladwig regt an, den Begriff der Gleichheit zu überdenken.
  • Das Konzept der Gleichheit (engl. equality) wird in einem Artikel der Stanford Encyclopedia of Philosophy auf Englisch definiert. Unter Punkt 1 („Defining the Concept“) findet sich eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Begriff der Gleichheit. Der zweite Abschnitt („Principles of Equality and Justice“) diskutiert den Zusammenhang von Gleichheit und Gerechtigkeit.

Buchempfehlung
Gleichheit ist Glück (Richard Wilkinson, Kate Pickett)
Ist Gleichheit und das damit verbundene Gerechtigkeitsgefühl vielleicht nicht nur ein anzustrebendes Prinzip, sondern viel tiefer in unserem Unterbewusstsein verwurzelt? Richard Wilkinson und Kate Pickett entwickeln den Gedanken von Untersuchungen weiter, in denen festgestellt wurde, dass Länder mit einer Bevölkerung, die homogenere Einkommen hat, zufriedener sind. Hat Gleichheit also nicht nur einen oberflächlichen Wert für die Gerechtigkeit, sondern gravierende Auswirkungen auf das eigene Gefühl von Zufriedenheit und Glück? Dieser Zusammenhang wird in dem Buch untersucht. Gleichzeitig stößt diese Idee aber nicht nur auf Zustimmung. So hinterfragt etwa Steffen Hentrich die Vorstellung, dass nicht Chancengleichheit, sondern die Gleichheit an sich Schüssel für eine glücklichere Gesellschaft sei.

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2.2 Gleichmacherei

Bezug Manuskript: S. 6; Bezug Audio: 06:55

Online-Artikel (Welt Online)
Gleichmacherei als Kalkül (Dorothea Siems)
In diesem Artikel findet eine Auseinandersetzung mit den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen des Problems der Gleichmacherei statt. Kritisiert werden die Umverteilungsmaßnahmen des Staates, die gerechtere Verhältnisse für die Bürger schaffen sollen. Außerdem wird auf mögliche Probleme im Gesellschaftsgefüge aufmerksam gemacht, die als Folge von Gleichmacherei auftreten könnten.

Blog-Eintrag (Süddeutsche Zeitung)
Gleichmacherei ist nicht gleich gerecht (Catrin Kurtz)
Die Ausführungen einer Lehrerin über Inklusion und Gleichmacherei zeigen, dass Gleichheit und Gerechtigkeit nicht notwendigerweise beieinander liegen. Ihr Problem mit Inklusion ist, dass ungleiche Schülerinnen und Schüler vor die gleichen Aufgaben gesetzt werden.

Online-Artikel (Tagespost)
Bildungsgerechtigkeit als ideologische Krücke für Gleichmacherei (Josef Kraus)
Eine starke, verständlich geschriebene Kritik der Gleichmacherei formuliert Josef Kraus in diesem Artikel über das Thema. Der Artikel spiegelt zwar die politische Einstellung des Verfassers wider, die letzten vier Absätze stellen jedoch eine klare und differenzierte Sicht auf die Probleme der Gleichmacherei dar. Zudem bietet Kraus einen Lösungsvorschlag. Er bezieht sich im ganzen Artikel auf das deutsche Bildungssystem und diskutiert Argumente für und gegen ein egalitäres Schulsystem.

Online-Artikel (engl., PDF, 29 S.)
Folgt Gleichmacherei aus Gleichheit? (Thomas Christiano, Will Braynen)
Mit dieser Frage beschäftigt sich diese englische Abhandlung in einer ausführlichen, philosophischen Betrachtung von Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Gleichmacherei. Zu Beginn stellen die Autoren ihre These vor: Das theoretische Prinzip der Gleichheit beinhaltet nicht die Gleichmacherei. Mit mehreren Beispielen und Gegenargumenten wird versucht zu zeigen, dass man dem zugrundeliegenden Gedanken der Gleichheit nicht Gleichmacherei vorwerfen kann.

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2.3 Globale Gerechtigkeit

Bezug Manuskript: S. 4, 15; Bezug Audio: 03:30, 16:40

Online-Paper
Globale Gerechtigkeit – Mehr als internationale Fairness (Amartya Sen)
Amartya Sen beschreibt auf dieser Seite sein Anliegen in Bezug auf internationale Fairness. Er möchte einen neuen Blickwinkel auf Gerechtigkeit ermöglichen und dabei globale Dimensionen miteinbeziehen. Dafür erklärt er zunächst essentielle Begriffe und geht im Anschluss auf die Rawls’sche Gerechtigkeitstheorie ein, die er im Lichte der Idee der Fairness diskutiert. Im Verlauf blickt Sen auf die Konzepte der sozialen Gerechtigkeit und schließt mit dem Aufruf, globale und internationale Fairness zu unterscheiden. Diese Unterscheidung habe weitreichende Folgen für die Beurteilung von Institutionen.

Projekt
Gerechtigkeit durch Umweltschutz
Der Soziologe Harald Welzer versucht mit dem Projekt „Futur Zwei“, ein Bewusstsein zum nachhaltigen Leben zu schaffen. Welzer fordert zum Umdenken auf. So soll nicht jede Lebensweise oder Wirtschaftsform als gegeben und unabänderlich angenommen werden. Das Projekt selbst soll neue Wege und Alternativen zu jetzigen Lebensstilen aufzeigen. Die interaktive Website des Projekts regt zum Stöbern und Forschen an. Es werden Erfolgsgeschichten gezeigt und Fragen beantwortet. Unter dem Punkt „In die Zukunft hören“ laden kleine Videos dazu ein, sich ein Bild von den „Geschichten des Gelingens zu machen“.

Online-Essay (Widerspruch)
Was ist Ressourcengerechtigkeit? (Tilman Santarius)
Am Beispiel der Hungeraufstände in Haiti macht Tilman Santarius auf die Problematik von ungleich verteilten Ressourcen aufmerksam – die einen haben zu viel, die anderen viel zu wenig. Preise für Nahrungsmittel werden von jenen festgelegt, die keinen Hunger leiden müssen, und diejenigen, die daran nichts ändern können, werden ihrem Schicksal überlassen. In seinem Essay möchte Santarius erläutern, welche Arten von Ressourcenkonflikten existieren und wie diese angegangen werden können. Er nutzt die von Aristoteles benannten Gerechtigkeitsformen wie zum Beispiel die Verteilungsgerechtigkeit (iustitia distributiva), um so Leitbilder der Ressourcengerechtigkeit zu entwickeln.

Zu den Begriffen der Armut und der globalen Gerechtigkeit
Die nachfolgenden Schriften setzen sich intensiv mit Gedanken über Armut und globale Gerechtigkeit auseinander. Dabei werden Begriffe und Dilemmata, sowie Verantwortungsaspekte und verschiedene Konzepte zum globalen Verständnis der Gerechtigkeit thematisiert und vertieft. Vor allem die Ansichten Peter Singers und Thomas Pogges werden in diesem Zusammenhang vermehrt diskutiert. (Eine Gegenüberstellung beider Ansichten kann in einer Präsentation von Erwin van der Meer nachgelesen werden.)

Online-Video (13:53)
Bono: The good news on poverty (TED Talks)
In seinem TED-Talk spricht Paul David Hewson – besser bekannt als Bono von U2 – über die Erfolge, die die Menschheit bereits im Kampf gegen die Armut errungen hat. Dabei macht er klar, dass es möglich ist, gemeinsam jene Grenze der Armut zu überwinden, bei der ein Leben kaum noch möglich ist. Er berichtet zudem, dass bei Krankheiten wie AIDS eine umfangreichere medizinische Betreuung ermöglicht worden ist und dass außerdem in manchen afrikanischen Ländern die Todesrate bei Malaria um 75 Prozent gesunken ist – was 7256 geretteten Kinderleben pro Tag gleichkommt. Bono ruft dazu auf, sich dieser Armut auf der Welt bewusst zu werden und durch kleine Spenden Großes zu erreichen. Er selbst ist Mitbegründer der Organisation One, die sich für das Ende der Armut auf der Welt einsetzt. Für jene Hörer, die den Beitrag mitlesen wollen, ist außerdem eine Transkript-Funktion verfügbar.

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2.4 Inklusion

Bezug Manuskript: S. 8; Bezug Audio: 09:10

Die Idee der Inklusion

Schritte zur Inklusion (Quelle: Wikimedia Commons)

Worum geht es überhaupt, wenn das Wort „Inklusion“ auftaucht? Wofür ist Inklusion gut und wie wird sie umgesetzt? Die nachfolgenden kurzen und anschaulichen Videos bieten eine ideale Einstiegsmöglichkeit in die Thematik.

  • Explainity ist ein YouTube-Kanal, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, soziale, politische, wirtschaftliche und andere Konzepte oder Ereignisse anschaulich zu machen. Die Inklusion wird hier in einem informativen animierten Erklärvideo dargestellt.
  • Aktion Mensch präsentiert in dem Animations-Video „Inklusion in 80 Sekunden“ die Ziele der Inklusion in einprägsamen Sätzen.
  • Auch die Bundeszentrale für politische Bildung bemüht sich in einem Video um Inklusion, indem sie Menschen mit Down-Syndrom zur Sprache kommen lässt.
  • Dass Inklusion funktionieren kann, zeigt das Medienbildungswerk Lübbecke mit einem kurzen Beitrag über die dortige Stadtschule.

Zur Bildungsgerechtigkeit
Was ist Bildungsgerechtigkeit? In welchen pädagogischen Bereichen kommt sie zum Tragen und aus welchen Blickwinkeln kann sie betrachtet werden? Wo stößt sie unter Umständen an ihre Grenzen und wie viel soll sich ein Land diese Gerechtigkeit kosten lassen? Diese und viele weitere interessante Fragen stellen sich der deutsche Lehrerverband und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft in umfangreichen, aber übersichtlichen Skripten zur Bildungsgerechtigkeit.

  • Dokumentation des deutschen Lehrerverbandes zur Bildungsgerechtigkeit bei der Fachtagung im Jahr 2008 (PDF, 97 S.)
  • Jahresgutachten der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. zur Bildungsgerechtigkeit des Jahres 2007 (PDF, 181 S.)

Online-Handbuch
Inklusion als Menschenrecht (Deutsches Institut für Menschenrechte)
Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner ‚Rasse‘, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ – Dieser Abschnitt des Grundgesetzes ist gleichzeitig Grundlage des Projekts Inklusion als Menschenrecht. Ziel ist es, ein Bewusstsein für Menschen mit Behinderung zu schaffen und gleichzeitig die Verantwortung einer rechtlichen Grundlage wahrzunehmen. Es soll zu einem fundierten historischen Wissen und Verständnis von den Rechten eines jeden Menschen kommen. So könnten – so hoffen die Initiatoren – Brücken geschlagen werden, die zu einem verbesserten Miteinander führen.

Buchempfehlung
Inklusion und Gerechtigkeit (Franziska Felder)
Das Buch nähert sich dem reich diskutierten Thema der Inklusion auf eine eher nüchterne Art. Felder versucht, das Recht auf Inklusion ethisch zu begründen und so eine Basis für eine allgemeine Herangehensweise zu schaffen. Dabei geht sie darauf ein, worin genau das Recht der Inklusion bestehen würde. Sie setzt voraus, dass zunächst differenzierte Konzepte von Behinderung und Inklusion gefunden, erklärt und in den richtigen Zusammenhang gestellt werden müssen.

Zur Inklusion in der Diskussion
Welchen Schwierigkeiten sieht sich die Idee der Inklusion gegenübergestellt? Handelt es sich bei der Inklusion um Gleichmacherei? Welche Missverständnisse sind im Kontext des Inklusionsbegriffs möglich? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die folgenden drei Artikel zur öffentlichen Diskussion um die Idee:

Online-Plattform
Zur Inklusion (bpb)
Inklusion kann von verschiedenen Perspektiven aus betrachtet werden. Dabei interessiert auch die persönliche Dimension von Inklusion: Wie erfährt der Einzelne Inklusion? Und was müssen wir noch tun, damit ein barrierefreies Miteinander Normalität wird? Gleichzeitig drängen sich bei diesen Überlegungen auch Zweifel am Konzept der Inklusion auf. Welche Argumente und Hinweise äußern Kritiker der Inklusion? Und wie wollen die Vertreter der Inklusion darauf reagieren? Prüft man die Inklusion, so wird ihre Verwandtschaft zu einer weiteren Idee deutlich: Integration. Wo liegen hier die Unterschiede? Ist Inklusion bei erfolgreicher Integration überhaupt noch notwendig?

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2.5 Geschlechtergerechtigkeit

Bezug Manuskript: S. 10; Bezug Audio: 13:00


Nichts ist in der politischen Ökonomie der Entwicklung
heute wichtiger als eine adäquate Würdigung
der politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen
Teilhabe und Führungsrolle der Frau.

Amartya Sen

Online-Video (3:45)
Frauenquote einfach erklärt (Explainity)
Was versteht man eigentlich unter der Frauenquote? Welche Argumente sprechen dafür und dagegen? Was ist die Flexiquote? Das von Explainity erstellte Kurzvideo bietet eine anschauliche Einführung in wesentliche Punkte zum Thema Frauenquote.

Online-Journal
Geschlechter-Gerechtigkeit/Gender (bpb)
Geschlechtergerechtigkeit wird als Chancengleichheit von Frauen und Männern aufgefasst. Umgesetzt wird dieses Ziel durch das Konzept „Gender Mainstreaming“. Die Strategie zur nachhaltigen Förderung der Gleichstellung der Geschlechter wird auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung vorgestellt. Aufsätze verschiedener Autorinnen und Autoren über die Zielsetzung und Umsetzung des Konzepts sowie weitere Aspekte von Gender Mainstreaming werden auf der Seite bereitgestellt. Alle Beiträge sind auch als PDF-Datei verfügbar (47 S.).

Online-Paper (PDF, 30 S.)
Geschlechtergerechtigkeit und Quotierung
im privatwirtschaftlichen Bereich
(Anna Braam)
Anna Braam befasst sich in ihrer Arbeit mit den moralphilosophischen Ansätzen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit. Schwerpunkt des Aufsatzes stellt die kritische Gegenüberstellung von Thomsons kompensationstheoretischen Ansätzen zur Frauenquote und Dworkins Quotierungsregelung dar. Anhand der Flexiquote wird der Beitrag von Quotierungsmaßnahmen zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit untersucht.

Online-Paper (PDF, 35 S.)
Gerechtigkeitsvorstellungen im Geschlechterverhältnis.
Das Bespiel „Elterngeld“
(Elke Wiechmann, Maria Oppen)
Die vom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung veröffentliche Arbeit behandelt das Thema soziale Gerechtigkeit im Zusammenhang mit Geschlechtergerechtigkeit. Dabei wird der Begriff der sozialen Gerechtigkeit neu definiert und ihr Verhältnis zur Geschlechtergerechtigkeit unter bestimmten Gesichtspunkten untersucht. Am Beispiel des Elterngeldes wird die Gerechtigkeitskonzeption im Geschlechterverhältnis veranschaulicht, problematische Aspekte derselben werden aufgezeigt.

Online-Journal (PDF, 89 S.)
Chancengleichheit in Wissenschaft
und Forschung
(Gemeinsame Wissenschaftskonferenz)
In der 29. Ausgabe der Heftserie der GWK Bonn werden Daten von 2010 zum Frauenanteil in Hochschulen und an außerhochschulischen Forschungseinrichtungen präsentiert. Im ersten Teil wird ein Überblick über die Repräsentation von Frauen in verschiedenen Hochschulbereichen sowie an Forschungseinrichtungen gegeben. Der zweite Teil umfasst einen ausführlichen statistischen Anhang, um die im ersten Teil genannten Zahlen nachzuvollziehen. Diese Daten wurden mit der Absicht erhoben, die Situation von Frauen und Männern in der Wissenschaft besser einschätzen zu können und einer angemessenen Repräsentation von Frauen näher zu kommen.

Online-Diplomarbeit (PDF, 204 S.)
Geschlechtergerechtigkeit – sozialphilosophische Überlegungen
nach John Rawls (Daniela Kerschitz)
Zur Vertiefung bietet Daniela Kerschitz im Rahmen ihrer Diplomarbeit, die auf der Internetseite der Universität Wien verfügbar ist, eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Thema Geschlechtergerechtigkeit. Ziel ihrer Arbeit ist es, philosophische Theorien auf ihre Anwendbarkeit auf den derzeitigen Geschlechtergerechtigkeitsbegriff zu überprüfen. Das Grundverständnis von Gerechtigkeit bildet Rawls’ Gerechtigkeitskonzept. Besonders lesenswert ist Kerschitz’ Auseinandersetzung mit dem Gleichstellungskonzept „Gender Mainstreaming“; wesentliche Aspekte und Fragen werden ausführlich diskutiert (6. Kapitel/S. 101 – 142). Anhand der Gegenüberstellung von Rawls‘ Ansatz und Frasers Theorie – derzufolge eine Verknüpfung von Anerkennung mit Rawls‘ zweitem Grundsatz notwendig sei – formuliert Kerschitz Gedankenanstöße, die das Ziel Geschlechtergerechtigkeit greifbarer machen sollen.

Webseite
Gender and Equality (PhilPapers)
Die englische Internetseite PhilPapers versammelt zahlreiche Aufsätze zu verschiedenen philosophisch relevanten Themen. Unter anderem sind diverse englische Schriften und Auszüge zum Thema Geschlechtergerechtigkeit von unterschiedlichen Philosophen verfügbar.

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# Micha Brumlik
Micha Brumlik (* 1947) wurde als Kind jüdischer Flüchtlinge in der Schweiz geboren. Seit 1952 lebt er in Frankfurt am Main, wo er sein Abitur und sein Studium mit einem Diplom in Sozialpädagogik absolvierte. Bis 2013 war er Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und veröffentlicht in Zusammenarbeit mit diversen Zeitungen Essays und Artikel zur Geschichte und zeitgenössischen Themen des Judentums.

# Lisa Herzog
Lisa Herzog (* 1983) ist nach Studium und Promotion in München und Oxford wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster Die Herausbildung normativer Ordnungen. Aktuell befasst sie sich im DFG-Projekt Moralische Akteure auf dem Finanzmarkt mit den Bedingungen der Entstehung, Aufrechterhaltung und Verbreitung moralischer Normen im Wirtschaftssektor. Zu ihren zahlreichen Veröffentlichungen zum Thema zählt auch ihr Buch Freiheit gehört nicht nur den Reichen. Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus.

# Otfried Höffe
Otfried Höffe (* 1943) ist als deutscher Philosoph mit dem Schwerpunkt in praktischer Philosophie zu Ansehen gekommen. Er studierte Philosophie, Theologie und Soziologie an verschiedenen Universitäten in Deutschland, unter anderem Münster, Tübingen, Saarbrücken und München. Höffe verfasste seine Dissertation zum Thema Praktische Philosophie – Das Modell des Aristoteles. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind die angewandte Ethik (biomedizinische Ethik, ökologische Ethik, Technikethik, Wirtschaftsethik), die Erkenntnistheorie sowie Aristoteles und Kant.

# Regina Kreide
Regina Kreide (* 1968) hat die Professur für Ideengeschichte und Politische Theorie an der Justus-Liebig-Universität Gießen inne. Ihr Arbeitsgebiet umfasst Gender-Studies, soziologische Theorien und Rechtstheorien, politische Philosophie (insbesondere globale Gerechtigkeit) und theoretische und praktische Bezüge der Menschenrechte. Ihre letzte Buchveröffentlichung ist Internationale Politische Theorie (mit Andreas Niederberger).

# John Rawls
John Rawls (1921 – 2002) war ein amerikanischer Philosoph, der unter anderem an der Harvard University unterrichtete. Rawls studiere Philosophie in Princeton. Im Anschluss daran besuchte er die Armee und kam dadurch nach Hiroshima, kurz nach dem Abwurf der Atombombe. Aufgrund dieser Erfahrung lehnte Rawls eine Offizierskarriere ab und verließ die Armee. 1950 promovierte er in Philosophie und begann in Princeton seine Lehrtätigkeit. 1962 wurde er auf eine Professur an der Harvard University berufen. In dieser Zeit entstand A Theory of Justice. Hintergrund der Schrift war Rawls‘ Wunsch, allgemeingültige Grundsätze einer gerechten Gesellschaftsordnung zu entwickeln. Er gilt als wichtiger Vertreter der liberalen politischen Philosophie und verfasste unter diesem Gesichtspunkt sein letztes Werk The Law of Peoples, in welchem er eine Völkerrechtstheorie entwarf.


The notion of human right builds on our shared humanity.
These rights are not derived from the citizenship of any
country, or the membership of any nation, but are presumed
to be claims or entitlements of every human being. They
differ, therefore, from constitutionally created rights
guaranteed for specific people.

Amartya Sen

# Amartya Sen
Amartya Sen (* 1933) wuchs in einem wohlsituierten Elternhaus auf. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und Philosophie in Kalkutta und später in Cambridge. Nach verschiedenen Lehrtätigkeiten an diversen Universitäten wechselte er 1988 nach Harvard, wo er seither als Professor für Philosophie und Ökonomie tätig ist. In dem FAZ-Artikel „Der Anwalt der Armen“ werden seine Kindheit, in der er mit sozialer Ungerechtigkeit konfrontiert war, sowie ihre Auswirkungen auf sein jetziges Leben  näher beleuchtet. Für seine Arbeiten zum Thema Armut und Wohlfahrtsökonomie erhielt er 1998 den Alfred-Nobel-Gedenkpreis in Wirtschaftswissenschaften.

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4. Didaktik

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4.1 Curricularer Bezug

Im neuen Kerncurriculum für Hessen bildet das Inhaltsfeld „Recht und Gerechtigkeit“ für alle Schulformen einen festen Bestandteil des Ethikunterrichts. Unterschiedliche Aspekte zum Thema werden über die ganze Sekundarstufe verteilt behandelt. Dabei sieht der Lehrplan folgende thematische Aufteilung vor:

  • Ende 6. Klasse: Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit
  • Ende 8. Klasse: Rechte und Pflichten, Schuld und Strafe
  • Ende 9./10. Klasse: Arten der Gerechtigkeit und das kodifizierte Recht mit seinen Gerechtigkeitsvorstellungen im gesellschaftlichen Wandel (Bezug auf Menschenrechte und Gerechtigkeitsgrundsätze)

4.2 Lern-Ressourcen

Online-Glossar
Gleichheit (jugendnetz.de)
Die Webseite des Jugendnetzes klärt in ihrem Glossar kurz und verständlich über den Begriff der Gleichheit auf. Es wird auf den Unterschied von Gleichheit und Gleichmacherei hingewiesen, Gleichheit und Menschenrecht werden miteinander in Beziehung gesetzt und es wird auf die aktuelle deutsche Lage eingegangen. Zudem werden weitere Begriffe aufgegriffen, die im Zusammenhang mit dem Thema Gleichheit von Interesse sind; zum Beispiel geht es um Diskriminierung, Antisemitismus, Minderheitenschutz und anderes mehr.

Online-Unterrichtsmaterial
Knietzsche erklärt Gerechtigkeit (planet-schule.de)
Die Plattform Planet-Schule bietet eine Unterrichtseinheit zum Thema Gerechtigkeit für junge Schülerinnen und Schüler an. Fragen nach dem Verständnis von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Gleichbehandlung, Reaktionen auf das Erleben von Ungerechtigkeit oder nach den Rechten von Kindern können im Unterricht aufgegriffen werden. Es werden sechs verschiedene Arbeitsblätter bereit gestellt, die unter anderem Begriffe erklären sollen, wie etwa die Arbeitsblätter „Was ist gerecht?“ und „Gleichheit“. Zudem werden  kreative  Unterrichtsideen vorgestellt, zum Beispiel ein Gedankenexperiment und ein Rollenspiel.

Online-Unterrichtsmaterial
Texte, Daten und Einstiege zum Thema Gerechtigkeit (Fachverband Ethik)
Der Fachverband Ethik des Landes Baden-Württemberg stellt für Lehrerinnen und Lehrer jeweils komplette Reader zu verschiedenen Bereichen und Teilgebieten des Unterrichts zur Verfügung – auch zu dem komplexen Thema „Anerkennung und Gerechtigkeit – Probleme der transkulturellen Gesellschaft“.  Die Materialien eigenen sich für den Oberstufen-Unterricht. Es werden unter anderem Texte und Arbeitsblätter zu den folgenden thematischen Aspekten angeboten: „G. W. F. Hegel: Herrschaft und Knechtschaft“, „Axel Honneth: Konzept der Anerkennung“, „Gerechtigkeit für die Muslime! Petition von 60 Migrationsforschern“, „K. Goergen: Anerkennung oder Gerechtigkeit?“ und anderes mehr.

Online-Stundenentwürfe
Von Gleichberechtigung bis zum Recht auf Leben (Universität Trier)
Die Uni Trier stellt auf ihrer Webseite eine Tabelle zu Verfügung, die verschiedene Unterrichtsentwürfe zu „Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit und Recht“ für die Klassenstufen 5 bis 13 nach Themen sortiert aufführt. Alle Entwürfe sind nach spezifischen thematischen Aspekten gegliedert und behandeln jeweils ein bestimmtes Hauptthema. Unter dem Oberthema „Gleichberechtigung“ ist zum Beispiel der Stundenentwurf zum Thema „Gleichheit vor dem Gesetz“ zu finden. Zu jedem Entwurf wird angegeben, für welche Klassenstufe er genutzt werden kann. Im Fall von „Gleichheit vor dem Gesetz“ werden die Klassenstufen 9 und 10 empfohlen. Die Entwürfe beschreiben zumeist das Thema der Stunde, die Lernziele und einen möglichen Stundenverlauf, bieten didaktische Erläuterungen und enthalten teilweise sogar einen Anhang mit konkreten Arbeitsblättern oder Texten. Weitere themenrelevante Entwürfe könnten „Gleichberechtigung von Mann und Frau“ für die Klassen 7 und 8 unter dem Oberthema „Gleichberechtigung“ sowie „Menschenrechtsverletzungen, Frauenrechte, Bildung und Schulalltag“ oder „Recht auf Leben“ sein.

Themenblätter im Unterricht (PDF, 10 S.)
Soziale Gerechtigkeit – Utopie oder Herausforderung? (bpb)
Für einen gut fundierten Unterrichtseinstieg in das komplexe und kontroverse Thema der sozialen Gerechtigkeit können die anregenden Unterrichtsmaterialien der Bundeszentrale für politischen Bildung genutzt werden, die als Download zur Verfügung stehen. Es werden unterschiedliche inhaltliche Aspekte aufgegriffen, etwa das brisante Problem der Bildungsgerechtigkeit. Neben anschaulichem Bildmaterial werden konkrete Arbeitsblätter angeboten, zum Beispiel ein Fragebogen mit dem Titel: „Die soziale Ungleichheit in Deutschland nimmt zu. Was bedeutet das für die soziale Gerechtigkeit?“

Online-Unterrichtsmaterial
Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit – Werteordnung und Wertevermittlung (bpb)
In der von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegebenen Reihe „Themen und Materialien“ ist ein Band zum Thema „Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit – Werteordnung und Wertevermittlung“ erschienen. Es werden zwölf Unterrichtsbausteine präsentiert, die für die schulische und außerschulische Bildung geeignet sind. Der Band ist jedoch nicht nur für den PoWi-Unterricht interessant, sondern auch für die Fächer Geschichte, Geographie, Religion und Philosophie/Ethik. Je nach Komplexität der einzelnen thematischen Schwerpunkte sind die Unterrichtsbausteine auch für verschiedene Jahrgangsstufen einsetzbar. Der Aufbau der jeweiligen Unterrichtsbausteine ist einheitlich. Einführend finden Lehrende grundlegende Informationen. Anschließend wird eine Auswahl an Unterrichtsmaterialien präsentiert. Der Band fordert dazu auf, sich im Rahmen diverser Fächerkulturen mit unserer Werteordnung sowie deren Grundlagen zu beschäftigen, um Schülerinnen und Schüler so für das vielschichtige Thema zu sensibilisieren.

Unterrichtsmaterial (PDF, 12 S.)
Das Thema: Gerechtigkeit (Institut für Friedenspädagogik)
In der Reihe „Global lernen“ präsentiert das Tübinger Institut für Friedenspädagogik Unterrichtsmaterial zum Thema Gerechtigkeit. Es wird zunächst ein Arbeitsblatt zur Verfügung gestellt, das für eine erste Annäherung an das Thema der sozialen Gerechtigkeit und eine Sensibilisierung für diesen schwierigen Begriff genutzt werden kann. Mit Hilfe eines zweiten Arbeitsblattes soll der Begriff systematisiert werden. Zudem werden Prinzipien der Gerechtigkeit vorgestellt, die im Unterricht diskutiert werden können. Weitere Materialien greifen vielfältige Aspekte auf, wie zum Beispiel die Gerechtigkeit in biblischer Perspektive oder die Frage, ob wir uns vom Wachstumsdenken verabschieden müssen, um soziale Gerechtigkeit verwirklichen zu können. Die Materialien eignen sich für den Einsatz in der Mittel- und Oberstufe.

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