Zusatzmaterialien zur Folge 11

Krieg und Frieden – kann
Waffenhandel ethisch vertretbar sein?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 2.2.2015 erstellt von:
Dalila Truchan (Studierende)
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Von Kriegen umzingelt?
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Der Realismus
– 2.2 Der Pazifismus
– 2.3 Die Lehre vom gerechten Krieg
2.4 Mit Waffen handeln
3. Personen
4. Didaktik

Tagxedo Krieg1

 

1. Perspektiven

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In der gegenwärtigen Welt gibt es wenig, das weit weg,
außerhalb unseres Blickfelds oder hinter verschlossenen Türen
passiert; die Kameraleute sind zumeist noch vor Ort, bevor die
Totenstarre einsetzt. Wir sind unmittelbare Beobachter einer
jeden Grausamkeit; wir sitzen in unseren Wohnzimmern und betrachten
die ermordeten Kinder, die verzweifelten Flüchtlinge. Vielleicht
werden immer noch furchtbare Verbrechen an dunklen Orten begangen,
aber nicht viele. Der heutige Schrecken ist bestens ausgeleuchtet.
Deshalb wird eine Frage akut, die niemals zuvor gestellt wurde –
jedenfalls niemals dermaßen dringlich und unausweichlich:
Wo liegt unsere Verantwortung? Was sollen wir tun?
Michael Walzer (in: „Die Debatte um humanitäre Interventionen“)

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte“.

1.1 Von Kriegen umzingelt?

Bezug Manuskript: S. 3, 15; Bezug Audio 1:20, 17:55

Seit dem Jahre 3600 vor unserer Zeitrechnung bis 1974
gab es auf dieser Welt lediglich 292 Friedensjahre. In
dieser Zeit wurden aber 14.531 „kleine“ und „große“ Kriege
geführt, bei denen 3,6 Milliarden Menschen umkamen.

Siegfried Wollgast

Die Aktualität der Thematik Krieg ist angesichts der weltpolitischen Lage unbestritten. Täglich konfrontieren uns die Medien mit den Schrecken, den Konflikte, Kriege und Terrorismus in der Welt erzeugen. Gleichzeitig scheint im Alltag jedoch alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Wie sollen wir die Tatsache werten, dass die Gegenwart von Krieg beinahe zum Alltagsgeschehen geworden ist? Ist diese scheinbare Normalität purer Selbstschutz oder handelt es sich vielmehr um eine Form von Gleichgültigkeit, weil wir uns sicher fühlen? „Die paradoxe Reaktion, angesichts des großen Bösen das kleine Gute zu suchen, ist zutiefst menschlich und gewiss kein Anlass für Spott“, schreibt dazu die ZEIT.

Was gibt uns die Philosophie an die Hand, um eine differenzierte Position zu den derzeitigen kriegerischen Ereignissen zu beziehen, während uns eigentlich meistens die Worte fehlen? Der Mensch scheint sich überwiegend Frieden zu wünschen und gleichzeitig scheint diese Friedliebigkeit stets von Feindseligkeiten bedroht. Gibt es dennoch Wege für einen globalen Frieden oder bleibt das für immer ein utopisches Sehnsuchtsmodell?

Online-Artikel
Die Schutzverantwortung von Staaten (bpb)
Der Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung bietet einen Überblick zur sogenannten „Schutzverantwortung“ und zu den Voraussetzungen für eine humanitäre Intervention im Sinne des Völkerrechts. Ergänzend zum Thema erläutert dieser Artikel aus Information Philosophie den Ansatz von Véronique Zanetti, der nach einer Begründung für das Recht auf eine humanitäre Intervention sucht.

Online-Artikel
Deutschlands Hilfe gegen den Terror (Bundesregierung Deutschland)
Der Link führt zu einer Pressemitteilung vom August 2014 des Bundesministeriums für Verteidigung, in der die „Unterstützung der Regierung der Autonomen Region Irakisch-Kurdistan bei der Versorgung der Flüchtlinge und beim Kampf gegen den Islamischen Staat“ genauer beleuchtet wird.

Online-Aufsatz
Die Ächtung des Krieges (Bayerisches Staatsministerium der Justiz)
Prof. Dr. Klaus Kastner zeigt in seinem Aufsatz „Vom ‚gerechten Krieg‘ zur Ächtung des Krieges“ auf, wie sich ein Wandel im gesellschaftlichen Diskurs über den Krieg vollzieht. Wer sich nur einen Einstieg über die verschiedenen Ausformungen des gerechten Krieges machen möchte, findet im ersten Kapitel einen kurzen Abriss über die wichtigsten Theorien des gerechten Kriegs und deren Vertreter.

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1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 7, 11; Bezug Audio 5:55, 12:05

Online-Lexikonartikel
Was genau ist Krieg? Eine Begriffsbestimmung (bpb)
Ein Krieg ist grausam und macht uns sprachlos. Trotzdem muss der Begriff „Krieg“ bestimmt werden, wenn man die Geschehnisse analysieren möchte. Definitionen und Erläuterungen bietet die Bundeszentrale für politische Bildung in einem ihrer Online-Lexika. Der Wikipedia-Artikel zu „Krieg“ listet verschiedene Formen des modernen Krieges auf. Die Einträge sind kurz kommentiert und enthalten weiterführende Links zu anderen Artikeln. Außerdem werden auch ethische und finanzielle Aspekte des Krieges beleuchtet.

Online-Artikel (PDF, 21 Folien)
Wie sinnvoll ist die Rede vom „neuen“ Krieg? (Anna Geis)
Eine Präsentation mit dem Titel „Die Kontroversen über die ’neuen‘ Kriege der Gegenwart: Wie sinnvoll ist die Rede vom ‚Neuen‘?“ von Dr. Anna Geis (Phillips-Universität Marburg) folgt dem Leitsatz von Carl von Clausewitz „Der Krieg ist ein wahres Chamäleon…“ und geht auf die historische Veränderung von Kriegen ein.

Audio-Podcast (je ca. 30:00)
Den Krieg erklären, Teil 1 und Teil 2 (ÖGPB)
In diesem Audiopodcast aus der Philosophischen Audiothek beleuchten Hakan Gürses (wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung) und Sebastian Reinfeldt (Lehrbeauftragter der Universität Wien) das Thema Krieg aus philosophischer Sicht. Dabei werden viele philosophische Positionen, beispielsweise die von Augustinus, Hobbes, Diderot und Clausewitz, angeschnitten und erläutert.

Audio-Podcast (22:43)
Der Frieden in der Philosophie (Bayerischer Rundfunk)
Einen Überblick über die Konzeptionen von Frieden in verschiedenen philosophischen und historischen Epochen bietet diese Sendung des Bayerischen Rundfunks. Es wird verständlich erklärt, wie sich die Philosophie schrittweise an eine Idee des realisierbaren Frieden anzunähern versucht.

Online-Vorlesung (50:26)
Frieden braucht Gerechtigkeit (Wilhelm Vossenkuhl)
In der Vorlesung „Iustitia et Pax. Über Frieden, Gewalt und Gerechtigkeit“ stellt Prof. Dr. Wilhelm Vossenkuhl die Überlegung von Thomas von Aquin („Friede ist in einer Gesellschaft nur durch Gerechtigkeit zu schaffen“) in den Mittelpunkt. Er geht dabei auf die Möglichkeiten ein, welche Arten von Gerechtigkeit in der heutigen Gesellschaft etabliert werden müssten, um Frieden zu schaffen. Dazu gehöre vor allem die Verteilungsgerechtigkeit, durch welche man normative Ansprüche (zum Beispiel: Geld und andere Güter) relativieren müsse. – Die Folien der gesamten Ringvorlesung der Ludwig-Maximilians-Universität mit dem Titel „Wir und die anderen. Voraussetzungen für Gewalt und Frieden“ finden Sie hier.

Online-Artikel
Zum ewigen Frieden (ZEIT online)
Der ZEIT-Artikel ist sehr zu empfehlen, wenn man nach einem Einstieg in die wichtigsten Thesen von Kants Schrift Zum ewigen Frieden sucht. Rudolf Leonhardt gibt mit kurzen Zitaten einen Einblick in die wichtigsten Thesen und illustriert diese an einigen Beispielen (etwa Versailler Vertrag, Vietnamkrieg, Irakkrieg, Völkerrecht). Online steht zur Vertiefung auch Kants ganzer Text zur Verfügung:  Zum ewigen Frieden auf zeno.org.

Online-Video (5:01)
Das Völkerrecht in Kürze (Österreichisches Rotes Kreuz)
Das Österreichische Rote Kreuz hat ein Video mit den wichtigsten Aspekten des humanitären Völkerrechts zusammengestellt. Darunter werden zum Beispiel allgemeine Fragen zum Völkerrecht und dessen Ursprung beantwortet und wird erklärt, wie das Völkerrecht heute anwendbar ist.

Online-Artikel (PDF, 37 S.)
Die UN-Charta
Die Vereinten Nationen stellen auf ihrer Website die vollständige UN-Charta auf Deutsch zur Verfügung. Sie ist auch der Gründungsvertrag der Vereinten Nationen aus dem Jahre 1945 und beinhaltet die Grundsätze und Ziele, zu denen sich bisher insgesamt 192 Staaten bekannt haben. In diesem Vertrag werden die verschiedenen Organe der Vereinten Nationen definiert. Von besonderem Interesse sind hier die Kapitel VI „Die friedliche Beilegung von Streitigkeiten“ und VII „Maßnahmen bei der Bedrohung und Bruch des Friedens und bei Angriffshandlungen“.

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2. Konzepte

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Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Der Realismus

Bezug Manuskript: S. 4, 16; Bezug Audio 2:20, 19:15

Online-Artikel (PDF, 11 S.)
Der klassische Realismus (Jürgen Neyer)
Der klassische Realismus gilt als Basistheorie der internationalen Beziehungen. Was alle Theorien des klassischen Realismus verbindet, ist der Kampf der verschiedenen politischen Akteure um Macht und Interessen in der Außenpolitik. In dieser Präsentation von Prof. Dr. Jürgen Neyer werden zwei Vertreter des Realismus – Thukydides und Hans J. Morgenthau – vorgestellt.

Online-Artikel (PDF, 9 S.)
Macht – Durchsetzungsvermögen – Realismus (Christoph Rode)
In dem Einführungstext zu einer Übung „Realismus und Neorealismus in der internationalen Politik“ führt Dr. Christoph Rhode in die verschiedenen Facetten und Ausformungen des Realismus ein (klassischer Realismus, komplexer Realismus, neoklassischer Realismus). Dabei wird auch darauf eingegangen, wie der Realismus eine plausible Erklärung für globale Konflikte abgibt. Außerdem werden viele Hinweise auf einführende Literatur zur Vertiefung angeboten.

Online-Video (3:51, englisch)
Theory in Action: Realism (Soomo Publishing)
In diesem kurzen Video erklärt Prof. Randall Schweller von der Ohio State University, dass Realismus im politischen Sinne eine Theorie der Macht und der Sicherheit ist. Er versteht den Realismus als eine sehr skeptische Position, welche die Welt unter dem Paradigma „jeder gegen jeden“ betrachtet, und konstrastiert den Realismus mit dem Liberalismus.

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2.2 Der Pazifismus

Bezug Manuskript: S. 3, 15; Bezug Audio 2:00, 18:45

Online-Video (5:13)
Pazifisten – Gibt’s die noch? (NDR)
Der Beitrag des NDR-Kulturjournals dreht sich um die Frage, ob es angesichts von Terror und Krieg noch eine gewaltfreie Lösung der globalen Probleme geben kann. Kann man Terrorismus nur mit kriegerischen Mitteln bekämpfen? Es wird ein kurzer und prägnanter Einstieg in die neuere Geschichte des Pazifismus gegeben und dieser im Spiegel der aktuellen politischen Weltlage beleuchtet.

Audio-Podcast (22:22)
Ein Pazifist im Militäreinsatz (hr-iNFO)
Auch hr-iNFO hat sich mit der Thematik des Krieges auseinandergesetzt. Unter obigem Link findet sich ein Interview mit Martin Kobler, Leiter einer der größten UN-Friedensmissionen. Es thematisiert die Versuche des Schutzes der Zivilbevölkerung gegen Rebellen im Kongo. Kobler selbst ist Pazifist. Natürlich wirft das die Frage auf, wie sich diese Position mit einem militärischen Einsatz vereinbaren lässt.

Online-Artikel
Was ist eigentlich Pazifismus? (Deutsche Friedensgesellschaft)
Eine für Einsteiger gut geeignete Übersicht über den Pazifismus liefert der Politologe Wolfram Beyer. Unter anderem gibt er eine Definition des Begriffs und einen Überblick über die historische Entwicklung und das immanente Politikverständnis des Pazifismus.

Online-Artikel (PDF, 41 S.)
Pazifismus mit offenen Augen (Olaf L. Müller)
Der Aufsatz „Pazifismus mit offenen Augen“ von Prof. Dr. Olaf L. Müller von der Humboldt-Universität Berlin beleuchtet, warum Pazifismus keine Utopie ist und worin seine Attraktivität liegt. In der kurzen Zusammenfassung am Anfang des Aufsatzes erhält man Aufschluss darüber, welche Denkweise und welche Werte Müller dem Pazifismus zugrundelegt.

Online-Artikel
Die Doppelmoral des deutschen Pazifismus (CICERO online)
Alexander Grau unterstellt den Deutschen eine Doppelmoral in Bezug auf den Pazifismus. Der Artikel regt zum Nachdenken über die tagespolitischen Debatten zwischen fadenscheiniger Moral und politischem Kalkül an und trägt damit zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Realität des Pazifismus bei.

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2.3 Die Lehre vom gerechten Krieg

Bezug Manuskript: S. 5, 14; Bezug Audio 3:45, 12:55

Vortragstranskript (PDF, 5 S.)
Gibt es einen gerechten Krieg? (Georg Urban)
Dieses Transkript eines Vortrags im Wirtschaftsclub im Literaturhaus Stuttgart beschäftigt sich mit der Frage „Gibt es den gerechten Krieg?“ und antwortet hierauf aus verschiedenen Perspektiven. Dabei wird besonders auf die Frage des gerechten Kriegs in der Gegenwart eingegangen und die Suche nach neuen Konfliktlösungen angestoßen. Der Text ist leicht verständlich und geht auf wesentliche Punkte bei der Beurteilung von Kriegsgeschehen ein.

Online-Artikel
Der gerechte Krieg im Spiegel der Moral (Albert Fuchs)
Bedarf es einer Kritik an der modernen Lehre vom gerechten Krieg? Folgt man Albert Fuchs, dann ist das nicht der Fall. Denn er behauptet, dass diese Konzeption bis heute der einzige Rahmen bleibt, durch welche man in Lage versetzt wird, einen Krieg systematisch zu beurteilen.

Online-Artikel (PDF, 11 S.)
Die Lehre vom gerechten Krieg im Wandel (Horst Dieter Strüning)
Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Lehre des gerechten Kriegs in Hinblick auf den Irak- und Afghanistankonflikt. Horst Dieter Strüning beschreibt die wiederkehrende Popularität der Lehre vom gerechten Krieg und stimmt damit Michael Walzer zu, wenn dieser von einer Renaissance der Bellum-iustum-Lehre spricht. Auch spricht er einen Wandel in der Lehre des gerechten Krieges an, die zunehmend eine Friedensrhetorik anstrebt. Außerdem hebt er die Nützlichkeit dieser Lehre für das amerikanische Militär heraus.

Dissertation (PDF, 392 S.)
Die Lehre vom gerechten Krieg und die Risiken (Matija Gašparevic)
Die Dissertation „Die Lehre vom gerechten Krieg und die Risiken des 21. Jahrhunderts“ lohnt sich zur weiteren Vertiefung zur Geschichte der Lehre des gerechten Krieg. Ausserdem werden die Risiken für das 21. Jahrhundert ausführlich dargestellt und auch moderne Kriegstheorien vorgestellt. In der Dissertation wird zudem eine moralische Analyse der internationalen Gemeinschaft versucht und es wird auf Phänomene wie den Präventivkrieg eingegangen.

Online-Portal (englisch)
Der gerechte Krieg in der Philosophie (justwartheory.org)
Der Webauftritt von Mark Rigstad von der Universität Oakland bietet ein Füllhorn an Informationen zur philosophischen Theorie des Krieges. Von klassischen Autoren wie Hugo Grotius, Vitoria und Kant sowie auch Definitionen zur Realpolitik, zum Pazifismus, zum Bürgerkrieg und dem jus post bellum (dem Recht nach dem Kriege) bekommt man einen weiten Überblick über die Geschichte und die Ansätze der Lehre vom gerechten Krieg.

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2.4 Mit Waffen handeln

Bezug Manuskript: S. 3, 15; Bezug Audio 2:00, 18:45

Online-Interview-Transkript (Süddeutsche)
Fehlende Ethik und Moral sind eine Qualifikation (Andrew Feinstein)
In diesem Interview plädiert der aus Protest zurückgetretene ANC-Politiker Andrew Feinstein  für staatlich verpflichtende und strikte Anti-Korruptions-Mechanismen im internationalen Handel mit Waffen. Aufgrund der unüberschaubaren Korruptionsmöglichkeiten bedürfe es zumindest klarerer Vereinbarungen, wie Waffen gesichert werden müssen und wem sie verkauft werden dürfen. Sein neues Buch Shadow World – Inside the International Arms Trade ist auf Deutsch unter dem Titel Schwarzbuch Waffenhandel erschienen.

Online-Kommentar
Waffen sind nicht ethisch neutral (taz.de)
In diesem kritischen Kommentar der taz werden verschiedene ethische Fragen zur Anschaffung und zum Einsatz von Kampfdrohnen aufgeworfen: In welchen Fällen sind solche Waffen wirklich notwendig? Gegen welche Ziele dürfen unbemannte Waffen auf keinen Fall eingesetzt werden? Wie viel internationale Kontrolle dieser Systeme ist sinnvoll und machbar? Gerade weil sich auf solche Fragen zur Legalität und Legitimität militärischer Mittel keine einfachen Antworten finden lassen, müsse in der Öffentlichkeit und im Parlament offen über deren ethischen Status diskutiert werden.

Online-Interview-Transkript (ZEIT online)
Digitale Kriegsmaschinerie (Jutta Weber)
In diesem Gespräch mit der Mediensoziologin und Technikphilosophin Jutta Weber werden ethische Überlegungen zum ferngesteuerten Krieg, zu zukünftigen Militär-Robotern sowie die damit einhergehenden menschlichen Verantwortlichkeiten diskutiert. Der unbemannte Roboterkrieg scheint ein Traum des Militärs, während der Einsatz von Drohnen angesichts der schwer abschätzbaren zivilen Toten schon jetzt hochumstritten ist. Um eine Debatte zur Zukunft des Krieges anzustoßen, gründete der Robotiker Noel Sharkey zusammen mit verschiedenen Friedensforschern und Philosophen das International Committee for Robot Arms Control.

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# Augustinus
Augustinus (354 – 430) war einer der letzten großen Kirchenväter und bemühte sich um eine systematische Verbindung von christlicher Offenbarung und griechischer und römischer Philosophie. Zu seinen Hauptwerken zählen die Bekenntnisse (Confessiones), Die Dreieinigkeit (De trinitate) und Der Gottesstaat (De civitate Dei).

# Immanuel Kant
Immanuel Kant (1724 – 1804) gehört zu den prominentesten Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte. Er wurde am 22. April 1724 in Königsberg (heute Kaliningrad, Russland) als viertes von acht Kindern geboren. Während seiner Schulzeit erhielt er eine strenge religiöse Erziehung. Bereits mit sechzehn Jahren studierte er an der Königsberger Universität zahlreiche Fachgebiete, darunter Philosophie, Physik und Mathematik. Im Todesjahr seines Vaters (1746) unterbrach er das Studium und blieb bis zur Wiederaufnahme 1754 als Hauslehrer beschäftigt. Nach der Habilitation im Jahr 1755 erhielt er die Stelle eines Privatdozenten, u.a. für Logik, Metaphysik, Mechanik, Mathematik, Naturrecht, Pädagogik, Moralphilosophie und Theologie. Im Jahr 1770 wurde er nach einigen erfolglosen Bewerbungen auf den Königsberger Lehrstuhl für Logik und Metaphysik berufen. Fast sein ganzes Leben verbrachte Kant in seiner Heimatstadt, wo er am 12. Februar 1804 starb.
Zu Kants Hauptwerken zählen die Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der Urteilskraft sowie die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.
In seiner Kritik der reinen Vernunft untersucht Kant die Grundlagen menschlicher Erkenntnisfähigkeit. Zu der Frage, wie es überhaupt möglich sei, einen Gegenstand zu erkennen, formuliert Kant eine neuartige Antwort:  Nicht der Mensch habe sich nach den Gegenständen zu richten, sondern die Gegenstände seien dem Erkenntnisvermögen des Menschen unterworfen. Dabei setzt er im Bemühen, zu einer sicheren Erkenntnis zu gelangen, zunächst auf die Erfahrung. Eine reine, von aller Erfahrung unabhängige Erkenntnis (a priori) sei nicht möglich.
Alle menschlichen Erfahrungen sind jedoch bestimmten Erkenntnisbedingungen unterworfen, denen Kant  in seiner Reflexion zu den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnissen nachgeht. So ist menschliche Erfahrung nur unter den Bedingungen von Raum und Zeit sowie nach der Maßgabe spezifischer Kategorien (Qualität, Quantität, Relation, Modalität) möglich.
Diese Fundierung der menschlichen Erkenntnis im Erfahrungsbegriff mündet in die Destruktion der tradierten Gottesbeweise.

# Reinhard Merkel
Reinhard Merkel (* 1950), ist Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg. Seit 2012 ist er Mitglied im deutschen Ethikrat. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die politische Philosophie und das Völkerstrafrecht sowie Theorien der Gerechtigkeit und der Rechtsethik.

# Harald Müller
Harald Müller (* 1949), ist Leiter der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung und Professor für internationale Beziehungen an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Er gilt unter anderem als Ansprechpartner für Themen wie Theorien des demokratischen Friedens, die NATO und allgemeine weltpolitische Fragen.

# Peter Rudolf
Professor Peter Rudolf ist Leiter der Forschungsgruppe Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Er ist USA-Experte; zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Konflikt- und Krisenprävention.

# Thomas von Aquin
Thomas von Aquin (1225 – 1274) war einer der Hauptvertreter der Scholastik. 1244 trat er in den Dominikanerorden ein. Er verfasste Texte zu fast allen philosophischen Gebieten, u. a. der Anthropologie, Ethik und politischen Philosophie. Eines seiner Hauptwerke ist die Summa Theologica. Dort beschäftigte er sich auch mit der Lehre vom gerechten Krieg, welche er von Augustinus übernahm und weiterentwickelte. Er postulierte, dass eine weltliche  Ordnung dem Gemeinwohl dienen müsse, und dazu gehöre der Schutz der Gläubigen und „Noch-Nicht-Gläubigen“, damit alle eine Chance auf Erlösung erhielten.

# Michael Walzer
Michael Walzer (* 1935) ist ein Sozial- und Moralphilosoph und gilt als einer der führenden amerikanischen Intellektuellen. Sein Werk Just and Unjust Wars gilt als eines der Standardwerke für die moderne Lehre des gerechten Krieges. Eine detailliertere Vorstellung des Philosophen, zusammen mit einer kompakten Einführung in sein Denken und seine Einstellung zu heutigen Konflikten und Kriegen bietet ein Personenportrait der ZEIT.

# Siegfried Wollgast
Siegfried Wollgast (* 1933) war von 1978 bis 1994 Professor für Geschichte der Philosophie an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leibzig. Neben philosophiegeschichtlichen und religionshistorischen Fragen und Biographien beschäftigte Wollgast auch die Tabuisierung des Todes aus philosophischer Perspektive, einschließlich vormoderner Zeiten und außerokzidentaler Perspektiven.

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4. Didaktik

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4.1 Curriculare Bezüge

Im hessischen Lehrplan finden sich für die Thematik Krieg und Frieden einige Anschlussmöglichkeiten. In der Jahrgangsstufe 9 für die Realschule verweist der Lehrplan zum Beispiel auf den Themenkomplex: „Würde des Menschen III: Wozu brauchen wir Menschenrechte?“. Die folgenden Aspekte und Fragestellungen werden aufgegriffen: Krieg verletzt Menschenrechte!/Warum gibt es Kriege?/Feindbilder – Welche Menschenrechte werden im Krieg verletzt?

Für die gymnasiale Oberstufe ergeben sich im Kontext des Lehrplantheams „Recht und Gerechtigkeit in Gesellschaft, Staat und Staatengemeinschaft: Gerechtigkeitsbezogene Begründungen verantwortlichen Handelns“ unterschiedliche Möglichkeiten, das Thema Krieg und Frieden zu bearbeiten.  Als Unterthemen sind hervorzuheben:

Das Naturrecht/Menschenrechte und Positivismus:

  • Recht auf Widerstand
  • Rechtspositivistische Rechtfertigung von Menschenrechtsverletzungen
  • (Nürnberger Prozess/Mauerschützenprozesse)
  • Universalitätsanspruch der Menschenrechte; Übertragbarkeit des Gewaltmonopols auf internationale Ebene; Internationaler Gerichtshof
  • Völkerrecht und „ewiger Friede“ (Kant)

Gerechte Gewalt, gerechter Krieg?

  • Widerstandsrecht; Theorien des „gerechten Kriegs“
  • Eroberungskriege, Völkermord, Terrorismus als Herausforderung an die Ethik des Handelns

4.2 Krieg und globale Konflikte

Online-Portal
Gewalt–Terror–Krieg (Fachverband Ethik)
In diesem Reader des Fachverbands Ethik findet man ein vielfältiges Angebot von zumeist gekürzten Texten zu den folgenden Themen: Erscheinungsformen von Gewalt und ihre Abgrenzung, Private Gewalt: Ursachen und Motive, Terrorismus: Abgrenzungen und Motive, Krieg: Wandel und Motive, Aktuelle Auseinandersetzungen um Krieg und Terror und Ethische Argumente gegen Gewalt. Zu zentralen Begriffen werden Definitionen präsentiert, die die Arbeit im Unterricht erleichtern.

Online-Portal
Krieg im Unterricht (RPI)
Das RPI (Überkonfessionelle Plattform für Religionspädagogik und Religionsunterricht) bietet eine sehr ergiebige Zusammenstellung mit Online-Ressourcen zum Thema „Krieg im Unterricht“, die sich für den Ethik- oder Philosophieunterricht eignen.

Online-Themenheft (PDF, S.12)
Krieg im Angesicht des Terrorismus (bpb)
Das Themenheft „Krieg oder Frieden? Konfliktanalyse und -bearbeitung“ entstand kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Lehrkräfte bekommen hier unter anderem Arbeitsblätter für die Sekundarstufe an die Hand. Diese bieten eine Systematisierung von Begriffen, Analysen und Ursachen für internationale Konflikte. Auch auf die Ursachen von Konflikten wird dabei eingegangen. Arbeitsblätter mit Arbeitsaufträgen zur Erarbeitung der Thematik beziehen sich auf spezifische „Lehrerblätter“. Zwar ist das Heft selbst vergriffen, der PDF-Download aber wird weiterhin angeboten.

Online-Unterrichtsmaterial (PDF, 2 S.)
Karikaturen im Unterricht (Fachdidaktik Evangelische Theologie – Seminar Albstadt)
Hier findet sich ein Unterrichtseinstieg zum Thematik „Krieg und Frieden“ auf der Grundlage von Karikaturen. Gegeben wird eine kurze Einführung zum Umgang mit Karikaturen im Unterricht und den didaktischen Funktionen, welche sie erfüllen können. Viele Karikaturen zu verschiedenen Themen finden sich hier: Karikaturen-Archiv von Karl Stuttmann.

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4.3 Philosophieunterricht und Friedenserziehung

Online-Unterrichtsentwurf
Friedensentwürfe im Unterricht (Bayerischer Rundfunk)
Der Bayerische Rundfunk hat eine Seite zum Thema „Friedensentwürfe in der Philosophie“ zusammengestellt. Das Ziel des Unterrichtskonzepts ist es, den Schülerinnen und Schülern den Wandel des Friedensbegriffs anhand der Geschichte zu verdeutlichen. Insbesondere bedeute Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es werden zudem auch die Begriffe „Gewalt“, „Frieden“ und „Pazifismus“ sowie jene modernen Institutionen erläutert, welche den Frieden auf der Welt sichern sollen. Die Unterrichtsreihe bietet nicht nur didaktische Hinweise, sondern auch Materialien in Form von Arbeitsblättern und Audiodateien.

Online-Artikel
Friedenserziehung im Philosophieunterricht (Uni Klagenfurt)
Diese Webseite der Universität Klagenfurt besteht aus einem Auszug aus dem Handbuch der Umwelt und Friedenspraxis, welcher sich um die Frage dreht, wie sich Friedenserziehung organisieren und in den Philosophieunterricht einbauen lässt. Thematisiert werden besondere Unterrichtsformen und Unterrichtsinhalte, die zur Friedenserziehung beitragen können.

Online-Unterrichtmaterial (PDF, 59 S.)
Kants Zum ewigen Frieden im Unterricht (Fachverband Ethik)
Eine Übersicht, in welcher das Augenmerk auf die Werke von Kant im Allgemeinen gerichtet wird, ist unter diesem Link einsehbar. Hier finden sich Bezüge zum Lehrplan, in welchen Kants Werke in den Ethikunterricht einbezogen werden können, und natürlich auch zum Thema „Krieg und Frieden“. Die Aufstellung reicht von kleinen Zitaten, die sich eventuell als Unterrichtseinstieg oder ergänzend zu anderen Texten eignen, bis zu gekürzten Texten von ca. 1 bis 1,5 Seiten, welche im Unterricht gelesen und bearbeitet werden können.

Online-Unterrichtmaterial PDF, 36 S.)
Frieden im Film (Netzwerk Friedensbildung Hessen)
Das Netzwerk Friedensbildung Hessen stellt in seinem Themenheft „Friedensbildung im Unterricht“ einige Filme vor, welche sich zur Friedensbildung eignen. Zu den einzelnen Filmen werden auch Altersempfehlungen gegeben, und es wird auf Links mit Arbeitshilfen verwiesen.

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