Zusatzmaterialien zur Folge 10

Respekt, Anerkennung, Freundschaft –
wie können wir gut miteinander leben?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 26.1.2015 erstellt von:
Kathrin Hogl, Svenja Schmidt (Studierende)
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Zusammenleben in unserer Gesellschaft
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Das Phänomen Freundschaft
– 2.2 Selbstbewusstsein – ich und andere 
– 2.3 Respekt und Anerkennung
2.4 Freundschaft als Lebenskunst
3. Personen
4. Didaktik

Tagxedo Freundschaft

 

1. Perspektiven

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Welche Freude, wenn unter den vielen Gesichtern,
denen wir täglich begegnen, eines aus der
Anonymität hervortritt: Ein Bekannter. Ein Freund!

Wilhelm Schmid

Die Frage nach dem guten Leben hat die Philosophen seit jeher fasziniert. Befragt man die Menschen, was sie für ein gutes Leben halten, bekommt man eine Fülle verschiedener Antworten. Manche finden es wichtig, ein schönes Zuhause zu haben, für andere sind Freunde wichtig, für die nächsten eine Familie oder für den Erfolg zu arbeiten. Im Detail versteht jede und jeder einzelne etwas anderes unter einem gelingenden Leben, denn jeder hat seine Vorstellungen davon, wie er gerne leben möchte.

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Freundschaft (CC Lizenz)

Wie aber können wir gut miteinander leben angesichts der vielen subjektiv unterschiedlichen Lebenskonzeptionen und Lebensweisen? Die Beziehungen, die wir im gesellschaftlichen Zusammenleben eingehen, sollten idealerweise geprägt sein von Rücksicht, Achtung und Verständnis, von Respekt und Anerkennung. Wir gewähren sie anderen Menschen, weil wir sie schätzen. Eine besondere Rolle jedoch unter den menschlichen Beziehungen kommt der Freundschaft zu. Die Besonderheiten der Freundschaft in all ihren Facetten beschäftigt gleichermaßen Philosophen, Psychologen und Soziologen, sowie letztlich jeden von uns.

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte“.

1.1 Zusammenleben in unserer Gesellschaft

Bezug Manuskript: S. 5, 12; Bezug Audio 3:50, 13:30

Ein Leben ohne Freundschaft
ist wie eine weite Reise ohne Wirtshaus.

Jean de la Bruyère

Animierte Infografiken (4:03)
Die Vermessung der Freundschaft (Spiegel online)
Welche Rolle spielen Freunde für ein glückliches Leben? Wie zufrieden sind die Deutschen mit ihren Freundschaften? Was erwarten wir von einer Freundschaft? Wie ähnlich sind sich Freunde? Kurze Antworten auf diese und weitere Fragen, zusammen mit grafisch veranschaulichten Umfragedaten, zeigt diese animierte Infografik von Roman Höfner. Sie geht der Frage der Bedeutsamkeit von Freundschaft auf den Grund und erschien zusammen mit der Spiegel-Ausgabe 1/2015 „Beste Freunde – Das wichtigste Bündnis unseres Lebens„.

Online-Artikel
„O Freunde, gibt es keine Freunde?“ (ZEIT online)
„O Freunde, es gibt keinen Freund!“ – dieser Ausspruch von Aristoteles weist auf die Seltenheit und Ausnahme einer echten Freundschaft hin. Wann ist ein Freund ein Freund? Wann ist er nur ein Bekannter? Darüber, welcher Wert der Freundschaft in unserem Zusammenleben zukommt, berichtet dieser Zeit-Artikel „O Freunde, gibt es keine Freunde?“ Untersucht wird hier die Frage, ob es die eine wahre Freundschaft gibt. Oder bezeichnen wir als Freundschaft all die Beziehungen zu Menschen, die jeweils bestimmte Bereiche des Lebens mit uns teilen? Fazit am Ende: „Es gibt Freunde, an deren Stelle kein anderer treten kann. Doch es gibt niemals einen einzigen Freund.“ Der Artikel streift knapp einige philosophische Ansichten über die Freundschaft und bietet außerdem einige vielversprechende Buchtipps.

Online-Video (28:00)
Können wir ohne Freunde leben? (BR alpha)
Wie geht es Menschen, die aus verschuldeten oder unverschuldeten Gründen zu Außenseitern der Gesellschaft werden? Wie kann man diesen Menschen helfen? Ist es überhaupt möglich, ohne Freunde zu leben? Mit diesen Themen befasst sich die Sendung „Mangelware Freundschaft: Können wir ohne Freunde leben?“.

Buchempfehlung
Ziemlich beste Freunde (Philippe Pozzo di Borgo)
Zwischen dem reichen und querschnittsgelähmten Philippe und dem kleinkriminellen Pfleger Driss entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft. Nach einer wahren Geschichte erzählt das Buch von der Ausgrenzung wegen Behinderung oder sozialer Herkunft, sowie deren Überwindung in einer Freundschaft. Auch die bekannte französische Filmkomödie und das aktuelle Theaterstück mit gleichnamigem Titel zeugen von der großen Anziehungskraft, die diese ungewöhnliche Freundschaft auf ein breites Publikum ausübt. Die in Buch, Film und Theaterstück dargestellten Personen heißen im realen Leben Abdel Sellou und Philippe Pozzo di Borgo. Borgo und seine Co-Autoren beschreiben in dem neuen Buch Ziemlich verletzlich, ziemlich stark. Wege zu einer solidarischen Gesellschaft, wie man sich fühlt, wenn man plötzlich in einer Gesellschaft seine Rolle verliert, und plädiert für ein Sich-Besinnen auf das Miteinander. Auf der Internetseite des Hanser-Literaturverlags gibt es eine Kurzbeschreibung des neuen Buches mit Leseprobe.

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1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 2, 8; Bezug Audio 0:30, 7:40

Wenn man in mich dringt zu sagen, warum ich ihn liebte,
so fühle ich, dass sich dies nicht aussprechen lässt,
ich antworte denn: Weil er er war, weil ich ich war.

Michel de Montaigne

Was sind Freunde? Was gehört zu einer Freundschaft dazu? Wo fängt Freundschaft an und wo hört sie auf? So unterschiedlich wie Freundschaft gelebt und erlebt werden kann, so unterschiedlich sind auch die Rituale in Freundschaftsbeziehungen. Während Männer in Deutschland einen festen Händedruck oder eine kurze Umarmung wertschätzen, halten sich Männer im Mittleren Osten und Ostafrika die Hände, um ihrer Freundschaft Ausdruck zu verleihen. Ebenso, wie Freundschaft in verschiedenen Teilen der Erde unterschiedlichen Ausdruck findet, erlebt sie auch Veränderung im Wandel der Zeit.

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Befreundete Soldaten, Hände haltend in Burundi (CC Lizenz)

Online-Text (opera-platonis.de)
Platon: Dialog Lysis (Antike)
Platon widmet sich dem Thema Freundschaft in seinem Dialog Lysis. Auf die Frage, ob der Nutzen ein ausreichender Grund sein kann, um Freundschaft zu schließen, führt er uns zu Verständigkeit und Vertrauen als Werte, die die Menschen zu Freunden machen. So sagt Platon: „Wenn Du aber verständig (sophos) wirst, dann werden alle dir Freund und alle dir zugetan sein: denn du wirst brauchbar (chresimos) sein und gut (agathos).“ Markus Hujara hat sich als Student mit dem Wesen der Freundschaft bei Platon beschäftigt und die kompakte Einführung zu seiner Hausarbeit kann man sich hier online ansehen. Der Platon-Spezialist Michael Bordt hat den Dialog Lysis neu übersetzt und kommentiert. Neben anderen Autoren publizierte er seine Überlegungen in dieser hilfreichen modernen akademischen Kommentierung (Verlagsseite).

Online-Text (private Internetseite)
Aristoteles über die Arten von Freundschaft (Antike)
Was sagt Aristoteles über die Freundschaft? Welche Arten von Freundschaften gibt es nach Aristoteles? Und was hat Selbstliebe damit zu tun? Das beschreibt der Artikel in kurzen, grundlegenden Abschnitten. Eine viel weitreichendere Auseinandersetzung mit der Ethik Aristoteles‘ findet sich in der Stanford Encyclopedia of Philosophy. In dem Abschnitt, der sich explizit mit der Freundschaft auseinandersetzt, wird deutlich gemacht, dass Aristoteles dieselbe als ein ungemein wichtiges ethisches Gut versteht, das eng mit dem eigenen Glücklichsein verknüpft ist. Dennoch betont Aristoteles immer auch die Bedeutung der sozialen Gemeinschaft, die vor das eigene Glück gestellt werden sollte.

Online-Text (zeno.org)
Montaigne: Über die Freundschaft (Renaissance)
In seinem Essay über die Freundschaft versucht Montaigne sich darüber klar zu werden, was die außergewöhnliche und einmalige Beziehung zu seinem Freund Étienne de la Boétie für ihn bedeutete. Mit ihm fühlte er sich seelenverwandt, das heißt sowohl geistig als auch von Herzen sehr verbunden. Montaigne wollte in seinem Freundschafts-Essay – wie in all seinen Essays – einen persönlichen Zugang zu den von ihm beschriebenen Themen finden. Er beschreibt hier das Gefühl der Freundschaft als eine „allgemeine Wärme, die den ganzen Menschen erfüllt und die außerdem immer gleich wohlig bleibt; eine dauernde stille, ganz süße und ganz feine Wärme, die nicht sengt und nicht verletzt“. Individualität und geistige Verbundenheit, seelische Verwandtschaft auf der Ebene der Vernunft – so sieht das Ideal der Freundschaft im Zeitalter der Renaissance und beginnenden Aufklärung aus. Eine Rezension zu Montaignes Essay von der Freundschaft bietet das Deutschlandradio Kultur in einem Kurzbeitrag. Montaignes Essays sind auch Thema einer Radiosendung des Bayerischen Rundfunks (23:05): Freundschaft und Fülle des Lebens.

Online-Portal
Freundschaft in Philosophie und Literatur der Romantik
Das hier verlinkte Online-Portal literaturwelt.com bietet einen Überblick über die philosophischen Grundlagen und die Literatur der Romantik. In dieser Epoche wurde die Zuneigung in Freundschaften sprichwörtlich zelebriert. Zunehmend bestimmte Sinnlichkeit freundschaftliche Beziehungen, so dass sie sich kaum von der romantischen Liebe abzugrenzen schien. Das Harmoniebedürfnis in Freundschaften der Romantik findet besonders in der Poesie und Literatur der damaligen Zeit ihren Ausdruck. Es ist auch die Zeit der Brieffreundschaften und Freundschaftsportraits. Zum Kreis der Romantik gehören Denker wie die Gebrüder Schlegel, Schleiermacher, Tieck und Novalis, die sich in der Gemeinschaft des „Athenäumskreises“ zusammenfanden. Das gemeinsame Philosophieren bekam von Schlegel den Namen „Symphilosophie“. Ihre Ideen veröffentlichten sie in der zwischen 1798 und 1804 erscheinenden Zeitung „Athenäum„.

Online-Text (PDF, 10 S.)
Freundschaft zwischen Ideal und Wirklichkeit (Daniel Schütte)
Der Kurzvortrag Daniel Schüttes (Wettbewerb Certamen Carolinum) zum Thema „Freundschaft zwischen Ideal und Wirklichkeit: Cicero, Aristoteles und die ‚moderne Freundschaft'“ präsentiert eine kurze Zusammenfassung des Werkes Ciceros Laelius. Dort werden Aspekte von Freundschaft aufgezeigt, mit den Vorstellungen Aristoteles‘ verglichen und auf die Moderne bezogen. Schütte zeigt zwei Bereiche moderner Beziehungen auf, die den antiken Philosophen wohl am meisten ins Auge stechen würden: Erstens die Verlagerung von Freundschaft auf Internetseiten und die damit verbundene Schnelllebigkeit, zweitens das Phänomen der Partnervermittlungen im Internet, das den Erwerb grundlegender sozialer Kompetenzen beeinträchtigt und die Wahrscheinlichkeit von Konflikten in späteren Partnerschaften vermutlich erhöht.

Online-Texte (Institut für Soziologie Uni Erlangen)
Der Wandel von Freundschaft und Liebe in der Moderne
Unter dem Thema „Der Wandel von Freundschaft und Liebe in der Moderne“ bietet Michael von Engelhardt von der Uni Erlangen ein Seminar an, in dem Veränderungen in Beziehungen und Freundschaften näher betrachtet werden sollen. Die Internetseite bietet ausgearbeitete Thesenblätter zu verschiedenen Themen an. So kann ohne viel Aufwand ermittelt werden, welche Texte den eigenen Interessen entsprechen und lesenswert sein könnten. Bearbeitete Themen sind zum Beispiel:

  • Das Verständnis von Freundschaft in Antike, Mittelalter und früher Neuzeit
  • Liebe und Partnerschaft heute
  • Soziologie der Freundschaft

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2. Konzepte

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Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Das Phänomen Freundschaft

Bezug Manuskript: S. 2, 17; Bezug Audio 0:30, 19:30

 Der Freund steht an einem anderen Punkte der Welt,
und daher kehren ihm alle Dinge eine andere
Seite zu; er sieht Menschen und Verhältnisse,
persönliche und allgemeine Angelegenheiten
anders, als ich sie sehe. Aber die innerste,
auf der Gleichartigkeit des Willens ruhende
Verwandtschaft der Natur läßt zwischen uns ein
vollkommenes Verständnis zu; er sieht die Dinge,
wie ich sie sehen würde, wenn ich seine Augen
hätte und von seinem Standpunkte aus sie sähe.
Und so lebe ich durch die Teilnahme an dem
innersten Leben des Freundes gleichsam zwei
Leben, mein eigenes und das meines anderen Ich:
einen Freund haben heißt um ein Leben reicher sein.
Friedrich Paulsen

Online-Artikel
Das Geheimnis der Freundschaft (ZEIT online)
Ein Artikel der ZEIT zum Thema „Das Geheimnis der Freundschaft“ bietet einen einfach geschriebenen Überblick über zentrale Aspekte der Freundschaft, wie den „ersten Blick“ und die positiven Auswirkungen einer Freundschaft, Freundschaft im Medienzeitalter unter besonderer Berücksichtigung von Facebook, Freundschaft in Gegenüberstellung zu Sex, sowie die Freundesbeziehung als zweite Familie.

Diplomarbeit
Frauen- und Männer-Freundschaften (Juliane Härtwig)
Eine komplette Diplomarbeit über Freundschaft wurde von Juliane Härtwig an der Freien Universität Berlin verfasst und öffentlich online zur Verfügung gestellt. Härtwig versucht in dieser Arbeit, den Unterschieden von Männer- und Frauenfreundschaften auf den Grund zu gehen. Zudem ist es ihr ein Anliegen, dem Vorurteil nachzugehen, dass nur Männer wahre Freundschaften haben können. Des Weiteren sollen allgemeine Modelle von Freundschaft erstellt und hinterfragt werden.

Kinderfreundschaft (CC Lizenz)

Online-Lexikonartikel (englisch)
Friendship (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
Die SEP erörtert das Thema Freundschaft unter den Gesichtspunkten der Natur der Freundschaft, des Wertes und der Rechtfertigung freundschaftlicher Beziehungen sowie der Freundschaft und der Moraltheorie. Die besagte Natur beinhaltet gegenseitige Fürsorge, Intimität und gemeinsame Aktivitäten. Anschließend wird der individuelle und gesellschaftliche Wert von Freundschaft betrachtet.

Online-Beitrag (englisch)
Friendship Theory:
Some Philosophical and Sociological Themes
(infed.org)
Das YMCA George Williams College bietet eine Internetseite zu dem Thema Freundschaft aus soziologischer und philosophischer Perspektive. Dabei arbeiten sich die Betreiber durch Themen wie die klassische und die moderne Betrachtungsweise von Freundschaften, das Erfahren von Freundschaft in der heutigen Zeit, sowie Freundschaft und Bildung. Darüber hinaus bietet die Webseite viele weiterführende Links an.

Online-Essay (englisch)
The Science and Philosophy of Friendship (Maria Popova)
Maria Popova diskutiert in ihrem Essay „The Science and Philosophy of Friendship: Lessons from Aristotle on the Art of Connecting“, was Freundschaft ausmacht, wie sie in der heutigen Zeit gelebt wird und welchen Standpunkt Aristoteles dazu einnimmt. Dabei schneidet sie das Phänomen Facebook an, spricht über Qualität und Quantität von Freundschaft und expliziert Aristoteles’ Auffassung über die Freundschaft als Spiegel.

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2.2 Selbstbewusstsein – ich und andere

Bezug Manuskript: S. 5, 15; Bezug Audio 4:50, 16:00

Keiner muss sich selbst aufgeben, um ein Freund sein zu können,
ganz im Gegenteil: Wer sich selbst mag,
der kann auch andere mögen und für sie da sein.

Wilhelm Schmid

Online-Textausschnitt
Entwicklungsstufen des Selbstbewusstseins (phil-splitter.com)
Hegel beschrieb das Selbstbewusstsein als einen Prozess, der sich in drei Stufen vollziehe. Zunächst trifft ein Ich auf ein anderes Ich. Laut Hegel vollzieht sich dabei ein Anerkennungsprozess und das “Anderssein der einander gegenüberstehenden Selbste” wird aufgelöst. Genauer nachlesen kann man Hegels Ausführungen über die Entwicklungsstufen des Selbstbewusstseins in der über obigen Link zugänglichen Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse. Hegels gesamte Phänomenologie des Geistes, der dieser Ausschnitt entnommen ist, gibt es unter anderem im Meiner-Verlag.

Online-Essay
Selbstverwirklichung, Anerkennung
und politische Existenz bei Hegel
(Ludwig Siep)
Siep diskutiert in diesem Essay die Vereinbarkeit von Selbstverwirklichung und gemeinsamem Leben. Er stellt in Frage, dass ein gemeinsames Leben gewinnbringend gelebt werden kann, wenn ein Individuum nur an der Verwirklichung eigener Lebensziele interessiert ist. Vielmehr müsse ein Klima geschaffen werden, in dem das Selbstbewusstsein auf eine gemeinsame Ordnung hin ausgerichtet werden kann.

Online-Artikel
Zum Selbstbewusstsein
Michael Tomasello erforscht das Sozialverhalten und das damit zusammenhängende Selbstbewusstsein von Menschen und anderen Tieren. Er untersucht insbesondere, was den Menschen vom Affen unterscheidet und welche Verhaltensweisen auf die nahe Verwandtschaft hindeuten. Dabei geht er vor allem auf die Sozialität und auf gemeinschaftsorientierte Verhaltensweisen ein.

  • Interview in der ZEIT mit Michael Tomasello
  • Interview in der FAZ mit Michael Tomasello
  • Beitrag des Deutschlandfunks zu Michael Tomasello

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2.3 Respekt und Anerkennung

Bezug Manuskript: S. 6, 16; Bezug Audio 5:20, 17:20

 Die Liebe gebar die Welt, die Freundschaft wird sie wieder gebären.
Friedrich Hölderlin

Online-Beitrag (Buchvorstellung)
Das Ich im Wir (Deutschlandradio)
Das Themengebiet der Anerkennung behandelt in der Nachfolge von Jürgen Habermas der Sozialphilosoph Axel Honneth. Soziale Konflikte sind laut Honneth im Grunde Anerkennungskonflikte. Seine vielbeachtete Studien zur Anerkennung veröffentlichte er unter anderem in Das Ich im Wir, erschienen 2010 im Suhrkamp-Verlag. Der oben verlinkte Beitrag von Deutschlandradio Kultur erläutert Honneths These, dass Anerkennungskonflikte entstehen, wenn das menschliche Bedürfnis nach Bestätigung, Liebe und Wertschätzung im menschlichen Miteinander nicht gewährleistet ist. Dabei unterscheidet Honneth mindestens drei Formen von Anerkennung:

  • Liebe und Fürsorge gegenüber Nahestehenden
  • Moralische Achtung gegenüber allen Menschen
  • Wertschätzung von Fähigkeiten und Leistungen,
    die jemand in einer Gemeinschaft erbringt

Online-Beitrag (Buchvorstellung)
Das Recht der Freiheit (Tagesspiegel)
In diesem späteren Buch Axel Honneths geht es um die individuelle Selbstbestimmung, die laut Autor aber nur in Verhältnissen gegenseitiger Anerkennung realisiert werden kann. „Weil jeder jeden dabei unterstützt, seine eigenen Möglichkeiten zu realisieren, wird der andere nicht mehr die Grenze, sondern die Voraussetzung der eigenen Freiheit sein“, ist im Tagesspiegel über Das Recht der Freiheit zu lesen. Das Buch ist 2011 erschienen und trägt den Untertitel „Grundriss einer demokratischen Sittlichkeit“.

Buchempfehlung mit Leseprobe
Von Person zu Person (Axel Honneth)
Empfehlenswert für philosophisch Interessierte ist besonders der von Axel Honneth und Beate Rössler herausgegebene Sammelband Von Person zu Person. Zur Moralität persönlicher Beziehungen, erschienen 2008 im Suhrkamp-Verlag. Hier sind vielfältige philosophische Aufsätze zum Thema zu finden, gegliedert in die Rubriken Liebe, Freundschaft, Eltern und Kinder, Kinder und Eltern, sowie Familie.

Online-Rezension (FAZ)
Susanne Schmetkamp: Respekt und Anerkennung
Wie kann ich ein offenes Ohr für meine Mitmenschen haben und dabei selbst glücklich werden? Diese Verbindung sucht die Philosophin Susanne Schmetkamp in ihrem Werk Respekt und Anerkennung. Auch Schmetkamp setzt sich hier mit Axel Honneths Anerkennungstheorie auseinander. In der oben verlinkten Besprechung der FAZ wird erläutert, dass Schmetkamp den drei obigen, von Honneth unterschiedenen Formen der Anerkennung eine weitere Dimension hinzufügt: die Beachtung besonderer Bedürfnisse Einzelner.

Zum Begriff der Anerkennung
Die folgenden Links zu einem Essay, einem Arbeitspapier und einer Magisterarbeit ermöglichen einen tieferen Einblick in die Thematik der Anerkennung unter Gesichtspunkten der politischen Philosophie, der Sozialphilosophie Axel Honneths und der praktischen Philosophie nach Hegel.

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2.4 Freundschaft als Lebenskunst

Bezug Manuskript: S. 10, 17; Bezug Audio 10:30, 19:30

 Von allen Gütern, die die Weisheit sich zur
Glückseligkeit des ganzen Lebens zu verschaffen weiß,
ist bei weitem das größte die Fähigkeit, sich Freunde zu erwerben.

Epikur

Online-Artikel
Garten der Freundschaft (damals.de)
Wie für viele Philosophen der Antike gehörte auch für Epikur die Freundschaft zu den wertvollsten und erstrebenswertesten Gütern. Gelebte Freundschaft praktizierte Epikur in seiner Schule. Hierfür erwarb er im Jahre 306 v. Chr. in Athen ein Grundstück für seinen „Garten der Freundschaft“. 35 Jahre lang sollte dieser Garten ein Ort des Miteinanders von Gleichgesinnten werden, die hier gemeinsam lernten und lebten. Eine ganz kurze Information über den Garten des Epikur gibt uns Damals – das Magazin für Geschichte.

Online-Radio-Beitrag (28:30)
Epikur und die drei Säulen des Wohlbefindens (Deutschlandfunk)
Für Epikur gehört zu den drei Säulen des Wohlbefindens neben Gesundheit und Sicherheit die Gemeinschaft in der Freundschaft. Was die Lebensgemeinschaft im Garten des Epikur mit dem Spaziergang des Herrn B. zu tun hat, der im modernen Stadtleben die schönen Altersresidenzen bewundert, erfahren wir in dem Beitrag von Matthias Gronemeyer „Epikur – auf dem Weg in die Sanatoriumsgesellschaft“.

Online-Interview (43:57)
Glück und Freundschaft mit sich selbst (3sat)
Über das Glück und die Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein, unterhält sich Peter Voß mit dem Philosophen Wilhelm Schmid. Gegen Ende des Gesprächs betont Schmid, wie wichtig die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls und das Nachdenken über Lebensperspektiven für Kinder sind. Dabei freut er sich über das Schulfach „Lebensgestaltung“ in Brandenburg und das Schulfach „Glück“ in Heidelberg. Wilhelm Schmids Buch Mit sich selbst befreundet sein – Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst ist im Suhrkamp Verlag erschienen; auf der Verlagsseite gibt es eine Leseprobe.

Online-Buchempfehlung (3:03)
Lebenssinn durch Freundschaft (3sat)
Gerd Scobels Empfehlung: Wilhelm Schmids Buch Dem Leben Sinn geben. Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen und der Welt. Im Kapitel „Von der Liebe zu Freunden“ kann man unter anderem von der Bedeutung der Freundschaft lesen und von dem Glück, Freunde zu finden. Auch Probleme, die eine Freundschaft mit sich bringen kann, gehören zu den Themen. Des Weiteren stellt Schmid die Frage, ob es eine erotische Freundschaft geben kann. In weiteren Kapiteln widmet er sich den Themen: „Gute Freunde: Kameraden, Kumpel und Kollegen“ und „Menschenliebe, Nächstenliebe und Gastfreundschaft“.

 

Buchempfehlungen zum Thema Freundschaft:

  • Jacques Derrida: Politik der Freundschaft
    Bei Derrida geht es um die Unterschiedlichkeit möglicher Freundschaften. In der Vorstellung seines Buches im Kulturmagazin Perlentaucher heißt es: „jede Freundschaft ist eine andere, lässt neue Facetten des Selbst zur Geltung kommen“. Derrida setzt sich mit unterschiedlichen historischen Freundschaftsauffassungen auseinander. Er versucht, das Phänomen Freundschaft als mögliche Verbindung von Individualität und Gleichheit in der Gesellschaft zu entwerfen. Es entsteht die Vision einer Demokratie, in der „jeder auf die gleiche Weise ganz anders“ sein kann. Marlies Gerhardt hat Derridas Buch im Deutschlandfunk kommentiert.
  • Harald Lemke: Freundschaft
    Einen philosophischen Essay darüber, welche Rolle Freundschaft im sozialen Leben des Einzelnen spielt, was sie ermöglicht und was sie verlangt, hat der Philosoph Harald Lemke geschrieben, der am Institut für Kulturtheorie an der Universität Lüneburg lehrt. Einen Kurzessay zur Ethik der Freundschaft findet sich auf Lemkes privater Internetseite.
  • Klaus-Dieter Eichler: Philosophie der Freundschaft
    Der bei Reclam erschienene Sammelband des Philosophieprofessors Klaus-Dieter Eichler gibt uns sowohl einen geschichtlichen Überblick als auch einen Einblick in die heutige Diskussion um den Stellenwert von Freundschaften. Elisabeth von Thadden, die dieses Buch im Kulturmagazin Perlentaucher rezensierte, preist es als „vorzügliches Geschenk von lesenden Freunden für lesende Freunde“. Eichlers eigener Beitrag sowie das Inhaltsverzeichnis sind über obigen Link verfügbar.
  • Eine Zusammenfassung einer Rezension, die Elisabeth von Thadden zu den vorgenannten drei Büchern in der Zeit schrieb, findet sich über das Kulturmagazin Perlentaucher.
  • Richard Riess: Freundschaft
    Mit dem Wiederaufleben des Wortes „Freundschaft“ in all den Facetten der mit ihm gemeinten Zwischenmenschlichkeit beschäftigt sich der Herausgeber des 2014 bei WBG erschienen Buches. Hier findet man Interessantes zu konkreten Freundschaften bekannter Persönlichkeiten aus Kultur, Geschichte und Politik. Aber auch die Philosophie kommt nicht zu kurz: Aufschlussreich und gut verständlich sind zum Beispiel die folgenden beiden Artikel des Sammelbandes: Jörg Dittmer, „O Freunde, es gibt keinen Freund! Philosophische Einsichten und Ansichten” und Rüdiger Safranski, „Die Hälfte meines Daseins. Zur Freundschaft zwischen Goethe und Schiller“.
  • Ina Schmidt: Auf die Freundschaft. Eine philosophische
    Begegnung oder: Was Menschen zu Freunden macht

    Wir werden mitgenommen auf eine Reise in die Geschichte der Freundschaft, erfahren, was Freundschaft zu allen Zeiten bedeutet hat, und landen bei Freunden in sozialen Netzwerken. Alle Phänomene und Facetten der Freundschaft bringt uns Ina Schmidt nahe. So fragt sie zum Beispiel, ob Freundschaft auf Gleichheit beruht oder die Differenz braucht, ob es wichtig ist, wie viele Freundschaften ein Mensch hat, oder was die Praxis der Freundschaft gelingen lässt. Ein sehr empfehlenswertes Buch, das zum Nachdenken über unsere Freundschaften anregt. Anlässlich der Veröffentlichung ihres Buches führte BR Bayern 2 ein Interview mit Ina Schmidt.

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# Aristoteles
Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) gilt als berühmtester Schüler Platons. Er ist neben seinem Lehrer und dessen Lehrer Sokrates der dritte Philosoph, der der Phase der klassischen griechischen Philosophie zuzuordnen ist. Von König Philipp 343/342 an den makedonischen Hof gerufen, wurde Aristoteles zum Erzieher des später berühmten Herrschers Alexander, den er drei Jahre lang unterrichtete. Aristoteles beschäftigte sich mit allen für die zeitgenössische Philosophie relevanten Fragen. U. a. verfasste er wesentliche Werke zur Logik, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Poetik und zur Staatstheorie. Aristoteles’ bekanntestes moralphilosophisches Werk ist die Nikomachische Ethik. Die Moralphilosophie des antiken Philosophen gehört zu den glücksethischen Konzeptionen. Aristoteles vertrat nämlich die Auffassung, dass das Endziel des menschlichen Strebens die Verwirklichung eines guten (glücklichen) Lebens sei. An dieser Stelle lässt sich eine Verbindung zu den politischen Vorstellungen Aristoteles’ herstellen. Ein gelungenes Leben war für ihn nämlich nur möglich, wenn ein Mensch seine Tugenden und Fähigkeiten im Sinne der politischen Gemeinschaft, der Polis, zur Geltung brachte. In diesem Sinn versteht Aristoteles den Menschen als „zoon politicon“, als ein politisches Wesen, das auf die Gemeinschaft angewiesen ist. Ein Leben gemäß der Tugend bzw. der Tüchtigkeit galt Aristoteles als die zentrale Voraussetzung, um glücklich zu sein. Er entfaltete ein komplexes System unterschiedlicher Tugenden, die dem Menschen zugeordnet werden können, wie Charakter- und Verstandestugenden. Aristoteles konzipierte in Politik: Schriften zur Staatstheorie als erster Philosoph eine Staatenlehre. Er unterschied sechs Staatsformen voneinander, drei positive, die das Wohlergehen (Glück) des Staatswesens befördern (Monarchie, Aristokratie und Politie) und drei, die als entartet eingestuft werden (Tyrannis, Oligarchie und Demokratie). Die Demokratie, als Herrschaft der vielen Armen und Freien, verurteilte Aristoteles, da sie den Wohlhabenden und Tüchtigen zum Nachteil gereiche.

# Georg Wilhelm Friedrich Hegel
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) ist einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Idealismus. Seine philosophischen Gedanken wurden in seiner Zeit sehr geschätzt, so dass er mit seiner Philosophie das Denken seiner Zeitgenossen maßgeblich beeinflusste. Dabei gilt der Zugang zu seinem Werk als schwierig, da Hegel meist mit komplexen Begriffskonstruktionen arbeitete. Die Methode der Dialektik und der Begriff des Absoluten wurden zu Schlüsselwörtern Hegelschen Philosophierens. Hegel studierte Philosophie und Theologie am Tübinger Stift, wo er sich mit Schelling und Hölderlin anfreundete. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Hauslehrer in Bern und später in Frankfurt, bevor er sich eine akademische Laufbahn leisten konnte. Sein Studienfreund Schelling vermittelte ihm eine Stelle als Privatdozent in Jena, der Stadt, in der damals neben Schelling viele bekannte Persönlichkeiten wie Schiller, Fichte, Tieck, Novalis und die Gebrüder Schlegel wirkten. In Jena habilitierte sich Hegel 1805 mit Die Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems der Philosophie, auch „Differenzschrift“ genannt, und wurde 34-jährig Professor für Philosophie. Bald darauf im Jahre 1806 erschien sein erstes grundlegendes und zugleich eines seiner bekanntesten Werke: die Phänomenologie des Geistes. Hierin beschreibt er unter anderem, wie sich das Selbstbewusstsein dialektisch in einem Prozess der Anerkennung durch den jeweils Anderen herausbildet. Hegel erlebte die Schlacht um Jena und die Besetzung der Stadt durch die Truppen Napoleons im Jahre 1806 und verließ Jena aus finanziellen Gründen. Kurzzeitig arbeitete er als Zeitungsredakteur in Bamberg (1807). Im Jahre 1808 wurde Hegel Rektor des Nürnberger Gymnasiums. Während seiner Nürnberger Zeit heiratete er die um viele Jahre jüngere Marie von Tucher, die ihm drei Kinder schenkte und mit der er eine glückliche Ehe führte. In Nürnberg schrieb Hegel in den Jahren 1812 bis 1816 sein zweites großes Werk Wissenschaft der Logik, welches ihm den philosophischen Lehrstuhl an der Universität in Heidelberg einbrachte. Bald darauf, im Jahre 1818, folgte er einem Ruf nach Berlin als Nachfolger Fichtes. In Berlin verbrachte Hegel seine glanzvollsten Jahre. Seine Vorlesungen waren immer gut besucht, und er wurde schon zu Lebzeiten berühmt. Im Jahre 1929 wurde er Universitätsdirektor. Während Hegels Berliner Zeit entstanden die Grundlinien der Philosophie des Rechts (1820) und die Vorlesungen über die Ästhetik (1835 – 1838), die Hegel über mehrere Jahre hielt. – Bei Zeno.org findet sich eine ausführliche Biografie.

# Axel Honneth
Axel Honneth (* 1949) lehrt als Professor für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und an der Columbia Universität New York. Außerdem leitet er das Institut für Sozialforschung (IfS) der Frankfurter Goethe-Universität. Nach Studium der Philosophie, Soziologie und Germanistik in Bonn und Bochum von 1969 bis 1974 mit Magisterabschluss in Philosophie setzte er zunächst sein Studium an der FU Berlin fort, wo er von 1977 bis 1982 als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der FU Berlin arbeitete, bis ihm der Frankfurter Philosoph Jürgen Habermas, dessen Schüler Honneth wurde, 1982/83 ein Forschungsstipendium am Max-Planck-Institut für Sozialwissenschaften in München vermittelte. Mit seiner sehr bekannt gewordenen Arbeit Kampf um Anerkennung habilitierte sich Honneth im Juni 1990 am Fachbereich Philosophie in Frankfurt. Seither gehört die Untersuchung von Anerkennungsverhältnissen in persönlichen Beziehungen zu seinen Arbeitsschwerpunkten. Im Zeit-Artikel „Arbeit, Liebe, Anerkennung“ erfährt man Interessantes zu Honneths Leben und Werk. Autor ist sein ehemaliger Lehrer Jürgen Habermas, der diesen Artikel im Juli 2009 anlässlich von Honneths 60. Geburtstag schrieb.

# Michel de Montaigne
Michel Eyquem de Montaigne (1533 – 1592) ist als französischer Philosoph vor allem durch sein Hauptwerk Essais bekannt geworden. Er lebte im Zeitalter der Renaissance, der Reformation und der Glaubenskämpfe. Sein Werk wurde zum einen durch seine Herkunft aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, zum anderen durch die religiösen Kriege seiner Zeit und nicht zuletzt durch seine philosophischen Vorbilder Seneca und Plutarch geprägt. Michel de Montaigne genoss eine humanistische Ausbildung in Schulen in Bordeaux und Toulouse. Nach einem Rechtsstudium wurde er zunächst Parlamentsrat in Bordeaux, heiratete mit 32 die Tochter eines Ratskollegen und wurde Vater von sechs Kindern, von denen nur eines überlebte. In Beruf und Leben anerkannt zog er sich im Alter von 38 Jahren in den Wachturm seines Schlossgutes Montaigne zurück. Insgesamt neun Jahre verbrachte er dort in seiner Bibliothek. Hier entstanden seine berühmten Essays, in denen er versuchte, „Innenschau“ zu halten. Indem er sein eigenes Verhalten und seine Gefühle beobachtete und niederschrieb, wollte er der Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen auf die Spur kommen. So verdanken wir ihm die Entstehung der literarischen Essayform. Obwohl Montaigne allen und allem gegenüber eine skeptische Haltung einnahm, war er doch lebensbejahend und heiteren Gemüts. „Que sais-je“ („Was weiß ich?“), soll er immer gesagt haben. Montaigne wusste zu viel, um unkritisch sein zu können. Für sein Leben hatte er sich einen goldenen Mittelweg ausgesucht. Als aufgeklärter Skeptiker wollte er weder die Welt beherrschen noch willenloses Opfer sein. Er war ein eher konservativer Politiker und blieb zeit seines Lebens dem katholischen Glauben treu. Nach seiner Zeit im Denkturm begab er sich mit Freunden auf eine Reise in verschiedene europäische Städte, u. a. nach Venedig und nach Rom zum Papst. Während er sich auf dieser Reise befand, wurde er zum Bürgermeister von Bordeaux gewählt. Er nahm dieses ehrenvolle Amt dankend an und wurde sogar noch ein weiteres Mal gewählt. Danach zog er sich wieder in seinen Turm zurück, um weiter an den Essays zu arbeiten. Schon zu seiner Zeit wurden seine Werke sowohl in Frankreich als auch in England viel gelesen. In seinem Essay „Von der Freundschaft“ beschreibt er die innige, herzliche geistige Beziehung zu seinem Freund Étienne de la Boétie als einmalig und besonders, als Seelenverwandtschaft.

# Platon
Platon (427 – 347 v. Chr.) war ein Schüler von Sokrates. In zahlreichen seiner Werke beschäftigt Platon sich mit der Philosophie  seines Lehrers und der von diesem entwickelten Methode des sokratischen Dialogs (Mäeutik). Da Sokrates selbst keine Schriften hinterlassen hat, sind wir hinsichtlich der Kenntnisse über den Vater der klassischen antiken Philosophie und sein Denken auf Überlieferungen angewiesen, vor allem auf die Werke Platons und Xenophons.  Sokrates Hinrichtung hat Platon tief erschüttert, wovon u.a. die Apologie des Sokrates zeugt.
Platon gilt als einer der einflussreichsten Denker des Abendlandes, der für die folgenden zentralen Bereiche der Philosophie grundlegende Positionen formuliert hat, mit der sich auch zeitgenössische Philosophen noch auseinandersetzen: Metaphysik (Platons Ideenlehre), Ethik (Lehre vom glücklichen Leben/Eudaimonia), Anthropologie, Staatstheorie (Politeia), Kosmologie, Kunsttheorie und Sprachphilosophie.
Bekannt ist Platon vor allem für seine Ideenlehre und das Höhlengleichnis. Seine Auffassung von Ethik beschreibt Platon mit Hilfe der Ideenlehre. Mit dem Begriff „Idee“, den Platon bei seiner Interpretation verwendet, bezieht er sich auf Ideen im Jenseits, die dauerhaft bestehen sollen. Die höchste Idee, die ein Mensch besitzen kann, ist die Idee des Guten. Jeder Mensch hat nach Platon eine unsterbliche Seele, die an der Idee des Guten teilhaben soll. Je mehr sie dieser Idee zustrebt, desto ethischer handelt sie. Es wird eine Form von einer moralischen Instanz gegründet, die darüber entscheidet, ob eine Handlung gut oder moralisch verwerflich ist. Die Seele und der Körper gelten bei Platon als zwei unabhängige Bereiche und der Körper hindert die Seele bei ihrem Aufstieg zum höchsten Gut und gilt deshalb als Hindernis zur Zielerreichung.
In seinem Buch „Prozess und Realität“ bezeichnet Michael Hampe Alfred North Whitehead alle philosophischen Bemühungen nach Platon als Fußnoten zu diesem.
Mit dem Thema Freundschaft beschäftigte sich Platon in seinem Dialog Lysis.

# Jean-Paul Sartre

Jean-Paul Sartre

Jean-Paul Sartre (1905 – 1980) machte sich einen Namen als französischer Philosoph und Publizist. Seine prominentesten Gedanken drehen sich um den Existentialismus und die Phänomenologie, zudem ist Sartre als Vertreter des Marxismus bekannt. Sartre gilt als einer der größten Denker des 20. Jahrhunderts. Seine Studienfächer waren Psychologie, Philosophie und Soziologie. Eine seiner bekanntesten Veröffentlichungen ist Das Sein und das Nichts, die ihm den Weg als Existentialisten ebnete. Sartre war zudem Publizist einer französischen Zeitschrift und verfasste mehrere Essays wie z. B. „Die Transzendenz des Ego“. Liiert war Sartre mit Simone de Beauvoir. Als ihm 1964 der Nobelpreis für Literatur angeboten wurde, lehnte Sartre aus persönlichen Gründen zur Erhaltung der eigenen Selbstständigkeit ab.

# Michael Tomasello
Michael Tomasello (* 1950) studierte Psychologie und arbeitete an der Emory University als Professor der Psychologie und Anthropologie. Seine anthropologische Karriere führt er seit 1998 am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig fort. In seinen weiteren Studien forschte er in Bereichen der menschlichen Kommunikation. Die Universität Köln widmet ihm eine Informationsseite. Tomasello hielt dort im Jahr 2014 zwei Vorlesungen als Albertus-Magnus-Professor.

# Wilhelm Schmid
Wilhelm Schmid (* 1953) befasst sich als deutscher Philosoph mit dem Themengebiet der Lebenskunst. Dazu gehören für ihn die Themen Glück, Sinnsuche, Liebe und Freundschaft. Schmid versteht Philosophie in Bezug zum Leben, als eine Möglichkeit praktischer Lebenshilfe. So war er beispielsweise als philosophischer Seelsorger in einem Krankenhaus bei Zürich tätig. In zahlreichen Vorträgen bringt er seine Lebenskunstphilosophie einem breiten Publikum nahe. Nach Studium der Geschichte und Philosophie in Berlin, Paris und Tübingen übernahm Schmid Lehraufträge an verschiedenen deutschen Universitäten. Außerdem war er einige Jahre Gastdozent in Riga und Tiflis. Heute ist er freier Philosoph in Berlin und lehrt als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt. Zu seinen wohl bekanntesten Publikationen gehören Mit sich selbst befreundet sein (2004) und Dem Leben Sinn geben (2013). Schmids aktuelles Buch ist Gelassenheit und kam 2014 im Insel-Verlag heraus. Im gleichen Verlag und Jahr erschien auch der kleine Sammelband Vom Glück der Freundschaft.

# Thomas Schramme
Thomas Schramme (* 1969) ist ein deutscher Philosoph, dessen Forschungsgebiete sich von Ethik über Medizinphilosophie bis zur Bioethik erstrecken. Studiert hat Schramme unter anderem an der Universität Berlin unter Axel Honneth und Ursula Wolf. Außerdem erhielt er ein Stipendium in Oxford. Promoviert hat Schramme zu dem Thema Patienten und Person. Er war Assistent unter Ursula Wolf an der Universität Mannheim und übernahm einen Lehrauftrag an der Universität Zürich in Medizinethik. Zurzeit lehrt Schramme an der Universität Hamburg zur praktischen Philosophie. Einen Einblick in sein Lehren gibt der Ausschnitt einer Vorlesung mit dem Thema „Nicht alle Philosophen sind Taxifahrer!„.

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4. Didaktik

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4.1 Curriculare Bezüge

Das Thema Freundschaft findet mehrfach seinen Weg in die Lehrpläne der Schule. So kann unter verschiedenen Gesichtspunkten und zu verschiedenen Altersklassen das Thema der Freundschaft behandelt werden.

  • Lehrplan G8 in 5G.1 „Freiheit I: Der Mensch lebt in natürlichen und sozialen Abhängigkeiten“, 7G.3 „Gewissen und Identität II: Sich selbst finden – ich und die anderen“, 8G.2 und 9G.2 „Liebe I: Freundschaft und Sexualität“ und „Liebe II: Ehe und Partnerschaft als Lebens- und Rechtsform in Gesellschaft und Staat“.
  • Lehrplan G9 5.1 „Freiheit I: Der Mensch lebt in Abhängigkeit“, 6.2 „Liebe I: Freundschaft“, 6.4 „Menschenbilder I: Wer bin ich?“ (Selbstliebe), 8.2 „Liebe II: Sexualität und Liebe“, 10.4 „Menschenbilder III: Der Mensch als soziales Wesen“.
  • Kerncurriculum Grundschule bis Gymnasium (LSA): „Selbst und Welt“ oder „Gewissen und Verantwortung“.

4.2 Allgemeine Lern-Ressourcen zum Thema Freundschaft

Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander
brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der
Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt…
Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz

Online-Unterrichtsmaterial
Arbeitsblätter zu Freundschaft und Liebe

Der kleine Prinz

Der Fachverband Ethik bietet eine große Sammlung an Arbeitsblättern, die zur Nutzung im Unterricht zugänglich gemacht wurden. Der Reader „Freundschaft und Liebe“ hält auf 57 Seiten vielfältige Anregungen bereit. Verfügbar sind zum Beispiel Kreuzworträtsel zum Thema Liebe, Arbeitsblätter zur Unterhaltung des kleinen Prinzen mit dem Fuchs über Freundschaft sowie zu Aristoteles‘ Arten von Freundschaft, außerdem Liedtexte, Interviews oder auch eine Betrachtung der Liebe im Islam.

Online-Beitrag
Die Zeitleiste einer Freundschaft (chainletters.net)
In einer verschriftlichten Zeitleiste wird amüsant gezeigt, was es in verschiedenen Lebens- und Altersphasen bedeutet, befreundet zu sein. So leiht dir ein Freund im Kindergarten die rote Kreide, wenn du nur noch eine schwarze hast. In der fünften Klasse ist der ein guter Freund, der dir einen Platz in der Cafeteria freihält. Später zeigt sich Freundschaft im Abschreiben von Aufgaben, der Mühe, deine Eltern zu überzeugen, dass du den Hausarrest nicht verdient hast, oder der Ermutigung, dich für eine Universität zu bewerben…

Online-Sammlung
Fragen an die Freundschaft (Planet Wissen)
Planet Wissen bietet eine kleine Sammlung an Artikeln, Filmen und Denkanstößen zum Thema Freundschaft:

Das Einmalige an einer Freundschaft ist weder die
Hand, die sich einem entgegenstreckt, noch das
freundliche Lächeln oder die angenehme Gesellschaft.
Das Einmalige an ihr ist die geistige Inspiration, die
man erhält, wenn man merkt, dass jemand an einen glaubt.

Ralph Waldo Emerson

YouTube-Video (5:24)
Freundschaft – Das Wichtigste im Leben (ufoneTHINKS)
Das obige Zitat verwendet Youtuber Jonas von ufoneTV. Er erklärt in einigen Minuten, warum Freundschaften das Wichtigste in seinem Leben sind. Selbst hat er einige seiner Freunde im Internet, speziell durch Youtube, kennengelernt. Das Beste für eine Freundschaft sei jedoch, mit Freunden zusammen etwas zu unternehmen. Neben Zitaten über Freundschaft gibt Jonas Tipps, auf welchem Weg man Freunde kennenlernen kann. Dabei favorisiert er interessenspezifische Foren im Internet und rät von sozialen Netzwerken wie beispielsweise Facebook eher ab.

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4.3 Lern-Ressourcen für die Sekundarstufe I

Video (2:51)
Was macht Freunde aus? (SWR, WDR)
Die Figur Knietzsche erklärt in einem kurzen Video, was für sie Freundschaft bedeutet und was Freunde auszeichnet. Dieses Video kann als kleiner Einstieg ins Thema bei jüngeren Kindern genutzt werden. Im Anschluss kann die Klasse für sich diskutieren und Ideen zum Thema Freundschaft entwickeln.

Online-Unterrichtsmaterial
Was ist Freundschaft? (SWR, WDR)
In der Zusammenstellung von planet-schule.de, ebenfalls mit Knietzsche, werden Arbeitsblätter zum Download oder auch ein Einstieg in den Unterricht vorgeschlagen. Die Fragen, die behandelt werden sollen, sind zum Beispiel: Was bedeutet Freundschaft? Welche Eigenschaften muss ein Freund haben? Welche Arten von Freundschaft gibt es? Ist es wichtig, wie viele Freunde man hat? Wie viele Freunde braucht man? Was ist der Unterschied zwischen Freunden und Familie? Können Jungen und Mädchen befreundet sein? Zur Vertiefung gibt es vier Arbeitsblätter zum Herunterladen.

Animation (4:32)
Was denkst Du über Freundschaft? (WDR)
Was die ganz kleinen Freundschafts-Experten zum Thema zu sagen haben, kann man sich in dieser Zeichentrickanimation aus der Sendung mit der Maus anschauen.

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4.4 Lern-Ressourcen für die Sekundarstufe II

Online-Portal (englisch)
Freundschaft in der Nikomachischen Ethik (Spark Notes)
Die englischsprachige Internetseite Spark Notes bietet zahlreiche Analysen, Zusammenfassungen und weiterführende Aufgaben und Ideen zu den verschiedensten literarischen Werken. Da es sich um Fremdanalysen handelt, kann die Qualität der Beiträge stark schwanken. Trotzdem bietet dieses Format gute Anregungen für den Unterricht wie zum Beispiel eine Zusammenfassung zentraler Thesen zur Freundschaft von Aristoteles (Nikomachische Ethik), diverse Essay-Fragen, ein Quiz und weiterführende Erklärungen.

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4.5 Filme zum Thema Freundschaft

Filme zum Thema Freundschaft können das Unterrichtsgespräch anregen und inspirieren. Nicht nur das Medium an sich ist für Schülerinnen und Schüler reizvoll, auch die Verarbeitung der Thematik in verschiedenen Filmgenres bietet Anknüpfungspunkte, die ein intensiveres Unterrichtsgespräch begünstigen können.

  • Die französische Filmkomödie Ziemlich beste Freunde erzählt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem reichen Philippe, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist, und seinem kleinkriminellen Pfleger Driss. Pädagogisches Begleitmaterial für die Behandlung des Films im Unterricht ab Klasse 8 findet man hier.
  • In dem Film Stand by me machen sich die Freunde Gordie, Chris, Teddy und Vern auf eine Reise. Ihr Ziel ist es, die Leiche eines toten Jungen zu suchen, der seit Tagen vermisst wird. Auf dieser Reise lernen sie viel über sich selbst und die anderen und erleben das Abenteuer einer Freundschaft ebenso intensiv wie jene Gefahren, die von fahrenden Zügen oder Blutegeln ausgehen. Materialien zur Arbeit im Unterricht mit diesem Film gibt es hier.
  • Kick it like Beckham ist ein Film über Freundschaft und den Fußball, über das Leben in verschiedenen Kulturen und den untypischen Wunsch eines Mädchens namens Jess Bhamra, Fußballprofi zu werden. Die Bundeszentrale für Politische Bildung hat hierzu ein Filmheft veröffentlicht.
  • Der kurzweilige Zeichentrickfilm Cap und Capper zeigt, wie unterschiedlich Freunde sein können. Ein junger Fuchs und ein kleiner Jagdhund lernen sich ohne Vorurteile kennen und werden die besten Freunde, bis die Realität sie einholt. Plötzlich müssen sie sich entscheiden zwischen einer fremdbestimmten Feindesbeziehung und der vorurteilsfreien Freundschaft, mit der ihr Miteinander begann.
  • Weitere Anregungen bietet die englische Seite goodnet.org. Hier werden elf Filme aufgegriffen, die sich mit dem Thema Freundschaft beschäftigen. Kurze Zusammenfassungen und Trailer zu den Filmen werden präsentiert. Freundinnen erzählt zum Beispiel die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Mädchen, die zu Frauen heranwachsen (Originaltitel: Beaches). Um die ungewöhnliche Freundschaft eines Jungen mit einem Außerirdischen in geht es in E.T. Die Freundschaft zwischen Mensch und Tier thematisiert Free Willy.

4.6 Bücher zum Thema Freundschaft

Empfehlenswert für den Unterricht sind die folgenden Kinder- und Jugendbücher zum Thema Freundschaft:

Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter
Es geht es um die Freundschaft der Räubertochter Ronja mit Birk, dem Sohn des Räuberhauptmanns Borka. Die Eltern der beiden gehören verfeindeten Banden an. Als Ronjas Vater Mattis eines Tages Birk gefangen nimmt, begibt sich Ronja freiwillig in die Hände der Borka-Bande. Ronja und Birk erreichen dank der Kraft ihrer Freundschaft, dass sich die Räuberfamilien versöhnen. Vielfältiges Unterrichtsmaterial für die Behandlung des Buches in den Klassenstufen 4 bis 6 bietet die Verlagsgruppe Oetinger. „Ronja Räubertochter“ wurde auch verfilmt.

Günther Ohnemus: Siebzehn Tage im August
Um bedingsloses Vertrauen zwischen Freunden geht es in dieser Geschichte. Der 17-jährige Finn steht unter Mordverdacht. Sein Freund Nick steht zu ihm und die beiden brennen durch. Gemeinsam verbringen sie 17 abenteuerliche Sommertage, auf der Flucht vor der Polizei und auf der Suche nach dem tatsächlichen Mörder. Nick hat keine Zweifel an der Unschuld seines Freundes. Ulf Cronenberg hat das Buch kommentiert. Eine Buchvorstellung des Landesbildungsservers Baden-Württemberg empfiehlt das Buch für die Behandlung im Unterricht ab 16 Jahren.

Wolfgang Herrndorf: Tschick
Der Roman beginnt mit dem scheinbar unglücklichen Ende eines Abenteuers. Maik Klingenberg, Sohn wohlhabender Eltern, deren Ehe jedoch völlig zerrüttet ist, und der neue russische Mitschüler Andrej Tschichatschow (Tschick) sind in ihrer Klasse Außenseiter. Es sieht zunächst so aus, als müsse Maik seine Sommerferien alleine verbringen. Da erscheint erscheint Tschick mit einem geklauten Auto auf der Bildfläche. Die beiden Jungen begeben sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch Deutschland, die mit einem Autounfall und einer echten Freundschaft endet. Für den Roman Tschick erhielt der Autor 2014 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Im Rahmen der Jurybegründung wird das Buch vorgestellt und gewürdigt. Empfohlenes Lesealter: ab 13 Jahren. Die Plattform der Zentrale für Unterrichtsmedien Zum-Wiki bietet zahlreiche Unterrichtsideen.

Ottfried Preußler: Krabat
Der Autor, der den Stoff einer Sage aufgreift, erzählt von der Magie und Kraft, die Liebe und Freundschaft haben können. Der Waisenjunge Krabat geht zu einem Müllermeister in die Lehre. Dieser, so stellt sich bald heraus, hat sich der „Schwarzen Magie“ verschrieben. Krabat ist zunächst fasziniert von der Möglichkeit, Macht über andere auszuüben. Doch diese Macht hat ihren Preis. Jedes Jahr kommt einer der Lehrlinge auf mysteriöse Art ums Leben. Der Bann kann nur durch die Liebe eines Mädchens zu einem der Müllerburschen gebrochen werden. Viele Gefahren müssen Krabat und sein Mädchen Kantorka bestehen, bevor am Ende die Liebe über das Böse und die Versuchung der Macht siegen wird. Eine Buchvorstellung und Unterrichtsvorschläge findet man auf der Seite der Zentrale für Unterrichtsmedien. Weiteres Lehrmaterial im Umfang von ca. 15 Unterrichtsstunden, geeignet für die Klassenstufen 6-8, bietet der Verlag Thienemann-Esslinger. Krabat gibt es auch als Kinofilm. Das Portal Lehrer-Online bietet Anregungen für eigenständige digitale Textarbeit der Schülerinnen und Schüler.

Benjamin Alire Sáenz: Dante und Aristoteles entdecken die Geheimnisse des Universums
Das Jugendbuch erzählt vom Teilen unterschiedlicher Welten und von der Grenze zwischen Freundschaft und Liebe. Aristoteles, auch Ari, genannt, ein schweigsamer Einzelgänger, Dante, redegewandt, aufgeschlossen und sensibel. Die beiden grundverschiedenen 15-jährigen aus Mexiko stammenden Jungen werden beste Freunde. Als Dante feststellt, dass er schwul ist, bekommt ihre Freundschaft zunächst einen Riss. Aber am Ende halten die beiden zusammen, stehen füreinander ein und entdecken für sich die Welt neu. Zahreiche authentische Dialoge machen die Geschichte lebendig. Näheres zum Inhalt findet sich in der Buchbesprechung von Ulf Cronenberg. Auch NDR Kultur hat dieses Buch vorgestellt. Lesealter: ab 14 Jahren.

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