Zusatzmaterialien zur Folge 03

Wie tolerant müssen wir sein?

Interessierte Hörerinnen und Hörer finden auf dieser Seite weiterführende Informationen zum Sendungsthema als Zusatzmaterial. Philosophische Neulinge und Fortgeschrittene erwarten ganz unterschiedliche Angebote zum Stöbern, Überfliegen oder Weiterdenken. Zeitmarkierungen erleichtern die  Bezüge zur Sendung für Lehrkräfte; Seitenangaben verweisen Multiplikatoren auf die Manuskripte.

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Die Materialien wurden zum Zugriffszeitpunkt 17.11.2014 erstellt von:
Sebastian Boll, M. A.; Dr. des. Jakob Krebs; OStR i. H. Sabine Reh
Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Inhalt

1. Perspektiven
– 1.1 Toleranz und Menschenrechte
– 1.2 Zum philosophischen Hintergrund
2. Konzepte
– 2.1 Toleranz
– 2.2 Intoleranz
– 2.3 Kulturelle Toleranz
– 2.4 Religiöse Toleranz
2.5 Politische Toleranz
2.6 Repressive Toleranz
3. Personen
4. Didaktik

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1. Perspektiven

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Die Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialer Institutionen,
so wie die Wahrheit bei Gedankensystemen.
John Rawls

In der zweiten Folge des Funkkollegs berührte die Frage, wie wir leben wollen, die Rahmenbedingungen unserer Wirtschaftsweisen. Die dritte Folge zu Fragen der Toleranz schließt daran an und diskutiert unseren Umgang mit kulturellen, religiösen oder politischen Unterschieden. Verhandelt werden solche Fragen in der praktischen Philosophie, insbesondere in der Moral- und Sozialphilosophie, sowie in der politischen und der Rechtsphilosophie. Die Rubrik „Perspektiven“ bietet zunächst einige allgemeine Hinweise auf die Relevanz des Sendungsthemas und seine philosophischen Hintergründe. Spezifische Erläuterungen folgen dann in der Rubrik „Konzepte„.

1.1 Toleranz und Menschenrechte

Bezug Manuskript: S. 3, 22; Bezug Audio: 1:30, 25:00

Veranstaltungs-Hinweis (20.11.)
UNESCO Welttag der Philosophie 2014
Am 20. November 2014 ruft die UNESCO zum zehnten Mal den Welttag der Philosophie aus. Für die Beteiligung werben u. a. die Deutsche UNESCO-Kommission (DUK), die Deutsche Gesellschaft für Philosophie und der Deutsche Volkshochschul-Verband. Zentrales Anliegen des Feiertages ist die Hervorhebung von kritischem Denken und freier Meinungsäußerung. Nicht nur in Fragen der Toleranz ist die kritische Reflexion Voraussetzung für das friedliche und menschenwürdige Leben in Vielfalt, Gerechtigkeit und Wohlstand. Viele Diskussionsrunden, Tagungen oder Projekttage an Schulen beschäftigen sich aus diesem Anlass weltweit mit der Philosophie und grundlegenden Fragestellungen.

Online-Portal
ARD-Themenwoche „Anders als Du denkst“
Die aktuelle Themenwoche der ARD bietet eine Reihe von Beiträgen zum Thema: Toleranz – eine schwierige Tugend. Unter dem Motto „Anders als Du denkst“ geht es noch bis zum 21.11. um ganz alltägliche Aspekte der Toleranz, aber auch um die Diskussion ihrer Grenzen. Eine Programmauswahl zu Sendungen, Beiträgen und Interviews gibt es über obigen Link als Übersicht.

Online-Artikel (UNESCO)
Gesellschaftliches Zusammenleben braucht Toleranz
Am 16.11. wird der internationale Tag der Toleranz gefeiert, der 1995 zum fünfzigsten Geburtstag der UNESCO ins Leben gerufen wurde. Mit der Erklärung von Prinzipien der Toleranz bekräftigten die Mitgliedsstaaten vor fast zwanzig Jahren den Wert kultureller Vielfalt, unterschiedlicher Ausdrucksformen und verschiedener Arten des Mensch-Seins. „Praktizierte Toleranz bedeutet weder das Tolerieren sozialen Unrechts noch die Aufgabe oder Schwächung der eigenen Überzeugungen“, heißt es in der Erklärung. „Sie bedeutet für jeden einzelnen Freiheit der Wahl seiner Überzeugungen, aber gleichzeitig auch Anerkennung der gleichen Wahlfreiheit für die anderen.“ Daran erinnert die UNESCO mit dem International Day for Tolerance.

Online-Text (Amnesty International)
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948
Schon im Artikel 26 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 erfährt die Toleranz eine prominente Betonung. Toleranz gilt den Verfassern als ein herausragendes Bildungsziel von Unterricht und Erziehung. Bildung solle einerseits auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit, andererseits aber auf die Achtung vor allgemeinen Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Als Ideal wird eine Welt genannt, in der geeignete nationale und internationale (Bildungs-)Maßnahmen zu „Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen“.

Online-Dossier (bpb)
Menschenrechte
Bis heute, über 60 Jahre nach der Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, stellt deren Schutz und Durchsetzung eine große Herausforderung für die internationale Völkergemeinschaft dar. Ein weltweiter Mangel an Toleranz drückt sich gut sichtbar in Erhebungen zur Meinungs- und Pressefreiheit aus, wie die unten stehende Grafik veranschaulicht. Trotz öffentlicher Bekenntnisse werden Menschen weiterhin und überall in ihren elementaren Grundrechten verletzt. Das Dossier bietet einen Überblick über die historische Entwicklung und das aktuelle Verständnis der Menschenrechte. Einzelne Artikel erläutern allgemeine oder spezifische Problemlagen und Interessenskonflikte im weltweiten Kampf um die Menschenrechte, beispielsweise:

bpb Pressefreiheit weltweit

Pressefreiheit weltweit: Grün = frei; Gelb = eingeschränkt; Rot = unfrei

Online-Portal (BfDT)
Bündnis für Demokratie und Toleranz
Das Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) wurde am 23. Mai 2000 von den Bundesministerien des Innern und der Justiz gründetet. Am Jahrestag der Verkündigung des Grundgesetzes der Bundesrepublik sollte damit an die normative Ausrichtung unserer Verfassung erinnert werden. Die darin verbrieften Freiheitsrechte, Rechtsgrundsätze und Werte leiten das Bündnis in der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Partnern und in verschiedenen Feldern der praktischen Demokratie- und Toleranzförderung. Das Portal bietet einen Einblick in diese Aktivitäten, beispielsweise in eine Datenbank mit über 200 vorbildlichen Projekten oder in den Wettbewerb Aktiv für Demokratie und Toleranz 2014.

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1.2 Zum philosophischen Hintergrund

Bezug Manuskript: S. 6, 11; Bezug Audio: 5:00, 11:30

Online-Interview-Transkript (Brandt, Esser, Forst, Leist – Information Philosophie)
Kants Ethik in der Diskussion
Wie kann eine moderne Ethik Kants Denken weiterführen? Antworten auf diese und ähnlichen Fragen geben hier aktuell forschende PhilosophInnen. Sie diskutieren in der Moralphilosophie über jenen eigenständigen Bereich universal verpflichtender Normen, der sich bei Kant vorgezeichnet findet. Die mit der Idee allgemein verpflichtender Normen verknüpften Probleme berühren insbesondere unser Verständnis von Menschenrechten, Toleranz und Demokratie. Neben historischen Bezügen finden sich hier zentrale Perspektiven auf die moderne Ethik, die auf ein allgemeines und gemeinschaftliches Vokabular moralischer Bindungen zielt.

Online-Artikel (Georg Lohmann)
Demokratie und Menschenrechte
Es gilt als ein moralisch begründetes Recht, dass jedes Individuum an politischen Verständigungsprozessen teilhaben können sollte. Dementsprechend drückt etwa eine Einschränkung der Pressefreiheit eine moralisch unbegründete Intoleranz gegenüber Andersdenkenden aus. Der Philosoph Lohmann erläutert die Möglichkeit politischer Partizipation als moralische Legitimation demokratischer Systeme. Einerseits scheint die Demokratie geeignet, die Menschenrechte zu schützen. Zugleich aber gelten die Menschenrechte als Schutz vor staatlicher Willkür, beispielsweise im Hinblick auf Beteiligungsmöglichkeiten. Der Artikel diskutiert vor diesem Hintergrund, inwiefern sich der moralische Anspruch auf Mitsprache auch faktisch – und das hieße rechtlich – durchsetzen ließe.

Online-Rezension (Fraser & Honneth – Information Philosophie)
Umverteilung oder Anerkennung?
Betrifft die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit eher die Frage nach sozialer Umverteilung oder den Mangel an sozialer Anerkennung? Eine Umverteilung zielt auf die gerechte Verteilung von materiellen und immateriellen Gütern, während die Idee der Anerkennung eher Toleranz und Ebenbürtigkeit ohne kulturelle Leitidee betont. Laut Fraser ist diese Gegenüberstellung irreführend, da Gerechtigkeit heute sowohl Umverteilung als auch Anerkennung bedeuten müsse. Sie plädiert deshalb für eine zweidimensionale Konzeption von Gerechtigkeit, die soziale Gleichheit und Anerkennung von Unterschieden in Einklang zu bringen vermag. Die kompakte Rezension bespricht das Buch Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse von Nancy Fraser und Axel Honneth aus dem Jahre 2003.

Online-Interview (45:16)
Am Tisch mit Rainer Forst (hr Doppelkopf)
In der Tradition von Habermas und Honneth beschäftigt sich der Philosoph Forst mit Fragen der Toleranz und der Gerechtigkeit. Als Sprecher des Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen repräsentiert er eine inter-disziplinäre Gruppe von Forscherinnen und Forschern, die gesellschaftliche Wertsysteme untersuchen. In diesem Interview erläutert Forst seine Perspektive auf die Idee der Gerechtigkeit. Eine Bedingung von Gerechtigkeit sei es, dass niemand ohne Grund staatliche Beschränkungen erdulden dürfe. Diese Idee veröffentlichte er 2007 mit seinem Buch Das Recht auf Rechtfertigung.

Online-Essay (Kurt Flasch – Information Philosophie)
Religion und Philosophie in Deutschland, heute
Religiöse Weltanschauungen gelten einerseits als eine Quelle allgemeiner – oder sogar absoluter – Gerechtigkeit und Gesellschaftswerte, andererseits aber als Quelle von Konflikt und Intoleranz. Auch aktuelle religionsphilosophische Analysen durchziehen tiefe Gräben zwischen konservativer, postmoderner oder post-metaphysischer Auslegung. Der Philosophiehistoriker Flasch argumentiert gegen diese verwirrenden und „subjektiv zurechtgeschnittenen Epochenschemata“. An ihre Stelle setzt er eine Bestimmung des Subjekts, das einerseits als Teil der Objektwelt erscheint, andererseits als Denkendes aber der Welt gegenübersteht. Inwiefern kann ein solches Wesen überhaupt Wissen über ein übergeordnetes Absolutes beanspruchen oder bestreiten?

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2. Konzepte

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Die Rubrik „Konzepte“ greift zentrale philosophische Begriffe der Sendung auf und verweist mit Hilfe von kurzen Erläuterungen und Kommentaren auf vertiefende Ressourcen, wie Internet-Portale, Online-Videos oder Buch-Besprechungen. Auch hier kann nach eigenem Ermessen und Vorwissen übersprungen oder tiefer eingetaucht werden.

2.1 Toleranz

Bezug Manuskript: S. 3, 15; Bezug Audio: 1:00, 16:00

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein;
sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.

Johann Wolfgang von Goethe

Begriffsbestimmung (Internet Encyclopedia of Philosophy)
Toleranz
Wesentlich für Toleranz ist eine besondere Form der Selbstkontrolle. Wenn wir eine Aktivität tolerieren, widerstehen wir unserem starken Wunsch, Tätigkeiten, die wir als unangenehm empfinden, zu unterbinden. Auf abstrakterer Ebene kann Tolerierung als eine politische Haltung und Praxis der Neutralität, Objektivität und Fairness verstanden werden. Diese Vorstellungen stimmen in der Tendenz überein, die Macht politischer Instanzen einzudämmen, welche die Lebenstätigkeiten von Individuen bzw. Bürgern nachdrücklich hemmen könnten. Mit der Idee der Tolerierung ist die Tugend der Toleranz verbunden, die definiert werden könnte als eine Geneigtheit zu einer Duldung bis zu einem gewissen Grad. Tolerierung gründet üblicherweise auf der Annahme, dass die Autonomie für die Entfaltung von Individuen unverzichtbar ist. Der oben verlinkte englische Enzyklopädie-Eintrag bietet neben einer konzeptuellen Analyse einen guten geschichtlichen Überblick zu den Entwicklungen epistemologischer, moralischer und politischer Toleranz.

Online-Artikel (philopedia)
Geschichte der Toleranzbegriffe
Die historische Entwicklung von den vormodernen bis zu den modernen Begriffen der Toleranz fasst dieser studentische Artikel kompakt zusammen. Skizziert wird eine Geschichte ausgehend von religiösen Wortverwendungen über die Umwälzungen der französischen Revolution bis hin zu den aktuellen Begriffsbestimmungen. Aufschlussreich ist die Geschichte unterschiedlicher Toleranzbegriffe, insofern sich die aktuelle Diskussion so immer wieder mit historischen Auffassungen von Toleranz vergleichen lässt.

Online-Artikel (UNESCO)
Prinzipien der Toleranz
Diese Erklärung wurde von den Mitgliedstaaten der UNESCO auf ihrer 28. Generalkonferenz (Paris, 25. Oktober bis 16. November 1995) verabschiedet. Zu folgenden Aspekten der Toleranz wurden verbindliche Vereinbarungen getroffen:

  1. Zur Bedeutung von ‚Toleranz‘
  2. Zu Toleranz und Staat
  3. Zur sozialen Dimension der Toleranz
  4. Zur Toleranz in Bildung und Erziehung
  5. Zur Toleranz und der Verpflichtung zum Handeln
  6. Internationaler Tag für Toleranz

Als internationaler Tag für Toleranz wurde der 16. November festgelegt. An diesem Tag sollen die Bedeutung der Toleranz für das menschliche Zusammenleben sowie die Gefahren der Intoleranz in Erinnerung gerufen werden.

Online-Audio-Podcast (Rainer Forst – 61:48)
Zum Begriff der Toleranz – gestern und heute
Mit diesem kurzweiligen Vortrag bei der Polytechnischen Gesellschaft gibt Forst einen Überblick über seine Überlegungen zur Toleranz. Anhand aktueller Beispiele zeigt er ganz unterschiedliche Interpretationen von Toleranz auf. Ausführlich werden die drei begrifflichen Kernkomponenten der Ablehnung, der Akzeptanz und der Zurückweisung vorgestellt. Forst ist Interviewpartner dieser Folge des Funkkollegs und Sprecher des Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen. Fragen der Toleranz sind Gegenstand seines Buches Toleranz im Konflikt. Geschichte, Gehalt und Gegenwart eines umstrittenen Begriffs.

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2.2 Intoleranz

Bezug Manuskript: S. 13, 17; Bezug Audio: 13:20, 19:40

Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten,
die Intoleranz nicht zu tolerieren.
Karl Popper

Online-Artikel (Rainer Forst – Normative Orders)
Was tun? Toleranz ist nicht beliebig
Im Rekurs auf aktuelle Beispiele erläutert Forst, wie schwierig es sein kann, begründet zu entscheiden, ob Toleranz wünschenswert und förderlich oder aber mit Gefahren verbunden ist. Häufig ist dies eine Frage der Perspektive, wie etwa im Zusammenhang mit der Diskussion darum, ob rituelle Beschneidungen unter bestimmten Voraussetzungen zulässig sein sollten oder grundsätzlich verboten werden müssten. Forst erklärt, dass drei Aspekte wesentlich für die Toleranz seien:

  1. Ein Verhalten wird geduldet, gegen das man einen Widerstand empfindet.
  2. Für die Duldung müssen gewichtige Gründe sprechen.
  3. Negative Gründe markieren die Grenze der Duldung.

In diesem Zusammenhang gehe es somit immer darum, ein Gleichgewicht zwischen negativen und positiven Aspekte auszuloten. Um seinen Standpunkt deutlich zu machen, erläutert Forst verschiedene Toleranzkonzepte, um schließlich der Respekt-Konzeption seine weitgehende Zustimmung auszusprechen. In deren Sinne betont Forst, dass Bürger, die in einem Normsystem miteinander leben, auch überzeugende Gründe für diese Normen miteinander teilen müssen.

Artikel (Niko Strobach – PDF, 34 S.)
Wo hört die Toleranz auf? )
Dieser längere akademische Essay erläutert eine ganze Reihe von Herausforderungen hinsichtlich einer nur scheinbar einfachen Frage. Als kompakte Antwort soll Folgendes plausibel gemacht werden:

  1. Die Toleranz hört genau da auf, wo Intoleranz von meiner Seite verantwortbar ist.
  2. Intoleranz ist von meiner Seite genau dann verantwortbar, wenn sie, falls ich mich nicht irre, gerechtfertigt ist, und sie, falls ich mich irre, entschuldbar ist.
  3. Intoleranz ist entschuldbar, wenn ich, falls ich mich irre, zumindest auf epistemischen Berechtigungsirrtum plädieren könnte.

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2.3 Kulturelle Toleranz

Bezug Manuskript: S. 12, 16; Bezug Audio: 12:20, 16:50

Um tolerant zu sein, muß man die Grenzen dessen,
was nicht tolerierbar ist, festlegen.
Umberto Eco

Online-Artikel (Simone Dietz – Information Philosophie)
Kampf der Kulturen?
Die These vom „Kampf der Kulturen“ besagt, dass globale Konflikte weniger auf politischen Ideologien, als vielmehr auf kulturellen Unterschieden beruhen. Dementsprechend lässt sich die „Moderne“ auch nicht als ein kultureller Fortschritt im Sinne universeller „westlicher“ Werte verstehen, da letztere weiterhin mit alternativen Wertordnungen konkurrieren. Die Philosophin Dietz gibt zu bedenken, dass Kulturen und Wertordnungen selbst viel weniger homogen und robust seien, als die These impliziert. Konflikte eskalieren aber dort, wo der Andersartigkeit einer Kultur nicht mit Offenheit begegnet wird. Übergreifende Normen dürfen deshalb nicht als allgemein gültige Leitkultur auftreten, sondern nur als Regeln, die einen Rahmen für unterschiedliche Lebensformen bilden können.

Online-Artikel (ZEITonline)
Homophob? Muss nicht sein.
Homophobie gilt als Ausdruck von Intoleranz, insofern durch sie gleichgeschlechtliche Intimbeziehungen als gefährlich eingestuft und diskriminiert werden. Der Artikel diskutiert drei Quellen dieser Intoleranz. Sie erwachse aus religiösem Fundamentalismus oder einem dogmatischen Rollenverständnis, sowie offenkundig aus schlichter Unkenntnis. Kommentiert werden einerseits aktuelle Forschungsergebnisse, andererseits aber soziale Projekte, in denen Jugendliche über  gleichgeschlechtliche Verhältnisse aufgeklärt werden.

Online-Artikel (Matthias Kaufmann – Information Philosophie)
Toleranz, Integration und Gruppenrechte
Dieser akademische Artikel befasst sich mit unterschiedlichen Konzeptionen von Toleranz, wie sie auch bei Forst diskutiert werden. Einerseits lässt sich von einer Erlaubnis-Auffassung sprechen, wenn etwa eine dominante Mehrheit eine ungefährliche Minderheit duldet. Andererseits herrscht eine Koexistenz-Form der Toleranz, wo mehr oder minder gleich starke Gruppierungen sich wechselseitig hinnehmen. Solche Formen der Toleranz bezieht der Artikel auf unterschiedliche Reaktionen französischer und deutscher Bürger auf Migranten in Frankreich und Deutschland.

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2.4 Religiöse Toleranz

Bezug Manuskript: S. 5, 15; Bezug Audio: 4:00, 16:00

Das Seelenheil ist das ausschließliche Geschäft der Kirche.
John Locke

Online-Artikel (ZEITonline)
Verbrennt nicht, was Ihr nicht kennt
Vor über 500 Jahren entbrannte ein Streit unter christlichen Intellektuellen über die Behandlung jüdischer Minderheiten. Der humanistische Gelehrte Johannes Reuchlin verfasste damals in Tübingen eine Schrift mit dem Titel: Ratschlag, ob man den Iuden alle ire Bücher nemmen, abthun und verbrennen soll. Noch vor dem Beginn der Reformation wurde darin für religiöse Toleranz und die Begrenzung von Übergriffen argumentiert. Als Christ der Aufklärung hoffte Reuchlin allerdings, Andersgläubige letztlich durch vernünftige Diskussionen zum wahren Glauben bekehren zu können.

Online-Transkript (Wolfgang Thierse – ZEITonline)
Neujahrsrede: Was ist Toleranz?
Braucht Demokratie wirklich Religion, kommt Freiheit nicht ohne Religion aus? Und wie steht es um die religiöse Toleranz in einer pluralistischen Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts? Das sind die Leitfragen der Neujahrsrede von Thierse, dessen politische Laufbahn mit einer wissenschaftlichen Assistenz im Bereich der Kulturtheorie und der Ästhetik der Berliner Universität begann. Toleranz sieht er als eine Notwendigkeit, die sich spätestens in einer freien und pluralistischen Gesellschaft einstellt. Auch wenn Religions- und Meinungsfreiheit von der Verfassung garantiert seien, bleibe die Toleranz eine anstrengende Tugend, um die man sich sorgen müsse.

Online-Video (Karl Gabriel – 90:00)
Der lange Abschied von der Säkularisierungsthese
Dieser Universitäts-Vortrag diskutiert den Ursprung der Säkularisierungsthese und ihre lang andauernde Verblassung. Habermas bezeichnete unsere Gesellschaft als „postsäkular“, insofern Religion auch Bestandteil einer aufklärerischen Gesellschaft bleiben kann. Dieses neue gesellschaftliche Selbstverständis beforscht Gabriel als Senior Professor am Exzellenzcluster Religion und Politik der Universität Münster. Er diskutiert dabei die Frage, was nach der Säkularisierung kommt, und er stellt die Idee einer „multiplen Moderne“ als Deutungsrahmen für die Erstarkung religiöser Motive vor. Neben dieser Vorlesung finden sich weitere Mitschnitte der Ringvorlesung „Postsäkularismus“ auf der Seite des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität.

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2.5 Politische Toleranz

Bezug Manuskript: S. 9, 12; Bezug Audio: 8:30, 12:00

Toleranz heisst also nicht Gleichgültigkeit gegen das Handeln und Fühlen des oder der anderen;
es muss auch Verständnis und Einfühlung dabei sein.

Albert Einstein

Online-Interview-Transkript (Becker, Bielefeldt, Leggewie – Information Philosophie)
Welche Integration darf der Staat verlangen?
Hat der Staat gegenüber verschiedenen Wertvorstellungen neutral zu sein oder soll er die Integration politisch in den Vordergrund stellen? Wie weit darf er dabei gehen? Antworten auf diese und weitere Fragen geben hier drei Experten der politischen Philosophie. Einige zentrale Debatten um die Integration, die Neutralität des Staates, sowie die Wahl von Sanktionen lassen sich hier kurz und knapp nachvollziehen.

Online-Rezension (Heinz Kleger – Information Philosophie)
Politik der Toleranz – Integration von Differenz
Diese Rezension kommentiert ein Plädoyer für die Integration von Differenz durch eine strategische Politik der Toleranz. Kleger weist zwei unfruchtbare Strategien zurück und fragt, was Integration eigentlich bedeute. Integration könne kein einseitiger Prozess sein, sondern entstehe aus der Interaktion von Gruppen. Seine negative Bestimmung im Anschluss an Hannah Arendt lautet schließlich, Integration sei das Gegenteil von der Verlassenheit von großen Gruppen oder großen Regionen.

Essay (Institut für Menschenrechte – PDF, 26 S.)
Neue Strategien für die Menschenrechtspolitik
Mit diesem Essay sollen Parlament, Bundesregierung und die Zivilgesellschaft über die Prioritäten einer zukünftiger Menschenrechtspolitik informiert werden. Der Fokus liegt dabei auf Kooperationen mit Staaten im Nahen Osten und in Nordafrika (MENA-Regionen), wie sie das Deutsche Institut für Menschenrechte seit zehn Jahren unterstützt. Es geht dabei um konkrete Vorschläge für die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik.

Artikel (Jürgen Gerdes – PDF, 37 S.)
Toleranz, Neutralität und Anerkennung
Dieser akademische Artikel rekonstruiert zentrale normative Aspekte liberaldemokratischer Nationalstaaten. Deren Normen konzeptionalisiert und problematisiert die politische Philosophie. Betont wird von Gerdes, dass normalerweise Rechte mit Pflichten, sowie Erwartungen mit Leistungen korrespondieren. Vorrangig geht es ihm um die Pflichten und Leistungen jener sozialen Akteure, von denen die Rechte und die moralischen Ansprüche anderer abhängen. Diskutiert werden neben klassischen Begriffen der Toleranz und der Neutralität auch neuere Konzepte, wie das der Anerkennung. Der obige Link führt auf das Portal für Sozialwissenschaften, der Text findet sich oben rechts unter „Volltext“.

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2.6 Repressive Toleranz

Bezug Manuskript: S. 19; Bezug Audio: 21:30

Die Bedingungen, unter denen Toleranz wieder eine befreiende und humanisierende Kraft werden kann, sind erst herzustellen.
Herbert Marcuse

Online-Artikel (ZEIT Archiv)
Ist Toleranz noch sinnvoll?
Dieser ZEIT-Artikel aus dem Jahre 1974 diagnostizierte eine zunehmende Intoleranz, die man als eine Reaktion auf gelockerte Umgangsformen im Geiste liberaler Toleranz deutete. Diskutiert wird damals wie heute, wie sich eine tolerante Gesellschaft angesichts faktischer Differenz und rechtswidriger Kritik verhalten kann. Der Autor thematisiert diese Abwägung in Bezug auf die Idee der “repressiven Toleranz”, die Herbert Marcuse zehn Jahre zuvor vorgestellt hatte. Absurd scheint diese Wortschöpfung, insofern das Toleranz-Prinzip Unterdrückung gerade zu verhindern sucht. Marcuse hatte kritisiert, dass nicht alle politischen Maßnahmen einer toleranten Gesellschaft toleriert werden dürften, vor allem dann nicht, wenn sie gesellschaftliche Korrekturen unter dem Vorwand der Toleranz behinderten.

Blog-Artikel (TheorieBlog)
Herbert Marcuses „Repressive Toleranz“
In diesem Blog-Artikel kommentiert der Doktorand Stefan Wallaschek gegenläufige Aspekte von Toleranz, wie sie in Marcuses Idee der repressiven Toleranz aufscheinen. Toleranz müsse letztlich ambivalent aufgefasst werden: Sie pendle theoretisch zwischen Verschleierung und Wahrheit, während sie sich praktisch zwischen Duldung und Emanzipation bewege. In welchem Verhältnis diese vier Ausprägungen jeweils stehen, müsse durch gesellschaftstheoretische Analysen herausgefunden werden. Mit differenzierenden Analysen könne dann auch eine konstruktive Form der Gesellschaftskritik geübt werden – ohne resignieren zu müssen.

Artikel (Andreas Fisahn – PDF, 21. S.)
Repressive Toleranz und der „Pluralismus“ der Oligarchien
Als ein Beispiel für repressive Toleranz nannte Marcuse die fragwürdige bürgerliche Toleranz gegenüber einem Verwaltungsapparat, der sich selbst in gewissen Hinsichten intolerant verhält. Ganz aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen untersucht dieser akademische Artikel im Hinblick auf Marcuses Verdacht einer repressiven Toleranz. Der Rechtswissenschaftler Fisahn durchleuchtet mit ähnlicher Skepsis aktuelle repressive Tendenzen und Überwachungsmaßnahmen. Gerade eine falsche Toleranz gegenüber ungleich verteilten Beschränkungen könne eine wachsende soziale Desintegration befördern. Der obige Link führt auf das Portal für Sozialwissenschaften, der Text steht oben rechts unter „Volltext“.

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3. Personen

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Informationen zu den Interviewpartnern der Sendung und einschlägigen Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte finden Sie in der folgenden Auflistung.

# Rüdiger Bubner
Rüdiger Bubner (1941 – 2004) lehrte von 1996 bis zu seinem Tod am philosophischen Seminar in Heidelberg. Er beschäftigte sich mit wesentlichen Fragen der praktischen und insbesondere der politischen Philosophie. Darüber hinaus war er ein ausgewiesener Spezialist für die antike Philosophie (Platon/Aristoteles) und den deutschen Idealismus. Eine kurze Würdigung mit Hinweisen auf weitere Arbeitsschwerpunkte und eine Auswahl der Schriften des Philosophen finden Sie auf der Homepage des Heidelberger Instituts. Ein Autorenporträt sowie Informationen zu wichtigen Büchern Bubners bietet die entsprechende Seite des Suhrkamp-Verlags.

# Rainer Forst
Rainer Forst, geboren 1964, gilt als ein Vertreter der dritten Generation der Frankfurter Schule. Er widmet sich Grundfragen der politischen Philosophie, vor allem unserem Verständnis von Gerechtigkeit, Demokratie und Toleranz. Forst ist Interviewpartner dieser Folge des Funkkollegs und Sprecher des Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen. Er ist dort außerdem Mitglied des Direktoriums sowie Leiter des Teilprojektes Macht, Herrschaft und Gewalt in Ordnungen der Rechtfertigung. Öffentliches Interesse erweckten seine Monographien Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse. Perspektiven einer kritischen Theorie der Politik und Das Recht auf Rechtfertigung. Elemente einer konstruktivistischen Theorie der Gerechtigkeit. 2012 erhielt Forst einen Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis.

# John Locke
John Locke (1632 – 1704) war ein vom Puritanismus beeinflusster englischer Philosoph und er gehört zu den wichtigsten Vertretern des Empirismus neben Berkley und Hume. Er gilt als Vordenker der Aufklärung und des Liberalismus. Neben Hobbes und Rousseau zählte Locke außerdem zu den entscheidenden Vertragstheoretikern seiner Zeit. Zentrale Schriften Lockes sind: Epistula de tolerantia (Ein Brief über Toleranz), An Essay Concerning Human Understanding (Versuch über den menschlichen Verstand), Essays on the Law of Nature (Abhandlungen über das Gesetz der Natur) und Two Treatises of Government (Zwei Abhandlungen über die Regierung). Lockes politische Philosophie bildet die theoretische Grundlage für die Verfassung der Vereinigten Staaten sowie deren Unabhängigkeitserklärung.

# Herbert Marcuse
Herbert Marcuse (1898 – 1979) zählt zu den bekanntesten Vertretern der Kritischen Theorie. Neben Erich Fromm und Max Horkheimer war Marcuse Mitbegründer des Frankfurter Instituts für Sozialfoschung. Marcuses Hauptwerke sind Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud (1955: Eros and Civilization. A Philosophical Inquiry into Freud) und Der eindimesionale Mensch (1964: One-Dimensional Man). In letzterem Buch analysiert und kritisiert der Philosoph die Verführung und Manipulation des Individuums durch die Welt des Konsums. Anlässlich des 50. Jubiläums dieses Buchs inszenierte der Marcuse-Kenner, Regisseur und Publizist Thomas Ebermann das schillernde und aufrührerische Bühnenprogramm Der eindimensionale Mensch wird 50 und wies damit auf die Aktualität der Thesen Marcuses hin. Dessen gesellschaftskritische Studien über Autorität und Familie (1936) sowie die Repressive Toleranz (1965) sind wichtige Schriften der Kritischen Theorie. Damit beeinflussten sie nachhaltig die Studentenbewegung. Eine digitale Aufbereitung von Marcuses Lebensweg bietet das Lebendige Museum Online.

# John Stuart Mill
John Stuart Mill (1806 – 1873) ist neben Jeremy Bentham der zweite wichtige Vertreter des englischen Utilitarismus. Doch Mill widmete sich nicht nur einer auf das Glück des einzelnen ausgerichteten Moralphilosophie. Er machte sich auch als Politiker und Ökonom einen Namen. Mill entwickelte einen starken Freiheitsbegriff, demzufolge die Freiheit des Individuums von staatlicher Seite nur eingeschränkt werden darf, wenn Schaden anderer Menschen verhütet werden muss. Auch für einen freien Markt setzte Mill sich ein, obwohl er bezüglich der Vorstellung von einem langfristigen Wirtschaftswachstum ein Skeptiker war. Er ging davon aus, dass der Markt nach einer Phase des Wohlstands stagnieren werde. Einerseits machte er dafür immer höhere Geburtenzahlen verantwortlich. Andererseits glaubte er, dass steigende Löhne der arbeitenden Bevölkerung die Profite der Unternehmer zu sehr schmälern würden. Mill setzte sich für die Herausbildung einer egalitären Gesellschaft ein, die ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen Mann und Frau einschließen sollte. Den Philosophen würdigte kürzlich ein ausführlicher Beitrag der FAZ.

# Montesquieu
Charles-Louis de Secondat, Baron de La Brède et de Montesquieu (1689 – 1755) war französischer Staatstheoretiker der Aufklärung und prägte als solcher sowohl Vorformen der Soziologie als auch die Geschichtswissenschaft und die politische Philosophie. Seine Ideen zum Prinzip der Gewaltenteilung fanden Eingang in die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika (1787) und inzwischen in alle demokratischen Staaten. Den Konflikten seiner Zeit begegnete er mit Warnungen vor despotischen Entwicklungen. Er plädierte für moderate Staatsformen, weil nur diese die öffentliche Ordnung und zugleich individuelle Freiheiten garantieren würden. Individuelle Freiheiten seien aber dort zu begrenzen, wo die Grundlagen einer toleranten Gesellschaft gefährdet seien. Tolerant solle sich der Staat vor allem in privaten Belangen verhalten. Für die Sanktionierung religiöser Verfehlungen beispielsweise sei ein weltlicher Staat nicht zuständig.

# Wendy Brown
Wendy Brown, geboren 1955, ist eine US-amerikanische Politikwissenschaftlerin, die in Berkeley an der University of California lehrt. Brown hat weit reichende Beiträge zur modernen politischen Theorie geleistet. Ihre Arbeiten schließen an die Positionen von Marx und Foucault an. Im Dezember 2008 führte Brown mit Rainer Forst in Berlin am ICI Kulturlabor eine Debatte zur Frage nach der Macht der Toleranz (The Power of Tolerance).

# Uwe Volkmann
Uwe Volkmann, geboren 1960, ist Inhaber des Lehrstuhls für Rechtsphilosophie und öffentliches Recht an der Uni Mainz. Seine Forschungsschwerpunkte sind neben der Staatslehre die Grundrechte, das Parteienrecht und Demokratietheorien. Er ist Interviewpartner des Funkkollegs und  Autor vieler Publikationen, besiepielsweise des Buches Darf der Staat seine Bürger erziehen?.

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4. Didaktik

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 Alter ist kein Argument, Jugend kein Freibrief für Intoleranz.
Carl Friedrich von Weizsäcker

 4.1 Curriculare Bezüge

  • Kerncurriculum: Die Inhaltsfelder „Freiheit und Würde“ sowie „Religionen Weltbilder und Kulturen“ der verschiedenen Jahrgangstufen greifen das Thema auf.
  • Lehrplan: 5 G. 2 Würde des Menschen I, 7 G. 2 Würde des Menschen II, 10 G. 2 – Religiöse Sinngebung des Lebens – Begründungen verantwortlichen Handelns in den Religionen.

Insofern Zusatzmaterial relevant für schulische Lerninhalte gemäß der Lehrpläne bzw. Kerncurricula ist, findet es sich zugeordnet und direkt verlinkt als:
Tabellarische Übersicht der Lehrplanbezüge

4.2 Lern-Ressourcen

Film-Tipp (Pepe Dankquart – 12:00)
Schwarzfahrer
Der Kurzfilm von Dankquart aus dem Jahr 1992 eignet sich für einen thematischen Einstieg oder die Veranschaulichung einzelner Aspekte. In der Kategorie Kurzfilm gewann er 1993 das Melbourne International Film Festival und 1994 einen Oscar. Der Schwarz-Weiß-Film greift das Thema der alltäglichen Diskriminierung auf. Er spielt in einer Straßenbahn, die durch Berlin unterwegs ist. Ein junger Afrodeutscher (Darsteller: Paul Outlaw) wird während der Fahrt von einer alten, bürgerlich anmutenden Dame (Darstellerin: Senta Moira) wegen seiner Hautfarbe beschimpft. Die weibliche Protagonistin macht aus Ihrem Fremdenhass keinen Hehl und gibt durch Blicke zu verstehen, dass sie von den anderen Fahrgästen diesbezüglich Zustimmung erwartet. Niemand ergreift für den jungen Mann, der zusehends niedergeschlagen wirkt, Partei. Am Ende nimmt der Film eine unerwartete und witzige Wendung, die hier nicht verraten werden soll.

Unterrichts-Material (ARD Aktion Schulstunde – Audio + Arbeitsblätter)
Toleranz
In der Woche vom 15. bis zum 21. November 2014 widmet sich die ARD dem Thema Toleranz und bietet im Rahmen der “Aktion Schulstunde” auch Unterrichtsmaterialien an. Das Angebot richtet sich besonders an Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule sowie der Klassen fünf und sechs aller weiterführenden Schulen. Das Konzept knüpft an vorausgegangene Themenwochen zu Leben mit dem Tod und Was ist Glück an und bietet Unterrichtsbausteine, die für Einzelstunden, aber auch für ganze Reihen zum Thema Toleranz genutzt werden können. Das Material kann im Rahmen verschiedener Schulfächer eingesetzt werden, wie etwa Sachkunde, Deutsch, Ethik, im Religionsunterricht etc. Es zielt darauf ab, junge Menschen auf vielfältige und anregende Weise für das Thema Toleranz zu sensibilisieren (Filme, Audio-Formate, Arbeitsblätter etc.). Es geht darum zu klären, was Toleranz auszeichnet, warum sie für das menschliche Zusammenleben wertvoll ist und wo u.U. ihre Grenzen liegen. Einzelne thematische Schwerpunkte sind:

Unterrichts-Matierialien (PDF, 46 S.)
Toleranz (bpb)
Diese Unterrichtskonzeption zum Thema Toleranz wurde vom Landesinstitut für Schulentwicklung Baden Württemberg für die Berufsfachschule ausgearbeitet. Enthalten sind vielfältige Materialien und Arbeitsblätter: Texte von Locke, Feuerbach, Höffe, Forst u.a., Bildmaterialien, Fallbeispiele, Texte zur politischen, religiösen, kulturellen Dimension des Themas sowie eine Literatur- und Materialliste mit weiterführenden Hinweisen. In der Unterrichtseinheit geht es zunächst um eine Reflexion des Begriffs der Toleranz sowie dessen historische Entwicklung. Dabei werden aktuelle und historische Konzepte der Toleranz diskutiert. Durch Alltagsbezüge wird zudem eine schülerorientierte Aufbereitung des Themas gewährleistet. Auch zu dem oben genannten Film „Schwarzfahrer“ gibt es Arbeitsvorschläge.

Unterrichts-Material (bpb)
Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit – Werteordnung und Wertevermittlung
In der von der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) herausgegebenen Reihe „Themen und Materialien“ ist ein Band zum Thema „Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit – Werteordnung und Wertevermittlung“ erschienen. Es werden zwölf Unterrichtsbausteine präsentiert, die für die schulische und außerschulische Bildung geeignet sind. Der Band ist jedoch nicht nur für den PoWi-Unterricht interessant, sondern auch für die Fächer Geschichte, Geographie, Religion und Philosophie/Ethik. Je nach Komplexität der einzelnen thematischen Schwerpunkte, sind die Unterrichtsbausteine auch für verschiedene Jahrgangsstufen einsetzbar. Der Aufbau der jeweiligen Unterrichtsbausteine ist einheitlich. Einführend finden Lehrende grundlegende Informationen. Anschließend wird eine Auswahl an Unterrichtsmaterialien präsentiert. Der Band fordert dazu auf, sich im Rahmen diverser Fächerkulturen mit unserer Werteordnung sowie deren Grundlagen zu beschäftigen und Schülerinnen und Schüler für das vielschichtige Thema zu sensibilisieren.

Buch-Empfehlung (Heiner Hastedt)
Grundwissen Philosophie – Toleranz
Eine umfassende aber kompakte Einführung in das Thema Toleranz bietet Hastedt mit diesem Band. Das Buch umfasst fünf Teile: Im ersten fragt der Autor „Was ist Toleranz?“ und rekonstruiert in knapper Form die historische Entwicklung und Veränderung des Begriffs. Der zweite Teil befasst sich mit historischen Auseinandersetzungen um Toleranz und Intoleranz. Im dritten Hauptteil des Buches werden verschiedene philosophische Konzepte der Toleranz vorgestellt. Teil vier lässt „Kritiker der Toleranz“ zu Wort kommen und Teil fünf stellt aktuelle Bezüge her. Es geht um die Bewährungsprobe, die das Konzept der „Toleranz in der multikulturellen, globalen Gesellschaft“ erfährt. Einen ersten eigenen Eindruck können Sie sich durch diese Rezension verschaffen oder indem Sie durch das Buch blättern.

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