Zusatzmaterialien zur Folge 15

Dürfen wir Tiere essen?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 2.3.2015 erstellt von:
Fabiénne Golle, Lena Henkel, Alina Hußmann, Carolin Pietzner (Studierende)
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Tierliebe und Fleischkonsum
– 1.2 Tierethische Ideengeschichte
2. Konzepte
– 2.1 Tierethik
– 2.2 Anthropozentrismus und Speziesismus
2.3 Pathozentrismus und Sentientismus
– 2.4 Tierschutz und Tierrecht
3. Personen
4. Didaktik
Tagxedo Tierethik

 1. Perspektiven

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Ethik besteht darin, daß ich mich verpflichtet fühle, allem Leben die
gleiche Ehrfurcht entgegenzubringen, wie dem eigenen Leben.

Albert Schweitzer

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte“.

1.1 Tierliebe und Fleischkonsum

Bezug Manuskript: S. 2, 19; Bezug Audio 1:00, 24:40

Online-Artikel (ZEIT online)
Ethik, Dogma oder Lifestyle? (Maria Exner)
Der Artikel erkundet die vielfältigen Gründe für den Trend zur veganen Lebensführung. Zusätzlich ist ein Video-Interview mit dem US-amerikanischen Schriftsteller Jonathan Safran Foer zu finden, der Leserfragen zu seinem Buch Tiere essen, zur industriellen Fleischproduktion und zum Vegetarismus beantwortet. Das Interview wurde in englischer Sprache geführt, enthält aber deutsche Untertitel.

Online-Interview (ZEIT online)
Die Ethik des Schinkenbrots (Spiewak, Schnabel)
Welche Verpflichtungen haben wir Tieren gegenüber? In einer Diskussionsrunde mit zwei Philosophen, die unterschiedliche Positionen vertreten, werden die ethischen Debatten um Nutztierhaltung, Tierversuche und Vegetarismus diskutiert.

Online-Video (29:47)
Fleisch vom Fließband (ARD Mediathek)
Diese Dokumentation veranschaulicht am Beispiel von Brandenburgs Landwirtschaft die heutige Turboproduktion von Billigfleisch. Insbesondere werden die Folgen der Massentierhaltung aufgezeigt, die längst nicht auf das Leiden der Tiere beschränkt sind. Das Video versucht dabei auch zu beantworten, wohin sich bestimmte Dörfer und Landschaften in Brandenburg in den nächsten Jahrzehnten noch entwickeln könnten.

Online-Interview (44:21)
Dürfen wir Tiere essen? (ZDF)
In der ZDF Fernsehsendung „Precht“ diskutiert der gleichnamige Philosoph unter dem Titel „Dürfen wir Tiere essen?“ gemeinsam mit seinem Gast Robert Spaemann, einem katholischen Philosophen, über zentrale Fragen der Tierethik. Spaemann hält den Verzehr von Fleisch für gerechtfertigt – entsprechend der christlichen Auffassung, dass Gott die Tiere auch geschaffen habe, damit der Mensch sie sich zu Nutze mache.

Online-Artikel
Ist das alles Wurst? (arte)
In der arte-Reihe „Dürfen wir Tiere essen?“ plädiert dieser kurze und provokante Artikel für eine vegetarische Lebensweise. Die Autorin Nadja Röll argumentiert, dass unser Fleischkonsum nicht nur gesundheitlich bedenklich ist, sondern auch verheerende Umweltzerstörungen mit sich bringt, weil weltweit Menschen, Tiere und ganze Ökosysteme unter den Folgen der Fleischproduktion leiden.

Online-Film (95:36)
Earthlings (earthlings.de)
Der Film Earthlings ist eine 2005 gedrehte Dokumentation über den menschlichen Umgang mit Tieren in der heutigen Gesellschaft. Die bekannte und erschütternde Produktion entstand in Zusammenarbeit von Joaquin Phoenix (Sprecher), Moby (Musik) und Shaun Monson (Produzent). Es werden Themen wie die Zucht von Haustieren in sogenannten „Puppy Mills“, die Massentierhaltung, der wissenschaftliche und kosmetische Gebrauch von Tieren sowie die Pelz- und Lederindustrie aufgegriffen und in schonungsloser Offenheit dokumentiert. Aufgrund expliziter Bilder ist der Film nicht für jede Altersklasse und jedes Gemüt geeignet. Die Dokumentation ist in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Auf der Homepage lässt sich zudem ein Trailer finden, der einen Einblick in die Dokumentation bietet.

Online-Artikel
Es geht auch ohne (3sat)
Dieser kurze Artikel von 3sat belegt die medizinische Einschätzung, dass sich der Mensch auch ohne Fleischkonsum gesund ernähren kann. Der „Mythos“, dass eine nährstoffreiche Ernährung zwangsläufig Fleisch enthalten muss, ist längst widerlegt: Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) können Vegetarier aus wissenschaftlicher Sicht problemlos alle Stoffe ersetzen, die das Fleisch angeblich unverzichtbar machen. Es werden exemplarisch einige Produkte präsentiert, mit denen der aus dem Verzicht auf Fleisch resultierende Nährstoffbedarf abgedeckt werden kann.

Online-Artikel (ZEIT online)
Ein deutsches Tierleben (Petra Pinzler)
Dieser ZEIT-Artikel bietet einen Überblick über die Relevanz der Auseinandersetzung mit der Rolle des Tieres im gesellschaftlichen sowie im politischen Bereich. Er behandelt erstaunlich unterschiedliche Betrachtungs- und Behandlungsweisen gegenüber Tieren. Dabei geht er der Frage nach, warum etwa Hunde und Katzen als Haustiere gehalten, geliebt und medizinisch versorgt werden, um ihnen ein gutes Leben zu gewährleisten, während Kühe, Puten und Schweine unter meist unerträglichen Bedingungen gemästet und getötet werden, um sie zu vermarkten und schließlich zu verzehren.

Online-Infografik
Die Tierzählung (ZEIT online)
Die anschauliche Infografik „Die Tierzählung“ verdeutlicht die Anzahl der Nutz-, Haus-, Zoo- und Versuchstiere, die allein in 2012 in Deutschland zu menschlichen Zwecken gebraucht wurden.

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1.2 Tierethische Ideengeschichte

Bezug Manuskript: S. 5, 10; Bezug Audio 5:05, 12:50

Ihre Schmerzensschreie bedeuten nicht mehr
als das Quietschen eines Rades!

René Descartes

Online-Blog
Descartes: Tiere sind gefühllos wie „Maschinen“ (tierrechte-tv)
Dieser Link führt zu einem kurzen Artikel, der mit Hilfe von Zitaten Descartes‘ Position rekonstruiert. Descartes vertrat die Ansicht, dass Tiere keinerlei Gefühle der Seele (émotions de l’ame) haben können. Sie hätten weder Bewusstsein oder Gedanken noch jegliche anderen seelischen Regungen. Da Tiere in Ermangelung einer Seele keine Gefühle haben können, nimmt Descartes an, sie seien letztlich nichts anderes als „Automaten“.

Online-Blog
Kant: Tiere sind schlicht und einfach „Sachen“ (tierrechte-tv)
Dieser Blog-Eintrag veranschaulicht mit Hilfe von Zitaten, inwiefern Kant Tieren einen moralischen Status zugesteht. Kant machte den moralischen Wert und die Rechte von Lebewesen abhängig von ihrer Fähigkeit zur Vernunft. Tiere bewertet er als „Sachen“, da ihnen eben diese maßgebliche Fähigkeit fehle. Ohne das vernünftige Überlegen gebe es keine „Selbstgesetzgebung“, die für Kant moralisch entscheidend ist. Lediglich eine indirekte moralische Verpflichtung von Menschen gegenüber Tieren ergibt sich aus Kants Argumentation: Denn wer Tiere schlecht behandelt, der tendiert unter Umständen auch zur Verrohung gegenüber seinen Mitmenschen.

Online-Dossier
Bentham: Vom unnötigen Leid der Tiere (Tier im Fokus e.V.)
Diese Seite des Vereins tier-im-fokus.ch bietet unter anderem eine gut verständliche Einführung in Jeremy Benthams Plädoyer gegen das unnötige Leiden von Tieren sowie einige Zusatzinformationen zu Benthams tierethischer Positionierung. Bentham gilt als einer der frühesten Vertreter tierethischer Überlegungen, die vor der grundlegenden Perspektive des Utilitarismus (Uni Potsdam) entwickelt wurden. Für Bentham eigenen sich Vernunft oder Sprache nicht als moralische Kriterien, weil Kleinkinder dann auch keine moralische Berücksichtigung verdienen würden. Vielmehr sei die Leidensfähigkeit entscheidend für den moralischen Status von Lebewesen.

Blog-Artikel
Schopenhauer: Vom Mitgefühl gegenüber Tieren (brightsblog)
Schopenhauer hat als Philosoph eine explizite Begründung dafür konzipiert, warum der Mensch Rücksicht auf Tiere nehmen sollte. Die Grundlage bildet hierbei das Empfinden von Mitleid, welches der Mensch eben nicht nur anderen Menschen, sondern auch Tieren entgegenbringt bzw. entgegenbringen soll. Mitleid zu empfinden, bildet nach Schopenhauer die Basis unserer Moral. Durch unser Mitgefühl zeigen wir, dass wir uns auf andere (menschliche und nicht-menschliche) Wesen direkt beziehen können und dass wir an deren Wohlergehen interessiert sind.

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2. Konzepte

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Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Tierethik

Bezug Manuskript: S. 3, 17; Bezug Audio 1:55, 21:50

Tiere sind genauso mögliche Gegenstände
von Mitleid wie Menschen; Punkt.

Ursula Wolf

Online-Themenwoche
Dürfen wir Tiere essen? (arte)
Die Webseite zur arte-Themenwoche „Dürfen wir Tiere essen?“ bietet einen breiten Überblick zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten um die titelgebende Frage. Hier lassen sich Verweise auf interessante Literatur (unter anderem Jonathan Safran Foers Buch Tiere essen) sowie Fakten rund um das Thema finden. (Da der Themenabend bereits 2012 stattfand, sind einige Video-Dokumentationen über die Homepage oder Mediathek von arte selbst nicht mehr verfügbar.)

Online-Artikel (bpb)
Tierethische Positionen (Wolf, Tuider)
Eine sehr gute Übersicht zur Geschichte tierethischer Positionen und Perspektiven bietet die Bundeszentrale für politische Bildung in diesem Artikel. In tierethischen Diskussionen werden die moralischen Ansprüche von Tieren behandelt, mit denen Verpflichtungen von Menschen einhergehen. Ein überaus häufiger Grund für die moralische Berücksichtigung nicht-menschlicher Tiere ist deren Leidensfähigkeit. Eine ganz kurze Erklärung zum Begriff der Tierethik mit Bezug auf dessen geschichtlichen Hintergrund sowie eine Übersicht zu den Hauptargumenten und dem Verhältnis der Tierethik zu anderen Bereichsethiken bietet die Begriffsbestimmung des Gabler Wirtschaftslexikons.

Online-Video (66:30)
Tötung von Tieren – Ethische Fragen (Dieter Birnbacher)
In diesem Vortrag der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Tierethik Heidelberg (IAT) erläutert der Philosoph Dieter Birnbacher gut verständlich unterschiedliche tierethische Überlegungen. Er geht aus von den Ambivalenzen im Tierschutzgesetz und dem vegetarischen Trend, thematisiert subjektive und objektive Interessen bei Tieren, bespricht eingehend die Frage nach dem Bewusstsein und der Todesfurcht von Tieren sowie die Argumente gegen Tiertötung bei Singer und Regan. Zu dem Vortrag lassen sich von der Seite der Arbeitsgemeinschaft auch die Vortrags-Folien separat herunterladen.

Online-Artikel
Begründungen in der Umweltethik (Pflanzenforschung Ethik)
Dieser Link bietet eine sehr kompakte Übersicht zu vier umweltethischen Positionen, die auf die Frage antworten, inwiefern der Mensch moralische Verpflichtungen gegenüber lebenden Organismen hat. Im Hinblick auf diese Frage werden die Perspektiven von Anthropozentrismus und Pathozentrismus beleuchtet, daneben aber auch Biozentrismus und Ökozentrismus erklärt. Auf Tiere nehmen diese Positionen in unterschiedlicher Weise Bezug.

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2.2 Anthropozentrismus und Speziesismus

Bezug Manuskript: S. 14, 19; Bezug Audio 17:20, 24:40

All the arguments to prove man’s
superiority cannot shatter this hard fact:
in suffering the animals are our equals.

Peter Singer

Begriffsbestimmung
Anthropozentrismus (Treffpunkt Umweltethik)
Der Link definiert den Anthropozentrismus als eine ethische Ausrichtung, innerhalb derer moralische Ansprüche nur zwischen Menschen bestehen können. Nicht-menschliche Lebewesen verdienen moralische Berücksichtigung höchstens vermittelt durch menschliche Interessen an diesen Lebewesen. Die Webseite bietet zahlreiche Verlinkungen zu weiterführenden Unterseiten, die sich mit spezifischen Problemen des Anthropozentrismus auseinandersetzen, wie etwa Kants Begründung des ethischen Verbots von Tierquälerei. Weitere philosophische Bezüge bietet die Begriffsbestimmung vom Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (PDF, 13 S.).

Online-Artikel (englisch; PDF, 16 S.)
Speciecism and Moral Status (Peter Singer)
In dem hier verlinkten einflussreichen Aufsatz argumentierte Peter Singer 2009 gegen das Argument der kognitiven Kapazität als Kriterium für den Zuspruch von Rechten. Mit dem Vorwurf des „Speziesismus“ meint Singer die moralische Bevorzugung der Angehörigen einer Spezies, die ähnlich unbegründet sei wie die rassistische Bevorzugung der Angehörigen bestimmter Ethnien. Singer plädiert für eine Position, die das Leben eines Tieres als genauso wertvoll ansieht wie das eines Menschen, sofern das Tier – genauso wie der Mensch – über bestimmte Präferenzen verfügt.

Online-Blog (sciLogs)
Anthropozentrismus und die Dämonisierung
von Konzepten
(Bartosz Bartkowski)
In diesem Gastbeitrag für den Blog „Umweltforsch“ stellt der Verfasser eine Verbindung zwischen Anthropozentrismus und Ökonomie her. Überdies versucht er dafür zu argumentieren, dass der Anthropozentrismus eigentlich besser als Basis für weitgehenden Umwelt- und Naturschutz geeignet sei als solche Positionen, die der Natur einen intrinsischen Eigenwert zuschreiben, wie es etwa der Pathozentrismus tut. Der Artikel beinhaltet eine grafisch gut aufgearbeitete Darstellung verschiedener tierethischer Positionen.

Online-Artikel (Tier im Fokus e.V.)
Argumente pro und kontra Speziesismus (Martin Pätzold)
Dieser Artikel auf der Webseite des gemeinnützigen Vereins Tier im Fokus stellt umfassend die Argumente für und gegen den Speziezismus dar. Er eignet sich besonders zur Vertiefung der philosophischen Debatten in der Tierethik. Unter dem Punkt „Nachbemerkungen“ finden sich eine Zusammenfassung und abschließende Bewertung der Argumente durch den Autor sowie eine umfangreiche Literaturliste.

Online-Essay (PDF, 13 S.)
Speziesismus, Anthropozentrismus und
nichtwestliche Kulturen
 (Barbara Noske)
In ihrem Aufsatz „Speziezismus, Anthropozentrismus und nichtwestliche Kulturen“ von 1997 beschreibt Barbara Noske einige Unterschiede im Umgang mit Natur und Tieren zwischen westlichen und nicht-westlichen Kulturen, die sie anhand von Beispielen veranschaulicht.

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2.3 Pathozentrismus und Sentientismus

Bezug Manuskript: S. 10, 18; Bezug Audio 12:50, 22:35

Die Güte des Herzen besteht in einem
tiefgefühlten universellen Mitleid,

mit allem, was Leben hat.
Arthur Schopenhauer

Online-Artikel
Pathozentrismus (Referenzzentrum Ethik in den Biowissenschaften)
Pathozentrische Positionen argumentieren gegen eine Sonderstellung des Menschen, wie sie der Anthropozentrismus behauptet; die Vermeidung von Leid gilt als speziesübergreifendes ethisches Prinzip (von griech. pathos, „Leiden“). Das Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften fasst hier pathozentrische und sentientistische (von latein. sentience, „Empfinden“) Überlegungen von Peter Singer, Ursula Wolf und anderen zusammen. Gut verständliche Erläuterungen zur Idee des Pathozentrismus und einige Bemerkungen zu den argumentativen Schwächen dieser Position bietet auch der Artikel pathozentrische Umweltethik (Treffpunkt Umweltethik).

Online-Essay
Gleichheit für Tiere nach Peter Singer (Kellmann-Stiftung)
Der Link führt zu einer umfangreichen deutschsprachigen Zusammenfassung von Animal Liberation durch die Kellmann-Stiftung. Seit diesem 1975 erschienenem Werk gilt Peter Singer als einer der Begründer der modernen Tierethik. Im Anschluss an Bentham spricht sich Singer gegen den Speziesimus, also die moralische Bevorzugung der Gattung Mensch gegenüber nicht-menschlichen Tieren aus. Als Vertreter eines Präferenzutilitarismus gilt für Singer die Fähigkeit, Präferenzen auszubilden, als Grundlage für die Anerkennung von Rechten. Insbesondere die Präferenz, Schmerz zu vermeiden, komme sowohl den Menschen als auch nicht-menschlichen Tieren zu. Am Ende des Essays findet sich ein weiterführendes Literaturverzeichnis.

Online-Video (60:00)
Zum moralischen Status der Tiere (Ursula Wolf)
Ursula Wolf gilt im Bereich der Tierethik als eine einflussreiche Philosophin, die mehrere einschlägige Bücher zum Thema veröffentlicht hat, 2012 etwa die Ethik der Mensch-Tier-Beziehung. In dem Vortrag der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Tierethik Heidelberg (IAT) bietet Wolf einen gut verständlichen und detailreichen Überblick über ihren Ansatz, auch im Vergleich zu anderen Positionen. Thematisiert werden beispielsweise formale und inhaltliche Aspekte der Moral, das moralische Prinzip universaler Rücksicht und ein funktionalistisches Verständnis von Rechten.

Blog-Artikel (gbs Schweiz)
Vom Mittel zum Zweck – Pathozentrismus und Sentientismus (Tobias Pulver)
Dieser Artikel der Giordano-Bruno-Stiftung bietet einen guten Überblick zur Debatte um den Selbstwert von Tieren. Im Abschnitt „Vom Anthropozentrismus zum Pathozentrismus“ werden beispielsweise die wichtigsten Begriffe kurz definiert. Unter dem Abschnitt „Antispeziesismus: Überwindung der Speziesgrenze“ werden außerdem einige der typischen Argumente gegen die moralische Berücksichtigung von Tieren aufgezählt und mit Hilfe von Gegenargumenten und anschaulichen Beispielen angefochten.

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2.4 Tierschutz und Tierrecht

Bezug Manuskript: S. 9, 16; Bezug Audio 10:35, 19:50

The question is not ‚Can they reason?‘ nor,
‚Can they talk?‘ but ‚Can they suffer?‘.
Jeremy Benthan

Online-Artikel (ZEIT online)
Mehr Rechte für Waldi! (Martin Hartmann)
Dieser zusammenfassende Artikel der ZEIT gibt einen ersten allgemeinen Überblick über die in Zoopolis aufgestellte politische Theorie der Tierrechte, durch die die „etwas müde gewordene moralphilosophische Debatte über Tierrechte […] eine ganz neue Sprache“ bekommt.

Begriffsbestimmung
Tierschutz (Tierschutz.org)
Dieser Link führt zu einem Artikel auf der Homepage von tierschutz.org, welcher neben einer Definition des Begriffes „Tierschutz“ auch die verschiedenen Dimensionen des Tierschutzes darstellt. Unter Tierschutz versteht man alle menschlichen Aktivitäten, die darauf abzielen, Tieren individuell ein artgerechtes Leben ohne Zufügung von unnötigem Leid und Schmerz zu ermöglichen. Der Tierschutz zielt auf das einzelne Tier und seine Unversehrtheit. Die Vertreter des Tierschutzes müssen von den Vertretern so genannter Tierrechte unterschieden werden. Während der Tierschutz den Schwerpunkt auf eine artgerechte Haltung und Nutzung von Tieren durch den Menschen legt, lehnen Tierrechtler oft jegliche durch menschliche Interessen gesteuerte Nutzhaltung von Tieren ab. Eine weiterführende Literaturliste findet sich am Ende des Artikels.

Online-Portal
Tierschutzbund Deutschland
Dieser Link führt zur offiziellen Website des Deutschen Tierschutzbundes. Es finden sich viele Informationen zu Themen wie dem Artenschutz und zu Tierversuchen. Auch zu kontrovers diskutierten Themen wie „Animal Hoarding“ und Pelz-Farmen lassen sich interessante Informationen und Artikel finden. Schließlich bietet die Website auch die Möglichkeit, sich über aktuelle Kampagnen und Partizipationsmöglichkeiten des Deutschen Tierschutzbundes zu erkundigen.

Online-Artikel (bpb)
Tierschutz- und Tierrechtsbewegung ein historischer Abriss (Mieke Roscher)
Dieser ausführliche Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung widmet sich dem Thema Tierschutz- und Tierrechtsbewegung. Neben einer leicht verständlichen Differenzierung der Begriffe „Tierschutz“ und „Tierrecht“ bietet er eine historische Übersicht der Entwicklung des Tierschutzes vom 19. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit.

Begriffsbestimmung
Der Grundgedanke der Tierrechte (Animal Rights Watch)
Dieser Link führt zu der Homepage von Animal Rights Watch und einer kurzen Definition des Begriffs „Tierrecht“, in Abgrenzung von „Tierschutz“. Der Begriff „Tierrechte“ bezeichnet subjektive Rechte von nicht-menschlichen Tieren. Diese werden als Teil einer staatlichen Rechtsordnung diskutiert. Dabei variieren die Arten der vorgeschlagenen Rechte und die davon betroffenen Tiere zwischen verschiedenen Positionen. Die Vertreter von unveräußerlichen und weitgehenden Rechten von Tieren werden als Tierrechtler bezeichnet. Diese stehen meist für eine grundsätzliche Neubewertung unseres menschlichen Umgangs mit Tieren ein. Tierrechtler fordern grundlegende Rechte auf Leben und Schutz vor menschlich verursachtem Leid für alle leidensfähigen Tiere. Die Tierrechtsbewegung kann als eine soziale Bewegung gesehen werden, die durch den philosophischen Diskurs maßgeblich beeinflusst ist. Der Artikel verweist auf drei ausführlichere Aufsätze, dies sich auch mit dem Für und Wider von Tierrechten befassen.

Online-Video (76:00)
Was sind Tierrechte und wie begründet man sie? (Uni Mainz)
Die Videoaufzeichnung thematisiert die Frage, wie man Tieren bestimmte Rechte verbindlich zuerkennen könnte. Darin kommt Privatdozent Christian Müller zu Wort, dessen zentrale Ausführungen sich auf die Überlegungen Tom Regans beziehen, Tieren einen rechtsverbindlichen Schutz zu gewähren. Der Vortrag erläutert außerdem allgemeine Positionen zur Tierethik, den Speziesismus und die Kritik an diversen Tierrechtskonzeptionen. Im Youtube-Kanal der Universität Mainz (Campus Mainz) finden sich noch weitere drei Videobeiträge zu der Vortragsreihe Human Animal Studies.

Buchempfehlung
Zoopolis – Eine politische Theorie der Tierrechte (Sue Donaldson, Will Kymlicka)
Der Suhrkamp-Verlag bietet hier eine anregende und kostenlose Leseprobe des Buches. In ihrem Werk gelingt es den Autoren auf gekonnte und verständliche Weise, eine neue, folgenreiche Agenda für das künftige Zusammenleben von menschlichen und nicht-menschlichen Wesen zu entwickeln. Das Tier, so die Autoren, ist ein politisches Wesen, und wir schulden auch ihm Gerechtigkeit. Sie fordern, nicht-menschliche Tiere als Mitbürger unserer politischen Gemeinschaft zu betrachten, deren Interessen zählen und folglich auch politisch repräsentiert werden müssen.

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# René Descartes
René Descartes (1596 – 1650) ist ein Vertreter des Rationalismus, der erkenntnistheoretischen Gegenposition zum Empirismus. Die wichtigsten Werke des französischen Philosophen sind die Abhandlung über die Methode, richtig zu denken und Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen (1637) und vor allem die berühmten Meditationen (1641), in denen Descartes den Versuch unternimmt herauszufinden, was man als Mensch sicher wissen kann. Um eine Antwort auf seine Ausgangsfrage zu finden, wendet Descartes den methodischen Zweifel an. Er hinterfragt zunächst alles, von dem er bisher glaubte, es sicher zu wissen. Insbesondere Erkenntnisse, zu denen wir mit Hilfe sinnlicher Erfahrungen gelangen, zweifelt Descartes an, da uns unsere Sinne häufig täuschen. So nehmen unseren Augen beispielsweise einen Strohhalm, den wir ins Wasser halten, als geknickt wahr. Mit seinem berühmten Cogito-Argument gelangt Descartes schließlich zu dem, was er als Fundament der Erkenntnis akzeptieren kann:

„Zweifellos bin also auch Ich […] so lange ich denke, ich sei etwas. Nachdem ich so alles genug und übergenug erwogen habe, muß ich schließlich festhalten, daß der Satz ‚ ‚Ich bin, Ich existiere‘, so oft ich ihn ausspreche oder im Geiste auffasse, notwendig wahr sei.“ (II, 3).

Gerade indem Descartes sich als zweifelnd erfährt, muss er sich selbst als existitierend annehmen. Damit glaubte er, einen verlässlichen Ausgangspunkt für alle weiteren Erkenntnisse gefunden zu haben. Nicht zuletzt mit seinem Cogito-Argument hat Descartes die Diskussionen der modernen Philosophie entscheidend beeinflusst.

 

# Jürgen Habermas
Jürgen Habermas (* 1929) ist ein Philosoph und Soziologe der Gegenwart, der durch seine Sozialphilosophie bekannt wurde. Von 1949 bis 1954 studierte er in Göttingen, Zürich und Bonn die Fächer Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie und lehrte anschließend unter anderem an den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main sowie der University of California in Berkeley. Er erkennt eine Notwendigkeit für moralisches Handeln dort, wo soziale Interaktionen entstehen. Seine Forschungen konzentrieren sich auf sozialphilosophische Themen, wobei als sein Hauptwerk seine Theorie des kommunikativen Handelns angesehen werden kann. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den Hegel-Preis der Stadt Stuttgart sowie den Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt.

# Immanuel Kant
Immanuel Kant (1724 – 1804) gehört zu den prominentesten Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte. Er wurde am 22. April 1724 in Königsberg (heute Kaliningrad, Russland) als viertes von acht Kindern geboren. Während seiner Schulzeit erhielt er eine strenge religiöse Erziehung. Bereits mit sechzehn Jahren studierte er an der Königsberger Universität zahlreiche Fachgebiete, darunter Philosophie, Physik und Mathematik. Im Todesjahr seines Vaters (1746) unterbrach er das Studium und blieb bis zur Wiederaufnahme 1754 als Hauslehrer beschäftigt. Nach der Habilitation im Jahr 1755 erhielt er die Stelle eines Privatdozenten, u.a. für Logik, Metaphysik, Mechanik, Mathematik, Naturrecht, Pädagogik, Moralphilosophie und Theologie. Im Jahr 1770 wurde er nach einigen erfolglosen Bewerbungen auf den Königsberger Lehrstuhl für Logik und Metaphysik berufen. Fast sein ganzes Leben verbrachte Kant in seiner Heimatstadt, wo er am 12. Februar 1804 starb.
Zu Kants Hauptwerken zählen die Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der Urteilskraft sowie die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.
In seiner Kritik der reinen Vernunft untersucht Kant die Grundlagen menschlicher Erkenntnisfähigkeit. Zu der Frage, wie es überhaupt möglich sei, einen Gegenstand zu erkennen, formuliert Kant eine neuartige Antwort: Nicht der Mensch habe sich nach den Gegenständen zu richten, sondern die Gegenstände seien dem Erkenntnisvermögen des Menschen unterworfen. Dabei setzt er im Bemühen, zu einer sicheren Erkenntnis zu gelangen, zunächst auf die Erfahrung. Eine reine, von aller Erfahrung unabhängige Erkenntnis (a priori) sei nicht möglich.
Alle menschlichen Erfahrungen sind jedoch bestimmten Erkenntnisbedingungen unterworfen, denen Kant in seiner Reflexion zu den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnissen nachgeht. So ist menschliche Erfahrung nur unter den Bedingungen von Raum und Zeit sowie nach der Maßgabe spezifischer Kategorien (Qualität, Quantität, Relation, Modalität) möglich.
Diese Fundierung der menschlichen Erkenntnis im Erfahrungsbegriff mündet in die Destruktion der tradierten Gottesbeweise.

# Arthur Schopenhauer
Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) war ein deutscher Philosoph. Seine Lehren behandelten die Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ästhetik und Ethik. Ideengeber waren ihm Kant und Platon; in Abgrenzung zu ihnen entwickelte er die Position des subjektiven Idealismus. Einzigartig ist Schopenhauers Mitleidsethik; mit Ausnahme des Buddhismus ist in kaum einer anderen philosophischen Strömung das Mitleid mit allen lebenden Wesen so tief verankert. Schopenhauer sieht in diesem grenzenlosen Mitleid den sichersten Weg, sich sittlich zu verhalten. Seine Mitleidsethik begründet der Philosoph anschaulich in seinem Werk „Preisschrift über die Grundlage der Moral“.

# Peter Singer
Der Philosoph Peter Albert David Singer wurde 1946 in Melbourne geboren. Seine Eltern waren Wiener Juden, die gezwungen durch den Nationalsozialismus nach Australien ausgewandert waren. Singer hat in Oxford, an der New York University und der La Trobe University gelehrt und war von 1977 bis 1999 Professor für Philosophie an der Monash University in Melbourne. Er gab mit seiner utilitaristischen Position den Anstoß zur heutigen Tierethik-Debatte.

# Hilal Sezgin
Hilal Sezgin (* 1970) studierte Philosophie in Frankfurt am Main und ist freie Schriftstellerin und Journalistin. Sie schreibt unter anderem für die ZEIT, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau und taz. Ihre Publizierungen beschäftigen sich hauptsächlich mit Tierethik und Tierrechten, Feminismus und der Kultur des Islam. Ihr aktuelles Buch Artgerecht ist nur die Freiheit thematisiert die Tierquälerei in den Mastställen der Massentierhaltung, die Zustände in Schlachthöfen sowie in Tierlaboratorien. Nach Sezgin existiert diese Form der Tierquälerei, weil Menschen sich ein Leben ohne tierische Produkte nicht vorstellen können. Sezgin hinterfragt die Grundhaltung der Gesellschaft, indem sie untersucht, auf welcher moralischen Basis unser Umgang mit Tieren steht und ob unsere Essgewohnheiten das Leid der Massentierhaltung rechtfertigen. Die Philosophin plädiert dafür, Tiere als Individuen mit eigenen Rechten anzuerkennen.

# Robert Spaemann
Robert Spaemann (* 1927) ist ein deutscher katholischer Philosoph, der sich intensiv mit Fragen der Tierethik auseinandersetzt. Er studierte Philosophie, Geschichte, Theologie und Romanistik an den Universitäten Münster, München und Paris. Er promovierte 1952 in Münster, war vier Jahre Lektor im Kohlhammer-Verlag, anschließend Assistent in Münster und habilitierte sich 1962 dort in Philosophie und Pädagogik. Aufgrund seiner christlichen Überzeugung, Gott habe Tiere dem Menschen als Untertan geschaffen, hält er den Verzehr von Fleisch für gerechtfertigt. Dies rechtfertige jedoch nicht den schlechten Umgang, welchen der Mensch heutzutage mit den so genannten Nutztieren pflege. Ähnlich dem Philosophen Immanuel Kant vertritt Spaemann die Ansicht, das Zufügen von Leid verrohe den Menschen. Nicht um der Tiere willen, sondern aufgrund der Vernunftfähigkeit des Menschen verbiete es sich, Tieren Leid zuzufügen. Massentierhaltung ist nach Spaemann moralisch verwerflich, denn diese fügt Tieren Leid zu.

# Ursula Wolf
Ursula Wolf (* 1951) ist Inhaberin des Lehrstuhls für Philosophie in Mannheim und Spezialistin in allgemeiner und angewandter Ethik, analytischer Philosophie und Handlungstheorien. Sie studierte Philosophie und klassische Philologie in Heidelberg, Oxford und Konstanz. 1987 folgte ihre Promotion in Heidelberg, 1983 die Habilitation an der Freien Universität Berlin. Ursula Wolf leistet mit ihren Veröffentlichungen einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion über die praktischen Probleme der Mensch-Tier-Beziehung. Sie hat zahlreiche Werke zur Tierethik verfasst, in welchen sie der Frage nachgeht, ob das millionenfache Leiden, welches den Tieren in der modernen Gesellschaft tagtäglich zugefügt wird, moralisch vertretbar ist. Behandelt werden die moralische Relevanz der Tiere für den Menschen und weitere Aspekte wie beispielsweise Tierversuche. Ursula Wolf versucht, eine geeignete pathozentristische (also eine die Leidensfähigkeit in den Mittelpunkt stellende) Moralkonzeption zu entwickeln, welche die gestellten Fragen beantwortet, sowie deren mögliche praktische Anwendung. Dabei rekurriert sie auf weitverbreitete Moraltheorien, zum Beispiel Vertragstheorien, Moraltheorien bei Kant und Schopenhauer und den Utilitarismus. Speziell untersucht sie die Positionen, die Tiere in den jeweiligen Werken einnehmen, und äußert Kritik an ihnen. Zwar sieht die Philosophin durchaus einen Unterschied zwischen Mensch und Tier, wie er auch von Philosophen wie Immanuel Kant diagnostiziert wird, und zwar in der menschlichen Fähigkeit zur Moral. Doch dies sei kein Kriterium, Tiere töten zu dürfen. Denn das Kriterium für ein Tötungsverbot sei das Weiterleben-Wollen; und dieses besäßen Mensch und Tier gleichermaßen.

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4. Didaktik

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4.1 Curriculare Bezüge

Das Thema „Tierethik und Tierrechte“ berührt viele Felder im Hessischen Ethik-Lehrplan. Besonders eignen sich die Inhaltsfelder „Selbst und Welt“, „Gewissen und Verantwortung“, „Recht und Gerechtigkeit“ und „Mensch, Natur und Technik“, um das Thema in den Unterricht zu integrieren. Im Detail:

  • Jahrgangsstufe 6:
    G.2 Recht und Gerechtigkeit I: Gleiches gleich, Ungleiches ungleich
  • Jahrgangsstufe 7:
    G.3 Gewissen und Identität II : Sich selbst finden – ich und die anderen
    G.4 Recht und Gerechtigkeit II: Das Recht / Freiheit und Gleichheit der Rechte
  • Jahrgangsstufe 8:
    G.1 Freiheit (III) und Würde des Menschen (III): Freiheit unter dem Anspruch der Vernunft – die Menschenrechte
    G.3 Religion III: Menschen- und Weltverständnis
  • Jahrgangsstufe 9:
    G.1 Gewissen und Identität III: Ethische Identität und Verantwortung
    G.3 Recht und Gerechtigkeit III: Persönliches Glück, Gerechtigkeit und Gemeinwohl
    G.4 Menschenbilder II: Das Interesse an der Welt – Menschenbilder und ihre Ethik
  • Oberstufe/Qualifikationsphase:
    Q1 Menschenbilder in Philosophie und Wissenschaft: Anthropologische Voraussetzungen verantwortlichen Handelns
    Q2 Vernunft und Gewissen: Normsetzende Begründungen verantwortlichen Handelns
    Q3 Recht und Gerechtigkeit in Gesellschaft, Staat und Staatengemeinschaft: Gerechtigkeitsbezogene Begründungen verantwortlichen Handelns
    Q4 Natur und Technik: Zukunftsorientierte Begründungen verantwortlichen Handelns

4.2 Allgemeine Ressourcen

Im Folgenden werden für den Unterricht geeignete Texte, Essays und Artikel zu verschiedenen Aspekten der Tierethik vorgestellt. Teilweise empfiehlt sich eine didaktische Reduktion, um den Schülerinnen und Schülern das Arbeiten mit den Quellen zu erleichtern.

Online-Unterrichtsmaterial (PDF, 9 S.)
Kann denn Schnitzel Sünde sein? (Welthaus Bielefeld)
Die Unterrichtsmaterialien beschäftigen sich mit dem menschlichen Fleischkonsum und damit zusammen hängenden ökologischen Aspekten wie der Verknappung des Weltgetreideangebots und der Emission von Treibhausgasen. Es werden konkrete Informationen zu einer ersten Orientierung, Vorschläge für Unterrichtsprojekte, weiterführende Materialien sowie hilfreiche Links und einige wenige konkrete Arbeitsblätter präsentiert.

Online-Portal
Trends und Verantwortung beim Fleischkonsum
Zum Thema Trends und Verantwortung beim Fleischkonsum bietet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe. Zusammenhänge zwischen Fleischkonsum und Umwelt/Klima sollen erarbeitet werden. Es wird zum Einstieg ein Quiz angeboten. Außerdem können Bildmaterialien eingesetzt werden. Für die gründliche Erarbeitung thematischer Zusammenhänge werden Arbeitsblätter zur Verfügung gestellt, die für ein Gruppenpuzzle genutzt werden können. Darüber hinaus werden Materialien zum umweltfreundlichen Konsumieren, zum Zusammenhang zwischen unserer Ernährung und dem Klima, der Radiobeitrag, „Insekten, ein unterschätztes Nahrungsmittel“ sowie der Link zu einer „Fleischatlas-App“ angeboten. Ein weiter führender Link zu Fleisch frisst Ressourcen führt zu zusätzlichen unterrichtstauglichen Materialien und Informationen.

Online-Dossier (bpb)
Tierethische Positionen (Ursula Wolf, Jens Tuider)
Mit der Frage, ob wir Tiere essen dürfen, haben sich zahlreiche Philosophen und auch Nicht-Philosophen auseinandergesetzt, mit zum Teil sehr unterschiedlichen Konklusionen. Einen guten Überblick über tierethische Positionen und philosophische Hintergründe gewährt das Dossier der Bundeszentrale für Politische Bildung.

Online-Artikel
Warum sollten Tiere Rechte haben? (PETA)
Eine mögliche Begründung dafür, warum Tiere Rechte haben sollten, liefert die Tierschutz-Organisation PETA in diesem Artikel auf ihrer Website. Dem Leser soll anhand von Beispielen der derzeitigen Tiernutzung vor Augen geführt werden, wieso es keine „humane“ Möglichkeit gibt, Tiere zu menschlichen Zwecken zu gebrauchen.

Online-Gesetzestext
Deutsches Tierschutzgesetz (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz)
Dieser Link führt zum deutschen Tierschutzgesetz. Für die Verwendung im Unterricht ist eine didaktische Reduktion unbedingt notwendig. Es empfiehlt sich, § 1 mit den Schülerinnen und Schülern zu diskutieren. Als möglicher Ansatzpunkt für Kritik kann die Beobachtung dienen, dass sich bereits hier durch den vagen Ausdruck „ohne vernünftigen Grund“ eine Kluft zwischen den gesetzlichen Vorgaben und der Realität andeutet.

Online-Artikel
Wir brauchen ein Heimtierschutzgesetz! (PETA)
Dieser Link präsentiert die Forderung PETAs nach einem neuen Heimtierschutzgesetz. PETA argumentiert, dass die derzeitige Gesetzeslage in Deutschland nicht ausreicht, um Schutz für das leibliche und seelische Wohl von Haustieren zu garantieren.

Online-Artikel
Weg mit den Zoos! (ZEIT online)
Dieser kurze und prägnante Artikel von Hilal Sezgin in der ZEIT beschäftigt sich mit der brisanten Zoo-Thematik. Kritisch diskutiert wird hier die Behauptung, dass Zoos zur erfolgreichen Arterhaltung und pädagogischen Erziehung von Kindern dienen sollen. Diese Behauptungen könnten von den Schülerinnen und Schülern selbst untersucht und hinterfragt werden, bevor der Text zur Bearbeitung eingereicht wird. Geeignet ist der Artikel sowohl für die Mittel- als auch Oberstufe.

Online-Artikel (Focus Online)
Wie klug sind wir wirklich? (Stefanie Reiffert)
Der Artikel „Wie klug sind sie wirklich? – Die Einsteins unter den Tieren“ führt dem Leser beispielhaft die Intelligenz ausgewählter Tiere vor Augen. Er eignet sich, um das Argument der Intelligenz als Grund für die Akzeptanz der Tötung von Tieren mit Hilfe einiger Beispiele kritisch zu diskutieren.

4.3 Multimediales

Grafik
Why love one but eat the other? (BeVeg)
Die Bilder einer U-Bahn-Werbekampagne der Toronto Vegetarian Association können als „Impulsbilder“ in den Unterricht eingegliedert werden, beispielsweise um in die Thematik einzuführen. „Why love one but eat the other?“ ist eine provokante und zugleich anregende Frage, um die Schülerinnen und Schüler sowohl fachlich als auch emotional in die Tierethik-Debatte einzubinden.

Infografik (ZEIT online)
Ernährungsarten (Jessica Braun, Paul Blickle)
Die Zeit bietet eine interessante Infografik, die die verschiedenen Ernährungsphilosophien (z. B. Vegetarismus, Veganismus, Frutarismus) bildlich und farbig darstellt. Sie eignet sich sowohl dafür, die Schülerinnen und Schüler informativ über die verschiedenen Ernährungsformen aufzuklären, als auch für eine allgemeine Grundlagenbildung für weitere Diskussionen.

Online-Videokatalog
Intelligenz bei Tieren (Planet Wissen)
Dieser Link führt zur Rubrik „Intelligenz bei Tieren“ auf der Website von Planet Wissen. Heutzutage steht längst fest, dass viele Tiere weitaus intelligenter sind, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Sie lösen Denkaufgaben, täuschen, betrügen und benutzen Werkzeuge. Kann hierbei nun wirklich von Intelligenz gesprochen werden? Oder handelt es sich doch nur um tierische Instinkte? Die Sammlung bietet neben der Beantwortung dieser Frage weiterhin eine Vielzahl von Videos, die sich mit verschiedenen Formen von Tier-Intelligenz befassen. Die Beschäftigung mit der Intelligenz von Tieren kann im Unterricht hilfreich sein, weil Unterschiede in der Intelligenz oftmals als Rechtfertigungsgrund für die Nutzung oder gar Tötung von Tieren angeführt werden.

Online-Video
MAN (Steve Cutts)
Das animierte Video mit musikalischer Untermalung ist für mittlere bis höhere Klassenstufen zu empfehlen. Es veranschaulicht kritisch die Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Hierbei wird der rücksichtslose Umgang des Menschen mit Natur- und Tierwelt demonstriert, welcher letztlich in die Zerstörung des Menschen selbst mündet.

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