Zusatzmaterialien zur Folge 20

Wie wird man weise?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 20.4.2015 erstellt von:
Johanna Weber, Yvonne Reitz,
Robert Trieschmann, Elias Schreiber (Studierende)
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Was heißt hier „weise“?
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Philosophie der Weisheit
– 2.2 Psychologie der Weisheit
– 2.3 Buddhistische Weisheit
– 2.4 Praktische Weisheit
3. Personen
4. Didaktik

Tagxedo, Folge 20

1. Perspektiven

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„Wie wird man weise?“ fragt die 20. Folge des Funkkollegs Philosophie und widmet sich damit einer philosophisch einschlägigen Frage, die derzeit – erstaunlicherweise – nicht allzu breit diskutiert wird. Zwar wird „Philosophie“ gemeinhin mit „Liebe zur Weisheit” übersetzt, gängige Bestimmungen von Weisheit decken sich aber kaum mehr mit der Vielfalt der akademischen Disziplin. Die Zusatzmaterialien zur Sendung bieten neben einem online verfügbaren „Weisheitstest“ einen Einblick in die philosophische Beschäftigung mit dem Begriff der Weisheit, darüber hinaus aber auch in psychologische und alltagspraktische Betrachtungen.

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte“.

1.1 Was heißt hier „weise“?

Bezug Manuskript: S. 8, 17; Bezug Audio: 9:20, 23:55

Die Menschen müssen so viel wie möglich ihre Weisheit
nicht aus Büchern schöpfen, sondern aus Himmel und Erde,
aus Eichen und Buchen, d. h. sie müssen die Dinge selbst
kennen und erforschen und nicht nur fremde
Beobachtungen und Zeugnisse darüber.
Johann Amos Comenius

Online-Artikel (Frankfurter Rundschau)
Was ist Weisheit? (Gert Scobel)
Gut verständlich greift der Philosoph und Moderator Gert Scobel in diesem Überblicks-Artikel die Suche nach der Weisheit und ihrer Bestimmung auf. Weisheit sei ein vielschichtiger Begriff, der sich beispielsweise naturwissenschaftlich kaum sinnvoll erläutern lasse. Vielmehr müsse der Begriff als „koordinativ“ bezeichnet werden, da er viele unterschiedliche Kompetenzen und Eigenschaften miteinschließe. Vor dem Hintergrund solcher begrifflicher Vorüberlegungen geht der Autor der Natur der Weisheit nach. Letzlich müsse die Weisheit bzw. das Weise-Sein als ein Prozess verstanden werden und nicht als eine absolute Eigenschaft. Dementsprechend muss die grundsätzliche Frage lauten, ob Weisheit überhaupt jemals vollständig ausgeprägt sein kann.

Online-Test (Geo)
Selbsttest Weisheit (Monika Ardelt)
Mit diesem Test können Sie Ihren eigenen „Weisheitsgrad” prüfen – zumindest so, wie er gemäß des Fragebogens der Soziologie-Professorin Monika Ardelt von der Universität Florida einzuschätzen ist. 39 Fragen zu Ihrer Lebenseinstellung und Ihrer Persönlichkeit werden dazu innerhalb kognitiver, reflektiver und affektiver Lebensbereiche ausgewertet. Auch Schülerinnen und Schüler können anhand des Tests erahnen, welche Merkmale auf einen weisen Menschen hindeuten. Es lässt sich natürlich lange darüber streiten, inwiefern ein solcher Test wirklich aussagekräftig sein kann; aber gerade als lockerer und interaktiver Einstieg in solche Überlegungen eignet er sich daher sehr gut.

Online-Artikel (Cicero)
Wie kann man weise werden? (Sibylle Berg)
In diesem kurzen, leicht nachvollziehbarem Artikel erzählt die Autorin Sybille Berg von ihrer eigenen Suche nach der Weisheit. Dabei trifft sie auf die Haikus des japanischen Poeten Basho und unternimmt daraufhin eine Reise nach Japan, die ihre Sicht auf ihr Selbst, die Welt und die Weisheit erheblich ändert.

Buchempfehlung
Oma Hilde, Sokrates und der Dalai Lama (Kristin Raabe)
Die Autorin Kristin Raabe bietet mit ihrem Buch einen leichten Einstieg in das Thema Weisheit und die Weisheitsforschung. Angefangen bei der Antike führt sie den Leser bis in die Gegenwart und stellt dabei Fragen wie: Was ist Weisheit? Was zeichnet weise Menschen aus? Ist Weisheit messbar? Und wie können wir weise im Alltag leben?

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1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 3, 22; Bezug Audio: 3:00, 29:00

 Weisheit:
Zusammenstimmung des Willens
eines Wesens zum Endzweck.

Immanuel Kant

Online-Video (28:43)
Weisheit: Denker des Abendlandes (3sat)
Harald Lesch und Wilhelm Vossenkuhl führen durch die von BR-Alpha produzierten Fernsehreihe „Denker des Abendlandes“. In dieser Episode geht es um die Weisheit und die Frage, warum es sich lohnt, weise zu sein oder weise zu werden. In unterhaltsamen und aufschlussreichen Zwiegesprächen diskutieren die Moderatoren über berühmte Philosophen und philosophische Themen. Anschaulich und in leicht verständlicher Sprache werden philosophische Ideen, Lehren und Theorien vermittelt. In dem Video werden insbesondere die Unterschiede zwischen Weisheit und Wissen thematisiert.

Online-Originaltext (Projekt Gutenberg)
Die Apologie des Sokrates (Platon)
In der Apologie des Sokrates wird die Philosophie erstmals von den dogmatischen Naturlehren der Vorsokratiker sowie von der Sophistik separiert betrachtet und vielmehr als Suche nach Weisheit verstanden. Philosophie – so begriffen – ist eher reflexive Handlung als strikte Lehre. Die Auszüge aus Sokrates‘ Verteidigungsrede zeigen, wie dieser auch bei drohender Todesstrafe nicht aufhörte, nach Weisheit zu suchen undsich und andere zu prüfen, um schlussendlich zu Tugend und Wahrheit zu gelangen. Diese Aufgabe aus Todesfurcht aufzugeben, wäre aus Sicht des Sokrates nur Anzeichen von Scheinwissen, da niemand wisse, ob der Tod wirklich ein Übel und nicht vielmehr ein Gut sei.

Online-Skript
Verstandestugenden: Weisheit und praktische Klugheit (Claus Beisbart)
In seinem Skript zur Vorlesung „Aristoteles: Nikomachische Ethik“ fasst der Philosoph und Politikwissenschaftler Claus Beisbart die wesentlichen Inhalte des VI. Buch aus Aristoteles‘ Nikomachischer Ethik zusammen. In Zentrum der aristotelischen Auseinandersetzung steht vor allem die Bestimmung der Verstandestugenden sowie der Bedingungen normativ richtigen Handelns. Wesentliches Mittel zur Bestimmung richtiger Handlungen ist Aristoteles zufolge die praktische Klugheit (phronesis (s.u.)). Zugleich zählt die phronesis aber auch zu den Verstandestugenden und wird in diesem Kontext von der Weisheit (sophia) unterschieden. Das Skript erlaubt dem Leser einen knappen Einblick in die philosophische Auseinandersetzung der griechischen Antike mit den Begriffen der Weisheit und der praktischen Klugheit.

Webseite
Comenius’ Pansophie (All-Weisheit) (Comenius-Gesellschaft)
Der große Pädagoge, Philosoph und Theologe Johann Amos Comenius (1592 – 1670) war überzeugt, dass ein neues Zeitalter der Humanität herbeizuführen sei. In seinen pädagogischen Schriften fordert er deshalb, die ganzheitliche Entfaltung des Menschen zu fördern, und er entwickelt dazu unter anderem das Dreieck der Weisheit bestehend aus Denken, Sprechen und Handeln. Die Menschheit solle durch Studium und Dialog in ein System der „All-Weisheit“ (Pansophie) eintreten, wobei Comenius sich sowohl auf die naturwissenschaftlichen Ansätze von Francis Bacon als auch auf antike Traditionen stützte. Die oben verlinkte Webseite der Comenius-Gesellschaft  lädt zum Entdecken von Leben und Werk des Denkers ein. In der linken Navigation unter dem Punkt „Ausgewählte Schriften“ etwa findet sich seine wohlwollende Einladung aller Menschen zur friedlichen Beratung über die Verbesserung der Dinge.

Die Frage „Wissen wir mehr als wir glauben“ war Thema der fünften Folge des Funkkollegs und bei den entsprechenden Zusatzmaterialien finden sich zu dem philosophisch zentralen Begriff des Wissens viele weiterführende Hinweise.

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2. Konzepte

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Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Philosophie der Weisheit

Bezug Manuskript: S. 2, 9; Bezug Audio: 0:20, 11:30

Der Anfang aller Weisheit
ist die Verwunderung.
Aristoteles

Online-Lexikonartikel (UTB)
Weisheit (Herbert Wiesen)
„Philosophie“ (griech.: philosophía) bedeutet wörtlich „Liebe zur Weisheit“. Der Philosoph (griech.: philósophos) ist demnach jemand, der die Weisheit liebt, bzw. ein „Freund der Weisheit“. Er strebt also danach, möglichst weise zu werden. Was ist es aber, was unter „Weisheit“ zu verstehen ist, und wie setzte man sich bislang mit diesem Thema auseinander? Einen einführenden Überblick zum Begriff der Weisheit bietet der Eintrag im UTB-Wörterbuch Philosophie.

Online-Lexikonartikel (UTB)
Phronesis (Holm Bräuer)
Phronesis (griech.: Klugheit) ist eine Bezeichnung für die praktische Weisheit, die von den antiken Philosophen Aristoteles und Platon geprägt wurde. Platon scheint oft Tugend und Weisheit gleichzusetzen und argumentiert, dass eine gute Handlung (gemessen am ethisch Vertretbaren) nur dann nützlich sei, wenn sie von Vernunft geleitet sei. Nach Platon ist somit Phronesis diejenige Tugend, welche uns zu guten oder schlechten Handlungen befähigt. Aristoteles  konkretisiert das Konzept der Phronesis und geht davon aus, dass die Kernproblematik im Verhältnis zwischen Wissen und Handlung anzusetzen sei. So sei die Anwendung des Wissens auf eine konkrete einzelne Handlung noch nicht unbedingt Ausdruck von Klugheit.

Online-Podcast (hr-online)
Wie wird man weise? (Gert Scobel, Regina Oehler)
Gut strukturiert wird in diesem Gespräch zwischen Regina Oehler und Gert Scobel auf das Thema Weisheit eingegangen. Auch für Scobel scheint eine ausgeprägte und facettenreiche Lebenserfahrung die Grundvoraussetzung für die Ausbildung von Weisheit zu sein. Doch auch junge Menschen seien bereits in der Lage, sich weise zu verhalten. Schließlich besitze Weisheit viele unterschiedliche Voraussetzungen, die sich sehr früh ausbilden können, wie etwa Selbstbezug und Selbstkritik, die Differenzierung von Werten und Normen, die Relativierung von Wissen oder eine soziale Sensibilität.

Online-Vortragsmitschnitt (85:26)
Vortrag zum Thema „Weisheit“ (1996) (Rupert Lay)
Ausführlich und philosophisch fundiert nimmt der deutsche Philosoph Rupert Lay seine Zuhörerschaft mit auf eine intellektuelle Reise auf der Suche nach Weisheit in unserer modernen Zivilisation. Lay war Professor für Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie und Sprachphilosophie an der Jesuitenhochschule für Philosophie und Theologie in Frankfurt. Das Thema Weisheit, so Lay, besitze allerhöchste Priorität für den modernen Menschen. Der Begriff der Weisheit trage in unserer Gesellschaft allerdings keine standardisierte Bedeutung und sei im Allgemeinen individuell und subjektiv bestimmt. Fachwissen und Erfahrungswissen sei dem „Menschenwissen“ gegenüberzustellen – sonst wäre der Begriff der Weisheit lediglich rein funktional zu definieren. In einem weiteren Vortrag von 2002 behandelt Lay das Verstehen als Grundlage eines Überganges Von der Information zur Weisheit (45:00).

Online-Artikel (engl.)
Wisdom (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
Was also ist Weisheit? Die detaillierte Einführung in der SEP gewährt einen informativen allgemeinen Überblick und beschäftigt sich darüber hinaus mit fünf verschiedenen Ansätzen zu einer Explikation des Weisheit-Begriffs:

  1. Weisheit als epistemische Bescheidenheit,
  2. Weisheit als epistemische Genauigkeit,
  3. Weisheit als Wissen,
  4. hybride Theorien von Weisheit, und
  5. Weisheit als Rationalität.

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2.2 Psychologie der Weisheit

Bezug Manuskript: S. 12, 17; Bezug Audio: 15:55, 22:25


Weise ist nur der, der es selber schafft,
ein gutes Leben zu leben.

Thomas Metzinger

Online-Interviewtranskript (ZEIT online)
Weise Menschen wollen über das Gegebene hinausgehen (Susanne Schäfer)
Wie wird man weise? Das erklärt Ute Kunzmann, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Leipzig, in ihrem Interview mit Susanne Schäfer. Kunzmann erforscht auf der Suche nach Weisheit die Strukturen unseres emotionalen Wohlbefindens, analysiert Lebensentwürfe und die Entwicklung lebenspragmatischer Kompetenzen im Erwachsenenalter. Dabei gelangt sie zu der Erkenntnis: „Weisheit ist ein Ideal, das wir nicht in einem einzigen Menschen finden werden.“ Weise kann man in ganz alltäglichen Dingen sein; man muss dazu keine großen Taten vollbringen oder komplexe Werke verfassen. Tiefe Einsicht und ein gutes Urteilsvermögen sind es, die den weisen Menschen ausmachen. Des weiteren geht es im Interview um die Fragen, was einen weisen Menschen noch auszeichnet und ob das Alter maßgeblich zur Weisheit beiträgt.

Online-Artikel (Deutschlandfunk)
Vom Wesen der Weisheit (Kristin Raabe)
Die Frage, was einen weisen Menschen ausmacht, behandelt auch Kristin Raabe in ihrem Online-Artikel auf den Seiten des Deutschlandfunks. Raabe stellt in ihrem Artikel den von Psychologen entwickelten Berliner Weisheitstest vor – zusammen mit dem so genannten Weisheitsparadigma. Den Psychologen reichte eine Definition von Weisheit allein nicht aus; sie seien bestrebt, die Weisheit ins Labor holen, um sie dort zu vermessen. Die Vor- und Nachteile des Tests werden von Raabe umfassend und präzise erläutert. Dabei zieht sie Vergleiche zu anderen Weisheitsauffassungen und erläutert, warum es leichter ist, anderen weise Ratschläge zu geben, als Weisheit auch für sich selbst zu erreichen.

Online-Artikel (FAZ)
Resilienz: Die unsichtbare Kraft (Eva Heidenfelder)
Aufgrund der stetig steigenden Anforderungen im Arbeitsleben ist der Begriff der „Resilienz“ in der Psychologie seit einigen Jahren von großer Bedeutung. Ursprünglich kommt er aus dem Lateinischen („resilire“) und bedeutet so viel wie „zurückspringen“ oder „abprallen“. Spricht man von Resilienz im Kontext geistiger Gesundheit, meint man meist das Selbstvertrauen und die psychische Widerstandskraft, über die ein Mensch verfügt. Der Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung führt in die Begriffsetymologie ein und erklärt, wie man aus psychologischer Perspektive anpassungsfähiger etwa gegenüber alltäglichen, beruflichen, aber auch außergewöhnlichen Herausforderungen werden kann.

Zur Psychologie der Weisheit
Werden wir im Alter weiser? Ist Weisheit ein Zustand oder ein lebenslanger Lernprozess, der in irgendeiner Form mit dem Alter zu tun haben könnte? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Altersforscher und Psychologen Paul B. Baltes, Ursula Staudinger und Judith Glück. Das Alter sei durchaus als eine notwendige Voraussetzung für das Erlangen von Weisheit zu betrachten, da Weisheit auf Erfahrung angewiesen sei und ältere Menschen hiervon mehr besäßen:

  • Der lange Weg zur Weisheit
    In ihrem Artikel aus der Welt stellt Tanja Kotlorz die von Paul Baltes und Ursula Staudinger entwickelte Weisheitsskala vor.
  • Weise werden kann jeder
    In diesem Interview der Neuen Züricher Zeitung mit Paul Baltes wird das Verhältnis von Alter und Weisheit aufgezeigt.
  • Alter macht doch weise
    In dem Videobeitrag über eine Weisheitsstudie sollten Kärntner Bürger weise Menschen aus ihrer Umgebung nominieren. Ein Team rund um Judith Glück hat die knapp 40 Nominierten interviewt, um herauszufinden, was sie als weise erscheinen lässt.
  • Die Kultur schlägt der Biologie ein Schnippchen
    In diesem Interview mit Ursula Staudinger erfährt der Leser mehr über lebenslanges Lernen, Erfahrungswissen im Alter und Überlegungen dazu, wie man Weisheit messen könnte.
  • Der Rat der Greise
    In dem Interview mit Paul Baltes in der Zeit geht es um die Vor- und Nachteile des Alterns und darum, wie man im Alter Weisheit erlangt. Nach Baltes besteht der Weg zur Weisheit aus fünf Stufen.
  • Weisheit als Gegenstand psychologischer Forschung
    In dem Artikel, aus der Psychologischen Rundschau über das Projekt „Weisheit und Lebenslange Entwicklung“, steht die Darlegung eines empirischen Paradigmas zur Erfassung weisheitsbezogenen Wissens im Zentrum.

Online-Artikel (PDF, 62 S.)
Wisdom: The Integration of Mind and Virtue (Paul Baltes, Ursula Staudinger)
Der Forschungsbereich Entwicklungspsychologie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1981 von Paul Baltes gegründet. In diesem Jahresbericht des Forschungsbereichs findet sich unter anderem ein interessantes Kapitel über Weisheit, in dem Bezug auf die umfangreiche Weisheitsforschung (Berliner Weisheitsparadigma) von Baltes und Staudinger genommen wird (S. 45 des PDF bzw. S. 196 der Zeitschrift).

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2.3 Buddhistische Weisheit

Bezug Manuskript: S. 10, 20; Bezug Audio: 13:10, 26:10

Online-Video (24:12)
Lernen von Buddha (3sat)
In der Themenwoche zum Buddhismus führte Gert Scobel in seiner Sendung ein ausführliches Gespräch mit dem Dalai Lama. In diesem Interview wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie sich Weisheit in der Moderne kultivieren lässt und wie man einen „objektiven“ Einblick in die Natur der Dinge erhält. Darüber hinaus wird die Frage erörtert, wie man glücklich werden kann und welche Rolle Barmherzigkeit und Mitgefühl im alltäglichen Miteinander spielen. Das Gespräch mit dem Dalai Lama gibt einen Einblick in die Lehren des Buddhismus und dem Hörer Anregungen zu einer alternativen Weltanschauung.

Online-Video (32:28)
Weisheit, das „Ich“ und die Bratwurst (Gert Scobel)
In der Scobel-Themenwoche zum Buddhismus traf Gert Scobel auch auf den deutschen Zen-Meister Muho Nölke, der als Abt eines Klosters in Japan lebt. Fast täglich widmet sich dieser dem Zazen, einer Sitzmeditation im Zen-Buddhismus, die den Zugang zum Zustand der Erleuchtung ermöglichen soll. Als Abt wurde Muho die Erfahrung der „Erleuchtung“ oder des „Erwachens“ von seinem Zen-Meister – also seinem Vorgänger – bestätigt. Doch was ist eigentlich mit dieser Erfahrung gemeint? Im Interview berichtet Abt Muho über die lebensverändernde Kraft des Zazen.

Online-Buch (PDF, 253 S.)
Weisheit der Leere (Michael von Brück)
„Ich hoffe, dass dieses Buch, das Michael von Brück herausgegeben hat, zu einem besseren Verständnis zwischen Buddhisten und Menschen anderer Religionen, ganz besonders Christen, beitragen wird“, schreibt im Vorwort Tenzin Gyatso, der XIV. Dalai Lama. Der Autor Michael von Brück, wissenschaftlich orientierter Vermittler des Buddhismus, stellt hier die wesentlichen Prinzipien buddhistischer Spiritualität anhand zentraler Sūtra-Texte vor. Ziel ist diesen zufolge das Erlangen von Vollkommenheit und Erbarmen durch Loslösung und Erleuchtung. Besonders aufschlussreich im Kontext der Weisheitsfragen ist Teil III „Erwachen der Weisheit“ (S. 177-210).

Vorlesungssript (HHU Düsseldorf)
Die klassische indische Philosophie (Philosophisches Institut der HHU)
Diese umfangreiche Einführung der HHU Düsseldorf in die klassische indische Philosophie umfasst die Grundzüge der indischen „Liebe zur Weisheit“ sowie einige Bezüge zur abendländischen Philosophie. Nicht erst seit Schopenhauer und Goethe ist die indische Philosophie Gegenstand philosophischen und lebenspraktischen Interesses. Indiens spirituelle Vielfalt ist auch in den aktuellen Medien durchaus präsent und scheint charakteristisch für eine in unserer Vorstellung schillernde Kultur.

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2.4 Praktische Weisheit

Bezug Manuskript: S. 9, 17; Bezug Audio: 12:15, 23:55

 Weisheit beinhaltet über Wissen hinaus
eine meisterhafte Expertise im Umgang
mit schwierigen Fragen des Lebens,
der Lebensplanung und Lebensgestaltung.

Paul Baltes

Online-Video (28:23)
Angewandter Buddhismus (link error) (Gert Scobel)
In seiner Sendungsreihe zum Buddhismus empfängt Gert Scobel den bekannten amerikanischen Zen-Meister Bernard Glassman zum Interview. Glassman ist Begründer des Zen Peacemaker-Ordens. Diese Organisation verwirklicht den Zen-Buddhismus in Bereichen der Sozialarbeit, Wirtschaft, des Umweltschutzes und der Friedensarbeit in verschiedenen Projekten und stets unter Berücksichtigung der drei Grundsätze „Wissen“, „Zeugnisablegen“ und „liebevolles Handeln“. Im Gespräch mit Gert Scobel teilt Glassman seine Erfahrungen im Umgang mit Krisensituationen. Ferner spricht er über den sich entwickelnden westlichen Buddhismus und darüber, wie sich Entscheidungsprozesse vollziehen. Der Beitrag ermöglicht dem Hörer einen Einblick in ein Beispiel aktiv gelebten Buddhismus‘.

Online-Dissertation (PDF,  611 S.)
Weisheit in Führung und Management (Ursula Wagner)
In ihrer Dissertation zum Thema Personalführung stellt Ursula Wagner aufschlussreiche Fragen zu (Führungs-)Kompetenzen, die mit der Lebens- und Berufserfahrung zunehmen können. Die Auseinandersetzung mit philosophischen, theologischen und insbesondere psychologischen Konzepten ist laut Wagner unausweichlich, insofern Weisheit als Ergebnis des Alterns angesehen wird. Die Dissertation bietet einen konkreten Bezug zur Arbeitswelt sowie einen ausführlichen Einblick in die empirische Auseinandersetzungen mit dem Phänomen der Weisheit. Auf den Seiten 141 bis 146 wird der Stand zur Weisheitsforschung zusammengefasst; und bereits das Inhaltsverzeichnis bietet einen detaillierten Überblick über die vielfältigen Bezüge. Unterschieden werden beispielsweise folgende Aspekte der Weisheit:

  • personale (selbstbezogene) Weisheit,
  • interpersonale Weisheit (Kontaktpflege und Konfliktführung),
  • organisationale Weisheit (Wissen um organisationale Entwicklungen),
  • kontextuelle Weisheit (Analyse von Nachhaltigkeit, Ethik und Umfeld).

Online-Buch (kostenpflichtig)
The Reflective Life: Living Wisely With Our Limits (Valerie Tiberius)
Valerie Tiberius entwickelt in ihrem Buch eine subjektive Glückstheorie auf der Grundlage authentischer Werte, indem sie formal-objektive Bedingungen menschlichen Wohlergehens vollständig ausklammert. Tiberius stellt im Laufe der Entwicklung ihrer Theorie vier reflexive Tugenden vor, die helfen sollen, ein weises Leben zu führen. Hierbei handelt es sich zum einen um die Tugend der Perspektive, das heißt die Fähigkeit, sich auf sichere Wertüberzeugungen beziehen zu können. Außerdem beschreibt Tiberius die Fähigkeiten der flexiblen Fokussierung und der Selbsterkenntnis. Die vierte Tugend ist die des Optimismus, welcher stabile Wertüberzeugungen ausprägen soll. Tiberius‘ Theorie begegnet jedoch der Schwierigkeit und dem Vorwurf des „extremen Subjektivismus“, da eine subjektive Evaluation kaum mehr außerhalb der Teilnehmerperspektive nachvollzogen oder gar kritisiert werden kann.

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# Aristoteles
Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) gilt als berühmtester Schüler Platons. Er ist neben seinem Lehrer und dessen Lehrer Sokrates der dritte Philosoph, der der Phase der klassischen griechischen Philosophie zuzuordnen ist. Von König Philipp 343/342 an den makedonischen Hof gerufen, wurde Aristoteles zum Erzieher des später berühmten Herrschers Alexander, den er drei Jahre lang unterrichtete. Aristoteles beschäftigte sich mit allen für die zeitgenössische Philosophie relevanten Fragen. Unter anderem verfasste er wesentliche Werke zur Logik, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Poetik und zur Staatstheorie. Aristoteles’ bekanntestes moralphilosophisches Werk ist die Nikomachische Ethik; die in diesem und anderen Werken entwickelte Ethik gehört zu den glücksethischen Konzeptionen – Aristoteles vertrat die Auffassung, dass das Endziel des menschlichen Strebens die Verwirklichung eines guten (glücklichen) Lebens sei. Dies Vorstellung steht auch in Verbindung mit den politischen Vorstellungen des Aristoteles. Denn ein gelungenes Leben war für ihn nur möglich, wenn ein Mensch seine Tugenden und Fähigkeiten im Sinne der politischen Gemeinschaft – der Polis – zur Geltung brachte. In diesem Sinn verstand Aristoteles den Menschen als „zoon politicon”: als ein politisches Wesen, das auf die Gemeinschaft angewiesen ist. Ein Leben gemäß der Tugend bzw. der Tüchtigkeit galt Aristoteles als die zentrale Voraussetzung, um glücklich zu sein. Er entfaltete ein komplexes System unterschiedlicher Tugenden, die dem Menschen zugeordnet werden können, wie Charakter- und Verstandestugenden. – In der Politik konzipierte Aristoteles als erster Philosoph eine Staatenlehre. Er unterschied sechs Staatsformen voneinander: drei positive, die das Wohlergehen (Glück) des Staatswesens befördern (Monarchie, Aristokratie und Politie), und drei, die als entartet eingestuft werden (Tyrannis, Oligarchie und Demokratie). Die Demokratie, als Herrschaft der vielen Armen und Freien, verurteilte Aristoteles, da sie den Wohlhabenden und Tüchtigen zum Nachteil gereiche.

# Paul B. Baltes
Paul B. Baltes (1939 – 2006), ein weltweit renommierter deutscher Psychologe mit interdisziplinären Forschungsschwerpunkten, war einer der führenden Köpfe der Alterswissenschaft. Mit 18 Büchern und weit mehr als 250 Artikeln sorgte er für maßgebliche methodologische und theoretische Erneuerung in der Gerontologie (Alterswissenschaft). Nach einem Psychologiestudium an der Universität Saarbrücken und der Promotion im Jahre 1967 begann er, international seiner psychologischen Forschungsarbeit nachzugehen. Hierbei standen die Themen „geistige Entwicklung über die Lebensspanne“, „Erforschung der Weisheit“ und „methodologische Innovationen“ stets im Vordergrund. Nach zwölf Jahren der Forschung in den Vereinigten Staaten wurde Baltes 1980 wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und gründete 2005 das internationale Max-Planck-Forschungsnetzwerk zur Altersforschung. Baltes besaß stets die Absicht, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Gesellschaft zu integrieren und somit neue produktive Impulse für eine gesunde Gesellschaftsstruktur zu schaffen. Im Zusammenhang mit der Untersuchung des Begriffs und Phänomens der Weisheit ist er nach wie vor als einer der Pioniere anzusehen, dessen Arbeiten immer noch aktuell und von höchster Relevanz sind.

# Michael von Brück
Michael von Brück (* 1949) ist Professor für evangelische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Bis zum Sommersemester 2014 leitete er dort den Lehrstuhl für Religionswissenschaften. In den Jahren 1968 bis 1973 studierte Brück an der Universität in Rostock evangelische Theologie, vergleichende Sprachwissenschaften und Sanskrit. Wenige Jahre später erhielt er ein Stipendium des World Council of Churches, das in den Jahren 1976 und 1977 in Indien und Japan absolvierte. Nach der Promotion in systematischer Theologie war er als Gastdozent am Gurukul Lutheran Theological College in Madras (Indien) tätig und studierte zeitgleich Indische Philosophie an der University of Madras. 1988 übernahm Brück die Professur für Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität in Regensburg, 1991 wechselte er schließlich nach München. In seiner bisherigen Forschung beschäftigte er sich insbesondere mit dem Hinduismus, dem Buddhismus, dem Tibetischen Buddhismus sowie der Hermeneutik des interreligiösen Dialogs und den Alltagsritualen indischer Kulturen. Brück ist Gründungsmitglied des Zentrums für Buddhismusforschung und des Verlags der Weltreligionen. Über seine wissenschaftlichen Tätigkeiten hinaus hat er sich in seiner Zeit in Indien und Japan zum Zen- und Yogalehrer ausbilden lassen und ist als solcher tätig.

# Buddha
„Buddha“ bedeutet wörtlich „Erwachter“ und ist der Ehrenname des indischen Religionsstifters Siddhartha Gautama (563 – 483 v. Chr.). Durch seine Lehre des Dharma gründete er den Buddhismus. Der Titel „Buddha“ beschreibt ein Wesen, das sich in der Einheit und Vollkommenheit seines Geistes restlos entfaltet hat und somit absolute Weisheit erreicht und ein grenzenloses, aber doch distanziertes Mitgefühl für alle Lebewesen hat. Er soll bereits zu Lebzeiten aus dem Kreislauf der Reinkarnation ausgebrochen sein. Die Beschreibung des Zustands des Erwachens ist der buddhistischen Lehre zufolge nicht mit sprachlichen Mitteln auszudrücken und kann nur von Wesen erfasst werden, die sich bereits in diesem Zustand befinden.

# Thomas Metzinger
Thomas Metzinger (* 1958) ist als Professor im Bereich der theoretischen Philosophie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz tätig. Er ist Leiter des Arbeitsbereiches Theoretische Philosophie und der Forschungsstelle für Neuroethik. Auf seiner Homepage der Uni Mainz findet man genaue Angaben zu seiner Forschung und Lehre. Außerdem sind dort eine Reihe von Interviews und Online-Publikationen zugänglich. Metzinger ist Gründer und Direktor der FIAS Mind Group, die aus Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen wie der Philosophie, der Psychologie und der kognitiven Neurowissenschaften besteht. Interdisziplinär arbeiten diese Wissenschaftler an Fragen rund um Bewusstsein, Erkenntnis, Wahrnehmung und Verhalten.

# Ulrich Ott
Ulrich Ott (* 1965), dt. Psychologe und Meditationsforscher, studierte Psychologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main und promovierte zum Thema Merkmale der 40-Hz-Aktivität im Ruhezustand, beim Kopfrechnen und in Phasen der Meditation. Seit 2005 ist Ott als wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg im Breisgau an das Bender Institute of Neuroimaging der Universität Gießen (abgekürzt BION) abgeordnet. Ott leitet dort die Arbeitsgruppe „Veränderte Bewusstseinszustände – Meditationsforschung“, in welcher unter anderem die Wirkungen von Meditation auf Aufmerksamkeit, Emotionen und Selbst- und Realitätswahrnehmung erforscht werden.

# Platon
Platon (427 – 347 v. Chr.) war ein Schüler von Sokrates. In seinen Schriften berichtet er häufig von dem Denken seines Lehrers und der sokratischen Methode. Die Hinrichtung von Sokrates hat Platon tief erschüttert – vermutlich war er auch deshalb ein Kritiker seiner Zeit und des damaligen politischen Systems in Athen. Bekannt ist Platon vor allem für seine Ideenlehre und das Höhlengleichnis. Durch seine Werke prägte Platon die Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, Ethik, Anthropologie und politische Philosophie bis heute. Er beschreibt seine Auffassung von Ethik mit Hilfe der Ideenlehre. Mit dem Begriff „Idee”, den Platon bei seiner Interpretation verwendet, bezieht er sich auf ein von der beobachtbaren Welt verschiedenes Reich der Ideen, das dauerhaft besteht. Die höchste Idee, die ein Mensch besitzen kann, ist dabei die Idee des Guten; jeder Mensch hat eine unsterbliche Seele, die an der Idee des Guten teilhaben soll. Je mehr sie dieser Idee zustrebt, desto moralischer handelt sie. Es bildet sich eine moralische Instanz heraus, die darüber entscheidet, ob eine Handlung gut oder moralisch verwerflich ist. Die Seele und der Körper sind für Platon zwei unabhängige Entitäten. Platon zufolge  hält der Körper die Seele davon ab, zum höchsten Gut aufzusteigen, und gilt deshalb als Hindernis zur Zielerreichung.

# Sokrates
Sokrates (ca. 469 – 399 v. Chr.) ist neben Platon und Aristoteles einer der wichtigsten Philosophen der griechischen Antike. Bekannt war Sokrates zu Lebzeiten vor allem für seine charakteristische Gesprächsführung, mit der er andere Menschen zum philosophischen Denken anregte. Die spezifische Methode, die er entwickelte, wird  als Mäeutik („Hebammenkunst”) bezeichnet: Eine Person gelangt zu Erkenntnis, indem sie durch die gezielten Fragen eines „geistigen Geburtshelfers“ (Sokrates selbst) zum Reflektieren angeregt wird und sich somit einen Sachverhalt durch eigenständige intellektuelle Anstrengung erschließt. Dem Wissen, das die befragte Person der Theorie der Mäeutik zufolge bereits in sich getragen hat, ohne sich dessen bewusst zu sein, wird mit Hilfe der sokratischen Gesprächsführung zur „Geburt“ verholfen. – Von Sokrates selbst sind keine Schriften überliefert. Mit 70 Jahren wurde er wegen Gottlosigkeit und Verderbung der Jugend angeklagt und zum Tode durch den Schierlingsbecher verurteilt. Ihm wird der Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ zugeschrieben; dieser bezieht sich auf Sokrates‘ Grundannahme des (Nicht-)Wissens: Er ist sich bewusst, dass er nichts Endgültiges wissen kann. Damit weiß er jedoch womöglich mehr als diejenigen Menschen, die vorgeben, über gesichertes Wissen zu verfügen.

# Ursula Staudinger
Ursula Staudinger (* 1959) ist Gründungsdirektorin des Columbia Aging Centers und eine der weltweit führenden Alterswissenschaftlerinnen. Seit ihrem Studium und der anschließenden Promotion an der FU Berlin ist sie international auf akademischem Niveau hoch engagiert und gründete wichtige Forschungsinstitutionen, wie das Jacobs Center on Lifelong Learning and Institutional Development oder das International Longevity Center. Für ihre herausragenden interdisziplinären Leistungen in den Lebens- und Kulturwissenschaften wurde sie zuletzt im Jahre 2014 mit dem Braunschweiger Forschungspreis ausgezeichnet. Essentielle Fragen ihrer Forschung sind: Wie entstehen Erfahrungen? Was bedeutet die Sammlung von Erfahrungsschätzen und wie entsteht aus ihnen so etwas wie Weisheit? Eine ihrer wesentlichen Thesen formuliert Staudinger folgendermaßen: „Der Erfahrungsreichtum der Einzelnen stellt einen Wert dar, von dem die ganze Gesellschaft profitieren kann“. Auf der Suche nach dem Phänomen der Weisheit, kommt Staudinger zu tiefgreifenden kulturkritischen und wissenschaftlichen Annahmen, die stellvertretend sind für die neuzeitliche Philosophie und daher unumgänglich bei der Auseinandersetzung mit dem Begriff der Weisheit.

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4. Didaktik

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4.1 Curriculare Bezüge

Weder in den alten Lehrplänen noch in den aktuell geltenden Bildungsstandards ist das Thema „Weisheit“ explizit vorgesehen. Dennoch lässt es sich an vielen Stellen einbinden und sollte als elementarer Bestandteil der Philosophie auch behandelt werden.

Vorschläge zur Einbettung des Themas Weisheit in den philosophischen Unterricht im Sinne des Kerncurriculums und der Lehrpläne:

  • Kerncurriculum für Hessen – Fach Ethik – Gymnasium
    Nach dem Kerncurriculum könnte das Thema Weisheit gut in Jahrgangsstufe 9/10 eingegliedert werden, insbesondere wenn es um Selbst und Welt, Gewissen und Verantwortung oder um Religionen, Weltbilder und Kulturen geht (siehe S. 18 f., Inhaltsfelder).
  • Lehrplan Philosophie G9
    Dem Lehrplan für Philosophie zufolge kann das Thema Weisheit gut in der Jahrgangsstufe 11, genauer in 11.1 behandelt werden. In dem besagten Halbjahr sollen die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in die Philosophie eingeführt werden (siehe S. 10).
  • Lehrplan Ethik G9
    Nach dem Lehrplan für das Fach Ethik würde das Thema Weisheit in das erste Halbjahr der Jahrgangsstufe 11 passen, wenn es um Glück und in diesem Zusammenhang um vorgefundene und eigene Lebensentwürfe geht.

Schulinterner Lehrplan
Schulcurriculum Griechisch (Heinrich-von-Gagern-Gymnasium)
Ein Beispiel für die curriculare Einbettung der Weisheitsthematik in den Schulunterricht stellt der Lehrplan für den Griechischunterricht am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium in Frankfurt am Main dar. In der Lektürephase bis zum Graecum der Jahrgangsstufe 11 wird das Verhältnis von Wissen und Weisheit im Rahmen der Auseinandersetzungen mit der sokratischen Lehre und der Sophistik behandelt.

4.2 Weisheit im Unterricht

Online-Interviewtranskript (FAZ)
Weisheit kann man lernen (Frauke Haß)
In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau empfiehlt der Kultur-Moderator Gert Scobel, Techniken der Meditation bereits in der Schule zu vermitteln. Im Gespräch erklärt der studierte Philosoph und Theologe, wie sich Weisheit mit Blick auf die fernöstliche Kulturgeschichte kultivieren und lernen lässt. Ein wesentliches Mittel ist hier die Meditation. In dem Artikel beschreibt Gert Scobel die Einsatzmöglichkeiten von Methoden der Meditation im Schulunterricht und er verweist auf die neurologisch nachgewiesenen Erfolge solcher Übungen. Er gibt dem Leser zugleich einen Einblick in die sich neu entwickelnde Bedeutung des Weisheitsbegriffs in den Wissenschaften und der Bildung.

Buchempfehlung
Cool down!: Entspannungs- und
Konzentrationsübungen im Schulalltag
(Doris Stöhr-Mäschl)
Schüler müssen heute schon früh viel leisten und sind immer häufiger Opfer von Druck, Überforderung und Erschöpfung. Wie geht man mit gestressten und überlasteten Schülern um? Für Lehrkräfte, die sich mit dieser Frage auseinandersetzen, ist das Buch Cool down! interessant.  Darin stellt Doris Stöhr-Mäschl Methoden vor, die zu einer nachhaltigen Entspannung im Schulalltag beitragen. Zudem sollen die Übungen ein harmonisches und produktives Unterrichtsklima fördern. Die einzelnen Übungsphasen werden detailliert erläutert. Es fehlt allerdings eine solide didaktische/pädagogische Kommentierung; daher ist der Band vor allem für erfahrene Pädagogen eine anregende Lektüre, für Referendare und Studierende aber nur eingeschränkt zu empfehlen.

Buchempfehlung
Achtsamkeit in der Schule (Vera Kaltwasser)
Pädagogen und Psychologen haben schon lange erkannt, dass eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen darin besteht, dass Körper, Geist und die emotionale Verfasstheit des Menschen sich in einer dynamischen Balance befinden. Ganzheitliche Lernkonzepte, die dieser Einsicht Rechnung tragen, finden in deutschen Schulen jedoch immer noch zu wenig Berücksichtigung. Insbesondere physische und emotionale Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern kommen im Lernalltag häufig zu kurz. Mit einem Programm zur Achtsamkeit, das die Gymnasiallehrerin Vera Kaltwasser entwickelt hat, kann man diesen Defiziten entgegengewirken. Das Konzept basiert auf Übungen – vor allem auf der Grundlage des Qi-Gong – zum Erhöhen der Selbstwahrnehmung und -kompetenz sowie zur Entspannung – wodurch auch die Lernbereitschaft erhöht werden soll. Insbesondere soll das Lernklima durch ein regelmäßiges Training verbessert werden. Schülerinnen und Schüler lernen, sich selbst differenzierter wahrzunehmen, eigene Bedürfnisse zu erkennen und ihnen angemessen Rechnung zu tragen. Die Übungen können ab der 5. Klasse in den Unterricht integriert werden. – Ein zweites Buch der Autorin ist der wie kaum eine andere Berufsgruppe vom Burn-Out bedrohten Lehrerinnen und Lehrern sowie ihren spezifischen Bedürfnissen in einem zumeist allzu angespannten Schulalltag gewidmet: Persönlichkeit und Präsenz: Achtsamkeit im Lehrerberuf.

Online-Artikel (Education Week)
Teaching for Wisdom in Our Schools (Robert Sternberg)
In diesem Artikel präsentiert Robert Sternberg, ein amerikanischer Psychologe und ehemaliger Professor der Psychologie an der Universität Yale, eine Weisheitstheorie und bezieht diese auf den schulischen Kontext. Hierzu diskutiert der Autor einleitend die Frage, weshalb intelligenzbezogene Kompetenzen zwar bedeutende, aber nicht hinreichende Mittel für Bildung sind. Darüber hinaus setzt sich der Autor mit verschiedenen Weisheitstheorien auseinander.

4.3 Lern-Ressourcen

Online-Unterrichtsmaterial (PDF, 120 S.)
Weisheit schafft Entwicklung (HelpAge Deutschland)
Das entwicklungspolitische Hilfswerk HelpAge Deutschland e. V. bietet hier eine umfangreiche Materialsammlung für die Thematisierung von Weisheit, Alter und Entwicklungspolitik. Insbesondere das Modul B „Weisheit schafft Entwicklung“ (ab S. 64) behandelt die Themen des weltweiten demographischen Wandels und die Entwicklungszusammenarbeit mit Blick auf die Weisheit der Älteren. Das didaktisch aufbereitete Material für die Klassenstufen 8 bis 10 erlaubt eine anregende Beschäftigung mit den Gestaltungsmöglichkeiten des Zusammenlebens zwischen den Generationen und Kulturen. Das Altern ist auch Thema des Moduls A „Gemeinsam von 0–99!“ für die Klassenstufen 5 bis 7.

Online-Unterrichtsentwurf
Die Weisheit der Vielen – Schwarmintelligenz (Landesakademie BW)
Dieser frei verfügbare Unterrichtsentwurf aus dem kompetenzorientierten Griechischunterricht regt dazu an, aktuelle Debatten zum Thema Schwarmintelligenz mit psychologischen Theorieansätzen und Platons Dialogen zu vergleichen. Die kommunikative Situation, die Gorgias in Platons gleichnamigem Dialog (456a – 457c) beschreibt, soll mit Blick auf die zweifelhafte „Weisheit der Vielen“ diskutiert werden – im Rückgriff auf den Wikipedia-Artikel zur Schwarmintelligenz und Auszüge aus LeBons einflussreicher Abhandlung Psychologie der Massen.

Online-Unterrichtskonzept (PDF, 35 S.)
Resilienz – Was Kinder stark macht (Michaela Sit)
Ein umfangreiches Unterrichtskonzept zur Resilienzförderung stellt der österreichische Dorner-Verlag als PDF zur Verfügung. Einführend finden sich zunächst knappe Erläuterungen zur Resilienzforschung und ihren aktuellen lernrelevanten Ergebnissen. Abschließend wird auf den letzten Seiten auf weiterführende Literatur zu den folgenden thematischen Aspekten hingewiesen: Resilienzforschung, Resilienzförderung und Elterntrainingsprogramme. Außerdem werden im Hauptteil der Darstellung vielfältige Arbeitsblätter angeboten, die direkt im Unterricht der Grundschule sowie der Unterstufe der Sekundarstufe 1 eingesetzt werden können. Es wird jeweils konkret erläutert, wie mit dem bereitgestellten Material gearbeitet werden sollte. Darüber hinaus werden weiterführende Ideen für die Resilienzförderung im Unterricht diskutiert.

Online-Unterrichtsmaterial (PDF, 11 S.)
Schulfach Sozialkompetenz: Wenn nicht jetzt, wann dann? (ZEIT für die Schule)
Als PDF zum Download präsentiert die Zeit für die Schule eine kurze und kompetente thematischen Einleitung zum Schulfach Sozialkompetenz: Es finden sich ein Interview mit einer Lehrerin, die das Fach unterrichtet, Hinweise auf weiterführende Literatur, vor allem aber konkrete Unterrichtsmaterialien, Aufgabenstellungen und didaktische Erläuterungen, die für Unterrichtsprojekte genutzt werden können, in deren Rahmen die Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern sowie deren soziale Kompetenzen gefördert werden sollen. Die Unterrichtsmaterialen wurden am Berufskolleg Neandertal im Kontext eines Projekts zum Thema „Gesunde Schule“ in Zusammenarbeit mit der Leuphana-Universität in Lüneburg sowie der DAK-Gesundheit entwickelt und erprobt.

Online-Unterrichtsmaterial
Tibets Weisheit (BR)
Auf der Grundlage einer Sendung, die sich mit der Weisheit Tibets beschäftigt, hat der Bayerische Rundfunk Materialien und konkrete Unterrichtsvorschläge zu diesem Thema entwickelt. Die Sendung wird nicht nur zum Nachhören angeboten, sondern steht auch als Manuskript zur Verfügung. Darüber hinaus finden interessierte Lehrkräfte Impulse für einen Unterrichtseinstieg und weitere Unterrichtsmaterialien wie Arbeitsblätter, die zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen, einen Vorschlag zur Vertiefung des Unterrichtsstoffs sowie für einen Vorschlag für ein weiterführendes Projekt. – Der Online-Artikel Kernaussagen des Buddhismus (planet-wissen.de) beantwortet derweil einige wesentliche Fragen über den Buddhismus: Was ist Buddhismus? Wie wird man Buddhist? Und was Leere mit Weisheit zu tun?

Filmempfehlung
Stopping – Wie man die Welt anhält  (Bernhard Koch, Nils Landmark)
Stopping ist ein Dokumentarfilm, der unterschiedliche Methoden der Meditation beleuchtet. Vier Novizen lassen sich hier in die Vipassana-Meditation, das zen-buddhistische Zazen und die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion einführen. Zudem erläutern bekannte Meditationslehrer und -lehrerinnen wie Lama Ole Nydahl und Marie Mannschatz den philosophischen Hintergrund der Meditation und Kontemplation. Der Link bietet zahlreiche Informationen zum Film und Vorführungstermine.

Filmempfehlung
Mitgefühl, Weisheit und Humor (Boris Penth)
Hier findet sich der Trailer zur Dokumentation über das Leben des Sogyal Rinpoche, einem der bedeutendsten Lehrer des Tibetischen Buddhismus, die 2009 in den Kinos erschien. Mit viel Humor verbreitet Soyal Rinpoche in der westlichen Gesellschaft die Lehre des Tibetischen Buddhismus. Ein beeindruckender und humorvoller Film, der Schüler und Schülerinnen mit Leichtigkeit in die Weisheiten des Buddhismus einführt.

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