Zusatzmaterialien zur Folge 19

Geben wir den Wörtern zu viel Gewicht?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 13.4.2015 erstellt von:
Teresa Baldauf, Jacqueline Stein, Sebastian Engemann (Studierende)
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Was bedeutet Sprache?
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Sprachphilosophie
– 2.2 Sprache und Denken
– 2.3 Sprache und Weltbild
– 2.4 Sprache und Politik
3. Personen
4. Didaktik

Tagxedo, Folge 19

1. Perspektiven

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Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung
unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.
Ludwig Wittgenstein

Was ist Sprache? Was heißt es, eine Sprache zu sprechen? Was heißt es, jemanden zu verstehen? Welche Relevanz hat Sprache für unseren Alltag?  Für die meisten Menschen sind Sprechen, Schreiben und Lesen selbstverständliche Tätigkeiten – sei es, um morgens die Brötchen zu bestellen, um eine Postkarte zu schreiben oder um einen philosophischen Traktat zu studieren. Sprachliches Handeln bedingt unser gesellschaftliches Zusammenleben auf vielfältige Weisen, insofern die Verwendung von Sprache in vielen Bereichen unseres Lebens ganz unterschiedliche Funktionen übernimmt. Als kommunikative Mittel eröffnen die verwendeten Wörter die unterschiedlichsten Interpretationsspielräume und je nach Kontext können sie unterschiedlich „gewichtet“ werden. Einige philosophische Überlegungen zum metaphorischen „Gewicht“ der Wörter werden in den folgenden Materialien zur Bestimmung der Sprache, ihrem Ursprung und einigen lebensweltlichen Funktionen vertieft.

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte“.

1.1 Was bedeutet Sprache?

Bezug Manuskript: S. 3, 6; Bezug Audio: 1:10, 5:00

Online-Schaubild (PDF, 1 S.)
Wer? Wie? Was? (Universität Würzburg)
Diese sehr übersichtliche Grafik veranschaulicht die Funktionsweise der sprachlichen Kommunikation intelligenter Lebewesen. Sprache wird hier als ein System von Zeichen dargestellt, in dem jedes Zeichen die drei Bezüge „Wer?“, „Wie?“ und „Was?“ aufweist. Angedeutet wird dabei schon, wie die Verwendung von Wortzeichen zu Problemen führen kann, sobald die Sprecher sie unterschiedlich verstehen.

Online-Artikel (Die Welt Online)
Rhetorik-Kniffe, die das ganze Leben verbessern (I. Lehmann, Brenda Strohmaier)
Was verraten wir über uns selbst, wenn wir reden? Was bestimmt unsere Art zu reden? Die Abteilung ICON der Welt liefert mit diesem Artikel zunächst praktische rhetorische Tipps, die eine „positivere“ Sprache ermöglichen sollen. Die Zusammenstellung macht jedoch auch klar, welches Gewicht unseren Worten beiliegt und welche psychologische und kommunikative Bedeutung sie für Sprecher und Hörer gleichermaßen haben.

Online-Magazin (PDF, 50 S.)
„Krissu geiles Heft for free“
Fluter Themenheft Sprache
(bpb)
Ausgabe 39 des Magazins fluter eignet sich für alle, die einen einsteigerfreundlichen und bodenständigen Überblick über verschiedene Themenbereiche zur Sprache suchen. In kurzen, prägnanten Texten werden Aspekte aus der Politik und Philosophie diskutiert und alltagsnahe Bezüge hergestellt. Auch wer sich einen Eindruck von spezifischeren Konzepten verschaffen möchte, wird hier fündig – beispielsweise zum Verhältnis von Sprache und Politik (S. 31) oder von Sprache und Denken (S. 46).

Buchempfehlung
Was ist Sprache? (Jürgen Trabant)
Trabant behandelt in seinem Buch die Probleme, die unser Sprechen im Allgemeinen mit sich bringt. Er geht dabei dem Ursprung der Sprache und kulturellen Einflüssen auf sie nach. Aus seinen Überlegungen folgert er unter anderem, dass es eine Kluft zwischen sprachlicher Schönheit und finanzieller Vermarktbarkeit gibt. Auf der Verlagsseite gibt es eine kurze (PDF, 11 S.)  Leseprobe.

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1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 4, 15; Bezug Audio: 2:38, 18:10

Da Gott den Menschen zu einem geselligen Wesen
bestimmt hatte, so erschuf er ihn nicht nur mit
der Neigung und versetzte ihn nicht nur in die
Notwendigkeit, mit seinen Artgenossen Gemeinschaft
zu pflegen, sondern stattete ihn auch mit der
Sprache aus, die das hauptsächliche Werkzeug und
das gemeinsame Band der Gesellschaft werden sollte.
John Locke

Die Grundfragen der Sprachphilosophie zielen auf eine Antwort darauf, wie bestimmte Äußerungen eine allgemein verständliche Bedeutung haben können und was es überhaupt heißt, die Bedeutung eines Wortes zu kennen. Ein wichtiges Ausgangsmoment der heutigen Sprachphilosophie war der sogenannte linguistic turn – die Hinwendung der Philosophie zur Sprache als einer Bedingung des Denkens und der Erkenntnis. In der Zeit vor dieser Wende herrschte die Auffassung, dass die Sprache lediglich Ausdruck eines sprachunabhängigen Denkens sei; die eigentlichen philosophischen Probleme betrafen aber das Verhältnis von Denken und Welt. Ein Vertreter dieser traditionsreichen Ansicht war unter anderem John Locke.

In ihrer heutigen Form geht die Sprachphilosophie auf zwei unterschiedliche Traditionen zurück: Zum einen auf Johann Gottfried Herder und Wilhelm von Humboldt, deren Überlegungen zur Sprache zu einer anthropologischen Reflexion über die Stellung des Menschen in der Welt führt; zum anderen auf Gottlob Frege, der als einer der Urväter der heutigen Bedeutungstheorie gilt. Ein Philosoph, der beide Traditionen näher zusammenrückte, war Ludwig Wittgenstein. Heute wird die Sprache in der Philosophie – wie auch in angrenzenden Wissenschaften – in der Regel als ein Medium betrachtet, ohne dessen Reflexion wir weder Grundbegriffe klären noch zu einer Erkenntnis der Welt erlangen können.

Online-Vorlesungspräsentation (PDF, 79 S.)
Vorlesung über Sprachphilosophie (Holm Bräuer)
Diese gut strukturierte und umfangreiche Vorlesungspräsentation der Technischen Universität Dresden macht Halt an den wichtigsten Stationen der sprachphilosophischen Historie. Werke und theoretische Ansätze der einzelnen Philosophen werden durch Grafiken und Schaubilder veranschaulicht, miteinander verglichen und durch einfache Beispiele verdeutlicht.

Online-Vorlesungsskript (PDF, 48 S.)
Geschichte der Sprachtheorien und Sprachwissenschaft (Holger Kuße)
Das Skript dieser Vorlesung gibt einen auch für Einsteiger geeigneten Überblick über die Geschichte der Sprachphilosophie. Der Überblick beginnt mit mystischen, biblischen und antiken Theorien und schließt mit den aktuellen Ideen des Humboldtianismus und der kulturwissenschaftlichen Linguistik. Einfache Begriffserklärungen und Schaubilder erleichtern das Verständnis. Die angegebene Literaturliste zeigt außerdem Möglichkeiten zur Vertiefung auf.

Zu Johann Gottfried Herder
Die beiden folgenden, kurzen und einfach gehaltenen Videos skizzieren die berühmte Abhandlung über den Ursprung der Sprache von Johann Gottfried Herder. Herder kritisiert in seiner Schrift die verbreitete These seiner Zeit, dass die Sprache göttlichen Ursprungs sei. Er argumentiert stattdessen dafür, dass die Ausbildung der Sprache das Ergebnis einer natürlichen Entwicklung sei, die beim Menschen maßgeblich durch die Ausbildung der Vernunft unterstützt wurde.

Zu Gottlob Frege
Der zu Lebzeiten eher unbekannte Philosoph und Mathematiker Gottlob Frege gilt heute als Mitbegründer der modernen Logik und der analytischen Philosophie. Besonders bekannt ist er für seine eigenwillige Unterscheidung des Sinns und der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke. Freges Philosophie stellt sprachphilosophisch Interessierte vor einige Herausforderungen, glänzt aber letztlich durch klare Argumente und den transparenten Aufbau seiner Arbeit. Die nachfolgenden Quellen erläutern Freges Bedeutungstheorie und sein Werk im Allgemeinen.

  • Online-Vorlesungsfolien (PDF, 9 S.)
    Freges Bedeutungstheorie (Christian Nimtz)
    Bei diesem PDF handelt es sich um einen Teil aus einer Vorlesung über die Sprachphilosophie, der sich explizit mit Freges Bedeutungstheorie auseinandersetzt. Die Folien erläutern Freges Unterscheidung von Sinn und Bedeutung und eignen sich daher als guter Einstieg in seinen Beitrag zur Bedeutungstheorie.
  • Online-Digitalisat (Deutsches Textarchiv)
    Über Sinn und Bedeutung (Gottlob Frege)
    Wer Freges Aufsatz im Original lesen will, findet diesen als Digitalisat der Originalveröffentlichung auf den Seite des Deutschen Textarchivs.
  • Online-Lexikoneintrag (engl.)
    Gottlob Frege (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
    Dieser englischsprachige Lexikon-Eintrag führt in die Person und das Leben Freges ein, enthält aber auch – empfehlenswert für Fortgeschrittene – umfangreiche Darstellungen seiner wichtigsten philosophischen Leistungen.
  • Buchempfehlung (PDF, 215 S.)
    Gottlob Frege: eine Einführung in sein Werk (Franz von Kutschera)
    Für einen genaueren Einblick in Freges Bedeutungstheorie empfehlen sich die Seiten 63 – 100 der Einführung von Franz von Kutschera. Dort wird Freges Aufsatz „Über Sinn und Bedeutung“ im Detail und textnah diskutiert.

Zu Ludwig Wittgenstein
Viele sehen in Ludwig Wittgenstein einen genialen und doch schwer zugänglichen Wegbereiter der analytischen Philosophie. Er hatte großen Einfluss auf die philosophischen Fortschritte im Bereich der Logik und der Philosophie der Sprache – und in der Folge auch auf viele andere Bereiche. In seiner frühen Schaffensphase verfasste er den Tractatus Logico-Philosophicus, in dem er moderne Logik auf die zu seiner Zeit diskutierte Metaphysik anwandte, wodurch er ein neues Verständnis für das Verhältnis zwischen Welt, Gedanken und Sprache erreichte. Jahrzehnte später scheint sein Werk Philosophische Untersuchungen seine frühere Position aber zu revidieren, was Gegenstand anhaltender philosophischer Diskussionen ist.

  • Podcast (90:40)
    Einführung in die Sprachphilosophie (Gerald Posselt)
    Ab Minute 6:15 wird in diesem Vorlesungsmitschnitt der Philosophischen Audiothek der linguistic turn beleuchtet; insbesondere hinsichtlich der Entwicklung der Sprachphilosophie bei Frege und Wittgenstein.
  • Buchempfehlung (PDF, 10 S.)
    Die Philosophie der idealen und der normalen Sprache (Albert Newen)
    Als Einführung zu Wittgensteins Werk empfiehlt sich dieser Aufsatz Albert Newens. In dem Text schlüsselt er sowohl den „frühen Wittgenstein“ des Tractatus als auch den „späten Wittgenstein“ der Philosophischen Untersuchungen in gut nachvollziehbaren Schritten auf. Hilfreich sind allerdings Grundkenntnisse der Logik.
  • Online-Originaltext (PDF, 173 S.)
    Tractatus Logico-Philosophicus (Ludwig Wittgenstein)
    Wittgensteins bekanntestes und wohl einflussreichstes Werk wurde von Projekt Gutenberg als E-Book herausgegeben. Es enthält sowohl die englische Übersetzung als auch den deutschen Originaltext (ab S. 93 des PDF) sowie die Einleitungen von Bertrand Russell und Wittgenstein selbst.

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2. Konzepte

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Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Sprachphilosophie

Bezug Manuskript: S. 5, 17; Bezug Audio: 3:30, 19:15


Die Vorstellung des einen ist nicht die des
anderen. […] Die Vorstellung unterscheidet
sich dadurch wesentlich von dem Sinne eines
Zeichens, welcher gemeinsames Eigentum von
vielen sein kann und also nicht Teil oder
Modus der Einzelseele ist.

Gottlob Frege

Online-Artikel (ZEIT online)
Im Netz der Sprache  (Thomas Assheuer)
Der US-amerikanische Philosoph Robert Brandom gilt als einer der einflussreichsten aktuellen Sprachphilosophen. In seinen Theorien versucht er, Begriffe aus der abendländischen Kultur anhand von einfachen Fragestellungen neu zu beleuchten. Der verlinkte Artikel referiert die These Brandoms, derzufolge wir in einem Netz von Sprache „gefangen“ sind, welches unsere Welt zusammenhält. Weiterführende Informationen über Brandom und Ausschnitte aus seinen Werken finden sich auf seiner englischsprachigen Homepage.

Online-Vorlesungs-Video (18:46)
Sprachphilosophie I: Sprachabhängigkeit der Philosophie (Paul Hoyningen-Huene)
Diese Vorlesung gibt einen sehr kompakten geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Sprachphilosophie, die in zwei zeitliche Abschnitte unterteilt ist: die ältere Sprachphilosophie vor und die moderne analytische Sprachphilosophie nach Gottlob Frege. Paul Hoyningen-Huene referiert über die Abhängigkeit der Philosophie von der Sprache, die im Zusammenhang mit der Ausbildung von Weltbildern steht (siehe hierzu auch Abschnitt 2.4). In den ersten Minuten dieses Videos entwirft Hoyningen-Huene eine einfache Bestimmung der Sprachphilosophie gemäß dreier miteinander verwobener Fragen:

  • Worauf gründet die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke?
  • Was heißt es, sprachliche Ausdrücke zu verstehen?
  • Was heißt es, sprachliche Ausdrücke (richtig) verwenden zu können?

Online-Artikel
Sprache und Wirklichkeit: Der Linguistic Turn (Jan Stampehl)
Diese Zusammenfassung eines Referates von Jan Stampehl an der Humboldt-Universität zu Berlin erklärt in kurzen Worten, was mit dem linguistic turn in der Sprachphilosophie gemeint ist. Die linguistische Wende sei letztlich eine Weiterentwicklung der Theorien von Wilhelm von Humboldt, Johann Gottfried Herder und Ernst Cassirer. Diese Wiederaufnahme veränderte in der Sprachphilosophie insbesondere den Blick auf die Rede von objektiven Wahrheiten. Zeitlich fällt der linguistic turn zusammen mit dem Wirken von Ludwig Wittgenstein und John Longshaw Austin.

Online-Text (PDF, 15 S.)
Die pragmatische Wende des Linguistic Turn (Mike Sandbothe)
Sandbothe vertieft in seinem eher für Fortgeschrittene geeigneten Text die Entwicklung des linguistic turn. Dabei geht er auf den Begriffs- und Bedeutungsursprung bei Richard Rorty und Gustav Bergmann ein. Sandbothe erläutert insbeondere Rortys pragmatische Philosophie und zeigt einige Probleme daran auf. Dabei kommen auch weitere einflussreiche Philosophen wie Willard Van Orman Quine zu Wort, der den Begriff des „semantischen Aufstiegs“ geprägt hat.

Online-Skript (PDF, 4 S.)
Searls Sprechakttheorie (Manfred Krifka)
Dieses Seminar-Skript von Manfred Krifka skizziert die Sprechakttheorie, wie sie von John Austin aufgestellt und von John Searle weitergeführt wurde. Die Sprechakttheorie unterscheidet beim Sprechen (bzw. dem Kommunizieren allgemein) konsequent bestimmte Sorten kommunikativen Handelns: Jede (sprachliche) Äuβerung könne als Vollzug eines bestimmten Handlungstyps klassifiziert werden, selbst wenn vordergründig nur wahrheitsfähige Feststellungen philosophisch interessant scheinen. Searle unterschied einerseits verschiedene Aspekte solcher Sprechakte, andererseits schlug er eine viel diskutierte Typologie ihrer geläufigsten Arten vor:

  • Repräsentative: Der Sprecher legt sich auf etwas fest – mit unterschiedlicher Intensität (bspw. vermuten, behaupten, beschwören).
  • Direktive: Der Sprecher versucht eine Handlung bei jemandem hervorzubringen (bspw. fragen, bitten, befehlen).
  • Kommisive: Der Sprecher verplichtet sich selbst auf eine Handlung (bspw. anbieten, versprechen, garantieren).
  • Expressive: Der Sprecher drückt einen seiner psychischen Zustände aus (bspw. danken, entschuldigen, gratulieren).
  • Deklarative: Der Sprecher ändert den (sozialen) Status von etwas oder jemandem (bspw. weihen, taufen, befördern).

Online-Vorlesungsfolien
Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns (Universität Würzburg)
Einen gut strukturierten Einblick in Habermas‘ Theorie, sein Leben und sein Werk bietet diese Vorlesungspräsentation aus der Vorlesungsreihe „Philosophiegeschichte“ der Universität Würzburg. In seiner Theorie des kommunikativen Handelns unterscheidet Jürgen Habermas unter anderem zwischen zwei sozialen Handlungstypen: einerseits strategisch zweckgerichtetes und andererseits ergebnisoffenes kommunikatives Handeln. Der zentrale Punkt der Kommunikationstheorie Habermas‘ ist die Behauptung, dass für alle Sprechakte, die den folgenden drei Typen zugeordnet werden können, bestimmte kritisierbare Geltungsansprüche charakteristisch sind:

  • Konstative Sprechakte (Äußerungen von Behauptungen),
    kritisierbar im Hinblick auf (empirische) Wahrheit
  • Präskriptive Sprechakte (Äußerungen von moralischen Einstellungen),
    kritisierbar im Hinblick auf (moralische) Richtigkeit
  • Dramaturgische Sprechakte (Ausdruck von Subjektivität),
    kritisierbar im Hinblick auf (subjektive) Wahrhaftigkeit

Buchempfehlung
Sprachphilosophie: Eine Einführung (Pirmin Stekeler-Weithofer)
Dieses Werk beschäftigt sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten der sprachphilosophischen Geschichte Europas. Der Autor Pirmin Stekeler-Weithofer, der als einer der renommiertesten Sprachphilosophen Deutschlands gilt, stellt diese anschließend den Themen, Fragen und Methoden der heutigen Sprachphilosophie gegenüber. Durch den einführenden und fokussierten Charakter ist das Buch für Einsteiger geeignet, die sich über die modernen Entwicklungen in der Sprachphilosophie informieren wollen.

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2.2 Sprache und Denken

Bezug Manuskript: S. 6, 12; Bezug Audio: 4:35, 12:30

Schon als Tier hatte der Mensch Sprache.
Johann Gottfried von Herder

In der Philosophie kehrte im 20. Jahrhundert die Ansicht ein, dass der Sprache eine alles Denken begründende Rolle zukommt. Ob dabei aber Denken lediglich sprachlich geprägt ist oder aber in allen Aspekten von Sprache abhängig ist, erscheint bis heute noch strittig. In Folge der Sapir-Whorf-Hypothese, die das Denken weitgehend von der (Mutter-)Sprache bedingt postulierte, kam es zu zahlreichen psychologischen Experimenten, welche den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken klären sollten. Der folgende Abschnitt bietet einen kurzen Einblick in die möglichen Bezüge von Sprache und Denken. Nachgelesen werden kann eine genauere Bestimmung zum psychologischen Sprachbegriff im Lexikon der Psychologie.

Online-Audio-Podcast (3:41)
Kann man ohne Sprache denken? (SWR)
Inwiefern Denken ohne Sprache möglich ist, versucht Gabor Paal in diesem kurzen Beitrag zu erläutern. Offenkundig gibt es Dinge und Erfahrungen, die wir kaum mit Worten beschreiben können, wie etwa bildliche Vorstellungen. Er räumt in seiner Erläuterung allerdings ein, dass es andererseits abstrakte Konzepte gebe, für die wir notwendigerweise an Sprache gebunden seien. Je unanschaulicher ein gedanklicher Inhalt sei, desto schwerer falle es uns, ihn ohne Sprache zu erfassen. Philosophisch heiß debattiert wird allerdings, inwiefern Vorstellungsinhalte ohne konzeptionelle Struktur überhaupt sinnvollerweise als „Denken“ bezeichnet werden können.

Online-Artikel (ZEIT Online)
Sprachpsychologie: Die Macht der Worte (Stefanie Schramm, Claudia Wüstenhagen)
Auch dieser Artikel thematisiert den Einfluss unserer Sprache auf unser Denken in einigen kurzen und verständlichen Überlegungen. Um die Möglichkeit der Machtausübung durch Sprache zu verdeutlichen, wird neben aktuellen politischen Beispielen auch der Roman 1984 von George Orwell betrachtet, welcher einen totalitären Staat beschreibt in dem das Volk insbesondere mit sprachlichen Mitteln kontrolliert wird. Außerdem wird eine Reihe von wissenschaftlichen Studien aufgeführt, welche der Sprache einen entscheidenden Einfluss auf die Kognition zuschreiben.

Online-Lexikonartikel (engl.)
The Language of Thought Hypothesis (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
Jene neuronalen Vorgänge, die unserem Denken zugrundeliegen können als eine Art Sprache des Gehirns verstanden werden – etwas scherzhaft formuliert nennt man diese basale Sprache das „Mentalesische“. Dietrich Dörner fasst in seinem Beitrag des englischsprachigen Lexikons zusammen, wieso verschiedene Philosophen für diese abstrakte „Language of Thought“ argumentieren. Laut Jerry Fodor, der sowohl als Kognitionswissenschaftler als auch als Philosoph respektiert ist, muss unsere Kognition auf syntaktisch geordneten mentalen Repräsentationen der Wirklichkeit basieren. Denn nur solche repräsentationalen Zustände erlauben die Herausbildung ein mentalen Systems, auf dessen Organisation die Herausbildung von Gedanken und letztlich auch deren sprachliche Artikulation beruhe.

Vortrags-Aufzeichnung (engl., 17:29)
Steven Pinker über Sprache und Denken  (Steven Pinker)
Wie die Sprache ausdrückt, was wir denken, referiert der Kognitionswissenschaftler Steven Pinker in diesem TED Vortrag, den er über sein Buch The Stuff of Thought hielt. In diesem Vortrag erklärt er auf humorvolle Weise seine Auffassungen von der Natur der Sprache und gibt dabei auch einen kleinen Einblick in die der Philosophie verwandten Disziplin der kognitiven Linguistik. Seine Überlegungen darüber, wie wir Worte nutzen und uns verständigen, macht Pinker erfolgreich auch einem breitere Publikum zugänglich. Auf ihn geht auch die Prägung der Idee von einer „mentalesischen“ Sprache des Denkens zurück.

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2.3 Sprache und Weltbild

Bezug Manuskript: S. 12, 18; Bezug Audio: 12:30, 21:40


Sprache ist ein eigenes riesiges Struktursystem,
in dem die Formen und Kategorien kulturell vorbestimmt
sind, aufgrund deren der einzelne sich nicht nur
mitteilt, sondern auch die Natur aufgliedert, Phänomene
und Zusammenhänge bemerkt oder übersieht, sein Nachdenken
kanalisiert und das Gehäuse seines Bewußtseins baut.

Benjamin Lee Whorf

Unter einem Weltbild versteht man meist eine subjektive bzw. intersubjektive Anschauung der Wirklichkeit, womit bestimmte Vorannahmen, Einstellungen und Erklärungsformen einhergehen können. Die Rede von Weltbildern im Plural kann sich auf politische Ideologien oder religiöse Weltanschauungen, aber auch auf philosophische Perspektiven beziehen. Die politische Ideologie etwa bezieht sich auf die Vorstellungen hinsichtlich politischer Organisations- und Machtstrukturen, sowie die Legitimierung politischen Handelns. Religiöse Weltanschauungen präsentieren die uns bekannte Welt oft als Teil oder Schöpfung einer umfassenden Wesenheit, womit verschiedene Kategorien eines übergeordneten „Sinns“ einhergehen können. Eine traditionell reflektierte Schwierigkeit besteht dabei vor allem darin, dieses „Unbegreifbare“ zu versprachlichen. Während manche Gläubige aber auf eine wörtliche Auslegung heiliger Schriften Wert legen, benutzen andere das Wort als gerade als Mittel, um geistige Begrenzungen zu überwinden, wie es bei Mantras im Hinduismus oder Koans im Zen-Buddhismus beabsichtigt zu sein scheint. Philosophische Perspektiven wiederum können sich darin unterscheiden, dass beispielsweise dualistische, reduktionistische oder quietistische Grundannahmen ein umfassendes Weltbild ordnen.

Online-Artikel (FAZ)
Erst Rot, dann Gelb, dann Grün und Blau (Helmut Mayer)
Dieser anschauliche Artikel präsentiert das Buch Im Spiegel der Sprache von Guy Deutscher, einem israelischen Linguisten, der an der Universität von Leiden als Spezialist für antike semitische Sprachen arbeitet. Deutscher untersucht beispielsweise, inwiefern die Farbwahrnehmung vom Vokabular verschiedener Sprachen abhängig ist. Auch innerhalb einer Sprache können sich Begriffe und Wahrnehmungsdifferenzierungen mit der Zeit etablieren. Dass sich Sprachen entwickeln, sei ein ganz normaler Vorgang, argumentiert Deutscher hinsichtlich des scheinbaren Verfalls der Sprache durch veränderte Gebrauchsweise in jüngeren Generationen. Die irreführende Idee der einen gemeinsam gesprochenen Sprache, verkenne ohnehin die mannigfaltigen Verwendungskontexte und Ziele unseres Sprechens, so Deutscher im Interview mit dem American Scientist.

Online-Text
Sapir- und Whorf-Hypothese (Fernández López)
Inwiefern prägen Sprachen unterschiedliche Weltanschauungen? Sapir und Whorf gingen davon aus, dass die eigene Weltanschauung und das Denken von der jeweiligen Sprache bestimmt seien. Whorf forschte in der Indianersprache Hopi und versuchte aufgrund einiger sprachlicher Eigenarten seine Thesen zu stützen. Seine Auffassung  von stark divergierenden Weltbildern sind allerdings bis heute stark umstritten. Der Text erläutert die Saphir-Whorf-Hypothese anschaulich und geht auf den damit zusammenhängenden sprachlichen Determinismus ein.

Online-Script (.doc, 9 S.)
Vorlesung Sprache und Weltbild (Manfred Kienpointner)
In dieser Mitschrift zu Kevin Krennhubers Vorlesung zur Thematik von Sprache und Weltbild werden sprachtheoretische Grundideen von Humboldt, Leitmotive von Lee Whorf, sowie die Forschung zur Sapir-Whorf Hypothese genauer betrachtet. Das Skript bietet einen kurzen, in kompakten Stichpunkten verfassten Überblick über den Zusammenhang zwischen Sprache und Weltbild. Das dichte Skript ist für philosophische Einsteiger weniger geeignet, kann aber als Ideenpool zur weiteren Vertiefung dienen.

Online-Script (PDF, 10 S.)
Religionsphilosophie (Peter Strasser)
Der besondere Status religiöser Texte ist Gegenstand dieser religionsphilosophischen Vorlesung des Philosophen Peter Strasser von der Universität in Graz. Besonderes Augenmerk verdient dabei die Interpretation von religiösen Texten im Vergleich zu der von wissenschaftlichen Publikationen, was mit einigen einschlägigen Beispielen von Wittgenstein veranschaulicht wird.

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2.4 Sprache und Politik

Bezug Manuskript: S. 12 ; Bezug Audio: 13:15

In der Politik ist es manchmal wie in der
Grammatik: Ein Fehler, den alle begehen,
wird schließlich als Regel anerkannt.

André Malraux

Das Gewicht der Wörter ist besonders in einem Bereich unseres gesellschaftlichen Lebens von zentraler Bedeutung: der Politik. Sprache ist nicht nur die Grundlage politischer Kommunikation. So sehr die Politik auf die Sprache angewiesen ist, so sehr nimmt sie auch Einfluss auf die Formulierung gesellschaftlicher Themen. Das kann mitunter zu polemischen Verwerfungen in der Kommunikation oder sogar der expliziten öffentlichen Debatte um die korrekte Begriffsbestimmung führen. In der Politik ist Sprache insofern Paradigma, Strategie und Thema in einem. Wie sehr ein Erfolg in der Politik von der Beherrschung der Sprache abhängen kann, beleuchten die nachfolgenden Materialien.

Online-Dossier
Sprache und Politik (bpb)
Das mehrteilige Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung bietet unter anderem ein Pro und Contra einer aktuellen Debatte zum Thema Sprache in der deutschen Politik und informatives Material bestehend aus Grafiken, die die Textinhalte des Dossiers begleiten und veranschaulichen. In drei Abschnitten werden die basalen Funktionen, Bedingungen und Probleme des Sprachgebrauchs in der Politik beleuchtet:

  • Der Grundlagen-Abschnitt dreht sich zunächst um die grundlegende Rolle von Sprache in der Politik und die Verbindung der beiden. Ob als Grundlage für generelles politisches Handeln, als Wahlkampfstrategie oder als sozialpolitisches Thema (wie etwa die Rechtschreibreform): Sprache wird hier als das konstituierendes Element der Politik beschrieben.
  • Im Abschnitt „Kampf um Wörter dreht sich alles um Wortinhalte und den politischen Kampf mit und um die Verwendung bestimmter Begriffe.
  • „Ideologie und Sprache“ zeigt, wie die Sprache in der Politik zur Ausbildung bestimmter Ideologien und Weltbilder in der Vergangenheit und der Gegenwart genutzt wurde und noch immer genutzt wird und wie Begriffe in der politischen Wirklichkeit gezeichnet oder belastet werden.

Online-Artikel (bpb)
Herrschaft durch Sprache in Politik und Wissenschaft (Bettina Fackelmann)
Bettina Fackelmann beschreibt in diesem Text, welche Funktionen der Sprache im Rahmen politischer Diskurse genutzt und ausgenutzt werden. Sie unterscheidet dabei Ethnosprachen von Fachsprachen: Bei Ethnosprachen handle es sich um die Sprache eines ganzen Landes, bei Fachsprachen um mehr oder weniger institutionalisierte Subsysteme sprachlichen Handelns, wie sie in Politik und Wissenschaft auftreten. Sprache habe grundsätzlich eine demokratisierende Funktion; das heißt wer eine Sprache beherrscht, an ihr teilhat und sie vielleicht sogar beeinflusst, sei Teil eines gesellschaftlichen Systems. Dies führe jedoch auch zu Ausgrenzung, wenn die Sprache nicht beherrscht wird; der Text verweist dabei auf die alarmierende Studie Sprichst du Politik?.

Online-Aufsatzsammlung (PDF, 100 S.)
Die Sprache der Politik – Politik mit Sprache (Hrsg. Peter Haslinger, Nina Janich)
Das Arbeitspapier des Forschungsverbund Ost- und Südosteuropa aus dem Jahr 2005 versammelt unterschiedliche wissenschaftliche Aufsätze zum Thema Bedeutung von Sprache im politischen Raum zusammen. Es kann nach der einführenden Beschäftigung mit dem vorangehenden Material der Bundeszentrale für politische Bildung für eine wissenschaftliche Vertiefung des Themas genutzt werden. Die Aufsätze beschäftigen sich mit den Funktionen der Sprache in der Politik und Konzepten von Sprache und Sprachplanung im europäischen Raum aus sozialer, kultureller und ethnischer Perspektive.

Online-Projekt
Die Macht der Sprache – Sprache in einer globalisierten Welt (Goethe-Institut)
In dieser umfangreichen Projektdarstellung des Goethe-Instituts geht es insbesondere um die Rolle, die verschiedene Sprachen in unserer Welt spielen, sei im Hinblick auf eine nationale Identität, die Mehrsprachigkeit der Zukunft oder die Sprache in der Politik, der Wissenschaft und der Wirtschaft. Die Webseiten dokumentieren Diskussionsveranstaltungen mit Teilnehmern aus Lehre, Forschung, Kunst und Politik. Angeboten wird zusätzlich die Aufsatzsammlung:
Die Macht der Sprache (Online-Publikation).

Buchempfehlung
Politische Sprache und ihre heimliche Macht (George Lakoff, Elisabeth Wehling)
Als einer der Begründer der konzeptionellen Theorie der Metapher widmet sich der Linguist George Lakoff in seiner jüngsten Schrift der metaphorischen Strukturierung politischer Diskurse. Es geht um jene sprachlichen Ausdrücke, derer sich Politiker in öffentlichen Debatten bedienen, um die öffentliche Sicht auf politische Verhältnisse zu manipulieren. Wortschöpfungen wie die „Achse des Bösen“ strukturieren laut Lakoff nachhaltig unser Denken und unsere Vorstellung von der (politischen) Welt. So prominent und fesselnd die Metapherntheorie von Lakoff und seinem philosophischen Kollegen Mark Johnson auch sind, philosophisch werden sie aufgrund ihrer weitreichenden Hypothesen weiterhin diskutiert. Die Universität Aarhus bietet zur philosophischen Vertiefung in die Theorie der Metapher und des Denkens das Themenheft: Conceptual Metaphor Theory: Thirty Years After.

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# André Breton
André Breton (1896 – 1966) zog 1900 mit der Familie nach Paris und begann dort seine schulische Ausbildung, die auf eine medizinische berufliche Zukunft ausgerichtet war. Parallel dazu beschäftigte er sich aber auch mit Lyrik und Literatur; 1914 erfolgte die erste Lyrikveröffentlichung. Nach dem Ausbruch des ersten Weltkriegs wurde er in den Militärdienst einberufen, währenddessen er mit den Lehren Sigmund Freuds in Berührung kam. 1917 wurde er nach Paris zurückversetzt und traf dort auf Guillaume Apollinaire, der ihn mit den Werken Lautréamonts bekannt machte. Breton brach daraufhin das begonnene Medizinstudium ab und entschied sich für eine Laufbahn als freischaffender Schriftsteller. 1919 fungierte er als Mitbegründer der dadaistischen Zeitschrift Littérature. 1924 veröffentlichte er sein „Manifest des Surrealismus“, dem 1930 das „Zweite Manifest des Surrealismus“ folgte und in dem er den Surrealismus neu definierte.

# Gottlob Frege
Gottlob Frege (1848 – 1925) war ein deutscher Mathematiker, Logiker und Philosoph. Nach Studium in Jena und Promotion in Göttingen lehrte er in Jena als außerordentlicher Professor. In der Sprachphilosophie einflussreich ist Freges Unterscheidung zwischen dem Sinn und der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke. Im Bereich der Logik entwickelte Frege formale Systeme und Beweise, die noch bis heute Grundlagen der Philosophie, Informatik und linguistischen Semantik darstellen. Er gilt als einer der einflussreichsten Wegbereiter der analytischen Philosophie des 20. Jahrhunderts.

# Jasper Liptow
Jasper Liptow (* 1970) studierte von 1991 bis 1996 Philosophie, Linguistik und Physik an der Universität Hamburg. Er promovierte 2001 in Gießen bei Martin Seel zum Thema Gebrauchstheorien der Bedeutung und habilitierte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit einer Arbeit mit dem Titel Begriffe im Denken. Grundzüge einer philosophischen Begriffstheorie. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sprachphilosophie, Philosophie des Geistes, Ästhetik, die Geschichte der analytischen Philosophie und die Handlungstheorie. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählt die Philosophie des Geistes zur Einführung, in der es um die Grundfrage dieser Disziplin geht: „Was heißt es, ein geistiges Wesen zu sein?“ Dabei steht für Liptow weniger das Verhältnis von Körper und Geist im Vordergrund als unser grundlegendes Verständnis des Menschen als geistiges Wesen.

# John Locke
John Locke (1632 – 1704) war ein vom Puritanismus beeinflusster englischer Philosoph und gehörte neben Berkley und Hume zu den wichtigsten Vertretern des Empirismus. Er gilt als Vordenker der Aufklärung und des Liberalismus. Neben Hobbes und Rousseau zählte Locke außerdem zu den entscheidenden Vertragstheoretikern seiner Zeit. Zentrale Schriften Lockes sind: Epistula de tolerantia (Ein Brief über Toleranz), An Essay Concerning Human Understanding (Versuch über den menschlichen Verstand), Essays on the Law of Nature (Abhandlungen über das Gesetz der Natur) und Two Treatises of Government (Zwei Abhandlungen über die Regierung). Lockes politische Philosophie bildet die theoretische Grundlage für die Verfassung der Vereinigten Staaten sowie deren Unabhängigkeitserklärung.

# Bertrand Russell
Bertrand Arthur William Russell (1872 – 1970) war Philosoph und Mathematiker. Er erlangte Berühmtheit durch seine Arbeiten im Bereich der mathematischen Logik und der analytischen Philosophie. 1950 wurde er zudem mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Der bekennende Rationalist und Atheist Russell war aktiv in der Friedensbewegung tätig. In der Philosophie vertrat er unter anderem die Auffassung, dass der Begriff der Ursache keine Verwendung mehr finden solle, da selbst die Physik nicht mehr nach Kausalität frage. Einschneidend war Russells Formulierung eines heute nach ihm benannten Paradoxons: der Menge aller Mengen, die sich nicht selbst enthalten, mit der er Freges Axiomatisierung der Mengenlehre zu Fall brachte.

# Benjamin Lee Whorf
Benjamin Lee Whorf (1897 – 1941) war ein US-amerikanischer Linguist und Chemieingenieur, der nach seinem Studium am Massachusetts Institute of Technology (MIT) als Inspekteur für eine Versicherungsgesellschaft in Brandfällen arbeitete. Bei seinen Untersuchungen stellte er fest, dass viele Verluste auch durch sprachliche Missverständnisse entstanden, was seine spätere Arbeit beeinflusste. Er beschäftigte sich schon mit verschiedenen Sprachen – unter anderem Nahua und Maya – als er 1931 sein Studium der Linguistik an der Yale Universität unter Edward Sapir begann. Whorf wurde im Folgenden für seine Arbeiten über die amerikanische Eingeborenensprache Hopi sowie das linguistische Relativitätsprinzip bekannt, welches er von Sapirs Arbeiten ausgehend entwickelte. Die sogenannte Sapir-Whorf-Hypothese besagt sich damit, dass unser Denken durch die Grammatik und den Wortschatz unserer Muttersprache beeinflusst sei und manche Gedanken daher nur in dieser Sprache verstanden werden könnten.

# Ludwig Wittgenstein
Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) stammte aus Österreich und lehrte nach seiner Promotion von 1939 bis 1947 als Philosophieprofessor in Cambridge, wo er auch starb. Nach Kriegsgefangenschaft veröffentlichte er 1922 den einflussreichen Tractatus Logico-Philosophicus, der mit dem berühmten Satz endet: „Wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.“ Das Buch war ein zentrales Ausgangswerk für die sprachkritische Neuorientierung der Philosophie (den sogenannten linguistic turn), die später auch von Wittgensteins Philosophischen Untersuchungen (1953) befruchtet wurden. Seine Schriften gelten bis heute als schwer zugänglich und sind Gegenstand zahlreicher widerstreitender Interpretationen. Sein Lehrer Bertrand Russell nannte die Begegnung mit Wittgenstein eines seiner aufregendsten intellektuellen Abenteuer. Wittgenstein beschäftigte sich mit Fragen der Sprachphilosophie, Ästhetik, Philosophie der Psychologie und der Mathematik.

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4. Didaktik

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4.1 Curricularer Bezug

Das Thema Sprachphilosophie findet sich nicht explizit im Lehrplan des Faches Ethik, kann aber im Zusammenhang mit dem Schwerpunkt zur Anthropologie angesprochen werden. Im Lehrplan Philosophie findet es sich in der Q4-Phase zusammen mit dem Bereich Ästhetik. Es werden im Rahmen des Themenschwerpunkts alle wesentlichen Grundzüge der Sprachphilosophie aufgegriffen. Relevante philosophische Positionen sollen als besondere Schwerpunkte im Unterricht bearbeitet werden.

  • Ethik: Q1 Menschenbilder in Philosophie und Wissenschaft – Anthropologische Voraussetzungen verantwortlichen Handelns
  • Philosophie: Q4 Sprachphilosophie und Ästhetik

4.2 Lern-Ressourcen

Online-Arbeitsmaterial (PDF, 10 S.)
Sprachphilosophie (Günther Einecke)
Das Arbeitsmaterial ist eigentlich für den Deutschunterricht vorgesehen, bietet jedoch einige interessante Inhalte, die auch für den philosophischen Unterricht verwendet werden können. Es wird zunächst auf Sprache und Denken allgemein eingegangen, zum Beispiel die Sapir-Whorf-Hypothese. Im Anschluss werden fünf Texte präsentiert. Vor allem die Texte M3 mit dem Thema „Begriff und Bedeutung“ und M4 zu „Sprachlichen Zeichen – Schema und Konzept“ (Saussure) eigenen sich für den Philosophieunterricht.

Webseite
Ursprung der Sprache bei Herder (Stephanie Schäfers)
Auf dieser Homepage finden Sie eine Reihe von Unterrichtsmaterialien zu Herders Theorie vom Ursprung der Sprache. Das Thema ist der Q1 (Oberstufe) unter „Menschenbilder in Philosophie und Wissenschaft: Anthropologische Voraussetzungen verantwortlichen Handelns“ zuzuordnen. Das Material beinhaltet einen tabellarischen Verlaufsplan mit einem didaktisch-methodischen Kommentar und in einem ZIP-Ordner sechs Texte für mögliche Gruppenpräsentationen sowie vier Arbeitsblätter zur Vertiefung.

Kurzgeschichte (PDF, 2 S.)
Ein Tisch ist ein Tisch (Peter Bichsel)
Die hintersinnige Kurzgeschichte „Ein Tisch ist ein Tisch“ von Peter Bichsel thematisiert Sprache zum einen als soziales Element der Gesellschaft, zum anderen als zentrale geistige Fähigkeit jedes einzelnen Menschen. Die festgelegten Bedeutungen von Wörtern und Begriffen werden vom Protagonisten der Geschichte in Frage gestellt. Zu der Kurzgeschichte gibt es ein passendes Video, das für den Unterricht genutzt werden kann, sowie eine vollständig ausgearbeitete Lehrprobe.

Unterrichtsmaterial (PDF, 10 S.)
Themenblätter Sprache und Politik (bpb)
Auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung finden sich interessante Themenblätter, die sich fächerübergreifend mit  dem Einfluss und der Wirkung der Sprache von Politikern auf die Bürger beschäftigen. Die Themenblätter sollen die Schüler und Schülerinnen für die Macht der Sprache sensibilisieren.

Buchempfehlung
Herrschaft durch Sprache – Politische Reden (Hrsg. Thomas Schirren)
Die Unterrichtsreihe von Reclam „Texte und Materialien für den Unterricht“ stellt in einer Anthologie wirkmächtige politische Reden vor, zum Beispiel von Cicero, Friedrich dem Großen, Goebbels, Kennedy, Martin Luther King, Weizsäcker und Barack Obama. Die Texte machen deutlich, wie Sprache als Herrschaftsinstrument verwendet wird. Es werden unter anderem Parallelen zwischen antiken und modernen Reden und aktuelle Textbeispiele aufgezeigt.

Buchempfehlung
Grundkurs Philosophie, Bd. 3:
Philosophie des Geistes und der Sprache
(Wolfgang Detel)
Der dritte Band des Grundkurses Philosophie von Wolfgang Detel widmet sich dem Thema „Philosophie des Geistes und der Sprache“. Relevante Fragestellungen und Positionen werden knapp und präzise erläutert sowie durch passende Beispiele konkretisiert. Mit Hilfe von Übungsaufgaben am Ende des Bandes können Leserinnen und Leser überprüfen, ob sie das Gelernte verstanden haben. Detels Einführungen zu den verschiedenen Bereichen der Philosophie können im philosophischen Oberstufenunterricht eingesetzt werden, empfehlen sich darüber hinaus aber auch für Interessierte und Fortgeschrittene.

Buchempfehlung
Einführung in die Sprachphilosophie (Albert Newen)
Die Einführung in die Sprachphilosophie von Albert Newen ist für Neueinsteiger in die Materie geeignet. Das umfangreiche Buch bietet aber sicherlich auch Vertiefungsmöglichkeiten für Leserinnen und Leser, die sich mit der Sprachphilosophie bereits beschäftigt haben. Der Band ist übersichtlich gestaltet, die Darstellungen des Autors sind leicht verständlich und durch zahlreiche anschauliche Beispiele ergänzt. Besonders hervorzuheben ist, dass explizit auf die aktuelle sprachphilosophische Forschung eingegangen wird.

 

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