Zusatzmaterialien zur Folge 08

Ist Moral eine Frage des Gefühls?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 12.1.2015 erstellt von:
Nadija Sijaric, Leonie Zilch (Studierende)
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Wo stehen wir in der Pflicht?
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Ethik und Moral
– 2.2 Philosophie der Gefühle
– 2.3 Gewissen
– 2.4 Tugend
– 2.5 Glück
3. Personen
4. Didaktik

Tagxedo-Moral

1. Perspektiven

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Wir mögen nicht wissen, was das absolut Gute, was die absolute Norm,
ja auch nur, was der Mensch oder das Menschliche und die Humanität sei,
aber was das Unmenschliche ist, das wissen wir sehr genau.

Theodor W. Adorno

Darf ich gegen bestehendes Recht verstoßen, auch wenn ich niemandem damit schade? Darf ich mich aus der Verantwortung stehlen, wenn ich mir zu viel vorgenommen habe, obwohl ich anderen meine Hilfe zusicherte? Bin ich für das Glück meiner Eltern verantwortlich? Ist Sterbehilfe zulässig? Darf ich das aus einer gefundenen Geldbörse stammende Geld an einen wohltätigen Zweck spenden, anstatt es dem Besitzer zurückzugeben, wenn der es nicht wertschätzt?

Diese und viele weitere moralische Fragen sind Teil unserer Lebenswelt. Immanuel Kant fasste sie unter der Frage „Was soll ich tun?“ zusammen. Moralische Grundsätze treten mit einer Geltungskraft auf, die über den jeweils einmaligen Fall hinausgeht. Es geht dabei nicht nur um die Frage, was ich als Einzelner im entsprechenden Fall tun soll, sondern was jeder Mensch, der sich in dieser Situation befindet, tun soll. Im Laufe der Menschheitsgeschichte entstanden, bekämpften und wiederholten sich dazu sehr verschiedene Positionen, die unterschiedliche Rechtfertigungsstrategien etablierten. Die folgenden moralischen Problembeispiele bieten nur einen kleinen Einblick in die aktuellen Debatten rund um das Thema Moral und die Pflicht des Einzelnen.

Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte“.

1.1 Wo stehen wir in der Pflicht?

Bezug Manuskript: S. 5, 23; Bezug Audio 4:20

Lernplattform
A Global Ethic now! (Stiftung Weltethos)
Das Projekt Weltethos ist der Versuch, die Gemeinsamkeiten der Weltreligionen zu beschreiben und ein gemeinsames Ethos zu formulieren, da – so die These – kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden herrschen könne. Als eine Gemeinsamkeit wurde eine Goldene Regel festgestellt, die in allen Weltreligionen zu finden ist. Das Weltparlament der Religionen einigte sich 1993 in der Erklärung zum Weltethos auf vier Leitsätze:

  1. Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben,
  2. Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung,
  3. Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit,
  4. Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau.

Die Stiftung Weltethos führt dieses Projekt fort und setzt sich unter anderem für die Umsetzung der Menschenrechte, die Freiheit und Gleichheit aller Menschen, eine gerechte Wirtschaftsordnung und Nachhaltigkeit ein. Auf der Lernplattform kann man sich die Zusammenhänge von Weltethos und Religionen, Weltethos und Politik und Weltethos und Wirtschaft in Audiobeiträgen erklären lassen. Die Rubrik „Weltethos im Alltag“ klärt über aktuelle Projekte der Stiftung auf, beantwortet häufig gestellte Fragen und stellt speziell für Schülerinnen und Schüler verschiedene Zwickmühlen-Situationen vor, deren Beantwortung zur Reflexion über moralisch richtiges Handeln führen soll. Diese Situationen stehen auch in Form von Arbeitsblättern mit Arbeitsaufgaben für den Unterricht zur Verfügung.

Online-Dossier
Bioethik (bpb)
Die Bioethik setzt sich mit der Beziehung des Menschen zu der belebten Umwelt auseinander. Sie umfasst medizinethische Fragen zu Themen wie Schwangerschaftsabbruch, Sterbehilfe und genetischer Disposition, naturethische Fragen zum (Eigen-)Wert der Natur und zur Tierethik und fragt nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Ethik. Das Dossier bietet eine leicht verständliche Einführung in Grundfragen und Argumentationslinien der Bioethik. Zur Vertiefung der einen oder anderen Fragestellung eignen sich ebenso folgende Quellen:

Online-Artikel und -Video
Roboter Ethik: Von menschlichen Maschinen und einer neuen Moral (Lydia Meyer)
Neben unseren alltäglichen technischen Geräten wie Toastern, Staubsaugern und Waschmaschinen kreieren Entwicklerinnen und Entwickler bereits seit einigen Jahren anthropomorphe Roboter, indem sie bewusst menschliche Verhaltensweisen adaptieren. Die Wissenschaftlerin Kate Darling hat Freiwillige einen Tag mit einem Dino-Roboter verbringen lassen. Diese konnten den Dino streicheln, mit ihm spielen und ihn in ihren Tag integrieren – am Ende des Tages sollten sie ihn foltern und schließlich umbringen. Dass die meisten Teilnehmer schon Probleme damit hatten, ihn zu schlagen und Sätze wie „Der kann sich doch gar nicht wehren“ äußerten, ist für Darling Beweis genug, dass Menschen emotionale Beziehungen zu Robotern aufbauen können. In einem Interview mit der TagesWoche spricht sie über die Folgen, die solches Verhalten für die Forschung, das Militär und eine daraus resultierende Ethik hat, welche Darling auch einfordert.

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1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 6, 14; Bezug Audio 5:50, 14:10

Zur Tugendethik
Der zentrale Begriff der Tugendethik ist derjenige des guten Lebens. Die Tugendethik wird oft auch eudaimonistisch genannt. Das Wort „eudaimonia“ kommt aus dem Griechischen und wird meistens mit „Glückseligkeit“ übersetzt. Bei Aristoteles beschreibt dieser Begriff das, wonach alle Menschen streben, das eigentliche Ziel jedes menschlichen Lebens. Was heißt es aber nun für einen Menschen, ein glückliches Leben zu führen? Es wird eine Vorstellung benötigt, die in einem Leben gegeben sein muss, damit wir selbst unser Leben glücklich finden. Diese Vorstellung ist eine subjektive Idee und kein Leitfaden, an dem wir uns orientieren können, um ein glückliches Leben zu führen. Für Aristoteles kann ein Mensch in seinem Leben nur dann glücklich werden, wenn er tugendhaft handelt. Er unterscheidet sittliche (ethische) Tugenden von Verstandestugenden (dianoethische). Die Verstandestugenden – wie beispielsweise die Klugheit – können erlernt werden, während sittliche Tugenden, zu denen auch die Freigiebigkeit gehört, durch Gewöhnung erlangt werden. Tugendhaft handelt derjenige, der die rechte Mitte zwischen den beiden Extremen Mangel und Übermaß findet und danach lebt. Die Freigiebigkeit gilt beispielsweise als Mitte zwischen den Extremen Geiz und Verschwendung.

Online-Vorlesungs-Aufzeichnungen (3 x ~45:00)
Tugendethik (Dietmar Hübner)
Die folgenden drei Vorlesungen wurden im Sommersemester 2014 im Rahmen der Vorlesungsreihe Einführung in die praktische Philosophie an der Leibniz Universität Hannover gehalten. Sie führen gut verständlich in die Tugendethik Platons und Aristoteles‘ ein.

Online-Video (46:24)
Ein Dialog zwischen Aristoteles und Kant über die Grundlagen der Moral (Martin Seel)
Im Rahmen der Ringvorlesung Normativität: Frankfurter Perspektiven im Wintersemester 2011/12 des Exzellenzclusters für Normative Ordnungen hat der Frankfurter Philosophieprofessor Martin Seel den vorliegenden Vortrag gehalten. Er inszeniert darin einen fiktiven Gedankenaustausch zwischen Immanuel Kant und Aristoteles über die Einheit des individuell guten und des sozial gerechten Lebens und zeigt darin die Möglichkeit einer Annäherung der beiden und den ihnen zugehörigen ethischen Traditionen auf.

Buch-Empfehlung
111 Tugenden, 111 Laster: Eine philosophische Revue (Martin Seel)
„Tugenden sind Laster, die ihr Schlimmstes nicht ausleben; Laster sind Tugenden, die ihr Bestes versäumen.“ In Seels unterhaltsamem Buch wird die Beziehung zwischen Tugenden und Lastern verständlich gemacht. In 111 kurzen Kapiteln versucht er, die einzelnen Tugenden mit ihren jeweiligen dazugehörigen Lastern ins Gleichgewicht zu bringen und beschreibt, wie dieses Verhältnis in unseren Handlungen zum Ausdruck kommt. Eine Rezension bei ZEITonline gibt einen Überblick über das Thema des Werkes und die Position Martin Seels.

Zum Hedonismus
Der Hedonismus ist die philosophische Strömung, bei der das Erlangen von Lust als oberstes menschliches Ziel gilt. Diese philosophische Definition grenzt sich von der alltagssprachlichen ab. Im Alltagssprachgebrauch ist die Theorie des Hedonismus negativ behaftet und wird als Abzielen auf eine Art egoistische, ausschweifende Lust missverstanden. Vertreter des Hedonismus orientieren ihr Leben daran, Lust zu maximieren und versuchen demnach, Schmerz und Leid zu vermeiden. Ziel ist es jedoch nicht, das Höchstmaß an augenblicklicher Lust zu erreichen, sondern sich so zu verhalten, dass in der Summe und auf Dauer gesehen ein Maximum an Lust erlangt werden kann. Dadurch haben sie ein ganz eigenes Bild von Glück; es lässt sich in Genuss und Vergnügen und im Vermeiden von Unlust wiederfinden.

Online-Podcast (20:00)
Wenn die Lust zur Vernunft kommt –
Aktualität des Hedonismus
(NDR Kultur – Glaubenssachen Podcast)
War Epikur ein Freund des Vergnügens? Im Online-Podcast des NDR wird dieser Frage nachgegangen und der Hedonismus anhand seines Begründers Epikur auf seine Aktualität geprüft. Epikur gründet seine Ethik auf das natürliche Streben des Menschen nach Lust und das Vermeiden von Schmerz. Dies ist ihm zufolge das Maß aller unserer Handlungen und Entscheidungen. Ziel unseres Strebens ist der Zustand der Unerschütterlichkeit (ataraxia), den Epikur als das Höchstmaß des Lebensglücks bezeichnet. Glücklich macht uns demnach das, was uns Lust bereitet, und umgekehrt ist dasjenige für uns schlecht, was uns Leid erfahren lässt. Dabei werden auch negative Konsequenzen berücksichtigt. Die Maximierung der Lust beruht demnach auf einer vernünftigen Lebensgestaltung. Geistige Freuden (zu denen beispielsweise auch die Freundschaft gehört) schätzt Epikur in der Gesamtrechnung höher ein als die Sinnesfreuden. In späteren Jahrhunderten, vor allem in der christlichen Tradition, wurde Epikur allerdings ausschließlich als Verteidiger ungehemmter Sinnlichkeit rezipiert.

Online-Interview
Hedonismus: „Aus dem einem Leben das Beste machen“ (Hartmut Wewetzer)
Der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Bernulf Kanitschneider beantwortet in einem Interview mit dem Tagesspiegel Fragen rund um den Hedonismus. Dabei wird sowohl auf die Begründung und Geschichte der Theorie eingegangen, aber auch aktuelle Fragen und Bezüge und die Probleme und Einwände, die der Hedonismus aufwirft, werden diskutiert, etwa: Inwiefern ist ein Hedonist eigentlich moralisch? Besteht die Gefahr, dass ein Hedonist zum Egoisten wird?

Zur deontologischen Ethik (Pflichtethik)
Eine zuverlässige Antwort auf die Frage nach dem richtigen Handeln kann uns laut Kant nur eine reine Moralphilosophie geben, die darauf verzichtet, ihre Urteile auf Erfahrung und anthropologische Annahmen zu stützen. Denn in moralischen Fragen verlangen wir nicht nur persönliche Gewissheit, sondern auch die Allgemeingültigkeit unserer Lösungen. Wir wollen wissen, was jeder Mensch tun sollte, wenn er sich in dieser bestimmten Situation befindet. Würde sich unsere Antwort bloß auf Erfahrung gründen, stünden wir vor dem Problem, dass wir niemals wissen können, ob es nicht Ausnahmen gibt, auf die unser Urteil nicht zutrifft. Wir könnten in diesem Fall nur sagen: Soviel wir bisher wissen, gibt es keine Ausnahme zu dieser Regel. Ein Beispiel: Epikur nimmt an, Menschen streben von Natur aus nach Lust und vermeiden Unlust; also sollen Menschen sich so verhalten, dass sie möglichst viel Lust gewinnen und möglichst wenig Unlust erleiden. Kant würde die Notwendigkeit dieser Regel leugnen; wir können schließlich niemals wissen, ob es nicht doch Menschen gibt (und sei es in einer fernen Zukunft), für die Epikurs Annahme nicht zutrifft. Folglich ist seine Theorie auf unsicherem Boden erbaut. Da wir, wie Kant behauptet, in moralischen Fragen jedoch voraussetzen, dass es gewisse sichere Antworten gibt, kann die Quelle dieser Gewissheit nicht die Erfahrung, sondern nur unsere eigene Vernunft sein. Sie stellt uns ein Gesetz zur Verfügung, das uns wie ein sechstes Sinnesorgan mitteilt, ob eine Handlung (sei es unsere eigene oder die eines anderen) „moralisch“ war oder nicht. Kant zufolge ist dieses Gesetz ein „Faktum der Vernunft“.

Wie kann uns dieses Gesetz moralische Gewissheit verbürgen? Die Kritik der praktischen Vernunft stellt hierzu eine revolutionäre Argumentation vor: Sie beginnt mit der Feststellung, dass es ausschließlich die Beschaffenheit unseres Willens ist, nach dem wir fragen, wenn wir wissen wollen, ob eine Handlung moralisch ist. Fakt ist: Wollen können wir vieles. Die Moral fragt, was wir wollen sollen. Kants Antwort lautet, dass wir unseren Willen stets danach richten sollen, was wir wollen können. Nur so erreichen wir Gewissheit und Allgemeingültigkeit. Viele Dinge gebe es, die wir, bei genauerer Betrachtung, überhaupt nicht wollen können, weil sich unsere Wünsche darin widersprechen. Mithilfe des Gesetzes, das uns unsere Vernunft an die Hand gibt, können wir die Widerspruchsfreiheit unseres Willens feststellen. Kant bezeichnet es als den kategorischen Imperativ. In einer – der vielleicht bekanntesten – Formulierung lautet er: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Online-Vorlesungs-Aufzeichnungen (4 x ~40:00)
Zur Deontologie (Dietmar Hübner)
Die unten verlinkten vier Vorlesungen wurden im Sommersemester 2014 im Rahmen der Vorlesungsreihe Einführung in die praktische Philosophie an der Leibniz Universität Hannover gehalten. Sie führen gut verständlich in die deontologische Ethik Kants ein und geben abschließend einen Ausblick auf die deontologischen Ansätze von Habermas (Diskursethik) und Rawls (Vertragstheorie).

Online-Dossier
Kants Ethik in der Diskussion (Information Philosophie)
Die Philosophen Reinhard Brandt, Andrea Esser, Rainer Forst und Anton Leist sprechen über die Bedeutung und Relevanz von Kants praktischer Philosophie für die gegenwärtige Ethik-Diskussion. Sie beantwortet Fragen wie: Was kann von Kants Philosophie übernommen werden? Was ist aus heutiger Sicht vielleicht fragwürdig? Welche Bedeutung hat Kants Begriff der reinen praktischen Vernunft heute?

Online-Text
Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen (zeno.org)
Bereits zu Lebzeiten wurde Kant der Vorwurf gemacht, dass es seiner Theorie zufolge falsch wäre, zu lügen, wenn uns ein Mörder fragte, ob unser von ihm verfolgter Freund sich in unserem Haus verstecke. Mit einem analogen Beispiel stellt Wilhelm Schmid den kategorischen Imperativ in Frage: Laut diesem müsse man den an der Haustür klopfenden Nazis wahrheitsgemäß sagen, ob man einen Juden versteckt hält, denn man darf nicht lügen. In diesem Aufsatz antwortet Kant auf den ersten Vorwurf und führt aus, warum es dennoch falsch wäre, in solch einem Fall zu lügen. Zeitgenössische Philosophen reagierten ebenfalls auf Kants Ausführungen in „Über das vermeintliche Recht aus Menschenliebe zu lügen“, indem sie das von ihm verwendete Fallbeispiel aufgriffen und erneut zur Diskussion stellten:

Zur Mitleidsethik Schopenhauers
Die Mitleidsethik Schopenhauers ist in weiten Teilen eine Entgegnung auf die deontologische Ethik Kants. Die Auffassung, Ethik sei eine Wissenschaft, die angibt, was man tun soll, weist er entschieden zurück. Wie alle Philosophie müsse auch die Ethik deskriptiv verfahren: Sie macht keine Vorschriften und versucht nicht, Menschen zu bessern, sondern erklärt und deutet bloß ihr tatsächliches Verhalten. Das Fundament aller Moral zu beschreiben, ist ihre einzige Aufgabe. Schopenhauer geht davon aus, dass wir eine Handlung genau dann als moralisch bewerten, wenn sie durch keinerlei egoistisches Motiv bestimmt ist, das heißt sie weder unser eigenes Wohlergehen noch das Leid eines anderen zum Zweck hat. Die Absicht, einem Gesetz, dem Willen Gottes oder der Idee des Guten entsprechen zu wollen, könne daher niemals moralisch genannt werden, da sie stets aus Eigenliebe (Furcht vor Strafe, Lust auf Belohnung) motiviert sei.

Moralisch sei allein eine Handlung, mit der wir das Wohl des anderen erreichen wollten (Tiere eingeschlossen). Der Kern aller ethischen Grundsätze laute entsprechend: „Verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soviel du kannst.“ Die Triebfeder zu derartigen Handlungen sei das Mitleid, das Schopenhauer, in Anlehnung an Rousseau, als ein ursprüngliches Gefühl bestimmt, das alle leidensfähigen Wesen miteinander verbindet. Es geht aus unserer spontanen Identifikation mit dem Leidenden hervor, in der der Unterschied zwischen uns und ihm verschwindet. In seiner Willensmetaphysik bildet diese intuitive Identifikation den ersten Schritt zur endgültigen Verneinung des eigenen Willens, die in ihrer Gänze ausschließlich die Heiligen erreichen. Ihre Triebfeder ist nicht mehr das Mitleid, sondern die Askese, die, abgekehrt von der Welt, nur noch das eigene Leid zum Ziel hat, um darin die Erlösung zu finden.

Online-Essay
Die Zähmung des Menschen (Rüdiger Safranski)
Dieser anlässlich des 150. Todestags von Schopenhauer erschienene Essay versucht die Frage zu beantworten, inwiefern Schopenhauers Philosophie auch heute noch relevant und hilfreich ist. Aufgegriffen werden Themen wie das Verhältnis Schopenhauers zur Biologie, sein Menschen- und Gesellschaftsbild, die daraus resultierende Staatstheorie und biographische Hintergrundinformationen. Nebenbei erfährt der Leser wissenswerte Schmankerl wie die Tatsache, dass Schopenhauer – und nicht etwa Freud – derjenige war, der die drei großen Kränkungen des menschlichen Größenwahns erstmals in einem Werk vereinte. Diese sind: (1.) die auf Kopernikus zurückgehende kosmologische Kränkung (Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Weltalls), (2.) die auf Charles Darwin zurückgehende biologische Kränkung (Der Mensch ist ein Tier unter anderen) und (3.) die psychologische Kränkung (Das bewusste Ich ist nicht Herr im eigenen Hause).

Buch-Empfehlung
Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie (Rüdiger Safranski)
„Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an die Philosophie. Was es einmal gab: Gott und die Welt denken, mit heißem Herzen. Das große Staunen darüber, daß etwas ist und nicht Nichts“ – so beginnt der Philosoph, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Rüdiger Safranski diese literarisch sehr ansprechend geschriebene Biographie Schopenhauers, die nicht nur dessen Lebensgeschichte, sondern auch von den „wilden Jahren der Philosophie“ erzählt. Diese „wilden Jahre“, das sind: Kant, Fichte, Schelling, die Philosophie der Romantik, Hegel, Feuerbach, der junge Marx und natürlich Schopenhauer, der aus diesen wilden Jahren kommt und doch zutiefst mit ihnen verfeindet ist. In einer Rezension der ZEIT heißt es: „Über Schopenhauer, diesen einsamen Meister der ’sackgroben Formen‘, hat Safranski ein sehr schönes Buch geschrieben, das tatsächlich, wie der Autor zuzugeben wagt, so etwas wie ‚eine Liebeserklärung an die Philosophie‘ ist. Wer sie nicht hören will, dem ist nicht (mehr) zu helfen …“

Online-Text
Preisschrift über die Grundlage der Moral (Arthur Schopenhauer)
Wer nicht widerstehen kann, Schopenhauer einmal im Original zu lesen, und sich weiter mit seiner Moralphilosophie beschäftigen will, ist mit diesem Text genau richtig aufgehoben. Gemeinsam mit der „Preisschrift über die Freiheit des Willens“ steht er bei Google Books unter dem Titel „Die beiden Grundprobleme der Ethik“ kostenlos zum PDF-Download oder zum Online-Lesen – aber leider als Kopie von 1841 in Fraktur – zur Verfügung. Alternativ kann der Text unter anderem beim Meiner Verlag käuflich erworben werden.

Zur Moralkritik bei Nietzsche
Friedrich Nietzsches Moralkritik gründet sich auf den Verdacht, dass es keine moralischen Phänomene, sondern ausschließlich eine moralische Ausdeutung von Phänomenen gibt. Unsere Urteile über die Welt sind, so Nietzsche, stets Interpretationen und damit von der Perspektive eines Interpreten abhängig. Man müsse sich – vor allem bei moralischen Urteilen – fragen: Wer interpretiert hier? Welche Perspektive nimmt er ein? Welche Werte vertritt er? Was will er? In der traditionellen Metaphysik waren dies alles gänzlich irrelevante Fragen, denn was als „gut“ zu gelten hat, wurde dem Menschen entweder durch Gott (in der Bibel, im Glauben, im Gewissen oder ähnlichem) oder durch die Vernunft offenbart. Nietzsche entgegnet: Die Vorstellung eines Guten und Bösen „an sich“, das zu jeder Zeit, in jeder Kultur als gut und böse zu gelten hat, ist selbst wiederum nur eine kulturabhängige Interpretation – in diesem Fall der jüdisch-christlichen Religion. Es war geschickte Interpretation, die das Abendland vergessen ließ, dass es eine Geschichte hat. Nietzsche stellt mit den Kunstgriffen seiner psychologischen Sezierkunst diese verdrängte Körperwelt der Metaphysik erneut zur Schau. Seine Genealogie der Moral schreitet in der Geschichte des Abendlandes zurück und betrachtet die Entstehungsgeschichte der christlichen Werte. Es zeige sich, so Nietzsche, dass sie eine Erfindung des Machtwillens der gesellschaftlich, körperlich und intellektuell Schwachen ist, die sich mit ihrer Hilfe sicherten, was ihnen zuvor verwehrt wurde. Indem sie durch kluge Interpretation festsetzten, dass es „gut“ sei, arm zu sein („Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“), dass also die „Letzten“ die „Ersten“ sein werden und dass es besser ist, sich unterzuordnen, als um sein eigenes Wohl zu kämpfen, untergruben sie die Macht der souverän Herrschenden. Damit habe eine verhängnisvolle Entwicklung begonnen, so Nietzsche, da der ehemals herrschende Wille zur Macht, der sich an Stärke, Kreativität, Wettbewerb und Lebenswille maß, durch einen Machtwillen abgelöst wurde, der mit einem Hass auf alles Unschuldige, Starke, letztlich auf das Leben selbst erfüllt ist. Es gelte (wie Nietzsches Zarathustra verkündet), diese „Umwertung der Werte“ ein weiteres Mal vorzunehmen.

Podcast (13 x ~ 75:00)
Nietzsche als Philosoph der Moderne (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
Nietzsches Philosophie erschütterte bestehende Normen- und Wertvorstellungen, gewohnte Formen des Philosophierens sowie die Konventionen der Wissenschaft. Ebenso beeinflusste er zahlreiche Literaten und Philosophen wie Hoffmannsthal, Benn, Thomas Mann, Musil, Freud und Heidegger und wurde zur Leitfigur der modernen Lebensphilosophie und Kulturkritik. Im Rahmen der Ringvorlesung der Nietzsche-Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften versuchen dreizehn führende Nietzsche-Spezialisten, all diese Aspekte umfassend zu beleuchten.

Video-Gesprächs-Aufzeichnung (56:01)
Friedrich Nietzsche – Das Leben bejahen (SRF Sternstunde Philosophie)
In diesem knapp einstündigen Gespräch führt der Nietzsche-Spezialist und Berliner Philosophie-Professor Volker Gerhardt gut verständlich und anregend in Nietzsches Philosophie ein. Er widmet sich der Beziehung Wagners zu Nietzsche und der Rolle von Schopenhauers Philosophie für diese Freundschaft, erklärt, warum Nietzsche nach Hegel, Schleiermacher und Feuerbach der Philosoph mit dem tiefsten Religionsverständnis ist, obwohl er Gott für tot erklärt, und spricht über die Aktualität von Nietzsches Philosophie heute und wie man ihn als Mensch verstehen und mit ihm umgehen kann.

Buch-Empfehlung
Nietzsche. Biographie seines Denkens (Rüdiger Safranski)
Wie schon bei seiner Schopenhauer-Biographie beweist Safranski auch bei Nietzsche, dass man Philosophie erzählen kann. Doch Safranski erzählt nicht von der „Seifenoper“ aus Nietzsches Leben, wie es in der Buchrezension im Spiegel heißt, sondern er liefert eine Biographie seines Denkens, das heißt Safranski verfolgt gekonnt den Denk- und Lebensweg Nietzsches und zieht die Bilanz seiner Wirkungen. Ein gut zu lesendes, spannendes und literarisch anspruchsvolles Buch.

Zum Utilitarismus
Das Wort „utilis“ kommt aus dem Lateinischen und kann mit „nützlich“ übersetzt werden. Dem Utilitarismus zufolge ist eine Handlung dann richtig, wenn die Konsequenzen der Handlung, diejenigen sind, die das Glück möglichst vieler Subjekte vermehren und ihr Leiden verringern. Verschiedene Handlungen werden hinsichtlich ihrer Nützlichkeit für einen bestimmten Zweck beurteilt. In einer einfachen Formulierung lautet das utilitaristische Grundprinzip: „Handle so, dass die Folgen deiner Handlung bzw. Handlungsregeln für das Wohlergehen aller betroffenen optimal sind.“

Begründer des klassischen Utilitarismus ist John Stuart Mill. In seiner Mitte des 19. Jahrhunderts verbreiteten Nützlichkeitstheorie orientierte er sich an seinem Vater James Mill und dessen Freund Jeremy Bentham, die Vertreter des radikalen Utilitarismus waren. Der englische Sozialphilosoph vertrat die Meinung, dass die Handlungen innerhalb einer Gesellschaft am größtmöglichen Glück der größtmöglichen Anzahl an Mitgliedern der Gesellschaft orientiert sein müssen, damit Gerechtigkeit gewährleistet werden kann. Der Nutzen für das Gesamtwohl der Gesellschaft ist der entscheidende Faktor bei den Handlungen; er gilt für alle und sieht das Glück jedes Einzelnen als gleichwertig an. Beim Handeln darf das eigene Glück keine besondere Stellung einnehmen, sondern ist dem jedes anderen Mitglieds der Gesellschaft gleichgestellt. Für die Entscheidung, welches Leben glücklicher ist, sieht Mill es für wichtig an, sich nicht nur an der Quantität von Glück, sondern vor allem an dessen Qualität zu orientieren. Mill schreibt in seinem Buch Utilitarismus:

„Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein, als ein zufriedenes Schwein; besser, ein unzufriedener Sokrates, als ein zufriedener Narr. Und wenn der Narr oder das Schwein anderer Ansicht sind, dann deshalb, weil sie nur eine Seite der Angelegenheit kennen“.

Online-Vorlesungs-Aufzeichnungen (4 x ~40:00)
Teleologie (Dietmar Hübner)
Die inhaltlich aufeinander aufgebauten Vorlesungen wurden im Sommersemester 2014 im Rahmen der Vorlesungsreihe Einführung in die praktische Philosophie an der Leibniz Universität Hannover gehalten. Zunächst werden das Grundprinzip des Utilitarismus und deren Begründer (Bentham, Mill, Sidgwick) vorgestellt. Im Anschluss daran werden Argumente gegen den Utilitarismus sowie dessen Verteidigung diskutiert. Abschließend wird in ein besonderes utilitaristisches Argument Adam Smiths eingeführt.

 

Online-Podcast (21:10)
„Was gerecht ist, ist nützlich!“ Utilitarismus (BR RadioWissen)
John Stuart Mills Ideen, Gedanken und Überzeugungen werden in der Mitte des 19. Jahrhunderts begründeten Theorie des Utilitarismus festgehalten. In einem Podcast von Bayern 2 radioWissen werden der Sozialphilosoph, seine utilistische Theorie und der aktuelle Bezug derselben erläutert. Außerdem kann man auf weiteres zusammengestelltes Lehrmaterial zum Thema zugreifen.

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2. Konzepte

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Moral, das ist, wenn man moralisch ist.
Georg Büchner, Woyzeck

Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendungen auf und verweist mit Hilfe kurzer Erläuterungen und Kommentare auf vertiefende Ressourcen wie Internet-Portale, Online-Videos und klassische Bücher. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Ethik und Moral

Bezug Manuskript: S. 4, 15; Bezug Audio 3:00, 15:30

2.1.1 Ethik

Der Begriff „Ethik“ stammt aus der griechischen Sprache, genauer gesagt von dem Wort „Ethos“ und hat eine ähnliche Bedeutung wie „Sitte“ oder „Gewohnheit“. Die Ethik beschäftigt sich vor allem mit menschlichem Handeln und überprüft moralische Beurteilungen. Die Grundfrage der Ethik lautet: Was soll ich tun? Dabei stellt die Ethik Normen auf, die den Menschen bei ihrer Lebensgestaltung und in ihrem Handeln leiten sollen. Die Ethik ist also eine allgemeine Theorie der Moralität.

Online-Video (3:01)
Was ist eigentlich Ethik? (3sat)
Für den Alltag tauglich wird in einem einführenden Artikel der Reihe Philosophisches Kopfkino von 3sat Ethik nahegebracht. In dem humorvoll gestalteten dazugehörigen Online-Video wird diese Begriffserläuterung animiert dargestellt.

Online-Vorlesungsfolien
Einführung in die Ethik (Dirk Solies)
Das Thesenpapier zur Vorlesung „Ethische Begründungsansätze“ des Mainzer Philosophieprofessors Dirk Solies aus dem Sommersemester 2009 bietet einen kurzen Gesamtüberblick über das Gebiet der Ethik. Dabei wird zunächst auf die Wortgeschichte und den Vergleich zur Moral eingegangen. Auch der Begriff der Moral und wie wir moralische Urteile fällen, wird in dem Thesenpapier beschrieben. Im weiteren Verlauf werden die Bereiche der Ethik (Bioethik, Wirtschaftsethik, Tierethik etc.) aufgelistet und der Unterschied zwischen der Normativen Ethik und der Metaethik deutlich gemacht.

2.1.2 Moral

Die Moral umfasst die Gesamtheit an Regeln, die im alltäglichen Zusammenleben der Mitglieder einer Gemeinschaft konkret angewandt werden. Diese Regeln leiten das Individuum im Alltag und unterstützen bei der Entscheidung, ob eine Handlung moralisch oder unmoralisch, richtig oder falsch, gut oder böse ist.

Online-Interview
Was ist Moral? (fluter.de)
In einem Interview versucht der Tübinger Philosophieprofessor Otfried Höffe den Begriff zu erläutern und die Frage zu klären, ob man Moral lernen kann und welche Antriebskräfte es für moralisches Handeln gibt.

2.1.3 Ethik vs. Moral

Online-Video (3:25)
Der Unterschied zwischen Moral und Ethik (Christian Weilmeier)
Im philosophischen Kontext besitzen die Begriffe „Ethik“ und „Moral“ unterschiedliche Bedeutungen. Die Ethik beschäftigt sich mit fundamentalen Untersuchungen von moralischen Werten und dem menschlichen Verhalten in einer Gesellschaft. Dabei werden die Verhaltensregeln nicht nur bezeichnet und untersucht, sondern auch von den verschiedenen Seiten beleuchtet und bewertet. Die Moral hingegen bezeichnet die einzelnen Gebräuche, Normen, Tabus und Konventionen, die sich in den verschiedenen Gesellschaften etabliert haben. Im obigen Video beschreibt der Philosoph Christian Weilmeier diesen Unterschied zwischen Moral und Ethik und verdeutlicht ihn anhand des Beispiels des Ethik-Unterrichts in der Schule.

Video-Vorlesungsaufzeichnung
Praktische Philosophie: Ethik und Moral (Dietmar Hübner)
Der erste Teil der Einführungsvorlesung zur praktischen Philosophie von Dietmar Hübner bietet verständliche Begriffserklärungen von „Ethik“ und „Moral“ und unterscheidet die verschiedenen Teilbereiche. Einen wichtigen Teil der Vorlesung stellt auch die Erläuterung des Unterschieds von Ethik und Moral dar.

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2.2 Philosophie der Gefühle

Bezug Manuskript: S. 2, 21; Bezug Audio 1:20, 23:45

Video-Gesprächs-Aufzeichnung (57:18)
Wie fühlen Sie sich? Philosophie der Gefühle (SRF Sternstunde Philosophie)
Als Einstieg in die Philosophie der Gefühle bietet die knapp einstündige Sendung mit der Tübinger Philosophieprofessorin Sabine Döring einen unterhaltsamen und verständlichen Gesamtüberblick. In dem Gespräch werden die verschiedenen Begriffe der Thematik geklärt. Bestandteil der Sendung sind sowohl Fragen nach den Grenzen des Gefühls als auch die Einordnung unserer Gefühle in unterschiedliche Teilbereiche.

2.2.1 Gefühle

Liebe, Angst, Hass, Zorn, Neid, Trauer, Hoffnung, Freude, Ekel. Alle diese Gefühle sind Reaktionen der Menschen auf Geschehnisse in ihrer Umwelt. Der Begriff des Gefühls ist ein unklarer Begriff, der für seelische und körperliche Empfindungen verwendet wird. Gefühle sind normalerweise etwas Spontanes, Authentisches, vor allem aber sind sie subjektive Wahrnehmungen. Diese können sowohl positiv als auch negativ sein. Sie können jedoch auch bewusst eingesetzt werden, um entweder Menschen zu täuschen, oder aber auch, um sie zu überzeugen oder zu beeindrucken (beispielsweise in einem Theaterstück). In der Philosophie nehmen Gefühle eine untergeordnete Position ein. Der Mensch wurde von den Philosophen vor allem als Vernunftsmensch dargestellt und Gefühle standen diesem Menschenbild entgegen. Im Gegensatz zu Verstand und Vernunft betrifft das Gefühl rein subjektive Zustände, die nicht alle Menschen gleich wahrnehmen.

Online-Essay (Information Philosophie)
Echte und unechte Gefühle (Christoph Demmerling)
Dieser akademische Essay befasst sich mit der Komplexität der Gefühle und beleuchtet den Begriff aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Neben der Klärung der Frage, was Gefühle sind, geht der Marburger Philosophieprofessor auch auf die Unechtheit von Gefühlen ein. Er skizziert Fallbeispiele, bei denen von gespielten, unangemessenen, manipulierten, unechten Gefühlen die Rede ist und weist so eine andere Sichtweise auf Gefühle auf. Wichtig ist ihm, dass deutlich wird, dass echte Gefühle nicht immer zugleich im Gegensatz zu unechten stehen. Auch in der Medizin können verschiedene Medikamente dazu führen, dass Gefühle verändert oder unterdrückt werden. Diesen wichtigen Aspekt im Zusammenhang mit echten und unechten Gefühlen berücksichtigt der Autor ebenfalls und verdeutlicht diesen anhand von Krankheitsbildern.

Online-Artikel (ZEITonline)
Das emotionale Tier (Martin Hartmann)
In dem Artikel versucht der Philosophieprofessor Martin Hartmann, die weitverbreitete Annahme, dass Gefühle als Gegenspieler der Vernunft gelten, zu widerlegen. Für ihn passen Gefühle und die Philosophie sehr wohl zusammen. Die Philosophie beschäftigt sich schon seit Beginn mit dem Gefühlphänomen, nur wurde dem Gefühl im Vergleich zum Verstand immer ein niedrigerer Stellenwert zugeordnet. Hartmann möchte deutlich machen, dass das Gefühl alleine uns zwar nicht leiten kann in unseren Handlungen, es in der Gegenwart und Zukunft der Philosophie aber mehr Verständnis erlangen soll und muss. Anhand des von Marc Twain kreierten Abenteuers des Huckleberry Finn verdeutlicht er, dass wir ganz ohne die Gefühle auch nicht können.

2.2.2 Affekte

Online-Lexikonartikel
Affekt (UTB Handwörterbuch: Philosophie)
Affekte sind Gefühlszustände, die von besonderer Bedeutung sind. Sie ziehen im Extremfall auch körperliche Reaktionen nach sich und sind nur von kurzer Dauer. Einen klaren Unterschied zwischen Gefühl und Affekt zu machen, ist schwierig, denn die Grenze ist fließend. In der Geschichte der Philosophie wurden Affekte häufig negativ konnotiert. Den Stoikern zufolge behindern die Affekte den Menschen im Erlangen der Seelenruhe. Obwohl Kant eine Trennung von Affekten und Leidenschaft durchführt, müssen auch bei ihm die Affekte bezwungen werden, da sie gegen die Vernunft arbeiten.

Online-Rezension (e-Journal Philosophie der Psychologie)
Emotion als Affekt (Martin Euringer)
Diese Rezension stellt eine Auseinandersetzung mit den philosophischen Theorien Michael Stockers zu Emotionen dar. Euringer fasst anhand von Beispielen aus den Werken Stockers seine Theorie zusammen. Stocker geht davon aus, dass Emotion immer in Zusammenhang mit Affekt steht, dass Emotion sogar gleichzusetzen ist mit Affekt. Er sieht Emotionen als Teil der Lebensgestaltung an, die auch Affekte einbeziehen muss. Gerade dieser Aspekt wird in der Rezension Euringers verwendet, um gegen Stocker zu argumentieren, denn die starke Fixierung auf Affekte bei seiner Emotionstheorie schränke diese zu sehr ein; sie sei somit zu einfach formuliert.

2.2.3 Mitleid

Die mit dem Leid anderer verbundene gefühlte Anteilnahme eines Wesens wird als Mitleid bezeichnet. Die meisten Philosophen sind der Auffassung, dass Mitleid ein Gefühl ist; jedoch argumentieren einige sogar, dass Mitleid aus der Vernunft entsteht.

Online-Artikel (Hohe Luft)
Hatte Schopenhauer doch Recht?
In einem kurzen Artikel der Philosophie Zeitschrift „Hohe Luft“ wird auf den Aspekt des Mitleidens und Mitfühlens eingegangen. Dabei wird die Argumentation der Mitleidsethik Schopenhauers erläutert und die Frage gestellt, ob die Auffassung, dass Mitleid allein uns dazu bewege, altruistisch (also uneigennützig) zu handeln, gerade in der heutigen Zeit und für die Zukunft relevant ist.

Online Radiosendung (27:36)
Die Wirkung von Mitgefühl (SWR2)
In der knapp halbstündigen Radiosendung werden der Begriff und die Entstehung des Mitgefühls diskutiert. Mitgefühl wird dem Menschen als Gegenmodell zum egoistischen Handeln zugesprochen und Studien zeigen, dass die Fähigkeit zum Mitgefühl auch bei Tieren vorhanden ist. Empathie ist nur ein Anfang dafür, dass man ein Mitgefühl für ein anderes Lebewesen empfinden kann. Anhand von alltäglichen Beispielen wird in der Sendung erklärt, was passiert, wenn ein Mensch nicht die Fähigkeit besitzt, mit anderen Personen mitzufühlen, sondern nur auf der anfänglichen Stufe der Empathie agiert. Was Mitgefühlsmeditationen aus dem Buddhismus in unserem Handeln bewirken können und wie Selbstmitgefühl uns selbst in der Lebensführung unterstützen kann, wird in der Sequenz ebenfalls erläutert.

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2.3 Gewissen

Bezug Manuskript: S. 2, 24; Bezug Audio 0:20, 25:30

Online-Lexikonartikel
Gewissen (Spektrum der Wissenschaft)
Das Gewissen nimmt die Position ein, an der wir Menschen mit Normen in Konflikt kommen, sie ist der Ort, an dem wir entscheiden, welche Handlung die richtige ist. Das Gewissen stellt eine Wahrnehmungsinstanz dar, die zwischen richtig und falsch entscheidet. In der Philosophiegeschichte kam es zu manchen Wandlungen des Begriffs und es bestanden verschiedene Auffassungen und Interpretationen darüber, wie „Gewissen“ zu definieren ist. Auch wenn uns der Begriff im Alltag oft über den Weg läuft, gibt es heute immer noch kein eindeutiges Verständnis des Begriffs.

Online-Diskussionsfragen
Die Gewissensfrage (Süddeutsche Zeitung)
Wöchentlich veröffentlicht die Süddeutsche Zeitung eine Frage, die das menschliche Gewissen plagt. Die Fragen betreffen Situationen, bei denen wir überlegen müssen, wie wir handeln sollten, damit unsere Handlungen mit dem Gewissen vereinbar sind. Nicht immer gibt es auf die Fragen eine eindeutige Antwort. Dabei ist es interessant, die verschiedenen Ansätze zu verfolgen und bei den einzelnen Fragen auch selbst nachzudenken.

Online-Portal mit Unterrichtsideen
Medieninstitut der Länder: Gewissen (FWU Institut für Film und Bild)
Aus einer Arbeit des Instituts für Film und Bild entstand ein Beiheft zum Thema Gewissen. Anhand von zwei Kurzfilm-Beispielen wird der historische und zugleich immer noch aktuelle Gewissensdiskurs in der Philosophie zum Thema gemacht. Neben den informativen Erläuterungen zum Gewissen werden zu Beginn auch curriculare Bezüge hergestellt, die angeben, in welchen Jahrgangsstufen und zu welchen Thematiken das Beiheft zum Einsatz kommen kann. Das Beiheft kann hier (PDF, 12S.) heruntergeladen werden.

Vortrags-Transkript (PDF, 13 S.)
Über das Gewissen (Richard Schröder)
In diesem philosophischen Vortrag „Über das Gewissen“ versucht Richard Schröder, Theologe und Philosoph, die Komplexität des Gewissens darzustellen. Zunächst bietet er einen historischen Überblick der Theorie des Gewissens in der Philosophie. Aus diesem geschichtlichen Rückblick gelangt er in den gegenwärtigen Diskurs und den alltäglichen Umgang mit dem Gewissen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Erläuterung, was konkret eine Gewissensfrage ist und wo wir in der heutigen Gesellschaft mit der Vielschichtigkeit des Gewissens in Kontakt gelangen. In fünf abschließenden Thesen fasst Schröder das Konzept des Gewissens zusammen.

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2.4 Tugend

Bezug Manuskript: S. 6, 23; Bezug Audio 5:50, 24:30

Zur Idee der Tugend
Gemäß der klassischen aristotelischen Auffassung sind Tugenden zentral, da sie uns darin unterstützen, ein gutes, gelungenes Leben zu führen. Tugend (griechisch.: areté) bedeutet wörtlich „Vollkommenheit“ und beschreibt einen Charakterzug oder eine Fähigkeit, die erstrebenswert ist für einen Menschen, um gut zu handeln und ein gelungenes Leben zu führen. Sie drücken die Lust bzw. Unlust aus, etwas zu tun. Tugenden können als Dispositionen zum Wählen verstanden werden: Sind die Tugenden voll entfaltet, so wird der tugendhafte Mensch immer die richtige Handlungsoption wählen.

Online-Audio-Podcast (23:30)
Wozu Tugend? (SWR2 Leben)
In diesem Radio-Beitrag kommentieren ein Ethnologe, ein Theologie und ein Philosoph neben anderen Tugenden insbesondere vier weltliche Kardinaltugenden:

  • Gerechtigkeit
  • Tapferkeit
  • Klugheit
  • Maßhalten

Dabei wird Tugend als weiterhin zentraler Begriff unseres Selbstverständnisses behandelt und ganz unterschiedliche Aspekte und Verständnisse werden beleuchtet. Tugend wird hier insbesondere als Fähigkeit verstanden, die mit einer inneren Haltung einhergeht.

Online-Vorlesungsfolien (69 Folien)
Tugenden – die goldene Mitte
Eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Tugendlehre und dem Begriff der Tugend erlauben diese Folien zur Einführung in die Praktische Philosophie der Technischen Universität Dortmund aus dem Wintersemester 2011/12. Schritt für Schritt werden die Konzeption der Tugendlehre des Aristoteles und die einzelnen Terminologien verständlich dargestellt. Mit Hilfe von Schaubildern und Pfeildiagrammen sind die Vorlesungsfolien anschaulich gestaltet und laden zum Mitdenken ein.

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2.5 Glück

Bezug Manuskript: S. 6, 23; Bezug Audio 5:50, 25:10

Zum Begriff des Glücks
Der Glücksbegriff ist in der Philosophie fest verankert, denn die Frage danach beschäftigt die Philosophen schon seit der Antike. Bis heute sind aus diesem klassischen Interesse viele verschiedene Auffassungen von Glück entwickelt worden. Generell unterscheidet man episodisches Glück und prozessuales Glück. Das episodische Glück beschreibt das Glück des Augenblicks: einen Moment, in dem wir uns glücklich fühlen. Der Begriff des prozessualen Glücks umfasst die Vorstellung eines geglückten Lebens (eudamonia). In der Philosophiegeschichte wurde vor allem auf den eudamonia-Begriff, das prozessuale Glück, eingegangen, während das zufällige kurzlebige Glück des Moments weit weniger einbezogen wurde, wenn es darum galt, der Frage nach dem glücklichen oder geglückten Leben nachzugehen.

Online-Dossier
Was sagen Philosophen zum Glück? (Planet Schule)
Im Rahmen der ARD-Themenwoche wird das Thema Glück im philosophischen Kontext vielseitig und mit aktuellen Bezügen beleuchtet. Neben einem kurzen Einführungsvideo werden verschiedene philosophische Positionen zum Glück erläutert und in Form von Lehrmaterial (Film, Texte, Arbeitsblätter) kann das Wissen vertieft und verfestigt werden. Außerdem werden weitere aktuelle Themen aufgegriffen, wie „Sinn des Lebens: Wie werde ich Glücklich?“ und „Glücksbehinderungen“, die Jugendliche, aber auch Erwachsene beschäftigen.

Online-Essay
Philosophie des Glücks (Dieter Birnbacher)
Dieser akademische Artikel befasst sich mit unterschiedlichen philosophischen Konzeptionen und Theorien von Glück und fragt, ob eine „Philosophie des Glücks“ überhaupt möglich ist. Ein grundsätzlicher Unterschied wird gemacht, in dem der Autor episodisches von periodischem Glück unterscheidet, um daran anschließend hauptsächlich auf die folgenden drei Glückstheorien und deren Problematiken einzugehen:

  1. Glücksgütertheorie
  2. Glücks-Hedonismus
  3. Wunscherfüllungstheorie

 

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und den einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# Aristoteles
Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) gilt als berühmtester Schüler Platons. Er ist neben seinem Lehrer und dessen Lehrer Sokrates der dritte Philosoph, der der Phase der klassischen griechischen Philosophie zuzuordnen ist. Von König Philipp 343/342 an den makedonischen Hof gerufen, wurde Aristoteles zum Erzieher des später berühmten Herrschers Alexander, den er drei Jahre lang unterrichtete. Aristoteles beschäftigte sich mit allen für die zeitgenössische Philosophie relevanten Fragen. U. a. verfasste er wesentliche Werke zur Logik, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Poetik und zur Staatstheorie. Aristoteles’ bekanntestes moralphilosophisches Werk ist die Nikomachische Ethik. Die Moralphilosophie des antiken Philosophen gehört zu den glücksethischen Konzeptionen. Aristoteles vertrat nämlich die Auffassung, dass das Endziel des menschlichen Strebens die Verwirklichung eines guten (glücklichen) Lebens sei. An dieser Stelle lässt sich eine Verbindung zu den politischen Vorstellungen Aristoteles’ herstellen. Ein gelungenes Leben war für ihn nämlich nur möglich, wenn ein Mensch seine Tugenden und Fähigkeiten im Sinne der politischen Gemeinschaft, der Polis, zur Geltung brachte. In diesem Sinn versteht Aristoteles den Menschen als „zoon politicon“, als ein politisches Wesen, das auf die Gemeinschaft angewiesen ist. Ein Leben gemäß der Tugend bzw. der Tüchtigkeit galt Aristoteles als die zentrale Voraussetzung, um glücklich zu sein. Er entfaltete ein komplexes System unterschiedlicher Tugenden, die dem Menschen zugeordnet werden können, wie Charakter- und Verstandestugenden.

# Immanuel Kant
Immanuel Kant (1724 – 1804) gehört zu den prominentesten Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte. Er wurde am 22. April 1724 in Königsberg (heute Kaliningrad, Russland) als viertes von acht Kindern geboren. Während seiner Schulzeit erhielt er eine strenge religiöse Erziehung. Bereits mit sechzehn Jahren studierte er an der Königsberger Universität zahlreiche Fachgebiete, darunter Philosophie, Physik und Mathematik. Im Todesjahr seines Vaters (1746) unterbrach er das Studium und blieb bis zur Wiederaufnahme 1754 als Hauslehrer beschäftigt. Nach der Habilitation im Jahr 1755 erhielt er die Stelle eines Privatdozenten, u.a. für Logik, Metaphysik, Mechanik, Mathematik, Naturrecht, Pädagogik, Moralphilosophie und Theologie. Im Jahr 1770 wurde er nach einigen erfolglosen Bewerbungen auf den Königsberger Lehrstuhl für Logik und Metaphysik berufen. Fast sein ganzes Leben verbrachte Kant in seiner Heimatstadt, wo er am 12. Februar 1804 starb.

Zu Kants Hauptwerken zählen die Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der Urteilskraft sowie die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. In seiner Kritik der reinen Vernunft untersucht Kant die Grundlagen menschlicher Erkenntnisfähigkeit. Zu der Frage, wie es überhaupt möglich sei, einen Gegenstand zu erkennen, formuliert Kant eine neuartige Antwort: Nicht der Mensch habe sich nach den Gegenständen zu richten, sondern die Gegenstände seien dem Erkenntnisvermögen des Menschen unterworfen. Dabei setzt er im Bemühen, zu einer sicheren Erkenntnis zu gelangen, zunächst auf die Erfahrung. Eine reine, von aller Erfahrung unabhängige Erkenntnis (a priori) sei nicht möglich. Alle menschlichen Erfahrungen sind jedoch bestimmten Erkenntnisbedingungen unterworfen, denen Kant in seiner Reflexion zu den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnissen nachgeht. So ist menschliche Erfahrung nur unter den Bedingungen von Raum und Zeit sowie nach der Maßgabe spezifischer Kategorien (Qualität, Quantität, Relation, Modalität) möglich. Diese Fundierung der menschlichen Erkenntnis im Erfahrungsbegriff mündet in die Destruktion der tradierten Gottesbeweise.

# Michel de Montaigne
Michel Eyquem de Montaigne (1533 – 1592) war ein französischer Philosoph und ist vor allem durch sein Hauptwerk Les Essais bekannt geworden. Er lebte im Zeitalter der Renaissance, der Reformation und der Glaubenskämpfe. Sein Werk wurde zum einen durch seine Herkunft aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, zum anderen durch die religiösen Kriege seiner Zeit und nicht zuletzt durch seine philosophischen Vorbilder Seneca und Plutarch geprägt. Montaigne genoss eine humanistische Ausbildung in Schulen in Bordeaux und Toulouse. Nach einem Rechtsstudium wurde er zunächst Parlamentsrat in Bordeaux, heiratete mit 32 die Tochter eines Ratskollegen und wurde Vater von 6 Kindern, von denen nur eines überlebte. In Beruf und Leben anerkannt, zog er sich im Alter von 38 Jahren in den Wachturm seines Schlossgutes Montaigne zurück. Insgesamt 9 Jahre verbrachte er dort in seiner Bibliothek. Hier entstanden seine berühmten Essays, in denen er versuchte, „Innenschau“ zu halten.

Indem er sein eigenes Verhalten und seine Gefühle beobachtete und niederschrieb, wollte er der Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen auf die Spur kommen. So verdanken wir ihm die Entstehung der literarischen Essayform. Obwohl Montaigne allen und allem gegenüber eine skeptische Haltung einnahm, war er doch lebensbejahend und heiteren Gemüts. „Que sais-je“ (Was weiß ich?), soll er immer gesagt haben. Montaigne wusste zu viel, um unkritisch sein zu können. Für sein Leben hatte er sich einen goldenen Mittelweg ausgesucht. Als aufgeklärter Skeptiker wollte er weder die Welt beherrschen noch willenloses Opfer sein. Er war ein eher konservativer Politiker und blieb zeit seines Lebens dem katholischen Glauben treu. Nach seiner Zeit im Denkturm begab er sich mit Freunden auf eine Reise in verschiedene europäische Städte, unter anderem nach Venedig und nach Rom zum Papst. Während er sich auf dieser Reise befand, wurde er zum Bürgermeister von Bordeaux gewählt. Er nahm dieses ehrenvolle Amt dankend an und wurde sogar noch ein weiteres Mal gewählt. Danach zog er sich wieder in seinen Turm zurück, um weiter an den Essays zu arbeiten. Schon zu seiner Zeit wurden seine Werke sowohl in Frankreich als auch in England viel gelesen. Im Alter von 59 Jahren starb er auf seinem Schloss in Montaigne infolge eines Nierenstein-Leidens.

# Montesquieu
Charles-Louis de Secondat, Baron de La Brède et de Montesquieu (1689 – 1755) war französischer Staatstheoretiker der Aufklärung und prägte als solcher sowohl Vorformen der Soziologie als auch die Geschichtswissenschaft und die politische Philosophie. Seine Ideen zum Prinzip der Gewaltenteilung fanden Eingang in die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika (1787) und inzwischen in alle demokratischen Staaten. Den Konflikten seiner Zeit begegnete er mit Warnungen vor despotischen Entwicklungen. Er plädierte für moderate Staatsformen, weil nur diese die öffentliche Ordnung und zugleich individuelle Freiheiten garantieren würden. Individuelle Freiheiten seien aber dort zu begrenzen, wo die Grundlagen einer toleranten Gesellschaft gefährdet seien. Tolerant solle sich der Staat vor allem in privaten Belangen verhalten. Für die Sanktionierung religiöser Verfehlungen beispielsweise sei ein weltlicher Staat nicht zuständig.

# Friedrich Nietzsche
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900) äußerte sich einmal mit den Worten „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit“ rückblickend über sein Leben, und diesen Worten sollte er alle Ehre gemacht haben. Bereits mit vierzehn Jahren verfasste er seine erste Autobiographie (acht weitere autobiographische Versuche sollten in den nächsten zehn Jahren folgen), mit zwanzig begann er das Studium der Theologie und Klassischen Philologie in Bonn. Ein Jahr später verabschiedete er sich von der Theologie und widmete sich mit einem Wechsel nach Leipzig gänzlich der Philologie. Trotz fehlender Promotion und Habilitation erhielt er 1869 den Ruf an die Universität Basel, an der er zehn Jahre lang tätig sein würde, bis er aus gesundheitlichen Gründen bereits mit 35 Jahren in den Ruhestand gehen musste. Zeitlebens litt er an starker Migräne und verbrachte daher so viel Zeit wie möglich im Süden, vor allem in Italien, da ihm das Klima dort sehr gut bekam. So erlebte er als ständiger Wanderer noch zehn sehr produktive Jahre bis er 1889 in Turin einen geistigen Zusammenbruch erlitt und bis zu seinem Tod 1900 mehr oder weniger in geistiger Umnachtung in Irrenanstalten und der Obhut seiner Mutter und Schwester verweilte. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Also sprach Zarathustra, Jenseits von Gut und Böse und Zur Genealogie der Moral.

# Platon
Platon (427 – 347 v. Chr.) war ein Schüler von Sokrates. In zahlreichen seiner Werke beschäftigt Platon sich mit der Philosophie seines Lehrers und der von diesem entwickelten Methode des sokratischen Dialogs (Mäeutik). Da Sokrates selbst keine Schriften hinterlassen hat, sind wir hinsichtlich der Kenntnisse über den Vater der klassischen antiken Philosophie und sein Denken auf Überlieferungen angewiesen, vor allem auf die Werke Platons und Xenophons. Sokrates Hinrichtung hat Platon tief erschüttert, wovon u.a. die Apologie des Sokrates zeugt.

Platon gilt als einer der einflussreichsten Denker des Abendlandes, der für die folgenden zentralen Bereiche der Philosophie grundlegende Positionen formuliert hat, mit der sich auch zeitgenössische Philosophen noch auseinandersetzen: Metaphysik (Platons Ideenlehre), Ethik (Lehre vom glücklichen Leben/Eudaimonia), Anthropologie, Staatstheorie (Politeia), Kosmologie, Kunsttheorie und Sprachphilosophie. Bekannt ist Platon vor allem für seine Ideenlehre und das Höhlengleichnis. Seine Auffassung von Ethik beschreibt Platon mit Hilfe der Ideenlehre. Mit dem Begriff „Idee“, den Platon bei seiner Interpretation verwendet, bezieht er sich auf Ideen im Jenseits, die dauerhaft bestehen sollen. Die höchste Idee, die ein Mensch besitzen kann, ist die Idee des Guten. Jeder Mensch hat nach Platon eine unsterbliche Seele, die an der Idee des Guten teilhaben soll. Je mehr sie dieser Idee zustrebt, desto ethischer handelt sie. Es wird eine Form von einer moralischen Instanz gegründet, die darüber entscheidet, ob eine Handlung gut oder moralisch verwerflich ist. Die Seele und der Körper gelten bei Platon als zwei unabhängige Bereiche und der Körper hindert die Seele bei ihrem Aufstieg zum höchsten Gut und gilt deshalb als Hindernis zur Zielerreichung.

# Wilhelm Schmid
Wilhelm Schmid (* 1953) ist als freier Philosoph tätig. Er studierte Philosophie und Geschichte und ist seinem Dissertationsthema Auf der Suche nach einer neuen Lebenskunst seitdem treu geblieben. In zahlreichen Publikationen hat er sich mit der Frage nach einem guten, gelingenden Leben unter den verschiedensten Aspekten auseinandergesetzt. Zu nennen seien hier nur ein paar seiner Werke: Unglücklich sein – Eine Ermutigung (2012), Gelassenheit – Was wir gewinnen, wenn wir älter werden (2014) und Ökologische Lebenskunst (2008). Zusätzlich arbeitet er als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt und war zehn Jahre lang als „philosophischer Seelsorger“ im Spital Affoltern tätig.

# Arthur Schopenhauer
Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) war ein Philosoph, der viele Jahre auf sein Publikum warten musste. Erst 1852 verhalf ihm ein Zeitungsartikel aus England zu einer breiten Leserschaft. Einfluss gewann er vor allem bei Künstlern wie Richard Wagner, Leo Tolstoi, Thomas Mann und Samuel Beckett. Seine Publikationen (Über den Willen in der Natur, Über die Grundlage der Moral, Parerga und Paralipomena u. a.) verstand er als Zusätze und Vertiefungen zu seinem erstmals 1819 veröffentlichten Hauptwerk, Die Welt als Wille und Vorstellung. Sich selbst sah er als Schüler und Vollender Kants. Dieser habe übersehen, dass die Welt, die wir erkennen können, noch eine zweite Seite hat, die die meisten Menschen (Philosophen eingeschlossen) nicht sehen wollen, doch die jeder finden könne, wenn er sich nach innen wendet: Diese Seite zeige sich als das Werk einer blinden Kraft, die unerbittlich zum Leben drängt und in einem ewigen Kreislauf aus Leid und Kampf die Gestalten der Natur qualvoll aus sich hervortreibt. Jeder Mensch lerne diese Kraft in seinem eigenen Willen kennen: Unersättlich streben wir nach mehr, sind nie zufrieden, verursachen Leid, um uns zu behaupten, und leiden, weil andere sich behaupten. Der Einsichtige erkennt, wie Schopenhauer in Übereinstimmung mit der buddhistischen Lehre behauptet: Der Ursprung alles Leids ist in uns. Erlösung ist nur möglich, wenn wir unseren eigenen Willen verneinen und gänzlich aufhören zu wollen. Das Mitleid sei eine erste Stufe auf diesem Weg. Es entstehe, wenn wir uns selbst im leidvollen Zustand des anderen wiederfinden, und sei Ursprung aller guten Handlungen. Die Kunst hingegen gebe uns einen Vorgeschmack auf die endgültige Erlösung, indem sie uns wenigstens für kurze Zeit über alles Leid erhebe und vergessen lasse, was wir eigentlich sind. Ohne Wiederkehr in das „Nichts“ eintreten können nur die Heiligen, die den Weg der Askese bis zum Ende zu gehen bereit sind.

# Martin Seel
Martin Seel (* 1954) hat seit 2004 die Professur für Theoretische Philosophie am Institut für Philosophie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne. Er ist Gründungsmitglied des Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen („Normative Orders“) der Goethe-Universität und forscht in diesem Rahmen zu den Themen Quellen moralischer Normativität, Rechtfertigungsnarrative: das Beispiel des gegenwärtigen Kinos und Gewalt und Gesetz im Kino. In seinem Buch Versuch über die Form des Glücks (1999) untersucht er, wie sich ein gutes Leben zu einem moralisch guten Leben verhält und kommt zu dem Schluss, dass die Begriffe des individuellen Guten und des moralisch Richtigen als voneinander abhängig verstanden werden müssen.

# Tertullian
Quintus Septimius Florens Tertullianus (* nach 150 in Karthago; † nach 220) ist ein frühchristlicher Schriftsteller und Kirchenvater. Er ist vor allem für seine zahlreichen Übersetzungen biblischer Texte vom Griechischen ins Lateinische bekannt. Er hat damit der Theologie in die Latinität verholfen und war der erste Kirchenvater, der auf Lateinisch geschrieben hat. In seiner Abhandlung Über die Auferstehung des Fleisches interpretiert er die Strafe des Höllenfeuers als ewig andauernd und somit „nie endendes Töten“ und wendet sich damit gegen die zu seiner Zeit ebenfalls gängige Theorie der Allerlösung. Seine radikalen ethischen Standpunkte und sein Einsatz für eine strenge Kirchendisziplin stehen für sein negatives Menschenbild, in dem er den Menschen als ewigen Sünder bezeichnet und somit die Erbsünde einführt.

# Marcus Willaschek
Marcus Willaschek, der für die wissenschaftliche Betreuung des aktuellen Funkkollegs Philosophie verantwortlich ist, hat seit 2003 eine Professur für Philosophie der Neuzeit am Institut für Philosophie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne. Seit 2007 ist er außerdem Mitglied des Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen („Normative Orders“) an der Goethe-Universität. Seine philosophischen Arbeitsschwerpunkte sind Kant, Erkenntnistheorie, Willensfreiheit und Verantwortung und Normativität. Aktuelle Buchveröffenlichungen sind Der mentale Zugang zur Welt und als Herausgeber Die Gegenwart des Pragmatismus. Zurzeit erarbeitet er außerdem gemeinsam mit anderen angesehenen Wissenschaftlern ein dreibändiges Kant-Lexikon, das über 2400 Einträge umfassen wird.

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4. Didaktik

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Das einzige moralische Übel besteht darin, kein letztes Ziel zu haben.
Charles Sanders Peirce

4.1 Curriculare Bezüge

  • Kerncurriculum: Hauptsächlich greift das Inhaltsfeld „Gewissen und Verantwortung“ der unterschiedlichen Jahrgangsstufen das Thema der Moral auf. Es lässt sich jedoch mit anderen Inhaltsfeldern in Verbindung bringen. Primar- und Sekundarstufe; Oberstufe

  • Lehrplan: 6G.1 Gewissen und Identität I, 7G.2 Würde des Menschen II, 7G.3 Gewissen und Identität II, 9G.1 Gewissen und Identität III, 9G.4 Menschenbilder II, E1 Glück: Eudaimonistische Begründungen verantwortlichen Handelns, Q1 Menschenbilder in Philosophie und Wissenschaft, Q2 Vernunft und Gewissen, Gymnasium G8 und G9

4.2 Lern-Ressourcen

Reader (78 Seiten)
Wie wird Moral begründet? (Klaus Goergen)
Diese Handreichung zur Moralbegründung wurde vom Fachverband Ethik zum Lehrplan Ethik für die Oberstufe ausgearbeitet. Sie enthält viele unterschiedliche Materialien wie die Geschichte der Moralbegründungen, Einstiege in die Thematik, Texte von Habermas, Bentham und anderen, Schaubilder, Arbeitsblätter und abwechslungsreiche Übungen und Fallbeispiele sowie Empfehlungen für sowohl wissenschaftliche als auch didaktische Literatur. Außerdem werden ebenso historische wie auch aktuelle Ansätze und Diskussionen zu einzelnen Moralbegründungen dargestellt.

 

Online-Magazin (PDF, 52 S.)
Gut oder böse, richtig oder falsch? – Das Moral-Heft (Fluter)
„Wenn Sie Jemand in einer unheilbaren Krankheit wissen: Machen Sie ihm dann Hoffnungen, die Sie selber als Trug erkennen?“ – dies ist eine von 48 Fragen, die der Schriftsteller Max Frisch in seinem „Fragebogen“ gestellt und unbeantwortet gelassen hat. Ein paar von ihnen werden in der 2005 erschienen 17. Ausgabe von Fluter gestellt, in der sich alles um das Thema Moral dreht. Es geht um Folter, Fremdgehen, embryonale Stammzellenforschung, Scheinehen, Bordellbesitzer und vieles mehr – auch eine kleine Geschichte der Moralphilosophie ist enthalten. Vier mal im Jahr erscheint eine neue Ausgabe von Fluter, dem Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung, das entweder als PDF-Datei heruntergeladen oder als Print-Ausgabe abonniert werden kann. Jedes Heft widmet sich einem Themenschwerpunkt und beleuchtet diesen unter möglichst vielen Aspekten. Ziel ist es, Jugendlichen politische, kulturelle und gesellschaftliche Inhalte zu vermitteln und ihr Demokratieverständnis zu fördern.

Arbeitsblattreihe (PDF, 12 S.)
Mein Klick! Meine Verantwortung? (bpb)
Das Klicken oder Liken von Videos oder Kommentaren auf Seiten wie YouTube oder Facebook ist inzwischen zur gängigsten Form der Meinungsäußerung von Jugendlichen geworden. Doch welche Auswirkungen hat ein Klick? Welche Verantwortung trage ich als Teil der klickenden Masse? Trage ich eine Mitschuld an möglichen (negativen) Folgen? Die Pilotausgabe der Arbeitsblattreihe „Hautnah“ der Bundeszentrale für politische Bildung stellt diese Fragen und möchte Jugendliche anregen, über ihr eigenes mediales Handeln nachzudenken und sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu werden. Das Unterrichtsmaterial besteht aus einem Einleitungstext für die Lehrkraft, aus Arbeitsblättern als Kopiervorlage sowie pädagogischen Hinweisen zu den jeweiligen Arbeitsblättern.

Unterrichts-Material
Menschenrechtsbildung (Amnesty International)
Die Amnesty-Koordinationsgruppe Menschenrechtsbildung stellt auf ihrer Seite ein umfangreiches Angebot an Lehrmaterialien, Unterrichtskonzepten, Informationsmaterialien, Arbeitsblättern sowie das Lehrerbuch Menschenrechte im Unterricht zum kostenlosen Download zur Verfügung. Das Angebot erstreckt sich von Materialien zu den Themen Menschenwürde, Kinderrechte, Todesstrafe, Sprachgewalt, Kindersoldaten über Begleitmaterial zu den Filmen Dead Man Walking und Hotel Ruanda bis hin zu Verweisen auf Unterrichtsmaterialien von anderen Bildungsorganisationen.

Zu moralischen Dilemmata im Unterricht
Die Diskussion moralischer Dilemmata im Unterricht ist eine beliebte Unterrichtsmethode vor allem im Ethik- und Religionsunterricht. Mithilfe ausgesuchter Beispiele soll die moralische Urteilsfähigkeit der Schüler entwickelt und gestärkt werden. Dafür werden sie mit moralischen Dilemmasituationen konfrontiert, die sie in Gruppen (in der Regel wird eine Pro- und eine Contra-Gruppe gebildet) diskutieren und bewältigen sollen. Für das Gelingen einer solchen Dilemma-Diskussions-Stunde sollte die Lehrkraft über ausreichende pädagogische und psychologische Grundkenntnisse verfügen und mit den grundlegenden moralphilosophischen Positionen vertraut sein. Eine kurze oder auch ausführliche Einführung in diese Unterrichtsmethode, allgemeine Informationen und geeignete Dilemmageschichten bieten folgende Angebote:

  • Unterrichtsmethode
    Moralische Dilemma-Diskussionen (Landesbildungsserver Baden-Württemberg)
    Für den Anfang: Eine sehr knappe und verständliche Vorstellung der Moralisches-Dilemma-Methode sowie deren Ziele, Voraussetzungen und Ablauf.

  • Sammlung
    Dilemmageschichten (Fern-Universität Hagen)
    Auf dieser Seite werden verschiedene Dilemmageschichten mit den passenden Pro- und Contra-Ansichten und deren Argumentation vorgestellt.

  • Materialsammlung
    Dilemma (rpi virtuell – Die überkonfessionelle Plattform für Religionspädagogik und Religionsunterricht)
    Auf dieser Plattform wurden aus verschiedenen Quellen Materialen zusammengetragen, die sich mit der Thematik Dilemma-Methode beschäftigen.

  • Selbst-Tests
    Dilemmageschichten, Wertetypen, Wertepriorität (Projekt: „Du bist wertvoll!“)
    Drei Tests, um das eigene Werte-Wissen zu überprüfen und anzuwenden. Ein Test zu Dilemmageschichten, einer zu Wertetypen und einer zur eigenen Wertepriorität. Die Seite des Projekts „Du bist wertvoll!“ versucht außerdem Fragen wie „Was sind Werte?“ oder „Gibt es universale Werte?“ zu beantwortet und betont die Relevanz einer person- und wertorientierten Jugendsozialarbeit.

  • Buch-Empfehlung
    Moral ist lehrbar (Georg Lind)
    In diesem Handbuch führt der Psychologe Georg Lind in Theorie und Praxis der moralischen und demokratischen Bildung ein. Ein Kapitel widmet er dabei der Konstanzer Methode der Dilemmadiskussion, indem er deren Ziele, didaktische Prinzipien und die Vorbereitung und Durchführung erläutert. Das Buch ist besonders für Lehrkräfte geeignet.

Online-Computerspiele
Serious Games (Portal für spielbasierte Wissensvermittlung)
Hinter dem Namen „Serious Games“ (digitales Lernspiel) verstecken sich Videospiele, die versuchen, Unterhaltung mit der Vermittlung von Informationen und dem Erwerb von Wissen und Können zu vereinen. Das unterhaltsame Spielerlebnis wird wie nebenbei von einem Lernprozess begleitet. Beispielsweise wird der Spieler in „Peacemaker“ in die Lage des israelischen Premierministers versetzt und muss folgenschwere Entscheidungen treffen, die darüber entscheiden, ob er am Ende des Spiels ein Kriegsverbrecher oder Friedensnobelpreisträger ist. Bei „Frontiers – You’ve Reached Fortress Europe“ dagegen kann der Spieler wählen, ob er lieber die Rolle der Flüchtlinge, die nach Europa einreisen möchten, oder die der Grenzpolizisten einnehmen möchte. Die verlinkte Internetseite gibt einen ausführlichen Überblick über Disziplinen, Anwendungsgebiete und Zielgruppen der „Serious Games“, denn diese richten sich nicht nur an Kinder und Jugendliche, sondern werden auch in der Erwachsenenbildung, der Bewegungstherapie, im Katastrophenschutz oder von Unternehmen zur Mitarbeiterschulung eingesetzt.

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