Zusatzmaterialien zur Folge 12

Kann Gutes hässlich sein?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 9.2.2015 erstellt von:
Sarah Ebert, Leonie Randolf, Anna Ross (Studierende)
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Kann Gutes hässlich sein?
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Das Schöne
– 2.2 Die Grenzen des Ästhetischen
– 2.3 Ästhetik des Hässlichen
2.4 Ästhetik des Schreckens
2.5 Hässliches in der Kunst
3. Personen
4. Didaktik

Tagxedo Hässliches 2

1. Perspektiven

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Ethik ist die Lehre vom Schönen in uns,
Ästhetik die Lehre vom Schönen um uns.

Richard Coudenhove-Kalergi

Ästhetisches umgibt uns ständig in unserem Leben: gesellschaftliche Schönheitsideale, beeindruckende Architektur, Museen, kunstvoll und ansprechend gestaltete Werbeplakate, oder auch die Natur. All das und noch viel mehr kann ästhetischen Wert für Menschen besitzen. Doch wer entscheidet, was wirklich schön ist, und weshalb assoziieren wir mit Gut-sein in der Regel zuerst Schönheit? Kunst kann durchaus schockieren und provozieren. Ist sie deshalb keine Kunst mehr? Und was finden wir am Schrecken ästhetisch? Um also die Frage beantworten zu können, ob Gutes auch hässlich sein kann, müssen wir zuerst über das Schöne selbst nachdenken, uns der Grenzen (oder gar Grenzenlosigkeit) der Ästhetik bewusst machen, und auch vermeintlich hässliche Dinge näher betrachten. Philosophen beschäftigen sich seit der Antike mit ästhetischen Fragen, insbesondere im Hinblick auf die Ethik. Der gute Geschmack wir neben den Themen Design, Architektur und Mode dann Gegenstand der Folge 13 des Funkkollegs Philosophie sein.

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte“.

1.1 Kann Gutes hässlich sein?

Bezug Manuskript: S. 2, 8; Bezug Audio 0:25, 8:20

Online-Artikel
Ohne Schönheit stirbt der Mensch (ZEIT online)
Ein einführender Artikel zum Thema, der die großen Begriffe „Hässlichkeit“ und „Schönheit“ von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet. Die Idee einer Notwendigkeit der Schönheit wird vor dem Hintergrund grundlegender philosophischer Positionen herausgearbeitet. Mit Witz und Ironie geschrieben, lädt der Artikel nicht nur zum Nachdenken, sondern an einigen Stellen auch zum Schmunzeln ein.

Online-Artikel
Ethik und Ästhetik (Kulturelle Bildung online)
Die Autorin gibt hier einen wunderbaren Überblick über das Verhältnis von Ethik und Ästhetik. Nach einer thematischen Einführung wird der Artikel nach bedeutenden Philosophen gegliedert, die sich näher mit Ästhetik und ihrer Funktion für die Ethik auseinandersetzten. Die Aufzählung reicht von Platon über Schiller hin bis zu Welsch. Somit wird die philosophische Entwicklung des Verhältnisses zwischen Ethik und Ästhetik chronologisch dokumentiert.

Online-Artikel
Ästhetische Erfahrung (Kulturelle Bildung online)
Der Artikel erläutert den Ästhetikbegriff und zeigt auf, welche ästhetischen Erfahrungen es in unserem Alltag gibt und wie diese sich gestalten. Wichtige philosophische Positionen werden in diesem Text sowie in einem weiteren zur ästhetischen Erziehung verarbeitet.

Online-Artikel
Hauptsache schön: von der Ethik zur Ästhetik (Irrwege)
Dieser kurze und übersichtliche Artikel beschreibt, wie Ethik und Ästhetik in der griechischen Antike als derart zusammenhängend gedacht wurden, dass sie jeweils nicht allein auftreten konnten: Eine Person konnte nicht als schön gelten, ohne gleichzeitig auch gut zu sein. Ausgehend von Platons Ideenlehre gibt der Text einen historischen Ausblick über die enge Verbindung von Ethik und Ästhetik bei Baumgarten, Herder, Schiller, Nietzsche, Hobbes und Grass.

Online-Artikel
Ethik und Ästhetik. Moral auf Abstand (artefakt)
In dem Blog für Kunst und Kritik verfasste Philipp Hindahl eine Rezension über einen im Dezember 2012 erschienen Tagungsband mit dem Titel Ethics in Aestetics?, der die Vereinbarkeit von Gutem und Schönem, von Sittlichem und Sinnlichem, von Moral und Kunst diskutiert.

Online-Artikel (engl.) (Aesthetics online)
Aesthetics and Ethics: The State of the Art (Jeffrey Dean)
Dieser englischsprachige Artikel befasst sich mit Kunst und moralischem Verständnis, der Beziehung zwischen Ästhetik und moralischem Urteilsvermögen. Hängt der ästhetische Wert eines Kunstwerks von seiner ethischen Aussage oder seinen moralischen Qualitäten ab? Oder ist der ästhetische Wert eines Kunstwerks unabhängig von seiner ethischen Bedeutung? Kann ein Kunstwerk vielleicht sogar gerade deshalb ästhetisch besonders wertvoll sein, weil es moralische Defizite aufweist? Der Artikel befasst sich mit den ethischen Reflexionsmöglichkeiten, die sich in den verschiedenen Bereichen der Kunst, insbesondere Literatur und Film, mit Blick auf eine Ethik des Alltagslebens entwickelt haben. Ein Artikel für diejenigen, die gerne mehr über die Schnittstellen zwischen Ästhetik und Ethik erfahren möchten.

Online-Essay (PDF, 12 S.)
Die Eigenlogik globaler Krisenbilder. Kriegsfotografie zwischen Ethik und Ästhetik (Aida Bosch, Christoph Mautz)
Digitale Photographie und das Internet haben dazu geführt, dass Bilder global und massenhaft verfügbar gemacht werden. So prägen auch Bilder von Katastrophen und Kriegen die mediale Kommunikation und lassen die Rezipienten diese Leiderfahrungen miterleben. Der Aufsatz von Aida Bosch und Christoph Mautz befasst sich mit der Frage, inwieweit Bilder und das Visuelle für unsere Kultur prägend sind.

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1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 5, 14; Bezug Audio 4:10, 17:25

Ethik und Ästhetik sind Eins.
Ludwig Wittgenstein

Online-Enzyklopädie-Einträge
Zur philosophischen Ästhetik (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy ist ein anerkanntes wissenschaftliches und philosophisches Werkzeug. Die Einträge sind in englischer Sprache verfasst, jedoch für Geübte Leserinnen und Leser bestens geeignet. Es findet sich dort nicht nur ein Artikel zum ästhetischen Urteil (aesthetic judgement), sondern auch verschiedene Einträge über einzelne Philosophen und ihren jeweiligen Standpunkt in der Ästhetik:

Vortrags-Transkript (PDF, 14 S.)
Was ist Schönheit? Große Begriffe der Philosophie Platons (Florian Roth)
Platons Ansichten werden hier verständlich erklärt. Florian Roth spricht von verschiedenen Phasen der Auseinandersetzung mit dem Schönen bei Platon und schlüsselt diese in seinem Vortrag auf. Dabei erwähnt er die verschiedenen Werke, in denen Platon von dem Schönen spricht.

Online-Volltext (Projekt Gutenberg)
Über die ästhetische Erziehung des Menschen (Friedrich Schiller)
Hier wird das gesamte Werk Über die ästhetische Erziehung des Menschen von Friedrich Schiller online zur Verfügung gestellt. Zum Stöbern oder Vertiefen für Interessierte geeignet.

Wissenschaftliche Abhandlung (PDF, 20 S.)
Kant on Aesthetic Ideals and Beauty (Robert J. Yanal)
Diese englischsprachige Publikation untersucht das Verhältnis von Ästhetik und Kunst in Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft. Zwar widmet sich die Abhandlung damit einer sehr spezifischen Thematik, gibt dadurch jedoch einen ausführlichen Einblick in die Ästhetik bei Kant. Zusätzlich bietet die Bibliographie des Artikels eine Vielfalt an Empfehlungen für weiterführende Literatur.

Online-Artikel
Die Liebe zur Kunst und deren Verkennung (Juliane Rebentisch)
Basierend auf Adornos ästhetischer Theorie untersucht die Philosophin Juliane Rebentisch Kunst zwischen Konsum und Autonomie. Dieser inhaltlich sehr dichte Text ist vor allem durch seinen zeitgenössischen Bezug interessant. Auch hier eignet sich die Bibliographie zur Vertiefung der Thematik.

Online-Artikel (ZEIT online)
Lauter schöne Explosionen (Martin Seel)
Martin Seel schreibt in seinem Essay von Ästhetik, Ethik und Erkenntnistheorie und setzt sie zueinander in Bezug. Er erklärt außerdem, welche Rolle das Verhältnis zwischen Aktivität und Passivität in diesem Zusammenhang spielt.

Online-Literatursammlung
Literaturliste zur Ästhetik
Die Seiten nennen eine große Zahl von Literatur, die sich mit Wahrnehmung und Ästhetik befassen.

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2. Konzepte

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Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Das Schöne

Bezug Manuskript: S. 5, 11; Bezug Audio: 4:10, 12:15

Online-Artikel
Nachdenken über Schönheit (Süddeutsche)
Viele Menschen würden der Behauptung zustimmen, dass nur die inneren Werte zählen und nicht das Äußere – man mag ja schließlich nicht als oberflächlich abgestempelt werden. Gleichzeitig scheinen jedoch Studien das Gegenteil zu beweisen; ihnen zufolge machen die attraktiveren Menschen eher Karriere als die weniger schönen. Im Essay der Süddeutschen Zeitung wird eine Brücke geschlagen von den antiken Philosophen hin zu den Ästhetikvorstellungen unserer heutigen Zeit. Was ist denn nun wirklich schön? Was nicht? Und wenn, dann weshalb?

Online-Video-Interview (57:00)
Konrad Paul Liessmann über Schönheit und Kunst (Irmgard Klammer)
Prof. Liessmann im Gespräch mit der praktischen Philosophin und Dokumentarfilmerin Irmgard Klammer über Schönheit und Kunst in „Philosophie im Gespräch“. Im Interview werden die folgenden Aspekte von Schönheit diskutiert: Körperformung, plastische Chirurgie, Oberflächenschönheit, Ästhetik des Alters, innere Schönheit, Bildmächtigkeit der Medien sowie auch das Verhältnis von Kunst und Schönheit.

Online-Audio-Podcast (engl., 45:00)
Beauty (BBC)
Bei Platon ist das Schöne auch immer das Gute, das Perfekte, das Absolute. Aber kann das Schöne wirklich immer nur im Zusammenhang mit moralischem Urteil betrachtet werden? Und ist die Schönheit den Dingen inhärent oder doch nur im Kopf ihres Betrachters? Im Podcast der BBC diskutiert der britische Fernseh- und Rundfunkmoderator Melvyn Bragg mit seinen Gästen über die Schönheit, ihre Qualitäten und ihre Relevanz in der antiken Philosophie.

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2.2 Die Grenzen des Ästhetischen

Bezug Manuskript: S. 8, 12; Bezug Audio: 7:30, 12:40

Online-Artikel
Welche Bilder darf man zeigen? (heise.de)
In zwei Artikeln bei Telepolis diskutiert Florian Rötzer die Frage, wie weit das Gebot, Bilder von Gräueltaten nicht zu zeigen, reichen sollte. Einigkeit sieht er unter den deutschen Medien darüber, nur Standbilder und keine Bewegtaufnahmen (etwa von der Enthauptung James Foleys durch den IS) zu verbreiten, während einige ausländische Medien dies durchaus tun. Er kritisiert, dass die bloße Einschränkung auf Standbilder nichts daran ändere, dass den Urhebern solcher Bilder damit eine Plattform geboten würde. Rötzer diskutiert auch, inwiefern gewisse Aufnahmen westlicher Kriegshandlungen gezeigt werden in einem zweiten Text: Dürfen Bilder von der Enthauptung des US-Journalisten gezeigt werden?

Online-Artikel
Die Grenzen des Ästhetischen (ZEIT online)
Karl Heinz Bohrer schreibt in diesem längeren und ausführlichen Artikel über die Abgrenzung einer Ästhetik der Kunst von scheinbar gleichsam „ästhetischen“ Dimensionen von Alltagsdesign, Hedonismus oder Kultur. Dabei reicht der Artikel tief in die verschiedensten Bereiche der Literatur und der Kunstgeschichte, der philosophischen Ästhetik, sowie in andere ästhetische Bereiche der Moderne.

Online-Video (53:25)
Über die Grenzen des Ästhetischen (Juliane Rebentisch, Milo Rau)
In einem Interview für SRF Kultur spricht Moderator Juri Steiner mit der Philosophin Juliane Rebentisch und dem Autor-Regisseur Milo Rau, der in seiner Arbeit den Genozid in Ruanda verarbeitete. Hier wird diskutiert, ob man ein Kunstwerk schaffen kann über etwas so Grausames wie einen Völkermord. Das Gespräch mit Rau und der Rebentisch, die sich mit der Beziehung von Ästhetik und Philosophie auseinandersetzt, lotet die Ästhetisierung der Lebenswelt, von Ethik und Politik aus.

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2.3 Ästhetik des Hässlichen

Bezug Manuskript: S. 2, 9; Bezug Audio: 0:30, 9:35

Online-Enzyklopädie-Artikel
Paradox der Hässlichkeit (Wikipedia)
Unter dem “Paradox der Hässlichkeit”, das auf den Philosophen Nelson Goodman zurückgeht, versteht man den scheinbaren Widerspruch zwischen unserem Urteil, dass bestimmte Gegenstände hässlich oder anderweitig unschön sind, und der ästhetischen Attraktivität, die gerade solche Gegenstände andererseits auf uns ausüben können.

Online-Vorlesung (engl., 72:20)
On the History of Ugliness (Umberto Eco)
In Ecos Vorlesung geht es um die Frage, ob die Empfindung von Hässlichkeit kultur- und kontextabhängig sein könnte. Änderten sich die Standards für Hässlichkeit etwa im Lauf der Geschichte? Liegt am Ende nicht nur Schönheit, sondern auch Hässlichkeit im Auges des Betrachters? Ecos Bildband Die Geschichte der Hässlichkeit führt die Idee der Vorlesung fort und bietet auch historische Exzerpte zum Thema; hier findet sich eine Rezension der New York Times.

Buch-Empfehlung
Im Schatten des Schönen (hg. v. Heiner F. Klemme, Michael Pauen, Marie-Luise Raters)
Eine lesenswerte Sammlung von philosophischen Perspektiven auf die Ästhetik des Hässlichen bietet dieser Sammelband, der sowohl (kunst-)historische Ansätze des Hässlichen rekonstruiert als auch auf aktuelle kunstphilosophische Debatten verweist. Einen Überblick über die Inhalte des Buches bietet diese  Rezension auf Literaturkritik.de.

Online-Artikel
Geburt des Punk-Designs: „Schere, Wut und Anarchie“ (Spiegel Online)
Was heute als harmloser Bestandteil von Popkultur verstanden wird, wurde im England von 1977 als Majestätsbeleidigung aufgefasst. Das Cover der Single „God save the Queen“ der britischen Band Sex Pistols zeigte ein stellenweise zerrissenes Portrait von Queen Elizabeth II.: Mund- und Augenpartie wurden durch Band- und Schallplattennamen im Schnipsel-Layout ersetzt. Der handwerkliche Dilettantismus sollte für die Ästhetik der Subkultur wegweisend werden. Dass diese Ästhetik einige Jahrzehnte später in verschiedenen Museen ausgestellt werden würde, muss damals trotzdem unglaublich geklungen haben. Weiterführende Online-Inhalte zur Ästhtetik des Punk bieten außerdem die folgenden Links:

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2.4 Ästhetik des Schreckens

Bezug Manuskript: S. 9, 13; Bezug Audio: 9:35, 16:05

Online-Lexikon-Artikel
Ästhetik des Schreckens (Lexikon der Filmbegriffe)
Das scheinbar paradoxe Konzept einer “Ästhetik des Schreckens” wird im Filmlexikon der Uni Kiel kurz und prägnant erörtert. Der Artikel verschafft dem Leser einen ersten Überblick zu den wichtigsten Aspekten dieser eher unkonventionellen Ausdrucksform, die in Literatur, Kunst, Theater und Film häufig eingesetzt wird.

Buchrezension
Karl Hein Bohrer: Von Leid, Schmerz und Furcht (Deutschlandfunk)
Eine Reihe von Buchrezensionen widmen sich Bohrers Werk Das Tragische. Erscheinung, Pathos, Klage. Bohrer arbeitet in dieser Darstellung die Ästhetik des Schreckens auf, die zunächst in der griechischen Tragödie auftaucht, aber auch in der Moderne immer wieder rezipiert wird und nicht an Aktualität verliert. Dabei hatte der theatrale Schrecken in der Antike oft noch moralische Funktionen, während er später als eigenes ästhetisches Moment auftritt.

Online-Interview-Transkript
Ästhetik des Schreckens (Deutsches Ärzteblatt)
David Cronenberg gilt als Mitbegründer des body horror, einer Stilrichtung des Horrorfilms, die durch graphisch dargestellte Deformierung oder Zerstörung des Körpers ihrer Darsteller schockiert und provoziert. In einem Interview mit dem Kulturmagazin des Deutschen Ärzteblatts spricht der kanadische Regisseur und „Meister des subtilen Horrors“ über das Remake des Films Die Fliege. Zusätzlich listet die folgende Seite von Taste of Cinema 20 einschlägige Werke dieses gruseligen Genres auf.

Zur Ästhetik des Horrors
Die ganz eigene Ästhetik des Horrors und des Bösen entfaltet sich im Horrorgenre, welches häufig Themen wie Bosheit, Tod, Apokalypse, Jenseits und Auferstehung der Toten aufgreift. Somit sind fast alle zentralen Motive des Genres auch von philosophischer Relevanz und finden sich bei genauerem Hinsehen sogar in den klassischen Diziplinen der Philosophie wieder.

  • Eine Besprechung des Buches Ästhetik des Bösen des Literaturwissenschaftlers Peter-André Alt bietet Litlog, ein Göttinger eMagazin für Literatur, Kultur und Wissenschaft.
  • Der Blogger Christian Erdmann befasst sich auf seiner Seite Antirationalistischer Block in dem Eintrag „Philosophie des Horrors“ mit der philosophischen Relevanz des Horror-Genres.
  • Der Online-Essay „(Miss-)Vergnügen am Ekel“ von Julian Hanich beschäftigt sich aus philosophischer Perspektive mit dem Horror und insbesondere dem Abscheulichen im Kino.
  • Der Horrorfilm „Freaks“ des US-amerikanischen Regisseurs Tod Browning sorgte im Jahr 1932 für Entsetzen. Der prominente Einsatz von Jahrmarktscharakteren war für die damaligen Verhältnisse gewagt. Dieser Artikel der englischsprachigen Wikipedia bietet interessante Hintergrundinformationen. Ansehen kann man Freaks auf den Seiten des Internet Archives.
  • Der 2014 verstorbene Schweizer Künstler H. R. Giger trug mit seinen Werken maßgeblich zur Ästhetik des Horrorfilms bei. Neben seiner Arbeit für Alien von 1979 widmen sich zwei Nachrufe auch seinem sonstigen Schaffen: einer bei The Verge, einer in der New York Times.
  • Der Podcast „Ästhetik des Horrors“ der Philosophischen Audiothek beschäftigt sich mit dem Vortrag „Das Queere des Horrors. Sexuelle Identitäten zwischen Transgression und Schrecken“ von Flora Schanda und Judith Schoßböck.

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2.5 Hässliches in der Kunst

Bezug Manuskript: S. 9; Bezug Audio: 9:10

Online-Video (46:33)
Kitsch – Zwischen Winnetou und Gartenzwerg (dadadadatv)
Dass Kitsch nach ursprünglicher Ächtung nun doch wohlwollend als Kunst wahrgenommen wird, mag überraschend sein. Über den Zusammenhang von Kunst und Kitsch, und darüber, was Kitsch plötzlich salonfähig machte, unterhält sich der Philosoph Konrad Paul Liessmann mit Jürgen Grimm.

Zu Dada
Dada (theartstory.org) entstand 1916 als Kunst- und Literaturform in der Schweiz. Vor der Kulisse des Ersten Weltkrieges wurden in künstlerischer Weise sowohl bürgerliche Werte als auch das damit verbundene Kunstverständnis attackiert. Typisch für die anarchistisch-nihilistische Kunst des Dadaismus waren besonders wilde und scheinbar willkürliche Kollagen und Montagen. Der folgende englische Online-Artikel erläutert aus kunsthistorischer Perspektive, weshalb diese „Nicht-Kunst-Bewegung“ in der Kunstwelt auch heute noch Relevanz hat: What is Dada? (about.com).

Online-Textauszug
Walter Benjamin zum Dadaismus (textlog.de)
In seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ stellt Walter Benjamin auch Überlegungen zum Dadaismus an. In seiner Abhandlung diskutiert er charakteristische Merkmale des Dadaismus und diskutiert diese anhand des Kunstwerks und des Films. Dieser anspruchsvolle Text dient besonders zur Vertiefung des philosophischen Hintergrunds des Dadaismus.

Zum Impressionismus
Der Impressionismus (Wikipedia.de) ist eine bekannte, aus Frankreich stammende Stilrichtung in der Kunst und besonders in der Malerei und wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts populär. Claude Monet, der mit mit einem seiner Gemälde dieser Kunstrichtung ihren Namen gab, ist zugleich einer der bekanntesten Vertreter des Impressionismus. Revolutionär an dieser Art der Malerei war der nun immer wichtiger werdende Künstler selbst und seine individuelle Wahrnehmung der dargestellten Wirklichkeit, die er durch gezielt gewählte Pinselstrichtechniken und Farben zum Ausdruck brachte.

Online-Video (engl., 101:25)
A History of Impressionism (TheArtistsPlace)
Eine englischsprachige Dokumentation, die ausführlich und mit zahlreichem Bildmaterial die Geschichte des Impressionismus darstellt und erklärt, weshalb er in der Zeit seiner Enstehung nicht nur auf Anerkennung stieß.

Ausstellung
Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende (Alte Nationalgalerie Berlin)
Vom 22. Mai bis zum 20. September 2015 präsentiert die Alte Nationalgalerie Berlin in einer Ausstellung zahlreiche Gemälde des Impressionismus und des Expressionismus, in der die beiden Kunststile gegenübergestellt werden. Zusätzlich zur Präsentation der Ausstellungsstücke wird ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen und Lesungen zu einzelnen Themen der Ausstellung angeboten.

Zu Pop-Art
Inspiriert durch zeitgenössische Popkultur, Medien und Konsumgesellschaft entstand Pop-Art als Kunstrichtung in den 1950er-Jahren in Großbritannien und wurde kurz darauf auch in den USA sehr populär. In dieser Kunst werden banale Motive wie etwa Werbebilder dekonstruiert, farblich überarbeitet und dadurch bewusst in Szene gesetzt. Zu den bekanntesten Repräsentanten dieser Kunstrichtung zählen Andy Warhol und Roy Lichtenstein. Die folgenden Internet-Ressourcen greifen verschiedene Aspekte der Pop-Art auf:

  • Die Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main stellt vom 5. Februar bis zum 25. Mai 2015 in der Ausstellung Poesie der Großstadt mit insgesamt 150 Exponaten die Kunst des Plakatabrisses in all ihren Facetten vor. Die Ausstellung präsentiert alles von kleinen Fragmenten bis hin zu eindrucksvollen Großformaten und illustriert dabei mitunter abstrakte Farbformationen und schillernde Ikonen der Popkultur.
  • Einen informativen englischsprachigen Artikel zur Begriffsklärung gibt es auf der offiziellen Homepage des Museum of Modern Art, New York.
  • Die Webseite theartstory.org bietet ebenfalls einen übersichtlichen englischsprachigen Online-Artikel zum kunsthistorischen Kontext der Pop-Art Bewegung.

Buch-Empfehlung
Pretty Ugly (Art. Das Kunstmagazin)
Dieser Sammelband mit zahlreichen Kunstdrucken zu schrägem Produktdesign ermöglicht einen schönen visuellen Überblick zum Thema Anti-Design, bei dem die Grenzen von dem, was guter und was schlechter Geschmack ist, verwischen zu scheinen.

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# Michel Foucault
Michel Foucault (1926 – 1984) war nicht nur ein bedeutender französischer Philosoph, sondern auch der Begründer der Diskursanalyse. Foucault studierte nach dem Krieg an der École Normale Supérieure Philosophie. Später lebte und arbeitete er in Schweden, Polen und Deutschland, bevor er schließlich für seine Promotion 1961 nach Frankreich zurückkehrte. In dieser thematisierte er die Geschichte des Wahnsinns und behauptete, dass der Unterschied zwischen Gesundheit und Wahnsinn nicht real, sondern nur ein soziales Konstrukt sei. Desweiteren wurde er durch seine diskursanalytischen Methoden in Bezug auf die Wissenschaftsgeschichte bekannt. Die Ästhetik ist für ihn eine Ästhetik der Existenz und beinhaltet die Forderung, das eigene Leben als ein Kunstwerk zu gestalten.

# Georg Wilhelm Friedrich Hegel
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) war einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Idealismus. Seine philosophischen Gedanken wurden in seiner Zeit sehr geschätzt, so dass er mit seiner Philosophie das Denken seiner Zeitgenossen maßgeblich beeinflusste. Dabei gilt der Zugang zu seinem Werk als schwierig, da Hegel meist mit komplexen Begriffskonstruktionen arbeitete. Die Methode der Dialektik und der Begriff des Absoluten wurden zu Schlüsselwörtern Hegelschen Philosophierens. Hegel studierte Philosophie und Theologie am Tübinger Stift, wo er sich mit Schelling und Hölderlin anfreundete. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Hauslehrer in Bern und später in Frankfurt, bevor er sich eine akademische Laufbahn leisten konnte. Sein Studienfreund Schelling vermittelte ihm eine Stelle als Privatdozent in Jena, der Stadt, in der damals neben Schelling viele bekannte Persönlichkeiten wie Schiller, Fichte, Tieck, Novalis und Schlegel wirkten. In Jena habilitierte sich Hegel 1805 mit Die Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems der Philosophie, auch „Differenzschrift“ genannt, und wurde 34-jährig Professor für Philosophie. Bald darauf im Jahre 1806 erschien sein erstes grundlegendes und zugleich eines seiner bekanntesten Werke – die Phänomenologie des Geistes. Hierin beschreibt er unter anderem, wie sich das Selbstbewusstsein dialektisch in einem Prozess der Anerkennung durch den jeweils Anderen herausbildet. Hegel erlebte die Schlacht um Jena und die Besetzung der Stadt durch die Truppen Napoleons im Jahre 1806 und verließ Jena aus finanziellen Gründen. Kurzzeitig arbeitete er als Zeitungsredakteur in Bamberg (1807). Im Jahre 1808 wurde Hegel Rektor des Gymnasiums in Nürnberg. Während seiner Nürnberger Zeit heiratete er die um viele Jahre jüngere Marie von Tucher, die ihm drei Kinder schenkte und mit der er eine glückliche Ehe führte. In Nürnberg schrieb Hegel in den Jahren 1812 – 1816 sein zweites großes Werk Wissenschaft der Logik, welches ihm den philosophischen Lehrstuhl an der Universität in Heidelberg einbrachte. Bald darauf im Jahre 1818 folgte er dem Ruf nach Berlin als Nachfolger Fichtes. In Berlin verbrachte Hegel seine glanzvollsten Jahre. Seine Vorlesungen waren immer gut besucht, und er wurde schon zu Lebzeiten berühmt. Im Jahre 1929 wurde er zum Universitätsdirektor ernannt. Während Hegels Berliner Zeit entstanden die Grundlinien der Philosophie des Rechts (1820) und die Vorlesungen über die Ästhetik (1835 – 1838), die Hegel über mehrere Jahre hielt. Eine ausführliche Biografie sowie eine Übersicht über Hegels Gesamtwerk bietet die Online-Bibliothek Zeno.org.

# Friedrich Nietzsche
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900) äußerte sich einmal mit den Worten „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit“ rückblickend über sein Leben, und diesen Worten sollte er alle Ehre gemacht haben. Bereits mit vierzehn Jahren verfasste er seine erste Autobiographie (acht weitere autobiographische Versuche sollten in den nächsten zehn Jahren folgen), mit zwanzig begann er das Studium der Theologie und Klassischen Philologie in Bonn. Ein Jahr später verabschiedete er sich von der Theologie und widmete sich mit einem Wechsel nach Leipzig gänzlich der Philologie. Trotz fehlender Promotion und Habilitation erhielt er 1869 den Ruf an die Universität Basel, an der er zehn Jahre lang tätig sein würde, bis er aus gesundheitlichen Gründen bereits mit 35 Jahren in den Ruhestand gehen musste. Zeitlebens litt er an starker Migräne und verbrachte daher so viel Zeit wie möglich im Süden, vor allem in Italien, da ihm das Klima dort sehr gut bekam. So erlebte er als ständiger Wanderer noch zehn sehr produktive Jahre, bis er 1889 in Turin einen geistigen Zusammenbruch erlitt und bis zu seinem Tod 1900 mehr oder weniger in geistiger Umnachtung in Anstalten und der Obhut seiner Mutter und Schwester verweilte. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Also sprach Zarathustra, Jenseits von Gut und Böse und Zur Genealogie der Moral.

# Martha Nussbaum
Die Philosophin und Altphilologin Martha Nussbaum wurde 1947 in New York geboren und lehrt an der University of Chicago Rechtswissenschaften und Ethik. Sie selbst bezeichnet sich als Aristotelikerin und konzentriert sich dabei auf die Frage nach dem guten Leben. Martha Nussbaum vertritt einen liberal-feministischen Standpunkt und steht für Multikulturalismus und eine internationale Gerechtigkeit ein. Ästhetischen Wert hat für sie vor allem die Literatur, die nicht nur unser Denkvermögen herausfordert, sondern auch unsere Gefühle und die Fantasie anregt. Sie schreibt den Emotionen einen eigenen Erkenntniswert zu und bezieht sich dabei beispielsweise auf die griechische Tragödie. Nicht nur reale, sondern auch ästhetische Erfahrungen von Leid, Vergänglichkeit und Unglück sensibilisieren den Menschen. Die so gewonnene Empathie befähigt Menschen eher zur Lösung von Konflikten als rationale Prinzipien, meint Nussbaum.

# Platon
Platon (427 – 347 v. Chr.) war ein Schüler von Sokrates. In zahlreichen seiner Werke beschäftigt Platon sich mit der Philosophie  seines Lehrers und der von diesem entwickelten Methode des sokratischen Dialogs (Mäeutik). Da Sokrates selbst keine Schriften hinterlassen hat, sind wir hinsichtlich der Kenntnisse über den Vater der klassischen antiken Philosophie und sein Denken auf Überlieferungen angewiesen, vor allem auf die Werke Platons und Xenophons.  Sokrates Hinrichtung hat Platon tief erschüttert, wovon u.a. die Apologie des Sokrates zeugt.
Platon gilt als einer der einflussreichsten Denker des Abendlandes, der für die folgenden zentralen Bereiche der Philosophie grundlegende Positionen formuliert hat, mit der sich auch zeitgenössische Philosophen noch auseinandersetzen: Metaphysik (Platons Ideenlehre), Ethik (Lehre vom glücklichen Leben/Eudaimonia), Anthropologie, Staatstheorie (Politeia), Kosmologie, Kunsttheorie und Sprachphilosophie.
Bekannt ist Platon vor allem für seine Ideenlehre und das Höhlengleichnis. Seine Auffassung von Ethik beschreibt Platon mit Hilfe der Ideenlehre. Mit dem Begriff „Idee“, den Platon bei seiner Interpretation verwendet, bezieht er sich auf Ideen im Jenseits, die dauerhaft bestehen sollen. Die höchste Idee, die ein Mensch besitzen kann, ist die Idee des Guten. Jeder Mensch hat nach Platon eine unsterbliche Seele, die an der Idee des Guten teilhaben soll. Je mehr sie dieser Idee zustrebt, desto ethischer handelt sie. Es wird eine Form von einer moralischen Instanz gegründet, die darüber entscheidet, ob eine Handlung gut oder moralisch verwerflich ist. Die Seele und der Körper gelten bei Platon als zwei unabhängige Bereiche und der Körper hindert die Seele bei ihrem Aufstieg zum höchsten Gut und gilt deshalb als Hindernis zur Zielerreichung.
In seinem Buch „Prozess und Realität“ bezeichnet Michael Hampe Alfred North Whitehead alle philosophischen Bemühungen nach Platon als Fußnoten zu diesem.

# Birgit Recki
Birgit Recki (* 1954) lehrt seit 1997 als Professorin für Philosophie an der Universität in Hamburg. Neben der Ästhetik widmet sie sich insbesondere ethischen Fragestellungen und Themen aus dem Bereich der Kulturphilosophie. Dabei liegen die historischen Schwerpunkte Reckis im 18. Jahrhundert und in der Moderne. Zuletzt veröffentlichte Recki in der Reihe Grundwissen der Philosophie eine Einführung zu Cassirer. Dieser Link führt zu einem Vortrag der Philosophin mit dem Titel „Über den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und die Gefahr, den Nordpol noch einmal zu entdecken“.

# Friedrich Schiller
Friedrich Schiller (1759 – 1805) gilt neben Goethe als der berühmteste deutsche Dichter. Auch als Philosoph und Historiker war Schiller tätig. In der Literatur beeinflusste er vor allem das deutsche Theater und die Lyrik. Seine bekanntesten Dramen sind u. a.: Die Räuber, Kabale und Liebe, Don Carlos, Infant von Spanien, Die Jungrau von Orleans, Maria Stuart und Wallenstein. Neben Goethe, Herder und Wieland ist Schiller einer der wichtigsten Repräsentanten der Weimarer Klassik. Bekannte Gedichte und Balladen, die ganze Schülergenerationen auswendig lernen mussten, sind: „An die Freude“, „Die Kraniche des Ibykus“, „Der Ring des Polykrates“, „Die Bürgschaft“ und „Das Lied von der Glocke“.
Im Rahmen seiner philosophischen Arbeit setzte Schiller sich intensiv mit Kant und dessen Konzept der Freiheit auseinander. Der Freund Goethes verfasste eine Reihe philosophischer Schriften, die sich u. a. mit Kunst und Ästhetik beschäftigten. In seinem Werk Über die ästhetische Erziehung des Menschen entfaltet Schiller den Gedanken, dass die künstlerische Tätigkeit und die Auseinandersetzung mit der Kunst dazu beitrage, den Geist des Menschen und seine Bildung zu vervollkommnen. Die Ganzschrift des Werkes ist online verfügbar. Wer mehr über Schillers Leben und Werk erfahren möchte, sei auf dieses informative Einführungsvideo verwiesen.

# Martin Seel
Martin Seel (* 1954) hat seit 2004 die Professur für Theoretische Philosophie am Institut für Philosophie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne. Er ist Gründungsmitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität und forscht in diesem Rahmen zu den Themen „Quellen moralischer Normativität“, „Rechtfertigungsnarrative: das Beispiel des gegenwärtigen Kinos“ und „Gesetz und Gewalt im Kino“. Zu dieser Vorlesungsreihe ist jüngst der gleichnamige Band erschienen. Gerade zum Bereich der Ästhetik veröffentlichte Seel zahlreiche Bücher und Artikel, unlängst Die Künste des Kinos. Eine Besprechung des Buches durch Jürgen Kaube veröffentlichte die FAZ.

# Wolfgang Welsch
Wolfgang Welsch (* 1946) ist deutscher Philosoph und Preisträger des Max-Planck-Forschungspreises. Er beschäftigte sich im Rahmen seiner Tätigkeit an verschiedenen Universitäten u. a. mit Themen aus den Bereichen Ästhetik, Postmoderne, Anthropologie und Epistemologie. Seit 2012 ist Welsch emeritiert und lebt in Berlin. In seinen Arbeiten zur Ästhetik entfaltet Welsch den Kerngedanken einer ästhetischen Gerechtigkeit. Dieser zufolge helfe die Kunst dem Menschen dabei, eine Gerechtigkeit gegenüber Heterogenität zu entwickeln. Auf der Internetseite der Universität Jena sind, neben Informationen zu Wolfgang Welsch, auch einige seiner Veröffentlichungen als Ganzschriften online verfügbar.

# Ludwig Wittgenstein
Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951) gehörte einer einflussreichen und wohlhabenden Wiener Familie an. Nach einem abgeschlossenem Ingenieurstudium in Wien, nahm er zunächst eine Tätigkeit an der Universität in Manchester auf. Dort wuchs sein Interesse an Philosophie und Logik, sodass er Manchester schließlich verließ, um in Cambridge ein Philosophiestudium zu beginnen. Er promovierte mit dem berühmten Tractatus logico-philosophicus. Wittgenstein beschäftigte sich mit Fragen der Sprachphilosophie, Ästhetik, Philosophie der Psychologie und der Mathematik. ZEIT online stellt den Studenten Wittgenstein vor.

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4. Didaktik

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4.1 Curriculare Bezüge

Lehrplan Philosophie:

  • Q1 – Staats-, Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie (Individuum und Gesellschaft)
  • Q2 – Naturphilosophie (Natur und Mensch)
  • Q4 – Sprachphilosophie und Ästhetik (Sprache und Kultur)

Lehrplan Ethik:

  • 6G.1 – Gewissen und Identität I: Das Gute und das Böse
  • 6G.4 – Menschenbilder I: Wer will ich sein?
  • Q2 – Vernunft und Gewissen (Vernunft und Moral)

4.2 Lern-Ressourcen allgemein

Didaktische Materialien (PDF, 78 S.)
Bin ich schön? (Museum für Kommunikation, Frankfurt/M.)
Diese ursprünglich für eine Ausstellung im Museum für Kommunikation erarbeitete Sammlung didaktischer Materialien präsentiert eine Vielzahl an Themen. Sowohl die beiden weiter unten aufgeführten Aspekte „Schönheit und Gesellschaft“ und „Schönheit und Evolution“ finden sich darin wieder, als auch weitere Bereiche. Insgesamt bietet die Sammlung vor allem interessante Ideen für die Arbeit mit jüngeren Schülern, aber auch einige Vorschläge für den Oberstufenunterricht.

Blog
Schule
Der Schulleiter der Sabel-Wirtschaftsschule in München pflegt einen Blog zu unterschiedlichsten Themen, den seine Schüler nutzen können, um sich differenzierter auf den Unterricht vorbereiten und sich auch über diesen hinaus informieren zu können. Es gibt einen längeren Beitrag zur Ästhetik. Unter anderem wird auf die ästhetischen Positionen von Sokrates, Platon, Schiller und Kant eingegangen.

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4.3 Lern-Ressourcen „Schönheit und Gesellschaft“

Internet-Comic
She’s Beautiful (Kate Beaton)
Der Comic erzählt die Geschichte von Aschenputtel/Cinderella neu. In der originellen, zeitgenössischen Version wird die Protagonistin von ihrer guten Fee nicht nur mit einer neuen Frisur und hübschen Kleidern beglückt, sondern erhält zusätzlich einen muskulösen Body-Builder-Körper. Auch das Ende der Geschichte weicht von dem des Ursprungsmärchens ab. Der Comic ist einerseits nicht sehr lang, andererseits witzig und hintersinnig. Daher bietet er sich für den Einstieg in das Thema Schönheit und Gesellschaft an.

Online-Artikel
Bin ich hübsch, oder bin ich hässlich? (FAZ)
In dem Artikel der FAZ geht es um Mode als Mittel, um körperliche Mängel und vermeintliche Schönheitsfehler zu kaschieren. In diesem Kontext wird die zweifelhafte Forderung, sich ständig als makellos zu präsentieren, kritisch reflektiert. Dabei steht unter anderem die aktuelle Fernsehsendung „Shopping Queen“ im Zentrum der Betrachtung. Diskutiert wird zudem die Frage, ob Mode nicht um ihrer selbst willen getragen werden kann und sollte. Aufgrund des Bezugs zum Alltag der Schüler eignet sich der Artikel für die Nutzung im Unterricht.

Online-Sammlung
Schön oder hässlich? Tattoos und Pierchings (Schulen: Partner der Zukunft, Birgit Raddatz)
In dieser Sammlung finden sich verschiedene Materialien zum Thema Piercings und Tattoos. Besonders die zum Download angebotenen Audiodateien mit Stellungnahmen Jugendlicher sowie Expertenmeinungen sind interessant. Die ebenfalls als Download verfügbaren Unterrichtsmaterialien sind vornehmlich für den DAF-Unterricht gedacht und eignen sich darum nur bedingt für die Fächer Philosophie und Ethik.

Zum Hashtag #nichtschön
Der aus dem englischsprachigen Raum adaptierte Twitter-Hashtag #nichtschön bietet sich an, um eine Diskussion über die gesellschaftliche Relevanz von Schönheit im schulischen Unterricht anzustoßen. Grundlegend dafür ist ein von deutschen Bloggerinnen und Bloggern veröffentlichtes provokatives Video. Die Kampagne fordert dazu auf, sich einem dauernden Zwang zur Schönheit zu widersetzen. Die Zeitschrift Emma applaudierte der Initiative. Ein Artikel in der Frankfurter Rundschau kritisierte nicht die Aktion, aber das Vorgehen der Aktivisten. Vor dem Hintergrund der beiden einander widersprechenden Meinungen zu der Kampagne lässt sich eine Diskussion besonders gut initiieren.

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4.4 Lern-Ressourcen „Schönheit und Evolution“

Für Ethik-/Philosophielehrer, die eine Unterrichtseinheit zu  „Schönheit und Evolution“ planen, bietet es sich an, mit den Kollegen der Biologie zu kooperieren. Ein fächerübergreifendes Projekt zu dem facettenreichen Thema könnte für die beteiligten Schüler und Lehrer besonders reizvoll sein.

Vortragsaufzeichnung (15:33)
The Darwinian Theory of Beauty (TED)
Der Philosophielehrer Dennis Dutton erläutert in diesem Vortrag die evolutionäre Theorie der Schönheit. Das englischsprachige Video eignet sich für den philosophischen Oberstufenunterricht. Die Illustration des Vortrags durch Bilder sowie ein interaktives Transkript erleichtern das Verständnis.

Online-Artikel (PDF, 8 S.)
Zum Verlieben Schön (Spektrum)
Dieser als kostenloser Download zur Verfügung stehende Artikel eignet sich zur Vertiefung der Thematik. Es wird der Frage nachgegangen, ob Schönheitsvorstellungen kulturell vermittelt sind oder ob es diesbezüglich kulturunbhängige Konstanten gibt, wofür aktuelle Forschungsergebnisse aus den Bereichen Verhaltensbiologie und Evolutionspsychologie sprechen. Eher dem Fach Biologie zuzuordnen, erlaubt der Artikel dennoch die Erarbeitung einer Grundlage für eine Diskussion über Schönheitsideale.

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4.5 Lern-Ressourcen „Ästhetische Bildung“

Eine Unterrichtseinheit zum Thema Ästhetische Bildung könnte von Ethik-/Philosophielehrern als  fächerübergreifendes Projekt mit Kollegen aus dem Bereich der Kunst realisiert werden.

YouTube-Video (3:19)
Erklärfilm: Ästhetische Forschung in der Schule (Kulturforscher)
Dieser Kurzfilm aus dem Programm „Kultur.Forscher!“ soll in die Projektarbeit zur ästhetischen Forschung in der Schule einführen, in deren Kontext es darum geht, Ästhetik erfahrbar zu machen. Ausgehend von spezifischen ästhetischen Fragen, die Schülergruppen möglichst eigenständig entwickeln, wird  eine kreative Idee für ein ästhetisches Produkt entfaltet. Dieses soll anschließend hergestellt und präsentiert werden.

Bibliografie
Ästhetisches Verhalten von Kindern und Jugendlichen (Uni Augsburg)
Auf den Seiten der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg ist diese ausführliche Bibliographie zu finden. Sie beinhaltet vielfältige Literaturhinweise, die für die ästhetische Erziehung im Unterricht genutzt werden können.

Präsentation (PDF, 70 S.)
Kunstdidaktik Zusammenfassung (Uni Regensburg, Birgit Eiglsperger)
Diese Vorlesungsfolien eignen sich besonders für fachfremde Lehrkräfte, die eine Auseinandersetzung mit Themen fördern möchten, die im Bereich der Kunstdidaktik anzusiedeln sind. Übersichtlich, knapp und leicht verständlich werden die Grundlagen der kunstdidaktischen Arbeit vermittelt.

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